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Review: Star Wars Battlefront 2 – Ist es ein schlechtes Spiel?

Der Krieg ist wieder da: Dunkel gegen hell, gut gegen böse. Ob sich Electronic Arts oder die Community in diesem Kräftemessen durchsetzen, bleibt abzuwarten. Während auf Reddit mit Downvotes scharf geschossen wird, habe ich mich auf die Schlachtfelder meines Lieblingsfranchises begeben um herauszufinden, ob Star Wars Battlefront 2 ein gutes oder schlechtes Spiel ist.

(Han) Solo unterwegs

Als Dice 2015 ankündigte, keine Kampagne für Battlefront zu liefern, war ich einer der Wenigen, die das gut fanden. Der Grund ist denkbar einfach: Dice kann Singleplayer einfach nicht. Seit Battlefield 3 war dieser Teil der Shooter-Reihe ein Hort von Bugs, schlechten Geschichten und noch schlechteren Charakteren. Dass der nur mittelmäßige Singleplayer bei Battlefield 1 von manchen als Offenbarung gefeiert wurde zeigt, wie niedrig hier die Messlatte hängt.

Star Wars Battlefront 2

Entsprechend skeptisch bin ich an Battlefront 2 herangetreten. Das Konzept klang gut: Aus Sicht einer imperialen Elitesoldatin soll die Zerstörung des Todessterns und der anschließende Überlebenskampf des Imperiums bis hin zu Episode 7 geschildert werden. Das klingt frisch, das gab es bisher noch nicht. Allerdings ist Dice sich hier seinem Ruf weitestgehend treu geblieben.
Nicht falsch verstehen: Die Kampagne hat ihre Momente und weiß zu unterhalten. Fans des Franchises kommen mit epischen Zwischensequenzen, X-Wings, TIE-Fightern und gewaltigen Schlachten voll auf ihre Kosten. Farbenfrohes und kurzweiliges Popcorn-Kino. Die Story fängt stark an: Geschockt schauen die imperialen Soldaten auf Endor zum Himmel hoch. Der Todesstern ist zerstört. Millionen Kameraden durch die Explosion getötet. Schon wieder. Was geht in einem Menschen in so einer Situation vor? Trauer? Wut? Hass? Der perfekte Einstieg, um die Charaktere authentisch und menschlich werden zu lassen. Leider hat Dice hier geschlafen.

Die Protagonistin Iden Versio bleibt in diesem Moment so blass wie jeder andere Charakter in einer Dice-Kampagne. Sie setzt ihren Helm auf, sagt, dass es weitergehen muss und schießt ein paar Rebellen über den Haufen. Dass ihre Weltanschauung gerade erschüttert wurde, sie da oben im Weltall womöglich Freunde verloren hat, wird nicht thematisiert.
Was folgt sind Missionen, die sich sehr nach „Standard“ anfühlen, aber immerhin schön aussehen. Ein schlecht erklärter und aufgesetzter Wendepunkt in der Geschichte fahren den Karren fliegen das Raumschiff schließlich vollends in den Dreck.

Star Wars Battlefront 2

Was mir als Fan von Star Wars jedoch gefallen hat, waren die Gastauftritte bekannter Charaktere. Ihre Dialoge, ihre Handlungen passen allesamt zur Vorlage aus den Filmen. Hinzu kommt auf der Seite der Rebellen ein Charakter namens Shriv, über den ich gerne mehr erfahren hätte. Für mich der einzige interessante Neuzugang.

Schritte nach vorn …

Eins muss man Dice lassen: Einige Kritikpunkte aus dem Vorgänger wurden von den Entwicklern aufgenommen und tatsächlich gut umgesetzt. So gibt es nun deutlich mehr Karten als im Vorgänger. Der Spieler findet sich auf Klassikern wie Tatooine, Hoth, Endor und dem Todesstern wieder. Hinzu kommen Planeten wie das verregnete Kamino mit seinen Klonanlagen, die Starkiller Basis aus Episode 7 und natürlich Naboo, was viele aus der Beta kennen dürften. An der Auswahl der neuen Schauplätze können es sich vermutlich viele auch schon denken: In Star Wars Battlefront 2 wird in jeder Era gespielt und nicht nur im Bürgerkrieg. Ebenfalls angenehm ist, dass der 20 gegen 20 Spielmodus „Galaktischer Angriff“ neben abwechslungsreichen Karten auch wechselnde Spielziele anbietet. Mal müssen Kampfläufer zerstört, mal Gebiete eingenommen werden. Dann wiederum ist das Ziel das Legen und Beschützen von Sprengsätzen.

