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Valiant Hearts The Great War

Valiant Hearts: The Great War – Review

Ubisoft hat sich mit dem ersten Weltkrieg ein mutiges Thema für Valiant Hearts: The Great War ausgesucht. Dieser Krieg gilt bis heute als einer der abscheulichsten Konflikte aller Zeiten. Ausgerechnet eine Videospielumsetzung im Graphic-Novel-Stil soll nun eine der ersten ernsthaften Auseinandersetzung in Spieleform mit diesem Thema bieten. Ob das gelungen ist, haben wir für euch herausgefunden.

Valiant Hearts: The Great War

Kriegsgeschichte

Wir schreiben das Jahr 1914. Der namensgebende „große Krieg“ zieht auf und die Geschichte von Valiant Hearts: The Great War beginnt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass das Spiel rund um die vier Helden eine Art Jump&Run oder gar ein klassisches Adventure wäre. Doch wir werden eines Besseren belehrt. Vielmehr ist der Titel ein Adventure-Mix, der vor allem durch seine Geschichte und die gebotenen Bilder überzeugen kann.

Viereinhalb Helden

Wir übernehmen im Verlauf der rund sieben Stunden langen Kampagne die Rollen von Emile, Anna, Karl, Freddie und Walt. Emile stammt aus Frankreich, Anna aus Belgien, Freddie wurde in den USA geboren und Karl ist ein in Frankreich lebender Deutscher. Walt stammt aus der Hundeschule. Der Dobermann gehört nämlich eigentlich der deutschen Armee an, stößt allerdings schnell zu unseren vier Helden und nimmt eine ganz zentrale Rolle in Valiant Hearts: The Great War ein.

Allen Charakteren gemein ist, dass sie vor dem ersten Weltkrieg ein ruhiges und beschauliches Leben geführt haben und dann mit einem Mal in das Grauen des Krieges gerissen werden. Während Emile und Freddie hauptsächlich in Schützengräben an der Front unterwegs sind, stellen sich Karl und Anna den anderen, mindestens ebenso grausamen, Seiten des ersten globalen Konflikts.

Krieg als Comic – Kann das gut gehen?

Ich war bei Spielbeginn mehr als nur skeptisch, ob der Comic-Stil einer derart grausamen Thematik gerecht wird. Diese Zweifel wurden allerdings schon nach wenigen Spielminuten komplett zerstreut. Valiant Hearts: The Great War hat gerade durch diese Art der Präsentation den Vorteil, dass einem die Charaktere schon nach wenigen Minuten ans Herz wachsen. Es braucht keine langen Worte, um die Motivation für die Handlungen eines jeden Einzelnen nachvollziehen und vor allem mitfühlen zu können. Ein weiterer Vorteil der künstlerischen Präsentation ist ganz klar, dass das Grauen dieses menschenverachtenden Krieges dargestellt werden kann, ohne überzogen brutal zu wirken. Es braucht eben keine blutigen Splattereffekte, um den Spieler mit den vier Helden und Walt mitfühlen, hoffen und flehen zu lassen. Es sind Menschen wie du und ich, die mit der Brutalität und dem Schrecken des ersten Weltkrieges konfrontiert werden und überfordert sind. Und genau die Freiheit, die benötigt wird, um eine solche Geschichte tatsächlich so zu erzählen, dass man sie mitfühlen kann, bietet eben dieser Grafikstil.

Was Valiant Hearts: The Great War absolut einzigartig macht, ist die Art und Weise, wie die Weltkriegs-Thematik angegangen wird. Es gibt hier keine echten Helden, die mit schier endlosem Munitionsvorrat ganze Bataillone töten und danach heroisch die Nationalflagge schwenken. Vielmehr wird die Geschichte auf vier Menschen heruntergebrochen. Wir erleben am eigenen Leib mit, wie es unseren Vorfahren in der Zeit von 1914 bis 1918 ergangen sein muss. Der Gedanke daran lässt mich erschaudern. Denn das, was das Spiel – zumindest grafisch – nur andeutet, zeichnet sich im Kopf als klares Bild mit aller Grausamkeit ab und brennt sich ein. Da ist der Amerikaner, der zur Fremdenlegion geht, um einen ganz persönlichen Rachefeldzug zu führen. Da ist die junge belgische Tierärztin, die mit allen Mitteln versucht, das Leid der Mitmenschen zu lindern. Da ist der, in Frankreich als Bauer lebende, Deutsche, der einberufen wird, um gegen seine Wahlheimat in den Krieg zu ziehen. Und da ist der Schwiegervater des Deutschen, der, ebenfalls einberufen, seiner Tochter verspricht, ihr ihren Ehemann lebend nach Hause zurückzubringen. Diese ganz persönlichen Einzelschicksale machen Valiant Hearts: The Great War zu einer emotionalen Achterbahnfahrt und lassen die Spielzeit wie im Flug vergehen.

