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Review: Tormentum, ein Horror-Adventure nach HR Giger

Adventures erleben in den letzten Jahren glücklicherweise eine Renaissance. Die 80er und frühen 90er Jahren können als Glanzzeit der Point’n’Klick Adventures bezeichnet werden, aus denen Perlen wie Monkey Island, Maniac Mansion oder Gabriel Knight hervorgingen. Etliche Jahre später brachte Daedalic Entertainment frischen Wind ins Genre mit superlustigen Adventures, die den Humor vergangener Tage einfingen und auf ein neues Niveau anhoben. Neben verzwickten Rätseln, mitunter fernab jeden gesunden Menschenverstands, bot und bietet sich dem Spieler eine knallbunte Comicwelt mit abgedrehten Charakteren und aberwitzigen Dialogen. Spiele aus diesem Genre griffen zwar gerne mal unter die Gürtellinie, alles in allem blieben Adventures jedoch, was Gewalt, Schocker und Brutalitäten anging, jungfräulich.

Und dann kam Tormentum.

Das Adventure aus dem Hause OhNoo tritt allen anderen Vertretern seiner Gattung mit einem dornenbesetzten, glühenden Stahlstiefel in den Allerwertesten. Dabei beschreitet Tormentum spielerisch nicht unbedingt neue Wege, weiß aber gerade durch seine Optik ausgesprochen zu beeindrucken.

Tormentum

Als ich Tormentum anspielte, fiel mir gleich eine Situation aus meiner Kindheit ein. Damals las meine Mutter gerne die Horror-Groschenromane von John Sinclair. Ich konnte daran nichts finden, aber die Coverbilder hatten es mir unheimlich angetan. Häufig stahl ich mich ans Bücherregal meiner Eltern, das sich mit deren Schlafzimmer als Standort einer kindgerechten Ominpräsenz entzog, und beäugte die Cover der Geisterjäger-Geschichten, bis ich meinte, mich darin zu verlieren. Werwölfe, Skelette, Vampire, viele gruselige Motive, die meine Fantasie anheizten. Ich fürchtete mich nicht, ich fand es einfach nur cool.

OhNoo Studios sind ein kleines polnisches Entwicklerstudio, das aus gerade mal drei Mitarbeitern besteht. 2013 gegründet, entschied man sich dazu, ein Jahr später über die Crowdfunding-Platform Indiegogo ihrem Projekt Tormentum einen alles entscheidenden Schubs zu verpassen. Man schaffte es über 11.000 Dollar einzusammeln und das Spiel am 4. März 2015 auf Steam zu veröffentlichen.
HR Giger
Bild „Necronom“ von HR Giger

Nun spielte ich Tormentum und fand mich gleich wieder zurückversetzt in jene Zeit. Surreale Morbiditäten, alptraumhafte Grotesken, die furchterregend makaber und faszinierend zugleich sind. Figuren, wie sie nur den wildesten Horrortrips entsprungen sein können, Landschaften verrottet wie Kadaver. Tormentum gruselt, weil hier offenbar richtig begabte Künstler am Werk waren. Jedes einzelne Setting könnte per Screenshot aufgenommen und ausgedruckt werden. Fans solcher Absurditäten kommen hier voll auf ihre Kosten. Und während des Spielens fielen mir einige Monströsitäten auf, die mich stark an Ridley Scotts Alien erinnerten. Tatsächlich ließ sich das Team von HR Gigers (dem Erschaffer des Aliens) Kreationen inspirieren.

Normalerweise lege ich nicht gleich zu Beginn mit der Grafik los, aber in diesem Fall ist jenes Element so herausragend, dass es unpassend wäre, dies nicht als erstes zu erwähnen. Aber wie spielt sich Tormentum überhaupt? Kaschiert die außergewöhnliche Optik vielleicht nur ein fades 0815-Spiel?

Willkommen in der morbiden Welt von Tormentum

In Tormentum nehmen wir Teil an der Geschichte des namenlosen Protagonisten. Dieser erwacht in einem Käfig, der an einem Zeppelin hängt und an einen mysteriösen Ort gebracht wird. Unser Held kann sich leider an nichts erinnern. Sicher ist nur, dass er in dem Schloss, in das er gebracht wird, sehr bald sein Leben lassen soll. Ein beeindruckend bedrohlicher Wächter erklärt, dass man uns das Böse aus dem Leib quetschen werde. Doch nicht nur das stimmt uns etwas missmutig, sondern auch unsere Mitgefangenen, die nicht mehr sind, als leblose Skelette, die wohl schon vor Jahren dort verendet sein müssen. Nun beginnt unser Abenteuer. Wir müssen aus dem Schloss fliehen und herausfinden, was es mit diesem seltsamen Ort auf sich hat.

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