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Wizard101: Review

Wizard101 ist das Zugpferd von Gameforge. Dennoch ist es unter den Online-Games in Deutschland eher ein Außenseiter. Dabei befindet sich dieses MMORPG bereits seit 2011 auf dem europäischen Markt, auf dem US-Markt sogar seit 2008.

Woran könnte das liegen? Vielleicht liegt es daran, dass es als Zielgruppe vornehmlich Kinder und Jugendliche anspricht. Es ist alles andere als düster und episch wie World of Warcraft, und ebenso wenig überrannt und komplex. Zauberer sehen niedlich aus, Zaubersprüche sind bunt und lustig.

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Fangen wir von vorne an.

In Wizard101 übernehmen wir die Rolle eines jungen Zauberlehrlings. Wie es sich für ein MMORPG gehört, steht uns dabei offen, für welches Geschlecht und welche Attribute wir uns entscheiden. So ist es möglich, eine der sieben Schulen auszuwählen, nach denen sich der Rest des Spiels grob ausrichtet: Feuer, Eis, Leben Tod, Sturm, Mythos und Balance sind die Hauptschulen mit jeweils eigenen Missionen und eigenen Zaubern.

Alles beginnt – glücklicherweise – mit einem Tutorial. Dabei werden die zunächst wichtigsten Gundlagen von Steuerung, Menüführung und Kampfmechanik erklärt, während im Hintergrund das Spiel lädt.

Nach einer Weile befinden wir uns im richtigen Spielgeschehen und werden förmlich erschlagen von den grellbunten Farben, den wuseligen Anzeigen und den unzähligen Mitspielern, die sich im Arbeitszimmer von Merle Ambrose tummeln. Der alte Mann mit dem typischen Rauschebart und einem wie festbetonierten Monokel wirkt wie das Gegenstück zu Albus Dumbledore: Er ist vertrauensvoll, seine Stimme beruhigt, er nimmt uns unter seine Fittiche, als wäre es das letzte große Abenteuer, das er noch bestreiten müsste.

Das Bunt aus Wizard101 hingegen irritiert stark, ist man doch von gängigen Spielen eher Düsternis, Melancholie und Farbfaulheit gewöhnt (okay, lassen wir die ganzen Wii-Spiele mal außen vor). Immerhin ist es möglich, die Flut von Anzeigen (jede in einer anderen Farbe) abzustellen und auf das Nötigste zu beschränken.

Im Büro des Schulleiters Merle Ambrose
Im Büro des Schulleiters Merle Ambrose

Wir sollten jedoch im Hinterkopf behalten, an wen sich dieses Spiel richtet. Und da machen Kingsisle, die das Spiel entwickelt haben, einen guten Job. Es ist sehr einsteigerfreundlich, die Charaktere sind liebevoll gestaltet, die Kämpfe einfach und das Setting sympathisch. Hier würde ich glatt mein eigenes Kind zur Schule schicken.

Nun geht es zu den ersten Quests, in denen wir weitere Details zur Spielmechanik erlernen. Übrigens: Wir lernen in diesem Spiel fast bis zum Ende, denn es gibt Fertigkeiten, die man erst in einem höheren Level anwenden kann. So ist beispielsweise die Fähigkeit, kritische Treffer zu landen, erst ab ungefähr Level 50 möglich. Mal früher, mal später, je nachdem, welche Ausrüstungsgegenstände wir besitzen.

Gut gegen Böse – Ein Klassiker

In Wizard101 geht es in der ersten Hauptgeschichte (es gibt noch eine zweite) um den fiesen Zauberer Malistaire, der das Zaubererreich unterjochen will. Ein klassischer Bösewicht mit den klassischen Motiven. Darum lernen wir als Zaubererlehrling alles, was nötig ist, um ihn zur Strecke zu bringen.

Zu diesem Zwecke müssen wir ihn durch viele verschiedene Welten verfolgen, die allesamt ein unterschiedliches Hauptthema haben. So erinnert Krokotopia, die zweite Welt, die wir bereisen dürfen, an das alte Ägypten. Marleybone, die dritte Welt, an das England der 30er Jahre und so weiter. In der zweiten Jahreshälfte 2014 kommt der zweite Teil der nunmehr zehnten Welt heraus: Khrysalis, eine Welt, in der die Insekten herrschen.

Beim Weltendesign in Wizard101 haben die Entwickler viel Kreativität bewiesen. Die sehr unterschiedlichen Szenerien sind schön anzusehen und detailverliebt. Doch trotz farbenfrohem Ambiente hinkt das Spiel seiner Zeit hinterher: die Texturen sind mitunter verwaschen, wirken tapetenartig, die Figuren kantig und die Animationen hölzern. Allerdings hat Wizard101 auch nicht den Anspruch, ein High-End-Game zu sein. Denn durch die recht niedrigen Systemanforderungen ist dieses Spiel quasi für jeden spielbar.

Dafür scheint KingsIsle ordentlich in den Sound investiert zu haben, denn die Synchronisation stellt manch gehypten Blockbuster in den Schatten. Gleich zu Beginn erwartet uns mit Merle Ambrose Wolfgang Hess als Synchronsprecher, die deutsche Stimme von Bud Spencer. Dale Flamea, die Lehrerin der Feuerschule, wird gesprochen von Claudia Urbschat-Mingues, besser bekannt als die Stimme von Angelina Jolie. Weiterhin die Stimmen von Robert De Niro, Tom Hanks, Dagmar Berghof herself sowie etliche Stimmen, die man sicherlich schon in der Werbung und bei weniger bekannten Schauspielern gehört hat. Ein tolles Ensemble.

