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Scrapland

Scrapland – Retro Review

Auf der Suche nach einem geeigneten Titel zum let’s playen fiel mir ein ganzer Schwarm uralter CDs in die Hände. Darauf befand sich unter anderem Amercian McGee presents: Scrapland, entwickelt von Mercury Steam Entertainment. American McGee? Den kannte ich doch von der düsteren Umsetzung des Märchens Alice im Wunderland von Lewis Carroll. Und diese Umsetzung hatte es wirklich in sich. Sie besaß Charme, sie sah grandios aus, sie war schön spooky und zur damaligen Zeit eine echte Überraschung.

Der Gamedesigner McGee war für mich also ein Qualitätskriterium, nach dem ich mich entschied.

Eine solche Einleitung schreit förmlich nach einem Aber. Leider richtig geschätzt, denn das Spiel enttäuscht in vielerlei Hinsicht. Eigentlich hätte ich mich vorab wundern müssen, denn von diesem Titel hatte ich bis dato nichts gehört.

Scrapland

Ein Haufen Müll

Scrapland heißt so viel wie Land aus Müll oder schlicht: Müllhalde. Denn daraus besteht dieser Planet: aus dem Unrat, den die Menschen dort hinterlassen haben. Darum ist unsere Spezies dort auch nicht gerne gesehen. Die einzigen, die dort leben, sind Roboter. Und leider zeigen sie nur allzu menschliche Verhaltensweisen. Es geht um Intrigen, um Mord, um Geld und Macht.

Dahin verschlägt es unseren Protagonisten D-Tritus, einen Roboter, der Universum erkundet. Auf Scrapland möchte er zunächst etwas Geld verdienen. Der einzige Job, der für ihn übrig ist, ist der eines Reporters.

Es vergeht nicht viel Zeit, bis es zu einem Mord kommt. Normalerweise keine große Sache, da die Matrix jedes Roboters in einer großen Datenbank gespeichert ist. Dadurch stehen jedem Blechkameraden unendlich viele Leben zur Verfügung. Es sei denn, die Matrix wird aus der großen Datenbank gestohlen. Dann heißt tot auch tot, und das will schließlich niemand. Eben dies ist dem ersten Mordopfer allerdings wiederfahren.

Während sich D-Tritus um die Hintergründe dieser Tat bemüht, geschieht ein weiterer Mord. Alles deutet darauf hin, dass der Täter ein viskoses Wesen ist, also ein echtes Lebewesen, keines aus Schrott.

So spinnt sich die Geschichte von Scrapland weiter, bis es letztlich zu einem Showdown kommt, mit dem niemand gerechnet hat.

Die Kreativität eines Roboters

Bei Scrapland steuern wir D-Tritus aus der Beobachterperspektive. Leider lässt sich die Kameraeinstellung nicht konfigurieren, so dass D-Tritus (oder mit wem wir gerade unterwegs sind) mitunter die Sicht auf das Geschehen versperrt. Zudem ist die Mausempfindlichkeit recht hoch und unpräzise. Ein übertrieben großes HUD trägt sein Restliches zu einem viel zu vollen Bildschirm bei. Der Weggang von Statusanzeigen und die Konzentration aufs Wesentliche ist spieltechnisch gesehen jedoch erst in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen, so dass man Scrapland diesen Makel nicht zu sehr ankreiden darf.

D-Tritus ist in der Lage, sich in fast alle Roboter zu verwandeln, denen er begegnet. Theoretisch ein tolles Feature, das viele Spielmöglichkeiten eröffnet, denn jeder Roboter hat eine eigene Spezialfähigkeit. So kann D-Tritus in Scrapland andere über den Haufen rennen, Bischöfe und Polizeibeamte können schießen, winzige Roboter können springen und Banker können ihren Mitrobotern das Geld aus der Tasche ziehen.

Leider nutzt sich dieses Feature sehr schnell ab, da es von dem uninteressanten Leveldesign, den langweiligen Missionen, dem nervtötenden Sound und allem anderen in diesem Spiel zunichte gemacht wird.

Scrapland

Die eine Hälfte des Spiels steuern wir Roboter durch Gebäude, sprechen mit anderen, schleichen uns mal hierhin mal dorthin, suchen etwas oder fliehen vor der Polizei.

