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Reus: Review – Gottmodus mal anders

Habt ihr euch schon einmal gefragt wie es ist, als Gott die Geschicke der Welt zu lenken? Das Indiegame Reus des Entwicklerteams Abbey Games gibt uns nun die Möglichkeit dazu. Wir spielen einen Gott, der sich einen kleinen Planeten erschaffen hat. Leider reichen unsere eigenen Mächte nicht dazu aus, den Planeten direkt zu beeinflussen. Stattdessen greifen wir auf die Hilfe von vier Elementarriesen zurück.

  • Der Ozeanriese gräbt uns bei Bedarf Gruben in den Boden, die er dann mit Wasser füllt. Gleichzeitig besitzt er die Fähigkeiten lebende Nutztiere zu erschaffen und andere Riesen zu heilen.
  • Der Bergriese erschafft Berge und Wüsten. Des Weiteren kann er Böden mit Mineralien anreichern oder zerstörerische Erdbeben erzeugen.
  • Der Sumpfriese erschafft Sumpfgebiete auf feuchtem Boden und schenkt Raubtieren und seltenen Pflanzen das Leben. Mit seiner Sumpfbombe kann er außerdem Gegenden und Lebewesen zerstören.
  • Der Waldriese erschafft auf feuchten Böden Wälder und kann Nutzpflanzen säen, sowie Böden fruchtbarer machen.

Haben wir unserem Planeten erst einmal ein neues Aussehen gegeben, müssen wir erste Nahrung oder Mineralien setzen, damit durch das Weltall reisende Nomaden auf unserem Planeten heimisch werden. Je nach Umweltbedingung (Wüste/Wald/Sumpf) werden individuelle Dörfer gegründet. Basis für das Wachstum unserer Siedlung sind zum einen die Versorgung mit den drei Rohstoffen Nahrung, Technologie und Reichtum, aber auch der generelle Wohlstand der Siedlung, der mit der Bevölkerung gleichzusetzen ist und sich aus der Summe der einzelnen Rohstoffe ergibt. Hat unsere Siedlung 40 Nahrung und 40 Technologie ergibt sich also ein Wohlstand von 80.

Die benötigten Rohstoffe können einerseits über das Setzen von Mineralien, Tieren und Pflanzen gewonnen werden, andererseits erlangen wir durch spezielle Kombinationen, auch Symbiosen genannt, zusätzliche Boni. Ein Beispiel: Setzen wir mit dem Ozeanriesen ein Nutztier ins Wasser, erhalten wir eine Makrele. Makrelen spenden auf ihrem und jeweils auf zwei benachbarten Feldern nach links und rechts je 2 Nahrung. Das macht insgesamt 5 Felder mit je 2 Nahrung, also eine Summe von 10 Nahrung für unsere Siedlung. Da Makrelen Schwarmfische sind, erhalten sie einen Symbiosebonus von +1 auf die Reichweite, wenn eine zweite Makrele in der Nähe ist. Somit erweitert sie sich auf 7 Felder und insgesamt 14 Nahrung. Da eure Dörfer immer nur eine bestimmte Fläche einnehmen, benötigt ihr diese Symbiosen um den Ausbau weiter voranzutreiben, sobald alle Flächen besetzt sind.

Neben den Fähigkeiten der Riesen können Rohstoffe auch über Bauwerke der Bevölkerung erlangt werden. Jedes Dorf startet regelmäßig ein neues Projekt. Sie bauen Windmühlen, Druidenzelte, Marktplätze, Schulen und Vieles mehr, wobei jedes Bauwerk seine eigenen Fähigkeiten mitbringt. Eine Windmühle bringt uns beispielsweise +15 Nahrung für jedes Tier in der Reichweite unseres Dorfes, wobei maximal 3 Tiere berücksichtigt werden. Immerhin ein Bonus von 45 Nahrung.

Was erstmal nach einem friedlichen Aufbauspiel mit knuddeligen Bewohnern klingt, entpuppt sich jedoch als gewaltige Anstrengung für unser Gehirn. Unser liebevolles Dorf wächst nämlich zu schnell, da wir uns sehr bemüht haben unsere Bürger mit vielen Rohstoffen zu beglücken. Bei schnellem Wachstum werden eure Dörfler nun schlicht und einfach gierig. Eine Anzeige mit zehn Smileys zeigt den Gierpegel unseres Dorfes an. Für jede Gier verwandelt sich ein Smiley in eine rote Fratze. 2-3 davon sind nicht schlimm und bauen sich über die Zeit wieder ab. Steigt der Pegel jedoch, macht sich Unmut in eurem Dorf breit und Bewohner wollen mehr als ihnen zusteht. Wie die Menschen nun einmal so sind, gibt es da nur eine Lösung: Krieg. Eure Bewohner schnappen sich also ihre Speere und Bögen und suchen sich den nächsten Nachbarn, um sich weiteren Reichtum zu besorgen. In einem Krieg wird eines der beiden beteiligten Dörfer ausgelöscht, während das andere überlebt und zur Belohnung eine Kriegsmarke erhält. Diese Marken steigern die Angriffs- und Verteidigungsfähigkeiten eures Dorfes und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Bewohner schneller in den Krieg ziehen. Wenn ihr als Gott mit den Handlungen der Dörfer nicht einverstanden seid oder bereits eine Partei bevorzugt, dann könnt ihr mit Hilfe des Erdbebens des Erdriesens oder der Sumpfbombe des Sumpfriesens aktiv in die Schlacht eingreifen und zum Beispiel eine Partei direkt auslöschen. Hierbei ist aber Vorsicht geboten! Zerstört ihr ein Gebäude eines überlebenden Dorfes oder mischt euch zu häufig in Kämpfe ein, ziehen eure Riesen den Zorn der Menschen auf sich und werden schließlich von diesen angegriffen. Fällt der Lebensbalken eines Riesen auf 0, ist das Spiel für uns zu Ende und wir müssen von vorne starten.

