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Review: Unbox: Newbie’s Adventure – Der harte Alltag eines Kartons!

Ihr wolltet schon immer mal erfahren, was ein Paket auf dem Weg zu euch nach Hause alles durchlebt und warum manche Kisten total demoliert ankommen? Dann solltet ihr unbedingt Unbox: Newbie’s Adventure spielen und selbst in die Rolle eines Kartons schlüpfen. So erlebt ihr, welch harten Alltag und welche Probleme die Kistchen durchleben müssen. In unserer Review erfahrt ihr, was das verrückte Karton-Abenteuer wirklich taugt.

Bei Unbox: Newbie’s Adventure handelt es sich um einen 3D-Platformer der sehr speziellen Art, denn ihr schlüpft in die Rolle eines Kartons. Nicht nur dieser Aufhänger ist einzigartig und ungewöhnlich, sondern auch die Steuerungsmechanik. Es scheint, als wolle sich das Spiel von den anderen 3D-Platformern abheben.

Das Grundfundament des Spiels dürfte Jump’n’Run-Fans altbekannt sein, vor allem aus der Glanzzeit der 90er Jahre des Genres. Ihr bewegt eure Spielfigur durch eine große, kunterbunte Welt, meistert unterschiedliche Herausforderungen, trefft auf allerlei verrückte Figuren, sammelt die verschiedensten Gegenstände und springt von Plattform zu Plattform. Das alles klingt erst mal ganz nach Mario, Yooka-Laylee oder auch Banjo & Kazooie, Donkey Kong 64 und einige weitere bekannte Titel der Jump’n’Run-Welt. Demnach dürfte sich Unbox: Newbie’s Adventure an jene Zielgruppe richten, die mit den klassischen 3D-Platformern aufgewachsen sind und bis heute lieben – aber eben auch an Neueinsteiger des Genres.

Ein Karton hat es nicht leicht

Was Unbox: Newbie’s Adventure so besonders macht, ist die außergewöhnliche Steuerungsmechanik, was wohl daran liegt, dass ihr mit einem Pappkarton durch die Gegend rollt und springt und dieser eben bekanntlich keine Beine hat. Dadurch, dass der Karton ein würfelförmiger Gegenstand ist, fühlen sich die Bewegungen, logischerweise, unrund an. Bedeutet, dass ihr stets Abweichungen nach rechts oder links habt, wenn ihr auf einem Eck des Kartons steht, wodurch ihr stetig nachjustieren und ausbalancieren müsst. Das wirkt sich nicht nur auf das Laufverhalten, sondern auch auf das Sprungverhalten aus und macht es umso herausfordernder auf Plattformen zu landen.

Selbst die Trägheit eures Paketes spielt eine Rolle, denn wenn ihr euch mit hoher Geschwindigkeit bewegt und versucht eine weit entfernte Plattform zu erreichen, müsst ihr aufpassen, dass ihr nicht von der Plattform runterrutscht, wenn ihr nicht rechtzeitig durch eine Gegenbewegung euren Karton abbremst. Vor allem zu Beginn werdet ihr euch oft und sehr leicht verschätzen, weswegen ihr erst einmal ein Gefühl für die ganze Mechanik entwickeln müsst. Diese Schwierigkeit durch die Steuerung dürfte vor allem erfahrenen Jump’n’Run-Spielern gefallen, die auf der Suche nach einer Herausforderung sind. Bei Neueinsteigern könnte das vielleicht eher für Frust sorgen, auch wenn es innerhalb der Gebiete und Missionen Checkpoints gibt, wodurch der Frust etwas gemindert wird. Hinzu kommt, dass die Sprungtaste nicht wie gewöhnlich belegt ist, sondern ihr mit der rechten Schultertaste springt. Auch dies bedarf selbst bei erfahrenen Jump’n’Run-Spielern erst einmal eine Eingewöhnung.

Unbox: Newbie's Adventure
Die einzigartige, unkonventionelle Steuerung ist eine zusätzliche Herausforderung.

Auspacken mal anders

Durch das sogenannte Auspacken könnt ihr eine Art Mehrfachsprung vollführen und dadurch hohe Ebenen erreichen oder weite Distanzen überbrücken. Der Clou daran ist, dass ihr den Mehrfachsprung nicht unbegrenzt einsetzen könnt. Ihr könnt maximal sechs Mal hintereinander die Auspack-Funktion verwenden, wodurch sich euer Pappkarton von einer unnötigen Schicht befreit und so einen zusätzlichen Sprung aktiviert. An Kontrollpunkten wird dieser Wert wieder auf das Maximum aufgefüllt. Zusätzlich gibt es grüne Lebensboxen zu finden, mit welchen ihr ebenfalls wieder aufstocken könnt. Der Mehrfachsprung sollte demnach klug eingesetzt werden, da man oft verleitet wird durch die Auspack-Funktion seine Kiste vor dem Fall zu retten und dann an wichtigen Stellen ohne diese Möglichkeit da steht.

Ein ab und an eher weniger erfreuliches Problem stellt die Kamera dar, die in Jump’n’Runs meistens nicht so funktioniert, wie sie sollte. Auch wenn die Kamera in Unbox: Newbies Adventure eigentlich sehr gut funktioniert, so kann es in engen Räumen und Passagen dennoch vorkommen, dass sie ungewollt zur Seite springt und eine ungünstige Position einnimmt. Ansonsten ist die Kameraführung passabel gelöst worden, zumal ihr sogar drei Entfernungen der Kamera einstellen könnt und bei weitläufigen Passagen alles sehr gut funktioniert.

