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Review: Thronebreaker: The Witcher Tales – Ein abgeKARTErtes Spiel

21. Oktober 2018

Review: Thronebreaker: The Witcher Tales – Ein abgeKARTErtes Spiel

Falls ihr trotz des Titels auf den Link zur Review geklickt haben solltet: Herzlich Willkommen. Ihr seid die Elite und offenbar würdig, unseren Test zu Thronebreaker: The Witcher Tales zu lesen.

Die Fahrkarten, bitte

Als uns während der gamescom 2016 das erste Mal GWENT gezeigt wurde, waren wir bereits euphorisch. Bereits damals kündigte CD Projekt Red an, dass auch eine Singleplayer-Kampagne enthalten sein wird, die rund zehn Stunden Spielzeit umfassen sollte. Ein Jahr später wurde uns während der gamescom 2017 eine neuere Version der Kampagne präsentiert. Inzwischen war klar, dass Thronebreaker nicht mehr nur eine Erweiterung zu GWENT, sondern ein eigenes Spiel wird, das sowohl inhaltlich als auch spielzeittechnisch interessante Änderungen mit sich brachte. Statt wie 2016 noch mit Geralt durch die Welt zu ziehen, machten wir nun Bekanntschaft mit Meve, der Königin von Rivien und Lyrien und Protagonistin aus Thronebreaker: The Witcher Tales. Aus den ursprünglich geplanten 10 Stunden Spielzeit wurden zum Release im Jahr 2018 schließlich satte 30 Stunden voller vorzüglicher Erzählkunst aus der Feder der The Witcher 3-Autoren.

Eine von vielen Entscheidungen

Die Geschichte weiß erneut mit allerlei Intrigen, unerwarteten Wendungen, spannenden Charakteren und tiefgreifenden Entscheidungen zu begeistern. Würde man das Spielelement GWENT herausnehmen, könnte man auch von einem unerwarteten 2D-Ableger im Witcherversum sprechen. Doch warum auf GWENT verzichten, wenn CD Projekt Red es so kreativ und klug einsetzt, um dadurch die Geschichte noch spannender zu gestalten?

Aber gehen wir erst einmal einen Schritt zurück. Was, wenn man GWENT gar nicht kennt oder es gar nicht mag, wohl aber gerne eine neue Geschichte in der Witcher-Welt erleben möchte? Auch dafür ist gesorgt.

Kartendeck 3.0

Zu Beginn des Spiels können wir aus drei Schwierigkeitsgraden wählen. Der einfachste Schwierigkeitsgrad lässt uns dabei sämtliche Schlachten überspringen, wodurch wir uns keinerlei Gedanken um knifflige Rätsel oder Kämpfe machen müssen. Sollte man also überhaupt keine Lust auf das Kartenspiel haben, kann man dieses entsprechend auch einfach überspringen. Dabei riskiert man allerdings, dass man die vielen verrückten und kreativen Ideen verpasst, die sich CD Projekt Red aus dem Ärmel geschüttelt hat. Ob nun besondere Gegner in Kartenform dargestellt werden oder wir an Wärtern vorbeischleichen müssen, um schließlich ein Bier möglichst schnell zu trinken – alles was ihr nicht erwartet, werdet ihr in Form eines Rätsels in Thronebreaker: The Witcher Tales finden.

besondere Aufgaben mit besonderen Regeln

Falls man GWENT nicht kennt, aber es zumindest einmal ausprobieren möchte, nimmt einen das Tutorial zu Beginn an die Hand und erklärt das Gröbste. Für Kenner des Kartenspiels sei gesagt, dass es die ein oder andere Neuerung gibt. Beispielsweise haben beide Seiten nur noch zwei Kampfreihen zur Verfügung. Auch könnt ihr nicht wählen, aus welcher Partei ihr eure Karten zieht, da dies von der Geschichte beeinflusst wird. Im Laufe dieser schaltet ihr allerdings die altbekannten Karten mit einigen neuen Fähigkeiten frei. Die nördlichen Königreiche, Skellige, die Monster, Scoia’tael und Nilfgaard erwarten euch.

Da sich die Karten teilweise auch auf Begleiter eurer Reise beziehen, können diese währenddessen auch neue Fähigkeiten erhalten oder aber bei einem Abschied der Person aus eurem Deck verschwinden.

In die Karten schauen lassen

Während unserer Tournee durch die nördlichen Königreiche bewegen wir Königin Meve in bezaubernd detailreicher 2D-Grafik durch die verschiedenen Gebiete ihrer Reise, welche Fans von The Witcher sowohl aus den Spielen als auch aus den Büchern kennen dürften. Dabei hören wir des Öfteren von uns bekannten Figuren, finden das ein oder andere Easter Egg und staunen darüber, wie hübsch Lyrien und all die anderen Gegenden, die ich nicht spoilern möchte, aussehen können.

Doch was wäre ein Spiel von CD Projekt Red, wenn es nur hübsch aussehen würde? Natürlich kann auch der Sound, die Musik und vor allem die Synchronisation begeistern. Die deutschen Sprecher sind so gut, dass man zeitweise glaubt, einem erstklassigen Hörspiel zuzuhören. Man ist fast traurig, dass es nicht so ist. Man spürt den Schmerz und die Trauer in den Stimmen. Die Begeisterung, die Freude und auch die Enttäuschung.