Die Schattenseiten des Krieges

Ungefähr die Hälfte der Spielzeit verbringt ihr in den Schützengräben des ersten Weltkriegs. Die andere Hälfte seid ihr hinter der Front unterwegs. Sei es, um zu helfen oder auch, um einfach nur nach Hause zu kommen und dem Kriegsleid zu entfliehen. Dabei ist zu bemängeln, dass Valiant Hearts: The Great War, zumindest im Hinblick auf die Spielmechanik, eher seichte Kost bietet. Es gibt einige Rätsel zu lösen, die sich vom Niveau allerdings eher an Einsteiger richten. Auch die „Jump&Run“-Einlagen und die wenigen Quick-Time-Events stellen vor allem geübte Spieler vor keine großen Probleme. Im Gegensatz dazu ist die Geschichte derart fesselnd, dass es vielen von euch so gehen wird wie mir: Ihr werdet anfangen Valiant Hearts: The Great War zu spielen und den Controller erst wieder aus der Hand legen, wenn die Geschichte durchgestanden ist. Ja, durchgestanden. Denn das, was ihr in den knapp sieben Stunden geboten bekommt, geht an die Substanz, durch Mark und Knochen. Zu schreiben, was genau euch immer wieder einen heftigen Schlag in die Magengrube versetzt, würde der Geschichte allerdings vorgreifen, weshalb ich an dieser Stelle ganz bewusst keine Details preisgebe.

Valiant Hearts The Great War

Doch so sehr die Story von Valiant Hearts: The Great War immer wieder aufs Gemüt schlägt, so sehr will man immer auch weiter spielen. In den insgesamt vier Kapiteln fiebert man ständig mit den Helden mit und hofft bis zum Schluss, dass irgendwie doch noch alles immer wieder gut wird.  Die Charaktere wachsen einem im Spielverlauf, wie oben schon beschrieben, so sehr ans Herz, dass ich beim Testen in Tränen ausgebrochen bin. Wann und warum bleibt an dieser Stelle allerdings geheim. Dennoch gibt es natürlich auch Momente, die den Spieler schmunzeln lassen oder einem beim Spielen sogar ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Diese Situationen sind allerdings auch unglaublich wichtig für das Spiel. Denn sie lockern das Spielgeschehen immer wieder mal kurz auf und geben einem die Zeit, die man braucht, um mit den vorherigen Szenen seinen Frieden zu schließen.

Ein Wort zur Kriegstechnik

Technisch gesehen wird Valiant Hearts: The Great War zwar schlicht, aber intensiv präsentiert. Der Grafikstil reduziert sich aufs Wesentliche, ist dabei aber absolut stimmig und zeichnet sowohl düstere, wie auch angenehm farbenfrohe Momente auf den Bildschirm. Dazu wird musikalisch immer wieder Ordentliches geboten. Mit zeitgenössischen Stücken unterstreicht der orchestrale Soundtrack in einer stets passenden Form die Spielszenen auf dem Bildschirm. Auch die deutsche Sprachausgabe von Valiant Hearts: The Great War kann sich hören lassen und wirkt nie aufgesetzt oder unpassend. In den Gefechtssituationen rumpelt und kracht es aus den Lautsprechern, dass einem die Ohren klingeln. Das unterstützt die beklemmende Atmosphäre hervorragend.

Natürlich wäre hier und da noch das ein oder andere Detail mehr drin gewesen. Und selbstverständlich kommen die Soundsamples nicht an die Waffengeräusche eines Battlefields heran. Und na klar: Eine echte 3D-Grafik wäre machbar gewesen. Aber das alles hätte im Endeffekt vom Glanz- und Kernstück von Valiant Hearts: The Great War abgelenkt. Nämlich von der Geschichte.

Valiant Hearts The Great War

Warum?

Abschließend bleibt allerdings ein großes Fragezeichen: Warum erscheint ein solches Spiel lediglich als Download-Titel? Dieses Spiel gehört in jede, und damit meine ich JEDE Spielesammlung. Egal ob digital auf der Festplatte oder im Regal im Wohn- oder Spielezimmer. Denn Valiant Hearts: The Great War zeigt den Krieg als das, was er wirklich ist. Es zeigt den Krieg als Kampf um das eigene nackte Überleben. Und es lehrt uns auf erschreckend einfache Art und Weise, dass Liebe, Freundschaft und Familie mehr Wert besitzen, als alle anderen Dinge dieser Welt. Ein Meilenstein.

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Ein Kommentar

  1. De Conny SunnyGirl

    Mein Herz blutet sau gut gelungene Story

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