Artikel PC Playstation Playstation 4 Reviews Xbox Xbox One

Review: Strange Brigade – Jäger der verlorenen Katzen

6. September 2018
Bastian Rühl

author:

Review: Strange Brigade – Jäger der verlorenen Katzen

Was passiert, wenn man Sniper Elite, Indiana Jones, Tomb Raider und Left 4 Dead vereint? Das hat sich das Team von Entwickler Rebellion wohl auch gefragt und die Antwort ist relativ simpel: es entsteht die Strange Brigade. Bereits während der gamescom 2017 durfte Caro den Titel anspielen und war relativ begeistert. Ob sich diese Begeisterung auch nach dem offiziellen Release halten kann? Finden wir es heraus.

Ganz so genervt sahen unsere Gesichter beim Spielen zum Glück nicht aus

Loot für das British Empire

Vier Abenteurer, die sich weder vor Indiana Jones noch Lara Croft verstecken müssen, reisen im Auftrag des British Empire stilecht mit einem Zeppelin – wie sich das in den 1930er Jahren gehört – durch Ägypten und landen nur an Orten, die eines versprechen: Schätze, Gold und Loot ohne Ende. Unser Ziel ist es, Hexenkönigin Siteki den Garaus zu machen – weil sie irgendwie böse ist und bestimmt noch mehr Gold und Loot bei sich trägt. Irgendwie so.

Strange Brigade besticht nicht unbedingt durch die beste Story der Videospielgeschichte, was aber völlig okay ist. Ich mag gute Geschichten, bei Strange Brigade hat man aber ohnehin keine Zeit für die Story – hier geht es vor allem darum, massenweise Gegner platt zu machen und Rätsel zu lösen. Begleitet werdet ihr dabei von einem enthusiastischen Kommentator, ähnlich wie man das aus Stanley Parable oder Bastion kennt.

In ruhigen Momenten kann man die schön gestalteten Gegenden bewundern

Vier gewinnt

Wir haben Strange Brigade ausschließlich im kooperativen Multiplayer-Modus gespielt, auch wenn man sich alleine auf die Reise begeben könnte, was aber sehr schnell sehr hektisch werden dürfte. Bis zu vier Spielerinnen und Spieler können zusammen schnetzeln, looten und rätseln. Zu Beginn einer Runde könnt ihr euch entscheiden, mit welchem der vier Basis-Charaktere ihr dies bewerkstelligen möchtet.

Alle Teammitglieder besitzen unterschiedliche Fähigkeiten sowie Vor- und Nachteile. Abhängig von der Gegend, in der man sich gerade aufhält, kann also ein Wechsel der Charaktere im Verlauf des Spieles Sinn ergeben. Da gekaufte Waffen oder gesammeltes Gold von Charakter zu Charakter übertragen werden, ist ein Wechsel vor oder nach jedem Level entsprechend kein Problem – ihr müsst also nicht jeden Charakter einzeln aufleveln, was eine nette Sache ist.

Ob ihr euch nun für den standardmäßig mit Kingsley-Maschinengewehr ausgestatteten Archimedes de Quincey entscheidet oder euch zum Beispiel Masaai-Kriegerin Nalangu Rushida besser gefällt, bleibt euch überlassen. Vor eurer Reise habt ihr zudem die Möglichkeit, euer Inventar zu verwalten. Lust auf Granaten? Oder wäre euch Dynamit lieber? In Bezug auf das Waffenarsenal unterscheiden sich die Charaktere nicht, allerdings gibt es ein nicht zu verachtendes Detail: das Amulett.