Zwischen all den Dialogen und Erzählerstimmen gibt es aber auch noch das klassische Erkunden der Karte. Diese ist, wie schon erwähnt, in einer wunderschönen 2D-Grafik gehalten. In isometrischer Perspektive steuern wir Meve mit der Maus durch die zerstörten Dörfer, Monsternester, Nilfgaarder und mehr. Dabei finden wir auch Schätze, welche zumeist Karten oder auch besondere Avatarrahmen für das Multiplayer-GWENT enthalten.

im Lager können wir Karten herstellen, mit Gefährten reden, Berichte lesen und die ein oder andere Partie GWENT gegen die KI spielen

Neben Schätzen finden wir aber auch die nötigen Ressourcen, um unser GWENT-Deck und damit unsere Kampfkraft zu verbessern. Dafür sammeln wir sämtliches Holz und alle verfügbaren Rekruten am Wegesrand ein. Ein bisschen Gold schadet natürlich auch nie. In unserem Lager können wir wiederum entscheiden, welche Ressourcen wir wofür verbrauchen. Es wäre beispielsweise schlau, unser Lager auszubauen, um bessere Karten herstellen zu können. Wir können uns aber auch erst einmal auf die verfügbaren Blaupausen fokussieren und damit einige Karten als Verstärkung für unser Deck herstellen.

Wer spielt schon Nilfgaard?

Mit dem passenden Kartendeck steht und fällt der Krieg. Ein Satz, von welchem ich niemals erwartet habe, dass ich ihn jemals sagen oder schreiben würde. Exakt dies müsst ihr aber beachten, falls ihr nicht den einfachsten Schwierigkeitsgrad gewählt habt. In manchen Kämpfen müsst ihr euch, wie schon bei vorherigen GWENTs, eurem Gegenüber anpassen. Manchmal überrascht Thronebreaker: The Witcher Tales aber mit besonderen Aufgaben, den bereits erwähnten Rätseln. Diese müsst ihr meist mit einem vorgegebenen Kartendeck lösen und braucht dabei manchmal auch mehrere Anläufe, bis ihr das clevere Konzept dahinter versteht.

Fazit

GWENT hat seit seiner Entstehung in The Witcher 3 eine ähnlich beeindruckende Entwicklung durchlebt wie Königin Meve während ihrer Reise durch die Kriegsgebiete in Thronebreaker: The Witcher Tales. Ich gebe zu: Ich bin ein großer Fan von ihr. Was aber vor allem auch daran liegt, dass wir als Spielende während ihrer Entwicklung sowohl ihren Werdegang als auch die Geschichte selbst großzügig beeinflussen können. Wir können aus ihr einen herrschsüchtigen Tyrannen ohne jegliche Moral oder aber den wortwörtlichen Social Justice Warrior unserer Träume machen. Dabei wird schnell klar, dass jedwede Entscheidung durchaus langfristige Konsequenzen haben kann. Man merkt dem Spiel an, dass es, typisch für CD Projekt Red, eben nicht nur schwarz und weiß gibt. Jede gute Entscheidung kann auch eine weniger erfreuliche Konsequenz nach sich ziehen.

Und das bezieht sich nur auf die Geschichte. Ich habe zuvor viel darüber gegrübelt, wie wohl eine Singleplayer-Kampagne eines Kartenspiels aussehen könnte. Dass letzten Endes so viel Kreativität in die auf der Karte verteilten Rätsel, so viel Geld in eine perfekte (!) Synchronisation und so viel Arbeit in spannende Charaktere und eine motivierende Geschichte investiert wurde, ist unglaublich. Unglaublich fantastisch. Ich hoffe sehr, dass Thronebreaker: The Witcher Tales nur der erste Teil vieler Geschichten aus dem Witchergwentversum sein wird. Ich brauche mehr davon in meinem Leben.

Thronebreaker: The Witcher Tales
Thronebreaker: The Witcher Tales wäre auch ohne GWENT ein fantastisches Spiel. Mit GWENT ist es sogar noch besser.
Reader Rating0 Votes0
sehr gute Synchronisation
der Erzähler
unfassbar kreative Rätsel
spannende Geschichte
gut ausgearbeitete Charaktere
Entscheidungen und Konsequenzen
detailreiche 2D-Grafik
Gwent 3.0
überspringbare Schlachten
Meve
vereinzelte Schlachten sehr schwer
ist irgendwann vorbei
macht Lust auf ein Hörspiel, welches es vermutlich nie geben wird
87
Gwentycards! Lots! All Kinds!

Caroline Valdenaire hat Thronebreaker: The Witcher Tales auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von CD Projekt Red zur Verfügung gestellt.

Caroline Valdenaire

Caro blickt auf eine abwechslungsreiche Spielekarriere zurück - schließlich darf sie sich schon seit Mitte der 90er ein Zockerweibchen nennen. Am liebsten spielt sie im Team, damit sie dann alle - wie im echten Leben - bemuttern kann. Inzwischen haben es ihr vor allem die Survivalspiele angetan. Bei Gameplane ist sie irgendwie Mädchen für alles, hauptsächlich aber Madame Chefredakteurin.