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Storium - Titelbild

Storium: Preview – Die Geschichte ist das Spiel

Wenn wir an ein normales Computerspiel denken, dann haben sich die Entwickler über Monate oder sogar Jahre hinweg die tollsten Sachen ausgedacht. Sie erstellen Grafiken und Charaktere, Inventare und Gegenstände, Spielmodi und ganze Landschaften. In den meisten Fällen steht hinter jedem Spiel auch eine tolle Geschichte, die uns ergreift und durch das Spiel trägt, bis sie uns am Ende zufrieden mit einem tollen Ende in den Abspann entlässt. Storium zeigt uns eine andere Mörglichkeit.

Storium - Kickstarter
Mit über 6000 Unterstützern und mehr als einer Viertelmillion Dollar war die Kickstarterkampagne ein voller Erfolg für Storium

Bei Storium ist das Spiel selbst die Geschichte, denn Storium ist eine interaktive Erzählung, bei der ein Spieler die Rolle des Erzählers übernimmt, indem er die groben Rahmenbedingungen wie Spielort und Charaktere festlegt und die anderen Spieler in die Rolle der Charaktere schlüpfen. Storium hat sich über Kickstarter finanziert und dabei statt der gewünschten 25.000 US-Dollar satte 251.362 US-Dollar eingesammelt. Mit der zehnfachen Menge an Kapital wurde eine wahnsinnig lange Liste an zusätzlichen Features freigeschaltet, welche von Grafiken und Designs der Karte, über zusätzliche Karten, bis hin zur Beteiligung von professionellen Schriftstellern reichen. Dabei finden sich im sechsköpfigen Entwicklerteam nicht nur talentierte Techniker, die bereits für Größen wie Yahoo gearbeitet haben, sondern auch preisgekrönte Autoren wie J.C. Hutchins, der die 7th Son – Reihe geschrieben hat, welche 2015 bei uns ins Kino anläuft.

Aber genug vom Hintergrund, jetzt lasst uns doch einmal in das Spiel sehen.

Die Geschichtskarten

Storium - Story cards

Als Basis des Spiels dienen sogenannte Geschichtskarten (engl. Story cards). Es wird zwischen den Karten des Erzählers und der Spieler unterschieden. Der Erzähler hat Karten, die eher im weiteren Sinne gefasst sind. Folgende drei Karten stehen ihm zur Verfügung:

  • Der Ort: Der Erzähler kann den Ort festlegen, an dem die Geschichte in der Szene stattfindet
  • Die Charaktere: Der Erzähler kann Charaktere festlegen, die den Spielern begegnen oder ihnen Aufgaben stellen
  • Hindernisse: Verschiedene Gegebenheiten, die Spieler überwinden müssen oder die sie behindern

Den Spielern stehen, im Gegensatz zum Erzähler, detailliertere Karten zur Verfügung, mit denen sie ihren Charakter definieren und die Aufgaben des Erzählers überwinden können.

  • Natur: Der Hintergrund oder Ursprung eines Charakters
  • Stärken: Die Eigenschaften oder Fähigkeiten eines Charakters
  • Schwächen: Die Einschränkungen oder Unzulänglichkeiten eines Charakters
  • Unterthema: Die zentrale Motivation eines Charakters, die ihn in der Geschichte antreibt
  • Vorteil: Etwas Wichtiges oder Besonderes, das benutzt werden kann, um die Geschichte zu beeinflussen
  • Ziel: Eine Aufgabe, die ein Spieler übernehmen kann, um eine Belohnung zu bekommen

Und so funktioniert das Spiel

Die Szenen

Jede Geschichte in Storium besteht aus einer Serie von Szenen. Wenn ein Erzähler eine Szene beginnt, dann kann er mit seinen Spielkarten eine Reihe von Herausforderungen erzeugen. Dabei unterscheiden sich die Herausforderungen in Charaktere und Hindernisse. Charaktere stellen sich den Spielern entweder in den Weg oder stellen den Spielern eine Aufgabe, während die Hindernisse von den Spielern überwunden werden müssen. Jede Aufgabe verfügt dabei über einen Punktewert, der seine Schwierigkeit wiederspiegelt und gleichzeitig die Anzahl an Spielerkarten diktiert, die benötigt werden, um die Herausforderung zu überwinden.

Sobald der Erzähler seine Karten gesetzt hat, kann er eine kurze Erläuterung zur Szene schreiben und anschließend ist die Handlung eröffnet.

 

Die Spielzüge

Jeder Spieler kann aus einer Auswahl der oben genannten Karten schöpfen. Nach der Eröffnung der Szene kann jeder Spieler nun eine oder mehrere Karten ausspielen, die ihm helfen diese Hindernisse zu überwinden. Jeder Spieler bekommt drei Karten mit Schwächen und drei Karten mit Stärken. Zusätzlich erhalten die Spieler wilde Karten, die bei Bedarf selbst beschrieben werden können.

