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Review: State of Mind – Eine Welt vor dem Zerfall

17. August 2018
Nicole Wetzel

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Review: State of Mind – Eine Welt vor dem Zerfall

Die Technologie schreitet immer weiter voran, sodass virtuelle Realität sowie KIs und Androiden immer wieder ein Thema sind, welches auch sehr gerne in Filmen, Büchern und Spielen behandelt wird. Mit State of Mind wagt sich auch Daedalic Entertainment an diese Thematik und konfrontiert uns mit Problematiken in naher Zukunft, die durchaus zum Nachdenken anregen. Ob sich das Abenteuer im Gesamtpaket allerdings lohnt, werdet ihr in unserer Review zu State of Mind erfahren.

Eine Welt vor dem Zerfall

State of Mind entführt euch in ein sehr düsteres, dystopisches Berlin im Jahre 2048. Roboter, Drohnen und selbstfahrende Autos sind derweil ein starker Bestandteil der Welt, denn sie sind überall anzutreffen. Drohnen surren durch die düsteren, neonbeleuchteten Straßen Berlins, während Roboter der Polizei Junkies zusammenschlagen. Die Welt steht am Abgrund und die Menschheit kurz vor dem Untergang. Armut und Verzweiflung sind kein seltener Anblick. Auf die vermeintlich perfekte Technologie reagieren die Menschen derweil stark gespalten. Auch Protagonist und Journalist Richard Nolan ist absolut nicht angetan von der künstlichen Intelligenz und den Entwicklungen der Welt. Die Menschen setzen daher ihre Hoffnung darauf, dem Untergang und der düsteren Welt entfliehen zu können und auf dem Mars eine neue Zivilisation zu gründen.

In State of Mind erwartet euch ein düsteres, dystopisches Berlin im Jahre 2048.

State of Mind präsentiert sich von Anfang an düster sowie dramatisch und beginnt direkt mit dem tragischen Autounfall von Richard Nolan, weil die Technologie offenbar versagte. Durch den Unfall verliert er einen Großteil seines Gedächtnisses. Damit allerdings noch nicht genug, denn als Richard Nolan vom Krankenhaus entlassen wird und endlich wieder nach Hause darf, sind sein Sohn John und seine Frau Tracy spurlos verschwunden. Zudem befindet sich plötzlich der Roboter Simon in seiner Wohnung. Im Verlauf des Spiels helfen wir Richard also nicht nur dabei seine Erinnerungen zurück zu bekommen, sondern finden auch heraus, wohin sein Sohn und seine Frau verschwunden sind.

Im Verlauf werdet ihr auch auf viele weitere Charaktere treffen, die sich nach und nach in die Geschichte einfügen werden. Neben Richard wird besonders Adam Newman eine Hauptrolle einnehmen und einen starken Kontrast zu Richards Leben und zu dem düsteren Berlin abgeben. Adam lebt nämlich in City 5, einer virtuellen, perfekten Welt, die einen starken, sehr hellen Kontrast zur dunklen Realität, in welcher Richard lebt, abgibt. Neben Richard und Adam werden im späteren Verlauf sogar noch weitere spielbare Charaktere hinzukommen.

Da gerade die wirklich interessante und spannende Geschichte die Stärke von State of Mind ist, möchten wir an der Stelle nicht viel über die Story verraten. State of Mind macht jedenfalls keinen Hehl daraus aufzuzeigen, dass das Zusammenleben von Mensch und hoher Technologie auch sehr düstere Folgen haben kann. Neben KIs und Technologie sind auch Familie, Trennung, Liebe und Wiedervereinigung Thematiken, die in der Geschichte vereint werden. Dadurch, dass Richard Nolan sein Gedächtnis verloren hat, weiß weder Protagonist noch Spieler, was genau Sache ist und ergründen daher gemeinsam die Geschichte, bis sich alles zu einem Bild zusammensetzt und man das ein oder andere dunkle Geheimnis aufdeckt. Während das Spiel zunächst wie ein banaler Thriller wirkt, da die Story auch etwas Zeit benötigt, um Fahrt aufzunehmen, hat es im Endeffekt doch eine tiefgründige Bedeutung und zieht einen in seinen Bann. Man muss dem Spiel also durchaus ein wenig Zeit lassen und geduldig sein, bis die Geschichte den Spannungsbogen erklimmt und mit schockierende Höhepunkten überrascht.

Die Höhen und Tiefen des Lebens und der Technologie

Gameplay-technisch hat State of Mind allerdings nicht allzu viel zu bieten. Die Story ist vielversprechend, das Gameplay wirkt dagegen eher etwas belanglos, weswegen dahingehend nicht allzu viel erwartet werden sollte. Auch wenn es als Adventure typisch ist, den Fokus vollkommen auf die Story zu setzen, so fällt das Gameplay doch etwas zu minimalistisch und etwas zu anspruchslos aus. Etwas mehr Abwechslung hätten hier gut getan. Grundsätzlich könnt ihr viele Objekte untersuchen, die euch zwar interessante Zusatzinformationen liefern, allerdings nicht zwingend nötig sind. Sollte euch die Thematik und die Geschichte also sehr interessieren, lohnt es sich alle Objekte zu untersuchen. Auch ein Inventar ist im Spiel vorhanden, was allerdings keinen richtigen Verwendungszweck bekommt, da ihr nie irgendwelche Items aus dem Inventar miteinander kombinieren müsst. Auch hier wurde also etwas Potenzial verschwendet.