Generell sind die Bewohner unseres Planeten ein sehr streitbares Volk. Haben sie erst einmal den Wunsch geäußert ein Projekt zu starten, haben wir nur eine bestimmte Zeitspanne, um die benötigten Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die Länge der Zeit richtet sich nach der Größe der Projekte. Wir unterscheiden hier kleine, mittlere und große Projekte, die entsprechend ihrer Größe wenige bis sehr viele Ressourcen benötigen. Jedes gescheiterte Projekt steigert die Unzufriedenheit unserer Bewohner, bis sie sich schließlich wieder gegen unsere Elementarriesen wenden. Haben wir jedoch die Anforderungen erfüllt und unsere Dörfler mit genügend Ressourcen beglückt, beehren sie uns als Dank mit einem Abgesandten. Abgesandte der Dörfer unterteilen sich je nach Dorf in Botschafter des Waldes, des Sumpfes und der Wüste. Sie können von einem Riesen geschultert werden und verleihen ihm zusätzliche Fertigkeiten oder verstärken bereits bestehende.

Zusätzliche Fähigkeiten der Riesen, die durch die Botschafter erlangt werden, bestehen darin, dass sie Rohstoffe verändern können. Pflanzen wir mit unserem Waldriesen einen Samen auf den Waldboden, erhalten wir dort eine Heidelbeere (+5 Nahrung). Besitzt unser Waldriese nun die Unterstützung eines Sumpfbotschafters, erhält er den „Blatt-Aspekt“. Mit dieser Fähigkeit verwandelt er die Heidelbeere in eine Erdbeere, welche die 5 Nahrung der Heidelbeere übernimmt und je nach Stärke des Blatt-Aspekts noch einen Technologiebonus bekommt. Zusätzlich verfügt die Erdbeere wieder über eine neuartige Symbiose, um weitere Boni zu erlangen. Die Symbiose der Erdbeere erzeugt eine neue Ressource, nämlich die Ehrfurcht (engl. Awe). Je mehr Ehrfurcht unser Volk vor uns und unseren Riesen hat, desto geringer ist der Gierzuwachs des Dorfes bei hoher Rohstoffsteigerung. Identisch hierzu ist die Gefahr (engl. Danger). Sie wird durch Weiterentwicklung von Tieren durch unsere Riesenfähigkeiten erzeugt und hemmt die Kriegsbereitschaft und die Gier der umliegenden Dörfer. Doch Vorsicht: Je gefährlicher die Umgebung des Dorfes, desto geringer das Wachstum. Bei zuviel Gefahr kann ein Dorf sogar schrumpfen, oder es greift zu den Waffen und tötet das bedrohliche Tier, was gleichzeitig zum Verlust der Rohstoffe führt.

Richtiges Wachstum will also gut geplant sein. Hierbei müssen wir Stück für Stück neue Tierarten, Pflanzen und Mineralien durch das Erreichen von Erfolgen freischalten. Gleichzeitig sind einige Erfolge nur in bestimmten Modi erreichbar. Das Spiel unterscheidet hierbei zwischen Spiellängen von 30, 60 oder 120 Minuten, wobei auch ein endloser Modus existiert, indem jedoch keine Erfolge erlangt werden können. Kombiniert mit einer angenehmen Hintergrundmusik und schöner Geräuschuntermalung, sowie einer passenden Comicgrafik fügt sich die 2D-Welt zu einem stimmigen Gesamtbild. Reus ist original in englischer Sprache, kann aber in den Optionen in viele Sprachen (auch Deutsch) umgestellt werden. Bei der deutschen Version sind uns allerdings im geringen Umfang noch kleine Satzbaufehler, fehlende Artikel oder fehlende Übersetzungen aufgefallen.

Beim aktuellen Steampreis von 9,99 € eine klare Kaufempfehlung für alle Knobelfreunde und Hobbygötter.

Ein Kommentar

  1. Hört sich gut an und versetzt mich in alte Black & White Zeiten. Mal schaun ob ich es mir zulege. Interessant hört es sich doch allemal an. :-)

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