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Review: South Park: The Fractured but Whole – Die Zerreißprobe

Im März des Jahres 2014 erschien mit South Park: The Stick of Truth das erste Spiel des Franchises, welches Kritiker weltweit begeisterte. Dass der Mix des berüchtigten South Park-Humors mit der Rollenspielerfahrung aus dem Hause Obsidian Entertainment harmonierte, war nicht unbedingt zu erwarten, das Ergebnis aber überzeugend. Drei Jahre später möchte South Park: The Fractured But Whole erneut begeistern. Ob das funktioniert, haben wir getestet.

Aus einem Furz einen Donnerschlag machen

In South Park: The Fractured but Whole spielen wir erneut das namenlose neue Kind in South Park. Diesmal kämpfen wir uns allerdings nicht durch jede Menge Fantasy-Anspielungen, sondern durchstreifen eine Welt voller Superhelden. Captain Diabetes, der Coon, Mysterion, Human Kite, Toolshed, Professor Chaos, Super Craig, Tupperdose und weitere ziehen gemeinsam mit uns in den Kampf um das beste Franchise. Statt den Kampf Marvel vs. DC zu bestaunen, dürfen wir den Aufstieg und Fall von Coon and Friends vs. Freedom Pals miterleben.

Zu Beginn des Spiels erfahren wir, dass in ganz South Park Katzen entführt werden. Cartman, der Coon, schmiedet den genialen Plan eine Verschwörung aufzudecken, die Belohnung von 100 US-Dollar einzustreichen und damit das Franchise Coon and Friends berühmt zu machen. Der Gegnertrupp, die Freedom Pals, versuchen dasselbe. Wir, der oder die Neue, sind mittendrin und schwimmen irgendwie mit dem sprachlosen Strom.

South Park glänzt gerne mit satirischen Anspielungen, in South Park: The Fractured but Whole geht es aber primär um Fäkalsprache. Unser namenloser Held besitzt eine einzigartige Superkraft: besondere Fürze. Dafür gibt es nicht nur eine eigene Tastenbelegung, um sämtlichen Bewohnern in South Park damit auf die Nerven zu gehen, sondern auch unterschiedliche Varianten und Intensitäten. Wir können mit unseren Gasen die Zeit beeinflussen und auch allerlei Rätsel in South Park selbst lösen, wobei uns immer einer der anderen Helden zur Hand geht. Ob wir mit der Kraft unseres Hinterns nun Hamster in Stromkabel schießen, um eine Tür zu öffnen, oder aber Captain Diabetes so lange vollfurzen, bis er wutentbrannt ein schweres Objekt aus dem Weg räumt: Das Leben und die Fürze finden immer einen Weg.

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Im Vergleich zum Vorgänger scheint South Park: The Fractured but Whole minimal braver geworden zu sein, auch wenn aktuelle Themen nicht zu kurz kommen. Bereits bei der Erstellung unseres Charakters wird der Schwierigkeitsgrad durch die Hautfarbe bestimmt. Später im Spiel müssen wir unser Geschlecht, unsere sexuelle Orientierung oder auch unseren ethnischen Hintergrund wählen.

Bemerkenswert ist dabei, dass South Park zugleich versucht halbwegs politisch korrekt zu sein, indem unser Vertrauenslehrer uns fast schon beschwörend eintrichtert, dass die Wahl unseres Geschlechts oder unserer Geschlechtsidentität in jedem Fall vollkommen in Ordnung ist, es dann aber auch auf die tatsächlichen Missstände hinweist, indem es uns nach dem vertrauensvollen Gespräch einige Hinterwäldler vorbeischickt, die uns – egal ob wir nun bisexuell, Cisgender oder Skandinavier sind – eine Tracht Prügel verpassen. Schlicht deshalb, weil wir anders sind.

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

South Park: The Fractured but Whole macht sich aber auch über all die anderen weltlichen Probleme lustig und ist durch die Intensität des erhobenen Zeigefingers bei Themen wie Rassismus, Politik oder Polizeigewalt manchmal schwer verdaulich, da die Parodie sich kaum noch von der Realität unterscheidet.

Chronisches Aftersausen

Neben der politischen Korrektheit gibt es aber natürlich auch in South Park: The Fractured but Whole eine Geschichte, die uns durch das Spiel begleitet. Dabei muss man allerdings erwähnen, dass sich diese vor allem zu Beginn des Spiels sehr langsam entfaltet. Um die Geschichte an sich voran zu bringen, müssen wir natürlich erneut allerlei Kämpfe bestreiten. Diese haben im Vergleich zum Vorgänger einige begrüßenswerte Verbesserungen erhalten. Das taktische Schachbrett ermöglicht uns nicht nur weitere Möglichkeiten im Kampf, sondern sorgt auch dafür, dass wir etwas strategischer an diese herangehen müssen.

Jeder unserer Helden hat entsprechend seiner Klasse unterschiedliche Angriffe oder Fähigkeiten, die dem Team zu Gute kommen. Die Angriffe selbst können dabei Flächenschaden oder verschiedene Zustände bei unseren Gegnern verursachen, indem wir diese beispielsweise – das kommt nun unerwartet – anfurzen, wodurch sie sich über mehrere Runden verteilt angeekelt übergeben und dadurch Schaden nehmen. Zu taktisch wird es aber nicht, da man auf Schmankerl wie Höhenunterschiede oder ähnliche Features rundenbasierter Strategiespiele verzichtet hat.

Im Laufe eines Kampfes füllt sich zudem ein Balken, welcher den ultimativen Angriff freischaltet, welcher sich ebenfalls je Held unterscheidet. Sowohl die ultimativen Angriffe als auch die Vorstellung der Bosse sind dabei wunderschön animiert und passen zu den gängigen Superhelden-Klischees.

Kämpfen wir gerade nicht, weiß South Park: The Fractured but Whole aber auch mit absurden Ideen zu überzeugen. Ein Kernfeature des Spiels ist es beispielsweise, dass wir Selfies mit den Bürgern von South Park schießen müssen, um Follower zu generieren, was uns wiederum Erfahrungspunkte beschert. Mitten in den ernsten Kämpfen kann es wiederum auch passieren, dass ein Auto kommt, wir den Kampf unterbrechen und die Straße verlassen müssen, vom Fahrer angepöbelt werden und zugleich wieder in die Haut der Superhelden schlüpfen, indem wir den Vorfall gekonnt ignorieren und weiterkämpfen.

Auch Anspielungen auf die Popkultur kommen nicht zu kurz. Hier Myspace, dort Filmzitate und daneben das Feature Mikroaggressionen, durch welches wir im Kampf politisch nicht korrekte Aussagen mit einem Faustschlag quittieren können. Auch wenn die vorhersehbaren Witze die Serie bekannt gemacht haben, sind doch die unerwarteten Sprüche das, wodurch das Spiel glänzen kann.

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe
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