Home » Artikel » Reviews » Peer Review: Final Fantasy 12: The Zodiac Age – Ivalice im neuen Gewand

Peer Review: Final Fantasy 12: The Zodiac Age – Ivalice im neuen Gewand

Final Fantasy 12 spaltete die Fan-Gemeinde als der Titel im Jahr 2006 für die PS2 erschien und eine große Änderung einführte. Einige Fans lieben den Titel bis heute, andere verurteilen ihn dafür, denn aus dem rundenbasierten Kampfsystem wurde ein Echtzeitkampfsystem . Mit Final Fantasy 12: The Zodiac Age erscheint nun das HD-Remaster des ursprünglichen PS2-Titel, welches nicht nur optisch aufpoliert wurde, sondern auch kleine Neuerungen mit sich bringt. In unserem Test erfahrt ihr, wie das neue Remaster abschneidet.

Peer Review ist ein Format, bei dem zwei Redakteure dasselbe Spiel testen und euch ihre mitunter sehr verschiedenen Meinungen niederschreiben.

Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Träume!

Nicole WetzelAuch wenn das Remaster einige Neuerungen hat, so hat man die Story und die Charaktere an sich unangetastet gelassen, was auch gut so ist! Denn Final Fantasy 12 hat schon damals ein umfangreiches, großartiges Abenteuer erzählt mit interessanten Charakteren und einer hervorragenden Gruppe. Gut also, dass sich daran nichts geändert hat. Die Welt Ivalice leidet unter dem Krieg zweier Großmächte, Rozarria und Archadia. Um seine Macht auszuweiten, greift das Imperium Archadia das kleine Königreich Dalmasca an und übernimmt so die Kontrolle über dieses. Zwei Jahre nach den Ereignissen beginnt die eigentliche Handlung, denn wir folgen der Geschichte des draufgängerischen Waisenjungen Vaan, der davon träumt ein eigenes Luftschiff zu besitzen und nicht sonderlich gut auf das Imperium zu sprechen ist. Durch seinen Einbruch in den königlichen Palast und seinen Diebstahl gerät er schon bald in ein großes Abenteuer. Eigentlich kann man Vaan nicht als Protagonisten bezeichnen, zudem ist er kein klassischer Held und gerät eben aus purem Zufall in den Kampf zwischen Dalmasca, Rozarria und Archadia. Durch allerhand Ereignisse findet so eine Gruppe von komplett unterschiedlichen Helden zusammen, die somit alle eine großartige Rolle in diesem Abenteuer spielen. Gerade weil sie so völlig unterschiedlich sind, machen sie die Geschichte so großartig, interessant und spannend. Es ist also nicht klar definiert, wer der wahre Held oder Protagonist ist, aber Final Fantasy 12 zeigt, dass es dafür auch keine klare Linie geben muss. Die Heldentruppe ist definitiv sympathisch, von der mysteriösen Viera Fran, über den charismatischen Luftpiraten Balthier bis hin zur taffen Prinzessin Ashe. Man wird sie alle kennen und lieben lernen und überrascht feststellen, wie die einzelnen Charaktere in das Geschehen involviert sind.
Christina KutscherFinal Fantasy 12: The Zodiac Age erzählt eine Geschichte über Krieg und Frieden, Freundschaft, und Verrat, Ehrgeiz und Loyalität. Dank der vielen Namen, die bereits früh im Spiel in Scharen auf den Spieler nieder prasseln, ist die Geschichte nicht leicht zu begreifen, doch das Spiel gibt sich sichtlich Mühe, das Gewirr aus Orten und Charakteren den Spielenden schnell verständlich zu machen. Letztendlich ist die Einbindung der Handlung jedoch enttäuschend: die Story wird nur in Zwischensequenzen erzählt und wer diesen nicht folgt, läuft gefügig von einem Ort zum anderen. Ich fühlte mich an eine Gruppe Touristen erinnert, die dem Fremdenführer nicht zuhören, ihm nur folgen und die Gegend bestaunen. Da die Story nicht weiter behandelt wird, können die Dialoge willkürlich wirken, vor allem, wenn man nicht allen folgt und stattdessen lieber Fundorte für die besten Waffen googelt. Mit etwas Durchhaltevermögen und gutem Gedächtnis ergeben die Dialoge in den Zwischensequenzen jedoch einen Sinn, auch wenn die vorherige Sequenz dank langem Weg und Nebenmissionen einige Tage zurück liegen kann.  
Nicole WetzelDie Handlung sowie die Charaktere sind überwiegend ernst, was recht ungewöhnlich ist für die kunterbunten JRPGs, die meist mit übertriebenen Dialogen, Kitsch und teils eher kindischen Charakteren aufwarten, wie das umstrittene Final Fantasy 13 zeigte. Wer Final Fantasy 13 genau aus diesen Gründen nicht mochte, wird dankbar für die ernsten und doch sehr charmanten Charaktere in Final Fantasy 12 sein, denn es tut Handlung und Spiel absolut keinen Abbruch und zeigt, dass JRPGs nicht immer in die Klischee-Kiste greifen müssen. Final Fantasy 12 beinhaltet sogar Humor und kann mit spannenden Momenten wie Intrigen und Verschwörungen sowie Überraschungen überzeugen. Das wertet die sonst sehr politische Geschichte auf und bewahrt sie davor zu trocken zu wirken. Die Handlung und Charaktere sind heute wie damals liebevoll und grandios umgesetzt.
Christina KutscherDa muss ich Nicole recht geben. Ich mochte zwar Final Fantasy 13 aus anderen Gründen nicht, doch die Lightning und ihre Begleiter konnten mich nie fesseln. Bei fast keinem anderen Final Fantasy-Spiel ist es so leicht, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, wie bei Final Fantasy 12. Wo ich früher mit Vaan sympathisierte, verstehe ich heute den Zynismus von Balthier und Ashe besser. Schnell kristallisieren sich Favoriten heraus und die einzigartigen Charakteristika kontrastieren die eindimensionale Handlung. Wieder werden besagte Persönlichkeiten nur während der Zwischensequenzen etabliert und ihre Unterschiede machen während des eigentlichen Spielens keinen Unterschied. Leider werden markante Dialoge, die Persönlichkeit zeigen und den Charakteren Tiefe verleihen sollen, eher schlecht als recht abgehandelt, um Spielende nicht noch länger vom Spielen abzuhalten – immerhin müssen sechs Protagonisten, diverse Nebencharaktere und Antagonisten charakterisiert werden, doch intensiveres Arbeiten mit ihren Eigenheiten wäre an dieser Stelle förderlich gewesen.
Final Fantasy XII 12 The Zodiac Age
Unterschiedlicher könnten die Protagonisten nicht sein und sind gerade deswegen so sympathisch und interessant.