Die andere Hälfte von Scrapland besteht darin, in unserem Raumschiff durch Kimera, die Stadt der Roboter, zu düsen. Das Raumschiff können wir durch bessere Motoren, Waffen und Panzerung aufrüsten, was eigentlich ziemlich cool ist. Je nachdem, worauf wir den Schwerpunkt bei Bau unserer Gefährte legen, bestreiten wir Rennen, um Geld zu verdienen, oder Ballern unschuldige Teilnehmer des Luftverkehrs in Grund und Boden.

In dieser Hinsicht mag das Spiel des Eindruck eines Open-World-Games erwecken. Es ist uns überlassen, in welchen Teil der Stadt wir fliegen und ob wir dort für Stress sorgen. Leider bietet das Spiel keinen Anreiz, die Stadt zu erkunden, da es außerhalb der Missionen nichts zu entdecken gibt. Zudem fehlt eine große Landkarte, da sowohl die Städte als auch die Gebäude chaotisch aufgebaut sind. Ständig werden wir von dem Missionspfeil in Sackgassen gelotst, Munition finden wir eher zufällig und trotz des regen Verkehrs wirkt die Stadt kalt und freudlos.

Robotertechnik

Da Scrapland bereits 2004 erschien, wirkt die Grafik natürlich längst überholt und kann nicht einmal mehr im Ansatz mit heutigen Spielen mithalten. Die Texturen sind verwaschen, wiederholen sich, die Figuren bewegen sich abgehakt, Liebe zum Detail ist nicht zu erkennen.

Man mag meinen, dass das für die damalige Zeit in Ordnung gewesen sei. Heute kann ich das nicht mehr nachvollziehen, aber ich weiß, dass im selben Jahr auch Spiele wie Half-Life 2, Fable, Far Cry oder Grand Theft Auto: San Andreas erschienen sind. Mit Hinblick auf diese Titel konnte Scrapland auch damals nicht mithalten.

Über Musik und Sound brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Dass es in PC– und Videospielen schon lange möglich ist, traumhafte Orchestrierungen einzubinden, ist kein Geheimnis. Scrapland kann auch auf diesem Gebiet kaum Punkte erzielen, da sich die Sounds wiederholen und extrem eintönig sind. Bereits nach kurzer Zeit gehen einem die Musikstücke, die sich anhören, als wären sie auf einem C64 programmiert worden, dermaßen auf die Nerven, dass man sich genötigt fühlt, den Ton einfach auszustellen.

Unfreiwillige Komik erhält das Spiel durch die deutsche Synchronisation. Es scheint, als hätten die Entwickler sich erst kurz vor Veröffentlichung des Spiels überlegt, eine deutsche Sprachausgabe anzubieten. Mehr als eine Handvoll Personen ist in den Dialogen nicht rauszuhören, obwohl es etliche agierende Roboter gibt. Seltsame osteuropäisch anmutende Dialekte und eine völlig fehlgeschlagene Betonung führen dazu, dass keine rechte Stimmung aufkommt.

Bei einer Spielzeit von knapp vierzehn Stunden sollte wenigstens die Story mitreißend sein. Aber auch das ist hier nicht der Fall. Zum Ende hin gibt es unlogische Auflösungen, Spannung wird durch die diversen bereits erwähnten Makel zunichte gemacht.

Und wie es sich für einen richtigen Reinfall gehört, sind die Endkämpfe unfair und fast unschaffbar.

Scrapland

Das Ende

Manchmal hat es also einen Grund, warum das Spiel namhafter Entwickler in der Versenkung landet. Ich hätte meinem Bauchgefühl trauen und die CD wieder in den Schrank packen sollen. Auch nicht schlecht: sich vorher über das Spiel informieren. Das ist mit dieser Review bei Gameplane.de ja jetzt möglich.

Alle, die dieses Spiel auf dem Flohmarkt oder im Second-Hand-Laden entdecken: Finger davon, denn der Titel verrät, was damit am besten anzufangen ist: ab auf die Müllhalde.

Ein Kommentar

  1. War damals mein ersten richtiges PC-Spiel.
    Hab hat mir sehr gefallen ^^.
    Heute mal danach gegoogelt … aber nur schlechte Kritiken.

    Schade :(

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