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Review: Little Dragons Café – Drachenzähmen leicht gemacht

20. September 2018

Review: Little Dragons Café – Drachenzähmen leicht gemacht

In Little Dragons Café müssen wir uns nach dem Erkranken unserer Mutter um ihr Café kümmern, nebenbei einen Drachen großziehen und uns die Geschichten unserer Besucher anhören, während wir ihnen leckeres Essen auftischen. Ob das reicht, um langfristig zu begeistern?

Darf ich Papi zu dir sagen?

Zu Beginn von Little Dragons Café erlernen wir im Tutorial die üblichen Kniffe, die man in der Gastronomie beherrschen muss. Unsere Mutter erklärt uns, wie wir Bestellungen annehmen, wie man Eier kocht und wie man diese hübsch dekoriert dem Kunden serviert. Kurz darauf erfahren wir von einem Zauberer, der gerne Papi genannt werden will, dass unsere Mutter erkrankt ist und wir in dieser Zeit gemeinsam mit unserem Bruder das Café weiterführen sollen, bis wir die Lösung aller Probleme gefunden haben. Die Lösung ist dabei ein Drache, welchen wir großziehen sollen.

Der Plot mag nicht sonderlich überzeugend sein und durch den seltsamen Zauberer, welcher fortan tagtäglich bei unserer schlafenden Mutter gastiert, auch etwas verstörend anmuten, doch was wissen wir schon, wir sind ja schließlich noch ein Kind.

Little Dragons Café Screenshot
Gefundene Rezeptteile, welche wir später zu einem Rezept zusammenfügen können

Die zuvor erlernten Basics wissen wir schnell umzusetzen. Doch reicht es natürlich nicht, nur die anwesenden Gäste zu bewirten. Stattdessen müssen wir uns auch hinaus in die Welt begeben, um Zutaten und Rezeptteile zu finden, die unsere Gäste noch zufriedener und satter machen sollten. Dafür gehen wir von Busch zu Busch, von Baum zu Baum, angeln einige Fische, lassen unseren Babydrachen in Höhlen kriechen und ernten bereits gefundene Zutaten nach und nach auch auf unserem hauseigenen Feld.

Das Problem dabei ist, dass das tatsächlich der einzige Grund ist, die Welt zu entdecken. Außer Zutaten und Rezepten sowie großen und kleinen Gegnern, gibt es dort nichts zu sehen. Das Sammeln der Zutaten müssen wir wiederum täglich erledigen, was früher oder später in einen sehr anstrengenden Grind ausarten kann.

Little Dragons Café Screenshot
Nur ein fliegender Drache ist ein guter Drache

Gut, dass wir unseren Drachen dabei haben. Zu Beginn ist dieser noch ziemlich nutzlos und langsam. Mit der Zeit wächst er allerdings und kann dadurch beispielsweise auch Gegner angreifen und uns später sogar in luftige Höhen aufsteigen lassen, wodurch wir nicht nur schneller an unser Ziel kommen, sondern auch die höher gelegenen Plätze erreichen können. Bis unser Drache allerdings einen Wachstumsschub erhält, müssen wir innerhalb der Geschichte voranschreiten.

Erzähl mir mehr

Um die Story voranzutreiben, müssen wir den Ruf unseres Cafés verbessern. Das bedeutet, dass wir für die Gäste passende Gerichte servieren müssen, welche dazu natürlich auch noch schmecken müssen. Die Gerichte werden zuvor in einem Minispiel von uns gekocht, bei welchem wir passend zum Rhythmus die richtige Taste drücken müssen.

Je besser wir das machen, desto besser schmeckt das Gekochte. Zusätzlich haben die Zutaten auch einen Wert. Je höher dieser ist und je mehr wir von diesen hochwertigen Zutaten verarbeiten, desto besser wird das fertige Mahl auch bewertet. Haben wir alles erledigt, können wir unser Meisterwerk auf die Speisekarte setzen, damit sich unsere Gäste daran erfreuen können.

