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Resident Evil Historie – Die Entwicklung der Serie von Teil 1 bis Teil 6 – Teil 2

22. November 2014
Boris Borda

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Resident Evil Historie – Die Entwicklung der Serie von Teil 1 bis Teil 6 – Teil 2

In diesem Special beschäftigen wir uns ausschließlich mit der Resident Evil-Kernserie. Obwohl offiziell zur Serie angehörend und von uns persönlich sehr geschätzt, finden Ableger und Derivate keinen Platz in unserer Betrachtung. Eine komplette Analyse des Resident Evil-Universums wäre zu weit gefasst und würde den Platz eines Buches benötigen. Aus diesem Grund vergleichen wir aktuelle Serienableger mit ihren Vorgängern und Urvätern. Dabei treiben uns Fragen an, wie:

Was hat sich geändert? Welche Features sind dazugekommen, welche entfallen? Was wurde am Gameplay verändert? Ist die Serie ihren Wurzeln treu geblieben oder wurde sie umgekrempelt und zwischenzeitlich neu erfunden? Entsprechen aktuelle Spieletitel überhaupt noch der Bezeichnung und der ursprünglichen Intention der Spielereihe?

 

Solltet ihr den ersten Teil des Resident Evil-Specials verpasst haben, so könnt ihr das hier nachholen:

Resident Evil Historie – Die Entwicklung der Serie von Teil 1 bis Teil 6 – Teil 1

 

Resident Evil 2 – Das gewohnte Prinzip wird fortgeführt

Resident Evil war in der Spielergemeinde angekommen und löste ein regelrechtes Zombie-Fieber aus. Zwei Jahre später, im Jahr 1998, folgte die Fortsetzung: Resident Evil 2. Das Spiel wurde aufgrund seines Umfangs auf zwei CD-ROMs ausgeliefert (dazu später im Text mehr). Das Spielsystem des Vorgängers blieb im Prinzip identisch, lediglich der Schauplatz wurde geändert: Aus dem Herrenhaus in den Bergen aus Teil eins wurde die Stadt Racoon City, die durch und durch zombieverseucht war. Aus den Protagonisten Jill Valentine und Chris Redfield wurden Claire Redfield und Leon S. Kennedy. Resident Evil 2 klärte den Spieler über die Hintergründe auf, die zum Vorfall im ersten Resident Evil geführt hatten, und erweiterte die Geschichte um den Umbrella-Konzern, der mithilfe von Bio-Organischen-Waffen (BOWs) versuchte, seinen Gewinn zu maximieren.

Chris Redfields kleine Schwester Claire Redfield feierte in Resident Evil 2 ihr Seriendebüt.
Familienbande: Chris Redfields kleine Schwester Claire Redfield feierte in Resident Evil 2 ihr Seriendebüt.

Familienschicksale, Zombies, alte Tradition und frischer Wind in den Segeln

Durch die Einführung von Caire Redfield, Chris Redfields jüngerer Schwester, wurden Spieler sogar ein klein wenig in die Familiengeschichte und -hintergründe der Protagonisten eingeführt. Nach den Vorfällen aus Resident Evil verschwand Chris Redfield nämlich spurlos und seine Schwester begab sich auf die Suche nach ihm. Dabei folgte sie Chris‘ Spur und gelangte nach Racoon City, Redfields zuletzt bekannten Aufenthaltsort. Was sie dort erwartet, hätte sie sich jedoch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen ausgemalt. Der zweite spielbare Hauptcharakter des Survival-Horrors war Leon S. Kennedy, ein junger Polizist, der frisch von der Akademie zu seinem ersten Job in das Polizeirevier von Racoon City beordert wurde. Dass Claire und Leon sich ihr Schicksal in den zombiegefüllten Straßen von Racoon City teilen würden, war keinem der beiden bewusst.

In der Kanalisation unterhalb Racoon City warten neben Ratten auch genmanipulierte Krokodile auf euch.
Abwasser des Grauens: In der Kanalisation unterhalb Racoon City warten neben Ratten auch genmanipulierte Krokodile auf euch, um euch zu vernaschen.

Das Inventarsystem blieb mit dem Serien-Urvater verglichen unverändert. Erneut sorgten Ruheräume für ein wenig Entspannung. Auf Schreibmaschinen konnte mittels Farbbändern wie gewohnt gespeichert werden. Auch die Truhe feierte ihr Comeback. In dieser konnten Spieler, wie in Teil eins, ihre überschüssigen Items, Munition und Waffen zur späteren Verwendung zwischenlagern. Das Virusrepertoire wurde um einen Buchstaben ergänzt und die neue Bedrohung der Menschheit hörte nun auf den Namen G-Virus (Gene-Virus). Die Location von Resident Evil 2 war die Stadt Racoon City, die  um einiges größer war, als die Spencer-Villa des Vorgängers. Zum ersten Mal in der noch jungen Serie fanden viele Abschnitte des Spiels nun nicht mehr in geschlossenen Gebäuden statt, sondern verlagerten sich auf die Straßen, Vorhöfe, in die Kanalisation und selbst in einen geheimen und unterirdischen Forschungskomplex unterhalb der Stadt. Capcom  erschuf mit Resident Evil 2 zwar keinen Meilenstein im Sinne der Neuerungen, bewies jedoch, dass ihnen die Ideen nicht ausgingen und ein Spiel auch von einer spannenden Geschichte getragen werden kann. Die vorgerenderten Hintergründe, die sich bereits im ersten Teil bewährt hatten, wurden beibehalten und an der Grafik änderte sich ebenso wenig wie an der Spielmechanik. Bewährtes wurde beibehalten und verfeinert.