Mehr Minispiele statt Rätsel und Gameplay-Action

Das Gameplay besteht überwiegend aus einer Aneinanderreihung verschiedener, simpler Minispiele und kleinerer Rätsel. Weder die Minispiele noch die kleineren Rätsel stellen euch vor eine Herausforderung. Beispielsweise müsst ihr einmal Dokumente und Artikel kombinieren, um einer neuen Spur nachzugehen. Dieses Beispiel stellt bereits die komplexeste Aufgabe dar, die State of Mind euch servieren wird. Noch banaler sind die Aufgaben, bei denen ihr ein Bild zusammensetzen müsst und dafür die richtigen Puzzleteile auswählen müsst. Egal welches Beispiel man nimmt, keine Aufgabe ist annähernd komplex oder schwierig. Selbst gegen Ende der Geschichte fährt State of Mind keine wirklich schwierigeren Rätsel oder Minispiele auf. Wer also keine Herausforderung benötigt und lieber auf einen angenehmen Spielfluss legt, ohne sich die Zähne an schwierigen Passagen ausbeißen zu müssen, der wird mit dem simplen Gameplay mehr als zufrieden sein.

Das Gameplay ist überwiegend eine Zusammenkunft aus kleinen, simplen Minispielen.

In Dialogen habt ihr immer mehrere Optionen, die, mit Ausnahme von ein paar wenige Entscheidungen gegen Ende des Spiels, allerdings nichts am Story-Verlauf ändern, sondern bestimmen, wie ein Charakter auf euch reagiert. Je nachdem wie ihr euch verhaltet, kann dies auch die Beziehung zu anderen Personen verändern. Allerdings trägt auch dies keine große Relevanz zur Geschichte bei. Ihr könnt zwar jederzeit, insofern die Charaktere online sind, via Cloud Call Freunde oder Verwandte von Richard anrufen und mehr über die Charaktere und die Geschichte erfahren, aber auch dies wirkt sich nicht auf die Geschichte aus. Solltet ihr zudem einmal nicht weiter wissen, kann euch der ein oder andere Charakter auch einen nützlichen Hinweis geben. Da das Spiel allerdings nicht besonders schwierig ist, solltet ihr darauf eher selten zurückgreifen müssen.

Dialoge und Zwischensequenzen können nicht übersprungen werden und auch eine manuelle Speichermöglichkeit fehlt. Das Spiel speichert automatisch und zwar nach jedem Kapitel. Da die einzelnen Kapitel und Speicherpunkte nicht wirklich ersichtlich sind, vermisst man eine manuelle Speicheroption. Solltet ihr also ein Kapitel vorzeitig beenden, werdet ihr es von vorne spielen müssen. Einzig im Menü könnt ihr einsehen an welchen Punkten das Spiel zuletzt einen Autosave setzte.

Auch wenn das Gameplay sehr simpel ausgefallen ist, überzeugt State of Mind ohnehin mehr mit der Geschichte und dem besonderen Grafikstil, der gewiss nicht jedermanns Geschmack trifft. Der Polygongrafikstil fungiert allerdings überraschend harmonisch zur düsteren, futuristischen und dystopischen Welt. Gerade die Umgebung, die Straßen und Wohnungen bieten viel Liebe zum Detail und sind wirklich schön anzusehen. Es verleiht dem Spiel eine eigene Note und auch etwas Künstlerisches. Hier hat man sich deutlich Mühe gegeben. Natürlich hat der Polygonstil nicht nur Vorzüge, sondern auch Nachteile, denn gerade die Mimik und Gesichtszüge der Charaktere wirken manchmal etwas steif und plastisch. Auch die Farbwahl unterstreicht die Thematik sehr gut und fügt sich passend in die kantige Optik ein. So ist die Welt von State of Mind überwiegend mit flachen und dunklen Farben überzogen und mit kräftigen Neon-Farben werden passende Akzente gesetzt. Das optische Gesamtbild stimmt jedenfalls.

Das Spiel bietet zwar eine deutsche Synchronisation, was durchaus positiv anzumerken ist, allerdings klingen die deutschen Stimmen lediglich passabel. Wahlweise könnt ihr allerdings auch auf die englische Synchronisation mit deutschen Untertiteln wechseln.

Nicole Wetzel

Nicole ist praktisch als Zockerin geboren, denn schon mit etwa 3 Jahren fand sie sich vor einer SNES wieder und wuchs somit mit Yoshis's Island und Donkey Kong Country auf. Seither sind Videospiele ihre große Leidenschaft und nicht mehr für sie wegzudenken. Später wurde sie nicht nur von Nintendo sondern auch von der Playstation geprägt, weswegen sich ihr Spektrum um etliche Genre erweiterte.