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Review: Valkyria Revolution – Fantasievolle Geschichtsstunde mit Höhen und Tiefen

Bei Valkyria Revolution handelt es sich um kein Sequel der Valkyria Chronicles-Serie, sondern um einen völlig neuen Titel, der in einem ganz eigenen Universum spielt, denn viele Gemeinsamkeiten hat der Titel mit anderen aus der Serie nicht. Lediglich die namensgebenden Valkyria spielen eine Rolle sowie das Mineral Ragnite. Zudem bringt der neue Teil einen Genre-Wechsel mit sich und ist von der industriellen Revolution Europas inspiriert. Ob der Titel damit alteingesessene Fans überzeugen kann oder sich vielleicht doch eher auf Neueinsteiger fokussiert, erfahrt ihr in unserem Test zu Valkyria Revolution, also auf in den Kampf!

Fiktive Geschichtsstunde

Valkyria Revolution beginnt mit einer privaten Unterrichtsstunde, als sich eine Professorin für Historik und ihr Student vor einem alten, verwitterten Grabstein treffen, der fünf Verrätern gewidmet ist. Die Verräter sollen damals einen verheerenden Weltkrieg angezettelt haben, nur um sich an den feindlichen Generäle zu rächen, da diese für ein traumatisches Ereignis in ihrer Kindheit gesorgt haben. Dem fleißigen und aufmerksamen Studenten sind allerdings Ungereimtheiten in den Geschichtsbüchern aufgefallen, weswegen er sich direkt an seine Professorin wendet, die die gesamte, ungeschriebene Wahrheit kennt und ihm so von dem Befreiungskrieg, der sich um 1854 zugetragen hat, erzählt.

Die Handlung des Spiels wird also von der Professorin erzählt, was dem Spiel viel Charme verleiht und so untermalt, dass es hier um ein historisches Ereignis geht. Valkyria Revolution ist von der industriellen Revolution Europas inspiriert, natürlich spielt das Ganze dennoch in einer rein fiktiven Welt und hat nichts mit realen, historischen Ereignissen zu tun. Im fiktiven Europa befinden sich Jutland und das Ruzi Empire im Fantasie-Krieg. Dort begleiten wir als Spieler den Protagonisten Amleth, der der Anführer der Spezialeinheit der Anti-Valkyria ist und zudem zu einem der fünf Verräter zählt. So erfahren wir nach und nach von Amleths Vergangenheit, von seinen persönlichen Beweggründen und dass hinter diesem Krieg viel mehr steckt. Im Grunde machen die fünf Verräter und deren mysteriöse Identität sowie der sehr kühle Protagonist Amleth erst die Geschichte richtig interessant, da auch Prinzessin Ophelia selbst, Protagonistin des Spiels und Bewohnerin Jutlands, nichts von den wahren Absichten der fünf weiß und erst nach und nach hinter dieses Geheimnis kommt. Die große Stärke der Handlung liegt also klar in den interessanten Charakteren und deren Beweggründen, da hier die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

Fiktive Historik und Fantasie treffen auf Anime

Auch wenn es um eher düstere Themen wie Krieg, Verlust und Rache geht und das industrielle Europa als Inspiration diente, wird das Ganze mit einem deutlichen Anime-Stil gewürzt. Der Grafikstil ist natürlich nicht jedermanns Geschmack und wer mit der Aquarell-Anime-Optik nichts anfangen kann, sollte eher die Finger davon lassen. Ansonsten sieht der Grafikstil wirklich sehr hübsch aus. Besonders das Art Design der Charaktere kann auf ganzer Linie überzeugen, wohingegen es schade ist, dass die Mimik und Gesichtsausdrücke steif und oft leblos wirken. Gerade da man überwiegend damit Zeit verbringt, Zwischensequenzen anzusehen, sticht dies besonders ins Auge. Auch auffallend ist, dass manchmal die Kameraperspektive wie steif und festgefroren über längere Sequenzen hinweg an Ort und Stelle bleibt und somit manche Szenen etwas ernüchternd und langweilig wirken. Dafür punktet wiederum die sehr hübsche Umgebung. Besonders die Lichteffekte zwischen Baumkronen oder Sonnenuntergängen geben ein malerisches, wunderschönes Bild ab. Auch die Stadtpromenade wirkt kunterbunt, belebt und wartet mit vielen Details auf und ist somit liebevoll gestaltet. So ergibt sie einen guten Kontrast zu den sonst eher leblosen und farblosen Gegenden auf dem Kampffeld, ob das gewollt ist oder nicht, sei nun dahin gestellt. Optisch kann sich Valkyria Revolution auf jeden Fall sehen lassen, einzige Abstriche, die an der Optik kratzen, sind eben die steifen Gesichtszüge der Charaktere.  Des Weiteren werdet ihr relativ häufig, wenn auch nur sehr kurz, den Ladebildschirm sehen und das fast zwischen jeder Sequenz.

