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Review: Life is Strange 2 Episode 1 – Die Welt durch andere Augen spielen

11. Oktober 2018

Review: Life is Strange 2 Episode 1 – Die Welt durch andere Augen spielen

Ein zweiter Teil soll in der Regel größer, schneller, besser sein. Bei einem narrativen Spiel wie Life is Strange erwartet man entsprechend dramatischere Szenen, detailliertere Charaktere, immersivere Umgebungen, in denen man noch mehr über die Protagonisten erfahren kann, wenn man sich nur die Mühe macht, die zahlreichen Gegenstände zu untersuchen.

Gleichzeitig stellt ein Spiel wie Life is Strange 2 mich vor die Herausforderung, es möglichst adäquat zu präsentieren, meine eigene Meinung, meine Erfahrungen zu beschreiben, Kritik zu üben und das Ganze ohne zu viel zu verraten. Doch wie schreibt man über ein Spiel, das sich mit jeder getroffenen Entscheidung verändern kann? Wie erzählt man von einer Geschichte, die sich schon in der ersten Stunde so dramatisch wendet, dass man vom Rest nicht erzählen kann ohne zu spoilern?

Life is Strange 2

In den ersten Minuten lässt sich Life is Strange 2 am besten als Thinking Simulator beschrieben. Doch auch wenn der Anfang des Spiels wenig Gameplay hat und gemächlich in die fiktive Welt führt, wendet sich das Blatt blitzschnell und schon finde ich mich in einem Life is Strange-stereotypen Szenario wieder. Es geht darum, eine aus den Fugen geratene Welt zu verlassen und um Hoffnung auf Katharsis in einer nie gekannten Heimat. Sean und Daniel sind Brüder und sehen sich gezwungen auf diese Reise zu gehen, deren Ziel sowie Grund (noch) ungewiss sind.

Natürlich, diese Beschreibung ist an Vagheit nicht zu übertreffen. Ähnlich geht es mir mit meinen Gedanken über Life is Strange 2. Bin ich nun begeistert oder nicht? Bisher gibt es nur die erste von fünf geplanten Episoden, das muss natürlich in Betracht gezogen werden. Doch selbst diese eine Episode ruft schon eine ganze Reihe an ambivalenten Gefühlen hervor. Ein wenig Ernüchterung, Überraschung bis hin zu Schock, Vorfreude, Fragezeichen.

Life is Strange 2

Bei kaum einem Spiel ist es so deutlich, dass eine Review nicht gerecht werden kann, wie bei Life is Strange 2. Jede und jeder muss sich nicht nur deswegen ein eigenes Bild machen, weil es wieder Entscheidungen zu treffen gibt, sondern auch weil das Spiel ein Thema anspricht, das wichtig ist. Nie war es notwendiger, die Welt durch andere Augen zu spielen und in Betracht zu ziehen, was andere denken, sehen, erleben.

Im Vordergrund der Erzählung steht die Dynamik zwischen Geschwistern. Sean und Daniel schwanken zwischen Konkurrenz und bedingungslosem Zusammenhalt, zwischen Zweisam- und Ähnlichkeit und dem Wunsch nach Individualität. Was wie der Inbegriff eines Oxymorons klingt, bildet den sprichwörtlichen Fels in der Brandung für ein Spiel, dessen Plot fast so unbeschreiblich unbestimmt ist wie dieser Text.

Life is Strange 2

Natürlich wird Life is Strange 2 auch politisch – wie könnte es nicht?! SpielerInnen müssen empathisch sein, sich nicht nur in die Lage des spielbaren Sean hineinversetzen, sondern auch den kleinen Bruder verstehen. Um es nun vollends affektiert auszudrücken: So wie Sean und David aus einer Welt gerissen werden, die too good to be true ist, müssen Spielende damit klar kommen, Spiele zu spielen, die sie in unangenehme Situationen bringen, ein Nachdenken und Hinterfragen anregen, zeigen, wie es beispielsweise ist diskriminiert zu werden und realisieren, dass Life is Strange 2 sich nicht die Bohne dafür interessiert ein gemütliches Spiel zu sein, sondern aufwühlen will.

Fazit

Christina KutscherMeine Einschätzungen sind fernab jeglicher Objektivität, weil ich Life is Strange fast so sehr liebe wie Final Fantasy. Aber hey, wer hat gegenteiliges behauptet?! Life is Strange 2 ist nach einigen Minuten richtig gut, auch wenn es zwischen aktuellen Veröffentlichungen wie Assassin’s Creed: Odyssey, Forza Horizon 4 oder Spider-Man eher langsam wirkt. Davon sollte sich niemand abschrecken lassen und einen eigenen Abstecher in diese traurige, noch verwirrende und abenteuerliche Welt wagen.

Life is Strange 2
Life is Strange 2 (Episode 1)
Es ist die erste Episode, was erwartet ihr?! (Sie ist gut, so viel sei gesagt.)
Reader Rating1 Vote90
Spannende Thematik
Interessante und ausgearbeitete Charaktere
Wunderschöne Umgebungen mit vielen Details
Der Bruder ist nicht nur schnödes Beiwerk
Recht eintönig zu Beginn
90
Spannender Anfang

Christina Kutscher hat Life is Strange 2 auf der Playstation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Square Enix zur Verfügung gestellt.

Christina Kutscher

Christina wurde im zarten Alter von acht Jahren an die Playstation 1 heran geführt und hat sie sofort ins Herz geschlossen. Einige Jahre und kurze Abstecher in unbekannte Genre später, spielt sie mittlerweile plattformübergreifend alles, was eine gute Story hat, überdurchschnittlich kreativ ist oder einfach nur Spaß macht und schreibt dann darüber.