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Review: State of Decay 2 – For the Horde!

17. Mai 2018

Review: State of Decay 2 – For the Horde!

2013 erschien State of Decay und wurde von vielen Spielern als ungeschliffener Rohdiamant bezeichnet. Mitten in der Zombieapokalypse musste man sich darum kümmern, eine funktionstüchtige Basis zu bauen und für zufriedene Einwohner selbiger zu sorgen. Daneben quälten das Spiel aber auch unzählige Bugs, eine nicht optimale PC-Portierung und der fehlende Multiplayer, den sich viele Spieler wünschten. Fünf Jahre später erscheint nun State of Decay 2 und möchte alles besser machen.

Willkommen zurück

Zu Beginn von State of Decay 2 wählen wir unsere beiden Protagonisten, die das Spiel bestreiten sollen. Hier haben wir eine Auswahl aus besten Freunden, Partnern oder zwei Unbekannten, die sich mitten in der Zombieapokalypse begegnet sind und dachten, dass man zu zweit vielleicht bessere Überlebenschancen hat. Der Beginn des Spiels läuft unabhängig der Charakterwahl stets gleich ab, unterscheidet sich aber zumindest in den Gesprächen, die währenddessen stattfinden.

Erneut werden wir mitten in das Geschehen geworfen, absolvieren das übliche schleiche-hier-schlage-da Tutorial und begegnen der ersten Neuerung in State of Decay 2: die Blutseuche. Eben jene hat die Zombies befallen und macht diese noch gefährlicher, da sich unsere Überlebenden ebenfalls damit infizieren können, falls wir zu häufig damit in Kontakt treten. Infizierte Bewohner unserer Basis haben begrenzt Zeit, um davon geheilt zu werden. Dafür müssen wir wiederum weitere befallene Zombies töten, um sogenannte Proben zu sammeln und diese zu einem Heilmittel umzuwandeln. Schaffen wir das nicht rechtzeitig, haben wir zumindest die Möglichkeit den infizierten Mitbewohner zu verbannen, ihn zu töten oder dabei zuzuschauen, wie sie sich verwandeln.

Die Geschichte von State of Decay 2 fokussiert sich vor allem darauf, dass ihr die Blutherzen, welche Infektionsherde voller blutroter Zombies sind, ausschaltet. Alle davon. Sobald ihr eine Karte komplett davon bereinigt habt, könnt ihr das Ziel eures Anführers vollenden und habt das Spiel „gewonnen“. Moment. Karte? Anführer?

Alles neu macht der Mai

Die Blutherzen mögen ein zentrales Feature sein, doch glänzt State of Decay 2 vor allem mit sinnvollen Neuerungen im Bereich der Überlebenden. Auch wenn euch diese noch immer nicht ans Herz wachsen, tragen sie doch ihren Teil zur Gemeinschaft bei. Ihr seid kurz davor zu verhungern? Wie praktisch, dass ihr gerade einen Gärtner gefunden habt, der euch ein Upgrade eurer Farm erlaubt. Die Meute rebelliert? Wie wäre es mit einem Anführer, der allen die Richtung weist?

Um in State of Decay 2 ein Anführer zu werden, muss sich ein Überlebender erst als würdig erweisen und gute Taten für die Gemeinschaft vollbringen. Beispielsweise indem er oder sie eine Horde direkt vor der Tür ausschaltet. Oder indem man sinnvolle Ressourcen in die Basis bringt. Oder indem man Aufträge für die netten Nachbarn erledigt. All das sorgt dafür, dass ihr vom anfänglichen Rekrut langsam so viel Einfluss sammelt, dass ihr eine Führungsposition übernehmen könnt.

Diese fällt je Charakter unterschiedlich aus. Während der Ex-Soldat als Sheriff eher für Recht und Ordnung sorgen will, möchte unsere Ex-Freundin lieber dafür sorgen, dass wir als Händler genug Einfluss nehmen können, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Daneben könnt ihr auch als Kriegstreiber oder Bauarbeiter das Endgame bestreiten.

Mögliche Spezialisierungen

Neben den Führungsqualitäten erlernen eure Überlebenden erneut sinnvolle Skills, die ihnen beim Kampf durch die Zombiewellen helfen. Dies passiert via learning by doing. Ihr rennt, ihr verbessert eure Kardio-Skills. Ihr schießt, ihr verbessert eure Schießfähigkeit. Ein faszinierendes Konzept. Habt ihr die maximale Stufe eines Skills erklommen, dürft ihr euch auf besondere Fähigkeiten spezialisieren.

Beim Nahkampf könnt ihr euch beispielsweise auf das Schleichen fokussieren, was es euch erlaubt auch geduckt zu rennen, ohne dabei einen Laut von euch zu geben. Bei passiven Skills wie der Medizin könnt ihr wiederum dafür sorgen, dass durch unterschiedliche Spezialisierungen jeweils unterschiedliche Möglichkeiten in eurer Krankenstation freigeschaltet werden. Die Fähigkeiten sorgen dafür, dass euer Mitglied der Gemeinschaft immer wertvoller wird, was wiederum dafür sorgt, dass eine große Lücke entsteht, sollte dieses Mitglied sterben.