Traditionsbruch im Kampfsystem

Die große Besonderheit von Valkyria Revolution, welche Fans sauer aufstoßen könnte, ist der Genre-Wechsel. So hat sich die Valkyira Chronicles-Serie immer durch strategische, rundenbasierte Kämpfe ausgezeichnet, doch Valkyria Revolution wechselt nun zu einem Action-Rollenspiel mit Echtzeitkampfsystem.  Insgesamt gibt es 11 spielbare Charaktere, die mit Schusswaffen und teils überdimensionalen Nahkampfwaffen, die somit das Animeklischee erfüllen, in den Kampf ziehen.

Grundsätzlich könnt ihr blocken, ausweichen und angreifen. Zusätzlich stehen euch magische Spezialangriffe, Items, Granaten und eine Schusswaffe zur Verfügung. Ihr habt nur begrenzt Munition für eure Schusswaffe, auch Items und Granaten habt ihr nur in begrenzter Stückzahl im Inventar. Für die magischen Angriffe wiederum verbraucht ihr RP. Jeder Charakter kann verschiedene magische Spezialangriffe ausgerüsten.  Sowohl die Spezialangriffe als auch die Items, Granaten und die Schusswaffe müsst ihr über ein Ringmenü auswählen, hierbei stoppt sogar das Kampfgeschehen und ihr könnt in Ruhe eure Aktion auswählen.

Valkyria Revolution
Das Menü ist liebevoll gestaltet.

Für jeden einzelnen Charakter könnt ihr zudem das Verhalten der KI bestimmen und Prioritäten festlegen, ob sich beispielsweise eine Figur eher auf starke Gegner konzentrieren soll, eher auf das Heilen von Gruppenmitgliedern usw. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten, das Verhalten anzupassen und im Laufe des Spiels lassen sich viele weitere Verhalten freischalten. Allerdings ist es unnötig, den Mitstreitern ein Set an Prioritäten zu verpassen. Die zahlreichen Möglichkeiten wirken im ersten Moment komplex, doch die KI handelt nicht immer so, wie sie es sollte.  Wenn ihr zum Beispiel einen Charakter anweist, sich hinten zu halten, kann es passieren, dass er im nächsten Gefecht doch mitten in den Angriffen herumrennt.

In der Regel seid ihr in einem Squad, also Vierer-Team unterwegs, welches ihr meist selbst zusammenstellen könnt, insofern kein Charakter zwingend für eine Mission vorgeschrieben ist. Ihr könnt nicht nur bei jedem einzelnen Charakter das Verhalten bestimmen, sondern könnt auch die gesamte Gruppe nochmal einem Verhalten unterweisen.

Der Schein trügt

Auch bekommt ihr vor jeder Mission die Karte des Schlachtfeldes gezeigt und plant das strategisches Vorgehen. Das alles lässt sehr viel Taktik erwarten und scheint versprechend, letztendlich sieht es im Spielgeschehen ganz anders aus. In Echtzeit manövriert ihr euer Squad über das Schlachtfeld, wobei ihr jederzeit schnell und einfach zwischen den Charakteren wechseln könnt. Der Rest wird von der KI gesteuert. Mit einem simplen X-Knopfdruck führt ihr einen Nahkampfangriff aus und kloppt so auf die Gegner ein. Allerdings könnt ihr erst wieder angreifen, wenn sich die Ausdaueranzeige gefüllt hat.

Selbst Statusveränderungen gibt es, sowohl positive als auch negative. Solltet ihr gegnerische Soldaten überraschen oder deren Anführer schnell ausschalten, können die anderen Soldaten beispielsweise in Angst verfallen. Die jeweiligen Statusveränderungen werden über den Köpfen der Charaktere eingeblendet. Die Missionen an sich bieten kaum Abwechslung. Ihr arbeitet euch durch verschiedene Schlachtfelder, nehmt Basen ein und trefft ab und an mal auf den ein oder anderen Boss. Die Bosskämpfe ziehen sich teils unnötig in die Länge, da die Gegner sehr viel KP besitzen und sich nicht durch abwechslungsreiche Taktiken auszeichnen.

Glücklicherweise leveln alle 11 Charaktere mit, auch wenn sie sich nicht in eurem Vierer-Team befanden. Jede Figur hat ihren eigenen Skill-Tree, bei dem ihr Angriff, Verteidigung oder auch magische Fähigkeiten aufwerten könnt. Wer nun Angst hat, zu viel Zeit damit verbringen zu müssen sich alle Stats der 11 Charaktere anzusehen und genau überlegen zu müssen, bei wem es sich nun lohnt Punkte zu investieren oder welche Prioritäten er setzten soll, dem sei erneut gesagt, es hört sich alles viel strategischer an als es ist. Im Grunde reicht das Aufleveln an sich. Auch die Skill-Trees gaukeln mehr Komplexität vor, als dass sie zwingend benötigt werden, um im Spiel voran zu kommen. Selbst die ganzen Gegenstände, die ihr in der Stadt kaufen könnt, haben keine allzu große Wichtigkeit.

