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Preview: No Truce with the Furies – Gedankenspiele

Isometrische Rollenspiele feiern seit einigen Jahren ein sehr erfolgreiches Revival. Pillars of Eternity überzeugte uns mit Fantasy samt pausierbaren Echtzeitkämpfen, Torment: Tides of Numenera erschlug uns in der Zukunft mit Wänden voller Text, während wir im rundenbasierten Kampf Frieden stifteten. No Truce with the Furies versucht von allem ein bisschen. Ein bisschen Fantasy, ein bisschen Endzeit, ein neuartiges Kampfsystem ohne Kampf und neue Ideen, die das Genre revolutionieren könnten.

You are a police detective in the city of Revachol. Solve a huge open ended case, or get lost exploring the city. Good cop, bad cop, fascist cop, socialist revolutionary cop, criminal mastermind disguised as a cop – you can play any kind of cop you want.

No Truce with the Furies spielt in einer nicht näher definierten Zukunft, voller Absurditäten und interessanten Gedankenspielen. Ihr spielt einen Cop, welcher sich an nichts erinnern kann. Ihr, der Spieler, entscheidet also über die Wirklichkeit, die unseren Helden durch das Spiel begleitet und mit welcher er leben muss. Ihr entscheidet, ob er ein Raucher war oder nicht. Ihr entscheidet, ob er ein guter oder ein böser Cop ist. Ihr gebt den Weg durch die Welt vor und beeinflusst alles nach euren Wünschen. Das hört sich erst einmal nicht sonderlich neu und abenteuerlich an, doch liefert das Spiel interessante neue Werkzeuge.

No Truce With the Furies Screenshot

Dazu gehört beispielsweise das Gedankeninventar, in welchem ihr Gedanken der Welt sammeln, beeinflussen und verwenden könnt. In der uns vorliegenden Demo war das Feature leider noch nicht vorzeigbar, da die Entwickler nicht weniger als Perfektion präsentieren wollen.

Zurück zu den Wurzeln

No Truce with the Furies orientiert sich primär an Spielen wie Planescape: Torment und Kentucky Route Zero. Das heißt zum einen, dass die Entwicklung eures Charakters im Vordergrund steht und zum anderen, dass man mit einer abgedrehten Geschichte rechnen kann. Die Story ist dabei nebensächlich; euch erwarten keine Bosskämpfe, keine Spannungsbögen, sondern vor allem die Menschen mit ihren Anekdoten und die Entwicklung ihrer Beziehung zu euch.

No Truce With the Furies Screenshot
Um in der gespielten Demo einen Eindruck von den unterschiedlichen Charakteren und deren Vor- und Nachteilen zu erhalten, durften wir als Spieler zwischen vier Vorlagen wählen. Wir konnten das Spiel als Logiker bestreiten, welcher zwar intelligent, aber nicht sozial ist. Oder als sensibler Polizist, welcher zwar eine magnetische, aber auch instabile Persönlichkeit inne hat. Der Psychokiller bietet wiederum eine alternative Spielweise, welche auf Kampf spezialisiert ist. Allerdings kann dieser auch jederzeit seinen Verstand verlieren. Wer sich nicht auf eine Richtung festlegen möchte, der kann es auch als klassischer Detective versuchen, der von allem etwas, aber nichts wirklich gut kann.

Im fertigen Spiel müsst ihr nicht aus Vorlagen wählen, sondern könnt euren Charakter euren Wünschen entsprechend erstellen und entwickeln. Doch nicht nur zu Beginn des Spiels beschäftigen wir uns mit der Entwicklung unseres Selbst, sondern auch fortlaufend während des Spielens. Dabei werden wir stets mit unserer Psyche konfrontiert. Das kann die Logik, die Enzyklopädie oder auch schlicht die innere Stimme sein, die all unsere Handlungen auf unserem Weg kommentiert, bejubelt oder kritisiert. Das Spiel schränkt uns bei all unseren Entscheidungen in keinster Weise ein. Wir können einen korrupten oder auch einen seriösen Cop spielen, wir können den Feministen heraushängen lassen oder auch der Langweiler des Jahres sein, welcher sich stets an alle Regeln hält und es dabei ein wenig übertreibt. Egal, wie wir uns jeweils entscheiden, das Spiel und unsere Umwelt reagiert.

Die Stärken unseres Charakters haben dabei auf all unsere Entscheidungen einen Einfluss, vergleichbar mit den Herausforderungen aus Torment: Tides of Numenera. Sowohl die Intelligenz, die physische Stärke als auch die Motorik spielen dabei eine Rolle. Ein kräftiger Charakter ist bei intellektuellen Aufgaben schnell überfordert, ein sensibler Charakter kann wiederum auch schnell einen Herzinfarkt erleiden, wenn er versucht eine Krawatte von einem sich drehenden Deckenventilator zu fischen. Wie erfolgreich eine Handlung vermutlich ist, könnt ihr zuvor anhand einer Prozentangabe abschätzen.

No Truce With the Furies Screenshot

Haben wir in No Truce with the Furies einen nicht sonderlich intelligenten Charakter gewählt und wollen einer attraktiven Frau ein Kompliment machen, kann es sein, dass wir daran scheitern und ihr ein „i want to have fuck with you“ entgegenschleudern, woraufhin sie sowohl ob der seltsamen Wortwahl, als auch wegen der plumpen Anmache belustigt die Szene verlässt. In einer anderen Situation haben wir die Möglichkeit, einen Barkeeper in ein Sexgefängnis zu verfrachten, wenn er sich erdreistet, Geld für Alkohol und unser Zimmer zu verlangen. Wie absurd unsere Aussagen sein können, lässt uns unsere Umwelt durchaus spüren, was zu dem ein oder anderen interessanten Gespräch führen kann. Dabei können wir uns auch einen Ruf erarbeiten, welcher sich in der Spielewelt verbreitet, was bedeutet, dass ein Charakter von vornherein anders auf uns reagiert, da er bereits einiges von uns gehört hat.

Waffen, jede Menge Waffen

Doch wie genau funktioniert eigentlich das Kampfsystem? No Truce with the Furies brüstet sich damit, dass es eben dieses nicht gibt. Während in anderen Spielen mit Waffen um sich geschlagen wird, kämpfen wir hier stattdessen mit Worten. Ob wir dabei Erfolg haben, hängt wiederum von unserem Charakter und seinen Stärken ab. Starke Charaktere sind bedrohlicher, sensible Charaktere einfühlsamer und intelligente Charaktere überzeugen ihr Gegenüber durch Wissen.

No Truce With the Furies Screenshot

Fazit

Caroline ValdenaireNo Truce with the Furies befindet sich seit einer gefühlten Ewigkeit in Entwicklung. Dies liegt vor allem daran, dass die Entwickler der ZA/UM Studios das perfekte Rollenspiel abliefern wollen. Wer von den Textwänden aus Torment abgeschreckt wurde, darf sich auf pointierte Dialoge freuen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren. Natürlich muss man auch hier Spaß am Lesen haben, da ein Spiel, welches sich sogar beim Kampf auf Worte beschränkt, vermutlich nicht allen Spaß macht. Die Ideen und vor allem das neuartige Gedankeninventar hören sich vielversprechend an. In der kurzen Zeit, die wir zum Anspielen der Demo hatten, gab es den ein oder anderen lustigen, traurigen und auch tödlichen Moment – das Schöne dabei: das Spiel nimmt sich dabei selbst nicht zu ernst. Wer Spaß mit Torment: Tides of Numenera hatte, sollte sich No Truce with the Furies vormerken. Vermutlich Anfang 2018 dürfen wir die schräge Welt erspielen.

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