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Review: Bloodborne – Schaurig-schöner Albtraum

„Schwer, schwerer, Bloodborne“ – sehr viel mehr wusste ich über das Hardcore Rollenspiel nicht, als ich es in meine Playstation schob. Von der Souls-Reihe noch unbefleckt, stürzte ich mich ahnungslos in die albtraumhafte Jagd. Nicht ahnend, was mich die nächsten Stunden erwarten würde.

Wenn man sich über die Spiele vom Entwicklerstudio Fromsofware informiert, liest man unweigerlich von dem sackschweren Demon’s Souls und Dark Souls. Sie werden als die härtesten Rollenspiele auf dem Markt betitelt. Ein Titel, der mich zugegebenermaßen abschreckte. Wieso sollte ich ein Spiel spielen, das mich frustriert, für mich vielleicht zu schwer ist? Als ich die ersten Bilder und Trailer zu Bloodborne sah, war ich sofort begeistert von dem viktorianischen Look des Spiels. Mein Interesse war geweckt. Ich wollte herausfinden, was es mit der Faszination für die Rollenspiele von Hidetaka Miyazaki und seinem Team auf sich hatte.

Yharnam, ein Ort der Heilung?

Eine Stimme in der Dunkelheit. Das Bild, erst verschwommen, klart auf und ein alter Mann wird erkennbar. Man erwacht in einem heruntergekommenen, düsteren Krankenhaus. Der zwielichtige Alte klärt nun über die Ausgangssituation auf. Meine Spielfigur ist krank und Yharnam scheint das Heilmittel zu beherbergen, doch vorher muss das Geheimnis der Stadt enthüllt werden.

Ich gebe meinem Charakter einen Namen und bestimme seine Herkunft. Die Herkunft ist vergleichbar mit der Klassenwahl anderer Rollenspiele. Sie dient jedoch nur als grobe Vorgabe und erste Verteilung auf die Attribute meines Charakters. So starte ich zum Beispiel als ‚Einziger Überlebender‘ mit einem hohen Vitalitätswert und stecke dadurch zu Spielbeginn mehr ein, als jemand mit einer ‚Schwierigen Kindheit‘. Letzterer ist, aufgrund erhöhter Ausdauer, sehr flink und kann mehr Aktionen durchführen, bevor ihm die Puste ausgeht. Durch keine der neun Auswahlmöglichkeiten wird man an einen gewissen Spielstil gebunden. Es ist möglich im Verlauf des Spiels aus einem geschickten Peitschenschwinger einen grobschlächtigen Axtkämpfer zu machen.

Bloodborne

Rollenspieltypisch feile ich abschließend gefühlte Stunden an Wangen- und Kinnpartie. Nun bin ich bereit, das Geheimnis von Yharnam zu enthüllen. Nach einem kurzen vertraut machen mit der Steuerung begebe ich mich zum Ausgang des Krankenhauses, nur um kurzerhand als Werwolffutter zu enden. Erneut erwacht mein Held in einer fremden Umgebung, im Traum des Jägers. Der Traum soll sich später als Knotenpunkt und sicherer Hafen des Spiels erweisen, zudem der Protagonist immer wieder zurückkehrt. Was es mit dem ‚Traum des Jägers‘ auf sich hat, bleibt für mich ein Rätsel. In meinem sichereren Hafen werde ich noch oft zurückkehren, um meinen Charakter zu leveln oder meine Waffen zu verstärken. Auch ein Item-Shop ist im Traum vorhanden, wobei die Währung hart verdiente Erfahrungspunkte sind. Dort wähle ich aus drei Nahkampfwaffen und zwei Schießeisen jeweils eine aus. Hier entscheidet man ganz nach Vorliebe. Möchte ich flinke, jedoch weniger mächtige Hiebe austeilen, greife ich zum eleganten Gehstock. Sagen mir behäbige, wuchtige Schläge mehr zu, wähle ich die große Jägeraxt. Kann ich mich mit beiden Extremen nicht anfreunden, greife ich zum Säckehackbeil, das die goldene Mitte darstellt. All diese Waffen lassen sich dann noch transformieren. Mit einem Tastendruck wird so aus dem Gehstock eine Peitsche, und aus der Axt eine Hellebarde. Das Säckehackbeil lässt sich nach Wunsch wie ein überdimensionales Rasiermesser aufklappen. Die Transformationen verlaufen flüssig und lassen sich problemlos in Kombos einbinden. Nachdem ich meine Entscheidung gefällt habe, kehre ich zum Krankenhaus zurück und schicke den Werwolf ins Jenseits.

Endlich in Yharnam, wird schnell klar, dass mein guter Jäger nicht der einzige Kranke ist. Die Stadt ist verwüstet. Überall patrouillieren die von der Krankheit dahingerafften Bürger von Yharnam mit Fackeln und Mistgabeln. Alles und jeder in dieser Stadt scheint einem an den Kragen zu wollen. Immer auf der Hut entgeht einem fast wie detailverliebt und beeindruckend das Zentrum von Yharnam ist. Überall gibt es etwas zu entdecken, überall lauert Gefahr.