Machte der T-Virus aus Infizierten lediglich untote und willenlose Hirmfresser, war der neue G-Virus imstande die widerlichsten Mutationen hervorzurufen. G-Virus
Machte der T-Virus aus Infizierten lediglich untote und willenlose Hirnfresser, war der neue G-Virus imstande, die widerlichsten Mutationen hervorzurufen.

Keine Revolution, aber trotzdem sehr gute Kost

„Never change a running system“ scheint das Credo von Capcom gewesen zu sein, als der japanische Videospielentwickler seine Arbeit an Resident Evil 2 aufnahm. Als Einzige wirkliche spielerische Neuerung des zweiten Teils ist hervorzuheben, dass der erlittene Schaden der Protagonisten erstmals visualisiert wurde. Standen die Recken im Urvater Resident Evil bis zu ihrem virtuellen Ableben visuell in ihrer Hochblüte, sahen wir in Resident Evil 2 erstmals die Auswirkungen der erlittenen Verletzungen. Leicht verletzte Charaktere krümmten sich vor Schmerz und hielten sich den Bauch fest. Bei schweren Verletzungen schleiften sie sogar ihr Bein hinterher und waren somit auch in der Bewegung eingeschränkt. Dies wirkte sich auf das Spielerlebnis aus, denn beispielsweise war es unmöglich schnell davonzulaufen, wenn der Charakter schwer verletzt war. Trotz keinen enormen spielerischen Änderungen gegenüber seinem Vorgänger, schaffte es Resident Evil 2 die Verkaufscharts zu toppen und wurde von Fans und Kritikern sehr gut angenommen. Die Serie galt damit endgültig als etabliert.

Racoon City brennt: Die Zombieplage hat die ganze Stadt lahmgelegt und in Schutt und Asche verwandelt.
Racoon City brennt: Die Zombieplage hat die ganze Stadt lahmgelegt und in Schutt und Asche verwandelt.

Falls euch nun immer noch die Frage plagt, warum Resident Evil 2 auf zwei CD-ROMs ausgeliefert wurde, so folgt hier die recht simple Antwort:

Wie ihr bereits erfahren habt, konnte Resident Evil 2 aus der Perspektive von zwei Charakteren gespielt werden: Leon S. Kennedy oder Claire Redfield. Trotz des selben Settings, reichte der Speicherplatz einer CD-ROM (650 Megabyte) nicht aus, um beide Szenarien auf einem Datenträger unterzubringen. Die vielen Cutszenes sowie die individuelle Synchronisierung der Charaktere, aber auch einige alternative Szenen, führten letzendlich dazu, dass das Spiel auf zwei CD-ROMs ausgeliefert wurde.

Resident Evil 2 und die deutsche Rechtsprechung

Am 30. Mail 1998 entschied sich die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften (BPjS), heute unter dem Namen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) agierend, dazu, Resident Evil 2 auf den Index zu nehmen. Somit war der Titel in Deutschland indiziert, was im Klartext hieß, dass er weder an unter 18-jährige verkauft, noch öffentlich beworben werden durfte. Grund für diese Entscheidung war eine überhöhte Gewaltdarstellung im Spiel. Der Prüfstelle waren vor allem zwei Fakten nicht geheuer:

1. Spieler konnten auf dem Boden liegende Zombies mit einem Tritt ihres Kopfes befreien.
2. Die Rolle von Cherry, einem zwölfjährigen Charakter, der im Spiel vorkam.

Zu hart für Deutschland: Resident Evil 2 wurde von der BPjM auf den Index gesetzt und war für knappe 16 Jahre offiziell von der Bildfläche verschwunden-
Zu hart für Deutschland: Resident Evil 2 wurde von der BPjM auf den Index gesetzt und war für knappe 16 Jahre offiziell von der Bildfläche verschwunden.

Ein zwölfjähriges Mädchen inmitten von Tod und Gewalt war einer der ausschlaggebenden Gründe für die Indizierung des Titels. Capcom reagierte prompt und veröffentlichte daraufhin einige zensierte Fassungen von Resident Evil 2 extra für den deutschen Markt, die aber auch mit sofortiger Wirkung auf dem Index landeten. Im März 2014 wurde das Spiel jedoch vorzeitig wieder vom Index heruntergenommen und nach einer Neuprüfung der USK ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.

Erfahrt im weiteren Verlauf unserer Special-Reihe, wie es mit Resident Evil weiterging. Zu Teil 3 des Specials geht es hier entlang.