Musikalisch hält sich das Spiel etwas zurück. Eingängige Melodien, gerade in Wizard City, können einen mit ihrer penetranten Fröhlichkeit nach dem Verlieren eines Kampfes leicht zur Weißglut bringen. Das ist manchmal nervig, gleicht sich aber im späteren Spielverlauf wieder aus.

Wizard101 - Die Spirale
Ein Blick auf die Spirale – Das Universum in Wizard101

Wer Geld hat, kommt weiter

Wizard101 präsentiert sich als ein Free-To-Play-Spiel, also ein Spiel, das kostenlos spielbar ist. Doch dieses kostenlose Spiel beschränkt sich nur auf einen sehr kleinen Teil. So sind anfangs nur eine Handvoll Gebiete frei zugänglich; wer weiterkommen will, der muss bezahlen. Im Vergleich zu anderen großen MMORPGs ist ein Monatsabo mit 7,99 € recht günstig, durch verschiedene Abo-Varianten gibt es auf den Monat umgerechnet sogar noch günstigere Angebote.

Ebenso ist es möglich, sich Kronen zu kaufen, die mit Echtgeld erwerbbare Ingame-Währung. Damit ist es wie in jedem anderen Spiel dieser Art möglich, sich bessere Rüstung, bessere Reittiere, bessere Behausungen und schnelleres „craften“ zu leisten. Doch ein Durchspielen von Wizard101 ist auch ohne den Erwerb der Goodies möglich.

Nicht nur für Kinder

Wer denkt, Wizard101 sei ein Kinderspiel, der irrt. mag das Spiel in den ersten zwei bis drei Welten noch sehr einfach und übersichtlich sein, so zieht der Schwierigkeitsgrad später heftig an. Die Kämpfe werden komplexer, die Gegner anspruchsvoller, das eigene Versagen häufiger. Man fühlt sich geneigt, öfters zu Kronen zu greifen, um vorne mitmischen zu können. Doch auch in diesem Fall ist es nicht nötig, denn durch ein nettes Multiplayer-System kann man sich gegenseitig unterstützen. Bis zu vier Spieler können gemeinsam in den Kampf ziehen, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene. Das Spiel passt sich automatisch der Spielerzahl an, so dass entsprechend mehr oder stärkere Gegner auf einen warten. Und das ist aber einer bestimmten Welt auch dringend nötig, denn manche Kämpfe sind alleine nicht mehr zu schaffen. So ist es jedem Spieler möglich, bis zu 120 Freunde in seiner Liste zu haben, mit denen er chatten, sich treffen oder questen kann.

Wizard101 Reittier
Eines der unzähligen Reittiere in Wizard101

Womit wir auch bei den Quests wären. Es gibt in Wizard101 etliche Arten von Quests, die sich in ihrer Gesamtheit ähneln. Gerade beim fortgeschrittenen Spielverlauf ist die Hauptstruktur der Quests nur allzu gut erkennbar – Abwechslung würde dem Spiel sehr gut tun.

Entweder muss etwas gesammelt werden, oder es müssen Gespräche mit bestimmten Peronen geführt werden, oder es gilt, unzählige Gegner ins Jenseits zu befördern. Dieses Gerüst wiederholt sich in verschiedenen Variationen und macht das Vorankommen zuweilen etwas dröge. Wer also nur Quests macht, um das Spiel möglichst schnell durchzuzocken, dem wird unter Umständen rasch langweilig. Denn die Geschichten, die in den jeweiligen Welten erzählt werden, sind fragmentiert auf die verschiedenen Questgeber. So ist das Nachvollziehen der Story in Wizard101 mitunter etwas verwirrend, da sich Haupt- und Nebenquests mischen und es nicht immer gleich erkennbar ist, um welche Art von Mission es sich handelt.

Für Abwechslung ist gesorgt

Doch Wizard101 hat dem recht eintönigen Spielverlauf etwas entgegengesetzt. Wer will, der kann sich nicht nur ins Kampfgeschehen stürzen, sondern sich stattdessen um sein Haus kümmern. Denn es ist möglich, sich für Gold oder Kronen eine schmucke Residenz zu kaufen und diese nach und nach einzurichten. Da blitzt ein bisschen Aufbau-Simulation durch.

Alternativ kann man sich als Gärtner betätigen, sein Haustier trainieren und auf Wettkämpfe schicken, PvP-Kämpfe bestreiten, die Häuser von Mitspielern besuchen, Minigames zocken oder stundenlang im Basar abhängen, um die kostbarsten Ausrüstungsgegenstände zu ergattern. Langweilig wird einem dabei garantiert nicht.

Zu guter Letzt noch ein Blick auf das Kampfgeschehen. Die Kämpfe in Wizard101 sind rundenbasiert. Zu Beginn jeder Runde wählt sich der Zauberlehrling eine Karte aus seinem Deck, um entsprechend zu agieren. Wer noch nie mit Kartenspiel-basierten RPGs wie Yu-Gi-Oh zu tun hatte, der wird anfangs etwas verwundert sein, da rundenbasierte Kämpfe wie bei Final Fantasy allgemein bekannter sind. Doch das Prinzip ist schnell erklärt und unterscheidet sich letztlich nur wenig von klassischen RPG-Kämpfen. Außerdem, das muss noch erwähnt werden, sind die Zauber, die in den Kämpfen zum Einsatz kommen, wunderbar animiert, manchmal mit einer Prise Witz gewürzt, und erinnern in ihrer Dramatik an das oben erwähnte Spiel von Square Enix.

Wizard101 ist ein MMORPG, das sich an Klein und Groß richtet und mindestens einen, wenn nicht sogar zwei Blicke wert ist.

Ein Kommentar

  1. Daniel Blitztor

    Hi Kaius

    Mir hat deine Review gut gefallen weiter so :)

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