Im Rausch der Jagd

So kämpfe ich mir meinen Weg durch die Gassen, die Bezirke und das Umland von Yharnam. Mit jedem Ableben, mit jedem erschlagenen Gegner lerne ich dazu. Kein Gegner will unterschätzt werden. Bin ich zu gierig, ungeduldig oder gar überheblich, bestraft mich Bloodborne mit einem schmerzlichen Ende und dem Verlust meiner hart erkämpften Erfahrungspunkte. Gespawned wird bei rar gesäten Lampen, die als Wegpunkte dienen. Die zuvor erledigten Gegner gilt es erneut zu besiegen und man hat nur eine einmalige Chance, verlorene Erfahrungspunkte zurück zu gewinnen. Diese Spielelemente sorgen für eine Spannung, die ich zuvor bei noch keinem Spiel erlebt habe. Die Kämpfe sind intensiv und das Herzstück des Spiels. Nur in den seltensten Fällen kann ich die Steuerung für mein Scheitern verantwortlich machen. Bloodborne schafft es hier, meinen Ehrgeiz zu wecken und hart und diszipliniert an meinen Fertigkeiten zu arbeiten. Ich verfalle regelrecht in einen Rausch, der mich Stunden lang an die Konsole fesselt. Das blutige Treiben gipfelt in den epischen Bosskämpfen. Jeden Boss gilt es zu studieren. Was sind seine Angriffsmuster? Was sind seine Schwächen? Nur durch das auswendig Lernen des Verhaltens des Gegners und das richtige Timing ist es einem möglich als Sieger aus dem Kampf zu gehen. Untermalt werden die Kämpfe mit einem Soundtrack, der unter die Haut geht. Und was wäre ein epischer Bosskampf ohne monumentale Orchesterklänge?

Bloodborne

Die Welt von Bloodborne

Die Anfangsgebiete sind noch sehr schlauchig, doch nach einigen Spielstunden bricht die Spielwelt immer mehr auf. Jedes Gebiet ist finsterer und albtraumhafter, als das vorhergehende. Oftmals fällt es schwer zu entscheiden, wo man als erstes hingeht und welcher Weg der richtige ist. In Bloodborne sucht man vergeblich nach Wegweisern oder Hinweisen, die einen in die richtige Richtung führen. Der Spieler hat stets die Freiheit, zu gehen wohin er möchte. Ein klassischer Openworldtitel ist Bloodborne jedoch nicht. Vereinzelt trifft man auf NPCs, die allerdings nicht viel zusagen haben. Das Gefühl der Einsamkeit macht sich breit.

Auch Antworten auf meine vielen Fragen finde ich selten oder überhaupt nicht. Die Geschichte hinter Bloodborne muss man sich aus Gegenstandsbeschreibungen oder den wenigen Sätzen, die NPCs von sich geben, zusammen zu reimen. Im Kern der Story steht stets die Jagd auf die Bestien, die Yharnam und Umgebung heimsuchen. Was sich anhören mag wie ein Kritikpunkt, ist in Wahrheit ein Segen für die dichte Atmosphäre des Spiels.

Bloodborne

Immer wieder bin ich beeindruckt, wie schaurig-schön und gruselig die Gebiete sind. Abseits der Kämpfe lassen sich Geheimgänge finden oder Hinweise, die oft mehr Fragen aufwerfen, als dass sie Antworten geben. Meine Neugier treibt mich dazu, in jedem Winkel jeden Stein umzudrehen, in der Hoffnung mehr darüber zu erfahren, welches Schicksal die Bewohner von Yharnam ereilt hat. Ich habe fast genauso viel Angst, dass mir etwas entgeht, wie vor den fantasievollen Kreaturen, die mich in Stücke reißen wollen.

Bloodborne – Ein perfektes Spiel?

Ganz ohne Makel ist auch ein Meisterwerk wie Bloodborne nicht. Ich hätte mir am Ende des Spiels mehr Waffen gewünscht und auch das Loot ließ zu wünschen übrig. Es ist durchaus möglich, das Spiel mit der Waffe durchzuspielen, die man zu Beginn gewählt hat. Das Erlegen mächtiger Feinde wird mit Erfahrungspunkten belohnt, jedoch selten mit einer besseren Rüstung oder Waffe.
Einige Male wurde mir das unpräzise Anvisieren der Gegner zum Verhängnis. Auch der lange Ladebildschirm war mir bei meinem Test negativ aufgefallen. Mittlerweile ist dieser gepatcht und man kann sich die Gegenstandsbeschreibung nochmal in Ruhe durchlesen, bevor es weiter geht. Doch all diese Kritik ist wahrlich jammern auf höchstem Niveau und nichts, das mir die Spielfreude hemmte.

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