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Review: Life is Strange Episode 5 – Polarized – Wie wir zu Helden wurden

25. Oktober 2015

Review: Life is Strange Episode 5 – Polarized – Wie wir zu Helden wurden

Die fünfte Episode von Life is Strange namens „Polarized“ ist seit Dienstag draußen und sie beginnt, wie alle anderen Folgen auch, eher seicht, steigert sich aber rasant in etwas hinein, das den Spieler mitzieht und ihn nicht los lässt. Diese Review behandelt einige der Phänomene, die Life is Strange zu etwas Besonderem gemacht haben und enthält einige Spoiler.

Life Is Strange_Episode 5_1

Feige oder vorsichtig?

Nach einigen Minuten, die direkt an Teil 4 anschließen, beginnt die Reise erst so richtig. Es ist offensichtlich, dass Max an ihren Aufgaben und Bürden gewachsen ist. Sie steht einer vergleichsweise primitiven Aufgabe gegenüber und bemerkt, dass es das am wenigsten Angst einflößendste der letzten Tage sein müsste, sie aber trotzdem so nervös wie noch nie sei. Hier zeigt sich erstmals, dass Episode 5 anders wird. Max Leben dreht sich zum ersten Mal, seit wir sie begleiten, nicht darum die Möglichkeit zu haben, die Zeit zurück zu drehen, sondern Verantwortung zu übernehmen und mit den eigenen Taten zu leben. Sonst hatten wir immer einen gewissen Grad an Sicherheit, denn immerhin konnten wir stets die Vergangenheit ändern. Noch in der gleichen Szene treffen wir auf ein Zitat, welches subtil in das Spiel implementiert wurde.

“These heroes chose the past of least regret” – Unbekannter Verfasser

Es beschreibt genau das, was Max, der Held des Spiels, getan hat. Sie hat die Zeit zurück gedreht, ausprobiert, was kurzfristig keine gravierenden Konsequenzen hat und das angenehmste Ergebnis erzielt, sodass sie so wenig wie möglich bereuen musste. Genau das ist der Punkt: Bereuen. Life is Strange verlangt von dem Spieler zu erfassen, dass er die Konsequenzen seiner Entscheidungen akzeptieren soll, wenn etwas nicht gut läuft, soll man das Beste daraus machen, anstatt Dinge der Vergangenheit zu bereuen.

Life Is Strange_Episode 5_8

Das lang ersehnte Erwachen

Während Episode 5 unaufhörlich fortschreitet und dem Spieler keine Pause gönnt, zerbricht die Wirklichkeit – nicht nur grafisch, man hat mehr als zuvor den Eindruck, das Spiel sei nur ein Traum, der langsam zu einem Albtraum wird. Während ich anfangs noch den Eindruck hatte, „Polarized“ sei weniger nervenzerreißend, da die Story nicht so exzessiv und plakativ weitergeführt wurde, musste ich bald eines besseren belehrt werden und saß ein bisschen ängstlich im Dunkeln vor dem Fernseher. Life is Strange wurde immer irrsinniger, ein Teil der Episode glich einem Wahn. Oder eben Albtraum.

„How long will this nightmare go on?“ – Max Caulfield

Wir sind aus anderen Episodentiteln gewohnt, dass jeder Cliffhanger den nächsten überbietet und das Ende ein großer Knall ist. Nicht hier, das ist nicht der Anspruch, den Life is Strange hat, nicht die Intention der Entwickler. Die Story wird in der finalen Episode kaum weiter erzählt, vielmehr werden die Alternativen dargestellt und die Ereignisse der vier vorangegangenen Episoden zusammengefasst. Dabei bleibt das Spiel nicht nur auf einer deskriptiven Ebene, insbesondere Max‘ Gefühle und die des Spielers werden in den Vordergrund gerückt. Wie kann ein Spiel mit dem Spieler spielen? Wieso tue ich etwas? Weshalb tue ich mir das alles an? Aus welchem Grund wähle ich einen Weg?

Life Is Strange_Episode 5_3

Um das klar zu stellen, die Story wird zu Ende geführt. Viele haben das Ende erahnt, rückblickend hat es sich in den ersten zehn Minuten angekündigt und das Spiel war eine Reise durch unser Selbst, damit wir am Ende das tun können, wozu wir am Anfang nicht in der Lage waren: stark sein, eine Entscheidung treffen und mit ihr leben. Dieser Prozess wird als Emotionsregulation bezeichnet und ist exakt das, was Max durchmacht. Life is Strange ist nicht nur ein Spiel, es ist ein Therapeut und Max und wir die Patienten, vom ersten Mausklick bis zur Katharsis. Auf hartem Wege lernt man, dass man zwar seines eigenen Glückes Schmied ist, aber nicht in das Leben der anderen eingreifen kann. Auch der Wunsch nach Autonomie, zu einem solchen Grad wie es in Life is Strange thematisiert wird, wird zerschmettert, denn das Ändern der Zeit, abgesehen von den Folgen (Stichwort Paralleluniversum, Chaostheorie und Schmetterlingseffekt), die ja in Life is Strange schon großen Schaden anrichteten, kann die Zukunft, Gegenwart oder Vergangenheit nicht verbessert werden. Das Spiel zeigt genau das und ist ein Plädoyer für das Akzeptieren, das Beste daraus zu machen, anstatt in Selbstmitleid zu ertrinken.

Christina Kutscher

Christina wurde im zarten Alter von acht Jahren an die Playstation 1 heran geführt und hat sie sofort ins Herz geschlossen. Einige Jahre und kurze Abstecher in unbekannte Genre später, spielt sie mittlerweile plattformübergreifend alles, was eine gute Story hat, überdurchschnittlich kreativ ist oder einfach nur Spaß macht und schreibt dann darüber.