Kein Führerschein für Kisten

In der Welt von Unbox: Newbie’s Adventure könnt ihr sogar Fahrzeuge finden, wobei von der Benutzung selbiger dringlich abzuraten ist, da sie schlicht unkontrollierbar sind. Die Autos lassen sich nicht konkret steuern, da sie sich nach der Kameraposition ausrichten und es dadurch unmöglich machen dorthin zu fahren, wohin ihr wollt. Allgemein ist die Fahrphysik nicht gut. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ein Karton zum einen keine Beine hat, um eigentlich an die Pedale zu kommen und zum anderen eine Pappbox keinen Führerschein besitzen sollte. Solltet ihr mal irgendwo hängenbleiben, gibt es einen Reset-Knopf, der euch zum letzten Kontrollpunkt oder zum letzten Auftraggeber zurücksetzt.

Ein Paket kommt viel herum

Die Welten von Unbox: Newbie’s Adventure präsentieren sich groß, farbenfroh und mit vielen Details. Zunächst seid ihr auf einer tropischen Insel, ehe es in ein verschneites Gebiet geht oder gar in einen Dschungel. Für Abwechslung ist also gesorgt, da ein Karton scheinbar viel herum kommt. Schade ist nur, dass die ansich liebevoll gestaltete Welt dennoch einige optische Fehler aufweist, da die Unreal Technologie anscheinend nicht optimal genutzt wurde. Plötzlich aufploppende Bäume und Büsche, manchmal ruckelig erscheinende Kameraführung bei Cutscenes und verwaschene und unscharfe Hintergründe bei weit entfernten Objekten. Auch der Schattenwurf sieht nicht immer so realistisch aus wie er sollte. All das trübt etwas die Optik und den Spielspaß.

In den verschiedenen Welten könnt ihr euch prinzipiell frei bewegen und könnt so die Welt erkunden, versteckte Gegenstände finden und auf jede Menge eurer Karton-Freunde treffen, die meist eine Aufgabe für euch parat haben. Die Aufgaben sind recht klassisch gehalten. Ihr müsst euch beispielsweise von Punkt A nach B begeben, um einen Schalter zu aktivieren, irgendetwas besorgen, eine bestimmte Anzahl an Gegenständen einsammeln oder gar Gegner erledigen. Manchmal habt ihr dafür sogar ein Zeitlimit. Als Belohnung gibt es dann Briefmarken. Von diesen benötigt ihr eine gewisse Anzahl, um dann wiederum den Boss in jeder Welt freizuschalten. Die Missionen sind sauber in die Erforschung der Spielwelt eingebunden, bieten allerdings kaum Abwechslung, da sie eben überwiegend klassisch gehalten sind, stets denselben Prinzipien folgen und dadurch kaum überraschen. In der Welt an sich könnt ihr neben versteckten Briefmarken auch goldene Klebebänder finden, die vergleichbar mit den Noten aus Banjo & Kazooie sind. Jäger und Sammler kommen also auch hier wieder auf ihre Kosten.

Lieferdienst in Gefahr! Selbstlieferung ist gefragt!

Wirklich niedlich und toll ist, dass ihr euren Karton individualisieren und nach euren Vorstellungen gestalten könnt und dadurch euer ganz eigenes Karton-Ich kreiert. Unbox: Newbie’s Adventure hat zwar eine kleine Story, die ist allerdings nicht allzu relevant oder spektakulär. Kurzum: Der Globale Post-Service, kurz GPS, steht vor dem Aus und muss sich daher etwas Innovatives einfallen lassen, um sich auf dem Markt zu etablieren. Die Lösung: Selbst ausliefernde Pakete. Allerdings macht zusätzlich eine Bande von aufmüpfigen Paketen, die Wild Cards, die unter der Führung des draufgängerischen Kartons Boss Wild stehen, der GPS zusätzlich das Leben schwer. Die Story klingt abgedreht und verrückt und hätte durch ihre Absurdität durchaus Potenzial gehabt, letztendlich bietet sie aber keine Höhen und Tiefen und diente wohl eher als Erklärung, warum lebende Kartons plötzlich durch die Gegend hüpfen und sich selbst ausliefern.

Im Übrigen: Wem das seltsame Kauderwelsch bei Yooka-Laylee schon auf die Nerven ging, der wird auch den Kistchen an den Kragen gehen wollen. Denn auch Unbox: Newbie’s Adventure setzt auf ein fantasievolles Gebrabbel der Charaktere. Die Dialoge könnt ihr allerdings auch abkürzen beziehungsweise schneller ablaufen lassen. Die musikalische Untermalung des Spiels klingt sympathisch und passend. So erklingt beispielsweise in der ersten Welt der Insel ein tropischer Sound, der Urlaubs-Feeling aufkommen lässt. Auf Dauer kann die Musik allerdings auch etwas nerven, wenn man immerzu im Loop dieselben Sounds hört und kaum Abwechslung vorhanden ist.

Unbox: Newbie's Adventure
Ihr könnt eure Box individualisieren.

Einen Online-Modus gibt es nicht, offline könnt ihr allerdings mit bis zu vier Spielern im Split Screen antreten. Hier habt ihr verschiedene Modi zur Auswahl. Beispielsweise ein Rennen, ein klassisches Deathmatch, bei dem ihr euch mit Feuerwerk beschießt, oder ein Wettrennen darum, wer die meisten Klebebänder einsammelt. Insgesamt zehn Maps stehen euch für die Duelle zur Verfügung. Der Mehrspieler wird allerdings kaum eine Langzeitmotivation darstellen, ist für zwischendurch aber auf jeden Fall spaßig. Die Kampagne hingegen kann leider nur im Einzelspieler erlebt werden und ist, je nachdem wie ausgiebig ihr die Welten erkundet, euch bei den Missionen anstellt oder alle Gegenstände sammelt, in zwischen sieben und vierzehn Stunden erledigt.

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