Nicht wirklich unlösbar oder schwer – aber trotzdem spaßig: die Rätsel

Das ausgerüstete Amulett eines Charakters setzt magische Kräfte frei, welche teilweise sehr mächtig ausfallen können. Nachdem wir mehrere Charaktere getestet haben, fiel mir hier eine Sache ganz besonders auf: ich sehe keinen Grund, einen anderen Charakter als Archimedes zu wählen. Seine Spezialfähigkeit ist eine magische Kraft, die massenweise Gegner in der Umgebung tötet – oder ihnen aber mindestens massiv Schaden zufügt. Im Gegensatz dazu verblassen die Prügel- und Schleuderattacken der anderen Charaktere dann leider relativ schnell. Positiv anzumerken ist hier, dass alle im Multiplayer versammelten Spieler ein und denselben Charakter wählen dürfen. Streitigkeiten wurde hier also gut entgegengewirkt.

Gegner, Rätsel, Sensationen

Der Ablauf des Spiels klingt zunächst relativ simpel und plump: Nach einer netten Zwischensequenz im Stile der 1930er – in der unser Kommentator immer wieder beweist, dass hier nichts zu ernst genommen werden sollte – landet ihr in einem Gebiet, ballert Gegner über den Haufen, rätselt und steht am Ende dem Boss gegenüber. Doch wie so oft ist auch hier der Weg das Ziel. Und dieser Weg ist gepflastert mit massenweise Spielspaß, genügend Abwechslung und einer Menge Selbstironie.

Was zunächst auffällt: Strange Brigade ist keinesfalls ein hässliches Spiel. Die relativ linear gestalteten Gegenden sind sehr detailreich und liebevoll in Szene gesetzt, was zur dichten Atmosphäre ebenso beiträgt wie ein nicht aufdringlicher, aber recht ordentlicher Soundtrack.

Strange Brigade

Nach wenigen Minuten wird klar, dass eure Abenteurer nicht willkommen sind. Siteki wirft euch einige Gegner entgegen, die euer Vorankommen bremsen sollen. Das erwähnte Amulett lädt man auf, indem man Gegner erledigt – was aus nächster Nähe passiv geschieht, bei größerer Entfernung aber aktiv getan werden muss. Es ist also nicht nur wichtig ständig in Bewegung zu bleiben, Munition und Lebensenergie im Auge zu behalten, sondern auch das Sammeln der Energie für das Amulett sollte gemeistert werden.

Die Gegnerwellen fordern euch einiges ab, die gute Spielmechanik sorgt aber dafür, dass ausweichen, wegrollen und ballern sehr viel Freude bereiten. Heiltränke sind sehr selten, was zu Beginn durchaus ein Frustfaktor war, wenn man nicht mit einem vollständigen Team spielt. Durch entsprechende Taktiken und Lernen der Mechanik stellt aber auch das sehr schnell kein allzu großes Problem mehr dar. Großen Spaß bringt auch die Interaktion mit der Umgebung. Hier könnt ihr Fallen aktivieren, Baumstämme von Hügeln über Gegner rollen lassen, Fässer zum Explodieren bringen und noch viele weitere schöne, fiese Dinge anstellen.

Eine der komplexeren Aufgaben, die wir natürlich trotzdem mit Bravur gemeistert haben

Was mir an Strange Brigade insgesamt besonders gut gefallen hat, war das Level- und Missionsdesign. Auch wenn sich nach einiger Zeit diverse Aufgaben auf die eine oder andere Art wiederholen, meistert das Spiel hier den Spagat zwischen Action und Rätseln sehr gut. Meist folgt nach einer actiongeladenen Sequenz mit Zwischenbossen und Feuergefechten eine eher ruhige Gegend, in der ihr euch dann den Rätseln widmen könnt. Vereinzelt gibt es auch hier Gegner und Schockmomente, diese sind aber nicht der Rede wert.

Verschlossene Türen werden geöffnet, indem man bestimmte Symbole in der richtigen Reihenfolge trifft. Hier ist Teamwork gefordert, da die Reihenfolge oft auf Tafeln an einer anderen Stelle angezeigt wird. Ebenfalls mit von der Partie sind Aufgaben, bei denen man Lichtkegel an bestimmte Stellen leiten muss. Des Weiteren gehört das Entschärfen von Fallen zum Alltag der Strange Brigade. Insgesamt sind die Rätsel nie wirklich schwer, bringen aber Spaß und verursachen hin und wieder ein leichtes Kopfkratzen.

