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Review: Lucky’s Tale – Ein ausgefuchster VR-Plattformer

18. Juni 2016
Daniel Martin

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Review: Lucky’s Tale – Ein ausgefuchster VR-Plattformer

Seit Super Mario 64 ist das Genre der 3D-Plattformer abgesteckt. Was diese Art Spiel können muss ist nun klar definiert. Viele Nachahmer sind in den letzten 20 Jahren erschienen und viele davon grandios gescheitert. Miese Steuerung und besonders eine unübersichtliche Kamera erweisen sich oft als Sargnagel für einen Titel.

Aber Zeiten ändern sich. Was ist, wenn die eigenen Augen die Kamera sind? Wenn man virtuell in die Spielwelt eintaucht und nur den Kopf bewegen muss, um die Kamera entsprechend auszurichten? Wäre das nicht perfekt?

Mit Virtual Reality ist das nun möglich. Und Lucky’s Tale beweist, dass dies auch klappt. Naja, meistens jedenfalls.

Ein dreister Klon

Mit Auslieferung der Oculus Rift benötigt der geneigte Early Adopter natürlich auch Software, die er mit seinem neuen Spielzeug sinnvoll nutzen kann. Deswegen liegen der VR-Brille drei Spiele bei. Neben Eve: Valkyrie und Farlands ist der Dritte im Bunde das 3D-Jump ’n‘ Run Lucky’s Tale. Entwickelt wurde der Titel als Auftragsarbeit vom Studio Playful.

Lucky's Tale

Das Spiel versucht erst gar nicht, seine Ähnlichkeiten zum großen Vorbild zu verstecken. Es werden Münzen und rote Sterne gesammelt, Gegner mittels eines beherzten Sprungs auf den Kopf besiegt und der ein oder andere Unhold könnte so auch dem italienischen Klempner schon begegnet sein. Sogar der Beweggrund, überhaupt in die weite Welt zu ziehen, ist gleich: Jemand wurde entführt. Keine Prinzessin, aber der gute Kumpel, das Sparschwein. Wir nehmen das mal so hin.

Nach dem Intro sieht man also seinen kleinen Fuchs vor der Hütte stehen und schon kann es losgehen. Viele Erklärungen sind nicht notwendig, kennt man eins dieser Spiele, kennt man alle.

Zwei Meter vor der eigenen Haustür kreucht und fleucht auch schon das Gesindel, welches es aus dem Weg zu räumen gilt. Der Maßnahmenkatalog birgt keine Überraschungen. Sprung, Doppelsprung oder in der Luft einen Stampfangriff nach unten. Alles bekannt. Ebenerdig bleibt noch die Möglichkeit, den Gegner mit dem Schlag des Fuchsschwanzes zu beseitigen. Genauso  verfährt man mit Kisten oder sonstigen Hindernissen.

Besiegte Gegner und die Umgebung weisen in Lucky’s Tale Münzen auf, die bei 100 eingesammelten natürlich ein Extraleben geben.

Neben der Oberwelt spring Lucky an manchen Stellen in ein Erdloch. Das ist jedoch kein Fuchsbau, sondern entpuppt sich als eine Art Bonuslevel, bei dem man jedoch klassisch von der Seite das Geschehen beobachten kann. Dennoch, die virtuelle Kamera bleibt erhalten. Schaut man nach links und rechts, sieht man den gesamten Level, ähnlich, wie wenn man vor einem Aquarium steht und daran entlang schaut. Die Dreidimensionalität ist weiterhin gegeben.

Das fliegende Auge

Generell sind die Levels von Lucky’s Tale enorm detailreich gestaltet. Kleine Tiere laufen umher, Schmetterlinge fliegen vor das Gesichtsfeld, die man jedes Mal mit den Händen greifen möchte, alles begleitet von richtig guten Animationen. Zwar ist der gewählte Grafikstil cartoonartig und somit die Texturen von Haus aus nicht auf Realismus getrimmt, das tut dem Gesamtbild jedoch keinen Abbruch. Alles wirkt wie aus einem Guss und thematisch passend.

Um die weiteren Kapitel freizuschalten muss man mit Lucky jedoch manche Levels mehrfach spielen. Denn es gilt, den weiteren Fortschritt mit Tatzen zu erkaufen. Klingt abstrus, aber da muss man durch. Sollte also die benötigte Anzahl an Tatzen fehlen, um den nächsten Level zu öffnen, kann man einen bereits erledigten Bereich entweder im Time-Trial bewältigen oder sämtliche dort versteckten roten Münzen (ja, Mario, again) einsammeln. Bei dieser Möglichkeit kann die VR-Technik richtig glänzen. Der Spieler steuert ja nicht nur die Kamera, in dem er einfach nach links und rechts schaut. Man kann auch ganz nah an das Geschehen heran und mit einer entsprechenden Kopfbewegung auch hinter die dreidimensionalen Objekte schauen. Zum Auffinden der Münzen ist das ab und zu nötig.

Es ist schwer, sich das jahrelange Denken, dass man vor einem flachen Monitor sitzt, abzugewöhnen. Man will wissen, was in dieser hohen Windmühle vor einem ist? Was würde man in echt machen? Richtig, man steckt einfach den Kopf hinein! Das funktioniert in der virtuellen Realität eben genau so! Nach vorne beugen und den Kopf in die Tür stecken. Das mag seltsam klingen, aber fühlt sich im Spiel natürlich an. Und die Erfahrung, wenn man das erste Mal kapiert, wie das alles funktioniert und welche Möglichkeiten es bietet, ist ein Aha-Moment erster Güte. Es sei denn, man steckt versehentlich den Kopf in eine Wand oder die seltenen, automatischen Kamerafahrten parken einen genau so, dass man genau in einem Objekt landet. Dies kommt aber selten vor und lässt sich zum Glück schnell korrigieren.

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Daniel Martin

Irgendwo zwischen Game Boy und NES hat Daniel Mitte der 90er den PC entdeckt und beschäftigt sich bis heute noch damit. Zwar geht er häufiger mit einer PS4 fremd, kehrt am Ende des Tages jedoch immer zum geliebten PC zurück, wo er sich auch für Klassiker begeistern kann. Und wenn mal gar nichts los ist, verschwindet er unter einer Oculus Rift und taucht in die virtuelle Realität ein.