Star Wars Battlefront 2

Ein weiterer Pluspunkt ist das Klassensystem, die Waffen und damit auch das Gameplay. Spieler haben die Auswahl zwischen vier Klassen: Angriff, Schwer, Offizier und Spezialist. Angriffstruppler sind auf kurze bis mittlere Distanzen tödlich, während der Spezialist nicht an der Front kämpft und sich auf seine Langstreckenwaffen verlässt. Der schwere Truppler bringt die meiste Feuerkraft mit sich und hält auch am meisten aus. Der Offizier unterstützt seine Mitspieler, in dem er Schilde aufstellt oder die Lebensenergie von Mitstreitern in der Nähe erhöht. Hat man während des Spiels durch Abschüsse oder erfüllte Missionen genügend Punkte erreicht, können diese ausgegeben werden, um Elite-Einheiten, Helden oder Fahrzeuge aufs Schlachtfeld zu steuern. Eine viel bessere Lösung als das Pick Up – System des Vorgängers.

Mit dem Klassensystem kommen wir aber auch schon zu meinem ersten Kritikpunkt. Das Zusammenspiel fördern diese nämlich nur im Ansatz. Spürbar wird dies vor allem, wenn ich mit Freunden Star Wars Battlefront 2 spiele. Auch wenn wir gemeinsam einem Spiel beitreten, scheint es vom Zufall abzuhängen, ob wir an der gleichen Stelle das Schlachtfeld betreten. Dass ich direkt bei einem Freund ins Spielgeschehen einsteige, ist überhaupt nicht möglich.

… und Schritte zurück

Was Dice mit dem vorhandenen System bewirken will, ist mir nicht klar. Bei jedem Spawn werde ich mit anderen Spielern zufällig in einer Gruppe zusammengewürfelt. In der rechten Bildschirmecke steht noch der Hinweis, dass ich doppelte Punktzahl bekomme, wenn ich in der Nähe dieser Leute bleibe. Jeder, der Online-Games kennt weiß, dass dies nur selten der Fall ist. Ich wüsste auch nicht, wie ich mich mit diesen Leuten anständig koordinieren sollte: Ein Ingame-Chat fehlt, ich kann auch keine Markierungen setzen und nach dem Bildschirmtod ist es sowieso ungewiss, ob ich diesen Mitspielern nochmal über den Weg laufe.

Star Wars Battlefront 2

Spulen wir vor. Ein Match ist zu Ende und auf dem Scoreboard wird angezeigt, wie gut oder schlecht man in dieser Runde abgeschnitten hat. Jeder Spieler kann auch nachsehen, wie viele Credits und Erfahrung er für seine Leistung bekommen hat und welche Erfolge bald freigeschaltet werden. Wie das Spiel die Höhe der Credits bestimmt, ist mir jedoch schleierhaft. Ein Tipp von mir ist, dass es mit der Dauer der Runde zusammenhängt, denn kürzere Runden werfen weniger Credits ab. Dass erfolgreiche Verteidiger, die den Gegner von Anfang an dominierten, für ihre exzellente Leistung damit bestraft werden, ist mehr als nur ein bisschen Paradox. Hinzu kommt, dass die Gewinnspanne teilweise nur im zweistelligen Bereich liegt. Während meine Mitspielerin in der Top 3 vertreten war und ich am unteren Ende der Rangliste mein Dasein fristete, hat sie nur etwa 40 Credits mehr bekommen. Um diesen Betrag einordnen zu können: Die teuersten Helden kosten zum Freischalten 15.000 Credits.

Allgemein habe ich das Gefühl, dass Star Wars Battlefront 2 seine Credits nur ungern an Spieler ausgibt. Neben den Runden im Galaktischen Angriff, wo bei einer sehr langen Runde nur etwas weniger als 400 Credits rum kommen, geben alle anderen Modi wie Team Deathmatch deutlich weniger. Im Arcade Modus, in dem der Spieler gegen die KI kämpft und spezielle Aufgaben bewältigen kann, ist die Anzahl an Credits sogar limitiert. Habe ich ein bestimmtes Limit erreicht sagt mir das Spiel, dass ich in diesem Modus erst in acht Stunden wieder Credits verdienen kann. Auch befremdlich: Für einen Levelaufstieg bekomme ich gar nichts. Nada. Niente. Ich erinnere mich an kein Spiel, in dem das Füllen eines Erfahrungsbalkens sich so unbefriedigend anfühlt.

Star Wars Battlefront 2

Und damit kommen wir zum Fortschrittssystem und den Lootboxen. Zugegeben, ich habe eine Weile gebraucht bis ich verstanden habe, wie ich in Star Wars Battlefront 2 überhaupt besser werde. Neben den bereits erwähnten Credits gibt es Herstellungsteile. Mit denen kann ich mir Star Cards erstellen und verbessern. Das Aufwerten einer Karte ist dabei noch an den Level der jeweiligen Klasse und den Level des Accounts gebunden. Der Level der Klasse wird dabei jedoch dadurch bestimmt, wie viele Karten der Spieler für diese besitzt und wie weit diese aufgewertet sind. Das klingt nicht nur verwirrend, es ist auch blöd und wird durch eine komplizierte Menüführung sogar noch schlechter. Star Wars Battlefront 2 zwingt mich damit, Herstellungsteile für Starcards auszugeben, die ich eigentlich gar nicht brauche, nur um die Aufwerten zu können, die ich brauche. Und wie kriege ich Herstellungsteile?