Auch ein permanenter Tod kann euren Charakteren widerfahren, allerdings solltet ihr damit keine großen Probleme haben. Sollte ein Charakter im Gefecht fallen, habt ihr genügend Zeit, um zu diesem zu rennen und ihn durch simples R1-drücken wiederzubeleben. Dadurch ist es nur sehr schwer, dass in einem Gefecht ein Charakter in den permanenten Tod verfällt. Selbst die Nebenmissionen verlieren an Relevanz, da die Charaktere in den Story-Missionen genügend aufleveln. Zwar bescheren euch die Nebenmissionen weitere Gegenstände, die ihr wiederum in Aufwertung eurer magischen Fähigkeiten oder in den Skill Tree investieren könnt, da dies aber keine allzu große Rolle spielt, erübrigen sich die Nebenmissionen, zumal sie keine Abwechslung zu den Storymissionen bieten. Auch dass die Missionen den Preis und das Sortiment der Händler bestimmen, ist nur nebensächlich.

Frontalangriff, die beste Variante!

Die ganzen versprochenen taktischen Elemente gehen verloren und zurück bleibt nur ein Echtzeitkampfsystem, was sich weder in Action noch Musou einordnen lässt. Immerhin habt ihr nur eine Angriffstaste, wodurch immer wieder dieselbe Angriffsanimation gestartet wird, keinerlei Kombos oder mächtig, in Szene gesetzte Spezialangriffe, was alles etwas abstumpft. Selbst die magischen Spezialangriffe gaukeln nur Komplexität vor, da es verschiedene Elemente gibt, die wiederum gegenüber anderen Elementen ihre Stärke oder Schwäche haben. Da ihr allgemein von dem Spiel nicht wirklich eine Response für Treffer bekommt oder welcher Angriff nun besonders effektiv war, begnügt man sich schnell damit, einfach irgendwie anzugreifen und sich ebenso einfach durch die Gegner zu kämpfen. Lediglich die Kämpfe gegen die Valkyria zeichnen sich durch etwas mehr Taktik aus. Durchaus schade, denn Potenzial und gute Ansätze sind zu erkennen, aber anscheinend nicht konsequent genug durchgezogen oder durchdacht worden. Einziger Trost ist, dass das Kampfsystem so leicht zugänglich ist und wer Spaß daran hat, sich einfach durch Gegnermassen zu arbeiten, der wird hieran Spaß haben.

Selbst beim Level Design merkt man, dass die taktischen Elemente nicht relevant genug sind. Ihr könnt zwar in Deckung gehen oder durch das hohe Gras schleichen, werdet aber schnell merken, dass ihr das gar nicht braucht. Es gibt keine Möglichkeit, sich an Gegnern vorbei zu schleichen oder sie lautlos auszuschalten. Es gibt einzig und alleine die Option, aus dem Versteck heraus einmalig auf einen Gegner zu schießen, danach werden alle anderen Gegner auf euch aufmerksam. So wird weiteres Potenzial verschenkt. Auch die Tatsache, dass es Scharfschützengewehre gibt, ihr allerdings keinen eurer Charaktere explizit auf einem guten Punk positionieren könnt, ist verschenktes Potenzial. Vielleicht wollte Valkyria Revolution in Sachen Gameplay einfach zu viel des Guten und das, obwohl sich das Gameplay an sich gut anfühlt und schön präsentiert ist sowie gute Ideen aufweist, die nur nicht richtig oder konsequent genug umgesetzt wurden.

Ein weiterer Abstrich, den ihr machen müsst, sind die fehlenden, deutschen Texte. Dafür bietet das Spiel eine vollständige, englische oder wahlweise sogar japanische Vertonung aller Hauptdialoge. In der Stadt lassen sich auch optionale, teils sehr witzige Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren finden, diese wurden bedauerlicherweise nicht vertont. Durch diese optionalen Gespräche erfahrt ihr nicht nur etwas mehr über die Charaktere, die allesamt im Kontrast zum sehr kühlen und distanzierten Amleth stehen, sondern schaltet hier auch neue Prioritäten, also Verhaltensweisen für eure Charaktere frei. Dadurch, dass euch nur englische Untertitel zur Verfügung stehen, wird das Spiel unnötig unzugänglicher, denn das Spiel hat viel komplexen Text dank der sehr politischen Story. Dies dürfte einige abschrecken.

Vollkommen glänzen kann hingegen der Soundtrack von Yasunori Mitsuda, der unter anderem bekannt ist durch Chrono Trigger oder Stella Glow. Auch hier leistet der Komponist wieder grandiose Arbeit und untermalt die Szenerien mit großartigen orchestralen Musikstücken.

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