Im Laufe der Charaktererstellung erhalten die Spieler je nach Charakter noch individuelle Karten. Durch das Bestehen von Prüfungen können weitere Karten erspielt werden. Je nachdem welche Karten nun in einer Szene ausgespielt werden, verändert sich die Geschichte.

 

Die Kontrolle über die Geschichte übernehmen

Wenn ein Spieler herausragend seine Stärken oder Schwächen in einer Herausforderung ausspielt, so hat er die Chance, die Geschichte zu übernehmen. Bei der Übernahme mit Stärken kann der Spieler anhand von möglichen Enden des Erzählers die Geschichte weiterschreiben. Gewinnt er eine Situation jedoch durch seine Schwächen, dann kann er die Geschichte auch weiter bestimmen, jedoch wird er eine Komplikation oder einen Rückschlag erzeugen, mit dem die Spieler im Fortlauf der Geschichte umgehen müssen.

Wurde eine Herausforderung gemeistert, kann der Erzähler entweder die Szene beenden und eine neue starten oder aber neue Herausforderungen in der gleichen Szene spielen.

 

Der Spielverlauf am Beispiel

Als Beispiel für eine typische Runde in Storium, möchten wir euch die Entwicklung der Geschichte „The Eye of Orias“ zeigen, welche von Stephanie E. Lehenbauer geschrieben wurde. Dabei ist Stephanie, genau wie alle anderen Mitspieler, ein normaler Nutzer von Storium, die ihre eigene Geschichte und ihr erdachtes Universum mit Anderen teilen möchte.

Storium - Beschreibung

Zuerst einmal setzt Stephanie als Erzählerin die Geschichte der Erzählung fest. Dabei hat sie sich für ein okkultes Horror-Abenteuer entschieden. Potentielle Mitspieler erfahren in der Beschreibung, dass sie mit 2-3 Szenen in der Woche Spielzeit rechnen müssen und dass sich die Geschichte um einen Dr. Jameson handelt, der Ärger mit einem dämonenverehrenden Kult hat. Nun will er nach Peru reisen und dem Kult ein altes Amulett stehlen, welches dem angebeteten Dämonen seine Kraft stehlen soll, damit er nicht mehr verehrt wird und der Kult zerbricht. Dieser Dr. Jameson sucht hierfür nun Freiwillige, die ihm bei der Aktion helfen. Hier kommen jetzt die Mitspieler ins Spiel.

Storium - Charaktere

Jeder Spieler, der an der Geschichte teilhaben will, übernimmt die Rolle eines Charakters. Davon stehen in dieser Geschichte vier Stück zur Auswahl. Val die Söldnerin, Susan die Missionarin, Jake der Student und Rad der geläuterte Gauner. Jede dieser Figuren hat eigene Stärken (geschlossene Kettenglieder), Schwächen (gesprengte Kettenglieder), Nebengeschichten (Fahnen) und Gegenstände im Inventar (Säcke), die ihnen beim Bestehen der Erzählung helfen.

Wie ich euch am Beispiel des Studenten Jake zeigen möchte, hat jeder Charakter zusätzlich eine eigene Hintergrundgeschichte und eine Erklärung seiner Spielkarten.

Storium - Background Jake Roswell

 

Wir erfahren also, dass Jake ein sehr erfolgreicher Student und Footballspieler ist, dem für seine Doktorarbeit einfach das passende Thema fehlt. Da er Archäologie studiert, kommt ihm der Auftrag gerade recht und er entschließt sich, alles auf eine Karte zu setzen. Entweder er hat Erfolg und gewinnt Ruhm und Respekt oder er erntet einen totalen Misserfolg und steigt im Geschäft seines Vaters für Autozubehör ein. Aber werfen wir noch einen Blick auf seine Karten:

Storium - Karten Jake Roswell

Seine beiden Stärken sind sein großes archäologisches Wissen um Kulturen und Sprachen, sowie seine Jugend und körperliche Fitness. Als Schwäche bringt Jake seine Naivität mit, da er einfach zu vertrauensselig ist. Als Nebengeschichte ist Jake auf der Suche nach Themen für seine Doktorarbeit. Zwei Wildcards stehen dem Spieler zur Verfügung, auf die er je eine Schwäche und eine Stärke schreiben kann. Die Karten sind jederzeit einsetzbar und können je nach Situation formuliert werden, um die Herausforderungen zu bestehen und den Charakter weiter zu formen.

Schauen wir also einmal auf die erste Szene:

Storium - Szene 1

In der Szenenbeschreibung erfahren wir, dass der Spielort ein privater Jazzclub namens Indigo Attic ist. Die Freiwilligen sollen sich hier mit einem Mann namens Leonard treffen, der die Auswahl der Teilnehmer für die Expedition trifft. Hier seht ihr die erste Herausforderung in Form von Leonard. Die zwei Kästchen daneben zeigen an, dass zwei Karten gespielt werden müssen, um die Herausforderung zu bestehen. Werden eine Schwäche und eine Stärke gespielt, so gibt es einen neutralen Ausgang, der noch nicht feststeht. Andernfalls gibt es sowohl für zwei Stärken, als auch für zwei Schwächen eine vorbestimmte Entwicklung.