Echtzeit statt rundenbasiert

Nicole WetzelDas Kampfsystem setzte damals neue Maßstäbe und leitete einen großen Umbruch in der Final Fantasy-Serie ein, weswegen eine große Diskussion in der Fan-Gemeinde entbrannte. Die einen mochten es, die anderen nicht. Vom klassischen, rundenbasierten Kampfsystem wurde auf ein Echtzeitkampfsystem gewechselt, welches versuchte, die Tradition zu wahren und diese mit der Moderne zu kombinieren. Ihr könnt die Helden und die Kamera jederzeit frei bewegen, Monster stapfen sichtbar über die großflächigen Gebiete und nahtlos ging es in die Gefechte mit diesen Biestern. Um allerdings Aktionen auszuführen, musstet ihr dennoch immer warten, bis euer Aktionsbalken gefüllt war, was somit durchaus noch etwas von rundenbasierten Kämpfen hatte. Final Fantasy 12 war seiner Zeit also voraus und dürfte heute, wo wesentlich mehr JRPGs auf Echtzeitkampfsysteme auf setzen, nicht mehr ganz so auf Unmut stoßen wie damals. Viele störten zudem, dass alles sehr langsam ging, doch hier wurde in der Remaster-Fassung Abhilfe geschafft. Via simplem Knopfdruck könnt ihr einen Turbomodus aktivieren, wodurch das gesamte Spielgeschehen in viel schnellerer Geschwindigkeit abläuft. Sollte euch ein Kampf zu lange dauern oder wollt ihr schnell von A nach B kommen, könnt ihr ganz einfach den Turbomodus einlegen.
Christina KutscherWen es schon immer störte, dass der gemütliche Spaziergang in Final Fantasy von unsichtbaren Monstern unterbrochen wird, wird das Kampfsystem in Final Fantasy 12 begrüßen. Nie war es leichter zu fliehen – wäre da nicht die Kamera. Anstatt die Einstellung dem Spieler zu überlassen, fokussiert das Spiel das Monster oder den Verbündeten, der anvisiert wurde, bevor der Befehl zum Fliehen gegeben wurde. Unwissend preschte ich vor, doch anstatt in die Richtung zu laufen, die ich eben noch anvisierte und dort auf meine Rettung hoffte, rannte ich auf die Gegner zu. Diese automatische Einstellung der Kamera ruiniert ein eigentlich gutes Kampfsystem und reduziert die Effektivität des Fliehens: wo ich sonst quicklebendig vor zu starken Gegnern fliehen konnte, muss ich nun warten, bis der Zoom auf die Kreatur beendet wird und mein Gruppenführer, den ich steuere, seine Waffe eingesteckt hat, um zu entkommen. In dieser Zeit kann viel passieren und das kostete mir einige Male das Leben. Auch in besonders engen Gebieten, von denen es in Final Fantasy 12 nun einige gibt, glänzt die Kamera mit sinnlosem Verhalten. Es wäre hilfreich, die Gegner in den Mittelpunkt zu stellen, stattdessen zeigte mir das Spiel meine Charaktere von oben. Ohne Orientierung und bedrängt von Gegnern ist das nichts, was ich von einer Kamera sehen möchte.

Sag uns deine Meinung:

Auch interessant!

Devil May Cry HD Collection

Devil May Cry HD Collection – Ankündigung

Capcom hat bekanntgegeben, dass im kommenden Jahr die Devil May Cry HD Collection erneut auf ...