Ebenfalls neu sind die feindseligen Menschenenklaven. Wie bereits im ersten Teil stoßt ihr häufig auf fremde Überlebende, die ab und an mit euch Vermisste suchen oder einen riesigen Sack voller Munition brauchen, damit sie euch weiterhin die Treue schwören können. Erfüllt ihr die Wünsche nicht oder verpasst die Gelegenheit schlicht deswegen, weil ihr mitten in einer Zombieapokalypse steckt und gerade andere Sorgen habt, dann verlässt die Enklave entweder beleidigt das Land oder wird euch gegenüber feindlich und schießt, sobald sie euch sieht. Habt ihr für eine Enklave genügend Missionen erledigt, kann es sogar sein, dass sie sich mit euch verbündet und mit besonderen Boni belohnt.

Bauen wie die Weltmeister

Zentrum aller Anstrengungen ist noch immer unsere Basis. Um neue Stützpunkte für eine Basis zu finden, müssen wir in einer der drei vorgegebenen Maps umherfahren und diese entsprechend auskundschaften. Je größer die Wunschbasis, desto mehr Einfluss brauchen wir, um diese beziehen zu dürfen. Diesen sammeln wir wiederum vor allem durch zufällige Quests oder Aufgaben von Nachbarn sowie das Zerstören der Seuchenherzen.

Jede Basis hat unterschiedliche Vorbauten, welche wir nutzen können. Daneben brauchen wir manchmal auch eine bestimmte Anzahl von Bewohnern, um für genügend Sicherheit sorgen zu können. Je größer die Basis, desto mehr Überlebende brauchen wir. Aber: je größer die Basis, desto mehr Slots haben wir auch, um diese auszubauen. Aber: je mehr Bewohner wir mitbringen, desto lauter sind wir auch. Und Lautstärke sorgt dafür, dass die Zombies uns etwas appetitlicher finden und gerne belagern.

Der Ausbau einer Basis funktioniert in State of Decay 2 wie im Vorgänger. Wir haben eine bestimmte Anzahl von Slots, welche wir mit unterschiedlichen Bauten aufwerten können. Dabei wird zwischen kleinen und großen Slots unterschieden. Auf einem kleinen Slot können wir beispielsweise einen Garten bauen, während ein großer Slot auch mit einer Farm bebaut werden kann, welche für mehr Lebensmittel je Tagesanbruch sorgt, um das Überleben zu sichern. Besondere Bauten können auch gewisse Skills der Bewohner oder einen bestimmten Anführer voraussetzen, um überhaupt freischaltbar zu sein.

Um die Basis betreiben zu können, müssen wir auch dafür sorgen, dass wir stets genügend Ressourcen haben. Dazu gehören Lebensmittel, Medizin, Munition, Baumaterialien und Benzin. Haben wir eine Knappheit einer oder mehrerer Ressourcen, werden unsere Bewohner unzufrieden und die Moral der Basis sinkt, was sogar dazu führen kann, dass uns Mitstreiter aufgrund mangelhafter Führung verlassen.

Brain Bugs

Wer erwartet hat, dass State of Decay 2 sich vielleicht etwas zu weit vom Original entfernt, kann aufatmen. State of Decay 2 ist quasi der Vorgänger mit einigen sinnvollen Neuerungen. Leider haben es erneut auch viele Bugs in das fertige Spiel geschafft, welche durch Patches aber bereinigt werden sollen. Während meinen rund 30 Stunden Spielzeit wurde ich häufig durch fliegende Zombies, die langsam auf die Straße vor mir gleiten oder durch plötzlich unsichtbare Begleiter vollkommen aus dem Spiel gerissen. Bei letzterem Problem hilft nur ein Neustart oder, solltet ihr euch in der Base und nicht mitten in einer Quest befinden, der Wechsel zum unsichtbaren Charakter.

Pop-Ins gibt es auch in der PC-Version zuhauf und manchmal kann es auch passieren, dass ihr nach einer ertragreichen Tour voller Ressourcen plötzlich in den Boden fallt und schlimmstenfalls neu starten müsst, falls ein Zurücksetzen eures Charakters nicht möglich ist. Eine stotternde Framerate oder Türen, die zwar visuell offen sind, aber nicht technisch, sind wiederum Probleme, die zumindest ich verschmerzen kann. Zusammenfassend: Es ist kein hochpoliertes Spiel, der Spielspaß ist aber dennoch vorhanden. Zumindest für all diejenigen, die über die Fehler hinwegsehen können.

Caroline Valdenaire

Caro blickt auf eine abwechslungsreiche Spielekarriere zurück - schließlich darf sie sich schon seit Mitte der 90er ein Zockerweibchen nennen. Am liebsten spielt sie im Team, damit sie dann alle - wie im echten Leben - bemuttern kann. Inzwischen haben es ihr vor allem die Survivalspiele angetan. Bei Gameplane ist sie irgendwie Mädchen für alles, hauptsächlich aber Madame Chefredakteurin.