Loot Wars

Hier kommen die Lootboxen ins Spiel. Nur hier können die kostbaren Teile per Zufall gezogen werden. Natürlich gibt es noch Erfolge, mit welchen der Spieler sich ein paar Herstellungsteile verdienen kann, aber dieser Weg hat sich nach einigen Spielstunden bereits erschöpft. Damit bleibt nichts anderes übrig, als eine Truppler Lootbox für 4.000 Credits zu erstehen und zu hoffen, dass was brauchbares drin ist. Kurz vor Release konnten diese Boxen auch noch mit Kristallen erworben werden, die zuvor mit Echtgeld gekauft wurden. Nach dem Protest der Spieler hat Publisher Electronic Arts dieses Feature jedoch wieder aus dem Spiel genommen. „Vorerst“ wie es in einer Pressemitteilung heißt. Der Vorwurf der Community: „Pay to Win“.

Star Wars Battlefront 2

Auf dem Papier ist dieser Vorwurf nicht unbegründet. Credits und Herstellungsteile sind nur schwer zu bekommen. Sie werden aber zwingend gebraucht, um Starcards herzustellen und aufzuwerten. Wer also viele Boxen kauft, wird automatisch besser. Das mag in der Theorie stimmen. In der Praxis muss ich allerdings sagen: Ich hatte nie das Gefühl, dass ich einen Kampf verloren habe, weil mein Gegenüber 200 Euro für Lootboxen ausgegeben hat und deswegen übermächtige Sternenkarten mit sich rumträgt. Und so ganz nebenbei: Das Öffnen von Lootboxen ist langweilig. Kein einziges Mal war etwas interessantes drin oder etwas, über das ich mich gefreut hätte. Das ziehen von Karten, Emotes, Siegerposen, Credits und Herstellungsteilen ist einfach nur öde.

Star Wars Battlefront 2

Der einzige Fortschritt, der in Battlefront 2 recht gut funktioniert ist das Freischalten von neuen Waffen. Diese kommen, indem der Spieler Kills mit einer Klasse erzielt. Die erste wird mit 50, die zweite mit 200 und die dritte mit 500 Kills freigeschaltet. Parallel kann die Waffe ebenfalls verbessert werden, wenn man mit ihr digitale Leben auslöscht. Das ist ein System, das mich persönlich bei der Stange hält und motiviert.

Klone, überall Klone

Ein weiterer Rückschritt ist das Entfernen von Costumization. Während ich beim Vorgänger Geschlecht, Hautfarbe, Rasse und Aussehen der Rüstung freischalten und verändern konnte, ist davon in Star Wars Battlefront 2 nichts mehr übrig. Das ist schade, vor allem bei den Rebellen. In der Singleplayer-Kampagne sind immer wieder Außerirdische Gegner anzutreffen. Wieso ist dieses Feature im Multiplayer rausgeflogen? Für mich unverständlich. So lässt Dice eine Horde Klon-Rebellen von der Leine die alle beim selben Klamottenladen einkaufen. Das Argument, dass die Entwickler keine Spieler haben wollen, die mit pinken Rüstungen die Spielatmosphäre stören, kann ich ja noch verstehen. Aber Star Wars hat doch so viel mehr: Unterschiedliche Farbmuster für Klonsoldaten, Schulterpauldrone für die Sturmtruppen, verschiedene Rassen für die Rebellen. Und ganz nebenbei: Wenn Dice (aus gutem Grund) so versessen auf Kanon ist, wie erklären die Entwickler dann, dass in ihrem Spiel beispielsweise Rey in den Klonkriegen kämpft?

Ist da noch was?

Was hat Battlefront 2 neben dem Galaktischen Angriff noch zu bieten? Viel Lob hat der Sternenjäger-Modus bekommen. Damit hat Dice auf die Kritik reagiert, ein Star Wars – Spiel ohne Raumschlachten veröffentlicht zu haben. Kurz: Ich bin kein talentierter Flieger, in keinem Spiel. Die Raumschlachten sehen natürlich toll aus und durch das Hinzufügen von Bots haben auch Fliegerasse wie ich hin und wieder das Gefühl, ein recht akzeptabler Pilot zu sein. Wie beim großen Bruder mit den Bodenschlachten ist dieser Modus mit verschiedenen Aufgaben und Zielen abwechslungsreich gestaltet. Auch das Klassensystem hat hier Anklang gefunden. Drei Sternenjägertypen stehen hier zur Auswahl: Der klassische Jäger, der in allem gut, aber nirgends hervorragend ist; der schnelle Abfangjäger mit hoher Feuerkraft, der wiederum so viel aushält wie ein nasses Stück Papier und behäbige Bomber.

Star Wars Battlefront 2

Erwähnenswert ist auch der Helden-Modus. Hier treten vier Helden der hellen gegen vier Helden der dunklen Seite an. Spaß hat mir das Ganze nicht gemacht. Fehlende Animationen für das Aufeinandertreffen von Lichtschwertern machen epische Begegnungen zwischen Luke Skywalker und Darth Vader zu einem albernen rumgehopse und rumgehacke.

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