Storium - Herausforderung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Fall haben die Spieler für ihre Züge jeweils eine Stärke-Karte gewählt. Dadurch wurde die starke Entwicklung als Ausgang der Herausforderung bestimmt und Leonard verabredet sich mit den Freiwilligen im Jameson Manor für den nächsten Tag. Als Beispiel für einen Spielzug in dieser Herausforderung, zeigen wir euch den Auftritt von Jake:

Storium - Jake Challenge 1

Wie ihr hier sehen könnt, kann jeder Spieler durch das Ausspielen einer Stärke- oder Schwäche-Karte seinen eigenen Beitrag zur Erzählung leisten. Nexuswriter hat sich hier entschlossen, die Jugend von Jake einerseits als Nachteil in der Wirkung auf die anderen Personen auszulegen, welche ihn immer mit „Junge“ ansprechen, andererseits aber seine Sportlichkeit und den Arbeitseifer als Stärke einzubringen. Damit hat Nexuswriter gleichzeitig die Kontrolle über die Erzählung gewonnen.

Nachdem jeder Spieler seinen Zug ausgeführt und die Herausforderung einen Abschluss gefunden hat, kann die Erzählerin die Szene entweder beenden oder aber eine weitere Herausforderung einbringen. In dieser Geschichte hat sich die Erzählerin dazu entschieden, eine weitere Herausforderung zu stellen.

Storium - Herausforderung 2

In diesem Fall wurde die Geschichte durch ein Feuergefecht unterbrochen und ein mysteriöser Mann entführt die Missionarin. Wie wir an der grünen Farbe erkennen können, wurde auch diese Herausforderung durch Stärkekarten gelöst und hat ein positives Ende.

Wir beenden hier unseren Einblick in die Geschichte, da sich dieses Muster mit Herausforderungen und Spielerkarten immer weiter fortsetzt. Alternativ zu den Karten für Stärken und Schwächen können auch die Geschichten der einzelnen Charaktere ausgespielt werden, indem man Anspielungen zu den Motiven in den Text einfließen lässt.

Storium selbst ist momentan nur ausgewählten Personen, sowie den Unterstützern von Kickstarter zugänglich. Wenn ihr euch für das Spiel interessiert, könnt ihr über die Hauptseite des Spiels noch nachträglich zum Unterstützer werden. Nach unseren Erfahrungen werden jedoch die wenigsten Spiele aktuell zu Ende gespielt, da der Zeitaufwand und der kreative Anspruch dahinter schon enorm sind. Für alle neuen Spieler empfehle ich sehr gute Englischkenntnisse, da alle Geschichten momentan auf Englisch gespielt werden und vielfach auch eine große Anzahl an Wörtern der Umgangssprachen enthalten. Spiele in anderen Sprachen konnte ich in der Beta bisher nicht finden, wobei am heutigen Tag auch nur vier Partien aktiv waren.

Momentan könnt ihr zwischen drei verschiedenen Mitgliedschaften für Storium wählen. Dem Member (für 20 US-Dollar), dem Deal (für 40 US-Dollar) und dem Pioneer (für 60 US-Dollar). Anscheinend ist auch nach der Veröffentlichung noch eine Gebühr geplant, da als Bonus der Mitgliedschaften in der Beta ein Nachlass für die Mitgliedschaft im fertigen Spiel gewährt wird.

Fazit

Wir fanden die Idee eines Spiels, welches sich um das Erfinden von Geschichten dreht, sehr spannend. Storium enthält dabei viele interessante Ansätze und Ausbaumöglichkeiten, jedoch liegt nach unserer Einschätzung die meiste Arbeit in der Leistung der Spieler, bei der das Team von Storium nur die Server stellt. Ob hierfür ein Startgeld von 20,- US-Dollar und ein konstanter Mitgliedsbeitrag gerechtfertigt sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir sind jedoch der Meinung, dass man für diesen Preis, inklusive Mitgliedschaft, bereits einen vollwertigen AAA Titel erwarten kann. Hier kann uns Storium nicht überzeugen. Unser Fazit: Gute Idee zum überteuerten Preis, mit wenig Gegenleistung. Geschmackssache!

Hier ist noch der Link zur Kickstarter-Seite: – Klick –

 

Was haltet ihr von Storium? Würdet ihr das Spiel kaufen und euch eigene Welten ausdenken und fremde Welten durchleben? Was haltet ihr von den Gebühren und würdet ihr für so ein Spiel eine Gebühr bezahlen? Schreibt uns doch eure Meinung in die Kommentare oder in unser Forum!

Hier ist noch der aktuelle Kickstarter-Trailer von Storium für euch:

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