Little Dragons Café Screenshot
Bei einem Minispiel wird anhand unserer Reaktionsgeschwindigkeit unser Kochkönnen bewertet

Bestimmte Gäste haben bestimmte Vorlieben. Der eine mag es lieber süß, die andere lieber salzig. Doch müssen wir uns nicht nur um die Stammgäste des Cafés kümmern, sondern auch um besondere Gäste, welche nach Erreichen eines bestimmten Rufs im Little Dragon Café vorbeischauen, ihre Geschichte erzählen und am Ende ein bestimmtes Gericht verlangen, damit sie ihren Seelenfrieden finden können. Ob das nun die Hexe ist, die über idiotischen Rassismus aufgeklärt wird oder aber der overly manly man Geist, welcher endlich zu der Einsicht kommt, dass er verliebt war und es sich nie eingestehen konnte. Die Geschichten sind niemals anspruchsvoll und auch sehr vorhersehbar, doch dürften diese vor allem für die jüngere Zielgruppe durchaus lehrreich sein.

Und auch hier gibt es wieder ein Problem: die Hauptgeschichte entwickelt sich zu langsam weiter. Es dauert schlicht zu lange, bis neue Gebiete freigeschaltet werden. Es dauert zu lange, bis man einen neuen Höhepunkt der Geschichten der Besucher erreicht. Die Motivation leidet extrem, wenn man in der offenen Welt tagtäglich dasselbe macht. Wenn man ständig zu einem bestimmten Busch muss, um Sahnesoße zu sammeln, da diese in einem bestimmten Gericht verwendet wird und das eigene Feld diese zu langsam produziert.

Little Dragons Café Screenshot
„Das Personal faulenzt.“

Zudem dauert es zu lange, bis der Drache sich entwickelt. Dadurch, dass man die ersten 10-15 Stunden des Spiels mit einem nicht fliegenden Begleiter durch das Land zieht, hat man tagtäglich einen sehr langen und nicht abwechslungsreichen Fußmarsch vor sich. Und dann wäre da noch das Personal.

Dieses kann Faulenzen, was bedeutet, dass die Besucher nicht bedient werden, bis wir, ein Kind, ein klärendes Wort mit dem betreffenden Erwachsenen gesprochen haben. Und natürlich tritt dieses Faulenzen genau dann ein, wenn wir gerade sehr weit gelaufen sind und uns nun wieder zum Café teleportieren müssen, da wir sonst riskieren, dass unser Ruf sich nicht weiterentwickelt und die Geschichte noch langsamer voranschreitet. Schade.

Fazit

Caroline ValdenaireLeider ist Little Dragons Café nicht so gut geworden, wie ich mir das erhofft habe. Vor allem der viel zu langsame Fortschritt bei ziemlich allen Belangen bremst das Spiel sehr stark aus. Das Sammeln neuer Rezepte ist so lange spannend, so lange es denn möglich ist. Hat man aber vorerst alles entdeckt, sieht man sich tagein tagaus mit denselben Aufgaben konfrontiert. Das Entwickeln des Drachen ist dabei zumindest ein Highlight, da dieser bei jeder Entwicklungsstufe auch neue Fähigkeiten erlernt, was zumindest kurzzeitig für etwas Spielspaß sorgt.

Auch wenn Little Dragons Café für mich vielleicht nicht das ideale Spiel geworden ist, weiß es zumindest meinen Sohn zu begeistern. Falls ihr also ein Geschenk für ein Grundschulkind sucht, ist das hier genau die richtige Wahl.

Little Dragons Cafe Wallpaper
Little Dragons Café
Little Dragons Café ist nicht so gut geworden, wie erhofft. Für Zwischendurch und vor allem für jüngere Kinder ist es aber durchaus geeignet.
Reader Rating1 Vote40
Entwicklung des Drachen
viele Rezepte
abwechslungsreiche Charaktere
lehrreich für die jüngere Zielgruppe
anstrengendes Personal
leblose Spielwelt
sich ständig wiederholende Aufgaben
Sammeln von Zutaten
Grinding
geringe Sichtweite
68
Könnte besser sein

Caroline Valdenaire hat Little Dragons Café auf der Playstation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Cosmocover zur Verfügung gestellt.

Caroline Valdenaire

Caro blickt auf eine abwechslungsreiche Spielekarriere zurück - schließlich darf sie sich schon seit Mitte der 90er ein Zockerweibchen nennen. Am liebsten spielt sie im Team, damit sie dann alle - wie im echten Leben - bemuttern kann. Inzwischen haben es ihr vor allem die Survivalspiele angetan. Bei Gameplane ist sie irgendwie Mädchen für alles, hauptsächlich aber Madame Chefredakteurin.