Home » Artikel » Previews » Preview: Kingdom Come: Deliverance – Wahres Mittelalter

Preview: Kingdom Come: Deliverance – Wahres Mittelalter

Das Mittelalter ist schon ein besonderes Setting. Die Realität an sich war schon getrübt von Seuchen, Kriegen und massiver Armut. Entwickler setzen in diese Welten dann oft noch mythische Wesen ein, um nur noch mehr Gefahren zu erzeugen. Eine Prise Magie obendrauf für das absolute Spektakel. Aber das Team von Warhorse möchte mit Kingdom Come: Deliverance zeigen, dass auch das echte Mittelalter durchaus spannend sein konnte. Auf der gamescom 2017 konnten wir für ein Weilchen den Mittelaltersimulator testen.

Kingdom Come: Deliverance hat vor Kurzem seinen finalen Releasetermin erhalten und wird am 13.02.2018 für PC, PS4 und Xbox One erscheinen. 

So ist nun mal das Leben

Keine Orks, keine Prophezeiungen, kein Ring sie zu knechten und keine Welt in Gefahr. Wer hier nach Drachen, mehrköpfigen Ungeheuern oder magischen Runen sucht, ist definitiv falsch. Das Team hinter Kingdom Come brüstet sich damit ein realistisches Mittelalter geschaffen zu haben. Und das Leben im Mittelalter basierte nun mal nicht auf epischen Quests, die euch  in das Herz des Bösen führen.

Viel mehr geht es hier zwischen Dörfern hin und her, gelegentlich durch die ein oder andere Burg und entlang ausgetretener Pfade von Ziel zu Ziel. Die Handlung ist dabei auf Mitteleuropa fokussiert, zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches. Nach dem Tod Karl IV. befindet sich das Land aktuell in einer schwierigen Lage. Räuber und Banditen machen sich breit, korrupte Herrscher sind mit ihren eigenen Machtspielen und Gebietseroberungen beschäftigt und das Land befindet sich im Chaos. Inmitten dieser Geschehnisse findet sich unser Protagonist Henry wieder.

Ein tragisches Schicksal

 

So ganz ohne Klischees kommt die Handlung dabei aber doch nicht aus. Der Plot beginnt als eine Truppe Söldnern das Dorf von Henry angreift. Als Sohn eines Schmieds ist unser „Held“ machtlos und überlebt nur durch glückliche Zufälle. Leider kann selbiges nicht über die Familie des Protagonisten behauptet werden. Während die Heimat abbrennt, darf Henry die letzten Worte mit den sterbenden Eltern wechseln, bevor er sich auf seinen persönlichen Rachefeldzug begibt.

Kingdom Come: Deliverance

In dem großen Durcheinander der Welt ist das Leben und Leides des jungen Henry nur ein einzelner Tropfen im Meer des Krieges. Die Motivation des Plot ist also rein persönlicher Natur und spielt sich ab, während die Welt davon nicht groß berührt wird. Gerade aus Gesprächen mit NPCs wird dieser Umstand sehr deutlich. Die meisten sind mit ihren eigenen privaten Problemen beschäftigt, nur wer hier etwas überzeugender auftritt, kann nützliche Informationen ergattern.

Ein Ziel, viele Wege

Der Fortschritt der Handlung kann dabei sehr vielseitige Facetten annehmen, auch wenn man letztendlich immer am selben Ort handelt. Die Konsequenzen hierbei sind allerdings nicht nur logisch, sondern unterstützen die Immersion. Was damit gemeint ist, lässt sich am besten mit einem Beispiel beschreiben:

Ein überfallenes Dorf, zahlreiche Tote, rauchende Hütten und schockierte Einwohner. Ein solcher Zustand ruft nach Gerechtigkeit. Im Dienste des Herrn Radzig Kobyla suchen wir die verantwortlichen Schurken. Unser direkter Vorgesetzter lässt uns nach Hinweisen suchen, mit der Aufforderung sich im Anschluss direkt zu melden. Nach mehreren Unterhaltungen mit Dorfbewohnern überredet man einige vielleicht zum Preisgeben von Hinweisen (oder auch nicht), so dass man irgendwann die Spur der Übeltäter finden und verfolgen kann. Mit voller Konzentration folgen wir den Spuren immer weiter, bis uns zwei Banditen gegenüber stehen. Erst jetzt fallen die Worte unseres Vorgesetzten ein. Zu spät, die beiden müssen dann eben selbstständig besiegt werden. Alternativ kann den beiden auch gelauscht und so ganz kampflos weiter agiert werden. Aufgrund unserer offensiven Vorgehensweise müssen wir nun allerdings das Schwert ziehen.

Kingdom Come: Deliverance

Hier fliegen Funken…ein paar…vielleicht

Ein Bandit zweite liegt verletzt am Boden, offenbar durch eine Wunde beim Angriff auf erwähntes Dorf. Trotzdem haben wir alle Hände voll. Der Realismus erstreckt sich nun mal auch auf den Kampf gegen feindlich gesinnte Personen. Und ein typischer Kampf in voller Rüstung läuft eben nicht besonders spektakulär ab, sondern gestaltet sich als Summe von geschickten Paraden und hoffentlich wuchtigen Hieben. Und so fühlt es sich auch an. Die Steuerung ist hakelig, die Bewegungen träge und die Einschläge heftig.

Überlebt wurde der Kampf nur knapp, denn viele Hiebe einstecken können wir auch nicht. Auch beim Plündern des Inventars fallen uns die Grenzen des Realismus auf. Während einige Rollenspiele es erlauben ganze Wagenkolonnen an Equipment mit sich zu tragen, ist hier schnell der Rahmen des Tragbaren gesprengt. Die Hälfte der Beute bleibt also am Straßenrand liegen. Und schon geht es aufs Pferd, dem Rest der Ganoven hinterher. Leider endet an dieser Stelle unsere kleine Quest, die nur einen kleinen Einblick ermöglichte. Wir wagen dennoch ein erstes Fazit.

Fazit

 Sich mal von dem Alltag zu entfernen, indem man sich dem Alltag annimmt mag zwar paradox klingen, ist aber der Versuch, den Kingdom Come: Deliverance wagt. Während wir überall in Spektakel, Fantasy-Elementen, Monstern, Feuer und Ungeheuern in einem Effektgewitter untergehen, ist das Projekt von Warhorse anderweitig faszinierend. Einfach mal durch die detaillierte Landschaften zu reiten, die einen wahrlich bildhaften Eindruck macht. Große Wälder, Bäche, kleine Hütten und massive Burgen prägen den Horizont.

Kingdom Come: Deliverance wirkt wie ein Spiel, das schnell seinen eigenen Kreis begeisterter Fans etablieren wird. Es ist kein Spiel für jedermann, es kann auch oft zu sehr wenig tatsächlichen Geschehnissen kommen. Wer in der Lage ist, die Landschaft zu genießen, die schlüssige Welt zu erforschen und seinen eigenen Weg in einem realistischen Mittelalter zu gehen, wird allerdings schlichtweg begeistert sein.

Ich selbst zähle mich allerdings nicht zu der Sorte und würde es tatsächlich Fans von steilen Spannungsbögen und explosiver Action nicht empfehlen. Für unsereins gibt es Titel wie The Witcher, Serien wie Game of Thrones oder Fantasy-Epos wie der Herr der Ringe. Die andere, echte, Seite der Medaille gibt es hier zu sehen.

 

Sag uns deine Meinung:

Auch interessant!

Releases November

Die interessantesten Games der kommenden Woche: 13. bis 19. November

Neben den großen, bekannten Publishern und Entwicklern mit ihren AAA-Titeln sollte man auch die kleinen ...