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Preview: The Town of Light (Enhanced Edition) – Aus der Sonne in die Hölle

Menschen sind faszinierend. Kein Wunder, dass wir uns seit Jahrhunderten selbst erforschen und Zusammenhänge versuchen zu erkennen, in Abgründe schauen oder Schädel aufbohren. Manche Menschen entsprechen nicht der Norm, die eine Gesellschaft erschaffen hat. Renèe ist so ein Mensch. Und The Town of Light ist ein Spiel, das sich der Darstellung von psychischen Störungen und der Geschichte eines Mädchens verschrieben hat.

The Town of Light

Anlässlich der Enhanced Edition und des Konsolenports des bereits 2016 erschienenen Spiels der italienischen Entwickler LKA haben wir einen Blick auf The Town of Light geworfen. Besagte Enhanced Edition ist seit kurzem als kostenloser DLC über Steam erhältlich. Enthalten sind der offizielle Soundtrack und das Artbook sowie das Tagebuch der Protagonistin. Einzelne Seiten können im Verlauf des Spiels gefunden werden und bieten einen neuen Blick auf die Geschehnisse im Spiel, verraten sogar mehr als der Spieler selbst herausfinden konnte. Darüber hinaus behebt das Update einige Bugs und verschönert die Grafik. Zusätzlich erscheint das Spiel im 2. Quartal 2017 für Playstation 4 und Xbox One. Zehn Menschen arbeiteten zuletzt an The Town of Light, wobei das Spiel als Experiment einiger weniger begann – ein Bucket List-Ding, das die Faszination von psychischen Störungen und historischen Anstalten aufgreifen sollte. Es ist das erste Spiel des Entwicklerteams und fast schon ein Instrument für Empathie. Generell ging es den Entwicklern darum, zu zeigen, wie Spieler auf Basis der gleichen Informationen unterschiedlich handeln. Wir konnten für diese Preview den Beginn des Spiels spielen.

Andere Zeit, anderer Ort

Schnell stellt sich die Frage: Wieso kann uns etwas, das so offenkundig fiktiv und innerhalb eines Programms stattfindet, Angst machen? Was für Methoden bedient sich The Town of Light, um die Angst zu vermitteln und Spielende auch ohne billige Schreckmomente in Anspannung zu versetzen? Die Bedrohung einer Existenz steht klar im Fokus, Renèe darf nicht sie selbst sein und wird infolge dessen in eine Heilanstalt gebracht. Ihre dortigen Erlebnisse werden in The Town of Light nacherzählt, es geht um Identität und Angst. Die Ereignisse finden in Volterra in Italien Ende der 1930er Jahre statt. Die Situation ist angespannt, der zweite Weltkrieg bahnt sich an. Werte und Moralvorstellungen weichen in vielerlei Hinsicht von heutigen Ideen ab und der historische Kontext begünstigt die Spaltung der Gesellschaft. Volterra ist ein noch immer existierender Ort in Italien, weniger als 100 km von Pisa entfernt, in der Toskana, wo noch heute die Ruine einer psychiatrischen Anstalt steht. Diese idyllische Ruhe gepaart mit den Spannungen der damaligen Zeit lassen bereits erahnen, worauf The Town of Light hinaus möchte. Renèe ist ein junges Mädchen, das aus einem unbekannten Grund in die psychiatrische Anstalt von Volterra gebracht wird. Ihr Schicksal steht im Mittelpunkt von The Town of Light und soll im Verlauf des Spiels aufgedeckt werden.

Zu Beginn des Spiels ist auf dem nahegelegenen Hügel die Anstalt zu erkennen, ein Spielplatz und eine Hütte weiter entfernt sind verlassen. Die Sonne scheint, doch weit und breit ist kein Mensch in Sicht. Der Spieler muss die Anstalt betreten, um die Vergangenheit aufzudecken. Dabei gibt es immer wieder Hinweise auf das, was passiert ist. Rückblenden und Erinnerungen vermischen sich mit der Gegenwart und verwirren den Spieler noch mehr als der unbekannte Ort und die schwer zu durchdringende Story es bereits tun. Mit einer Mischung aus Erkunden und Rätsel lösen ist das Gameplay von The Town of Light recht simpel gehalten. Diese Gameplay-Armut könnte dem Erfahrungsmangel der Entwickler zugeschrieben werden. Weitaus wohlwollender ist die Annahme, dass der limitierte Handlungsspielraum Renèes Ohnmacht repräsentiert und nur ein weiteres Mittel der Immersion ist. Was mit Renèe geschah, ist an tatsächlichen Gegebenheiten orientiert. Das Setting wurde realen Plätzen nachempfunden, die Entwickler studierten tatsächlich angewandte Methoden und Renèes Vorbild ist eine existierende Person. Anstatt jedoch die Ereignisse exakt nachzustellen, entschied man sich aus Respekt dafür, Renèe Fiktion bleiben zu lassen. Alles andere sei jedoch wahr und hätte so stattfinden können. The Town of Light erzählt also Renèes Geschichte und ist ein psychologisches Horror-Drama.

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