Strange Brigade

Die Belohnung für all die Mühe? Ein sehr starker Endboss in jedem Level (und Loot!). Diese unterscheiden sich natürlich zunächst optisch relativ stark, doch auch die Art und Weise, wie man sie zur Strecke bringt, bietet genügend Abwechslung. Wie bereits erwähnt: Strange Brigade nimmt sich selbst nicht zu ernst. Da ist es wenig verwunderlich, dass die meisten Bosse über die typischen Schwachpunkte verfügen. Ihr wisst schon… diese unauffällig leuchtenden Stellen am Körper, die dort bestimmt nicht ohne Grund zu sehen sind.

Jäger der verlorenen Katzen

Als wäre das noch nicht genug des Inhalts, der Hektik und des Stresses, gibt es neben Loot, Waffen-Upgrades und Sammelgegenständen auch noch… Katzen. Natürlich. Diese werden euch zwar nie gefährlich, doch lässt unser Kommentator keine Gelegenheit aus, euch mitzuteilen, wie schrecklich diese doch sind. Kurz vor Ende jedes Levels prangt eine Katzentür, die sich nur öffnet, wenn ihr alle sechs im Level vorhandenen Katzen gefunden und – natürlich – abgeschossen habt. Da diese Meister im Verstecken sind und meist an sehr ungewöhnlichen Orten auftauchen, machen sie freundlicherweise durch ein kurzes Miauen auf sich aufmerksam. Die Belohnung hinter der Katzentür verrate ich nicht, doch ist es durchaus möglich, dass es sich dabei aber wieder um Loot oder Gold handelt, wer weiß.

Fazit

Ich war mehr als skeptisch bei Strange Brigade. Nach den ersten Trailern und Screenshots fand ich zwar den 1930er Charme und Humor relativ nett, mehr aber auch nicht. Horden von Monstern wegballern – mehr oder weniger ohne Sinn und Verstand – das sind nicht gerade Aspekte, die mich bei Spielen aus der Reserve locken.

Umso überraschter war ich dann, als ich stellenweise völlig die Zeit vergessen hatte. Ich hatte nicht erwartet, dass mich dieses Konzept so in seinen Bann ziehen könnte. Strange Brigade hat das aber sehr gut geschafft. Das liegt zum einen daran, dass man relativ schnell den Dreh raus hat, zum anderen an der guten Balance zwischen Action und Rätseln und nicht zuletzt an den interessanten Schauplätzen.

Trotz kleiner Schwächen – die Rücksetzpunkte sind beispielsweise relativ nervig und schlecht platziert – überwiegt definitiv der Spaß. Jedes Mal, wenn ich eine unmöglich erscheinende Stelle gemeistert hatte, war die Befriedigung sehr groß und genau das ist es, was Strange Brigade in meinen Augen auszeichnet.

Strange Brigade
Ich mag Katzen. Und Strange Brigade.
Reader Rating1 Vote84
hübsche Grafik
spaßige Koop-Rätsel
netter Humor
herausfordernd aber (meist) fair
Katzen :)
seeeehr wenige Heiltränke
teilweise schlecht platzierte Rücksetzpunkte
Katzen :(
84

Bastian Rühl hat Strange Brigade auf der Playstation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Marchsreiter Communications zur Verfügung gestellt.

Bastian Rühl

Basti spielt schon sehr lange (und ist trotzdem ein Noob), weil er schon sehr alt ist. Ob's nun ein Indie-Titel oder ein AAA Blockbuster ist, spielt für ihn eigentlich keine Rolle, solange die Atmosphäre und / oder die Story stimmt. Er ist nicht der größte Ego-Shooter-Fan der Welt, schaut aber auch gerne mal über den Tellerrand.