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Preview: Hacktag – Sich gegenseitig anschnauzen!

Mit Hacktag feiert das junge Entwicklerstudio Piece of Cake studios sein Debüt. Das Spiel konnte bereits den ein oder anderen Preis absahnen, darunter den Indiecade Europe Award oder den Indie Prize Berlin. Wir konnten es uns also nicht nehmen lassen, den Titel selbst anzuspielen und verraten, ob es wirklich so gut ist wie behauptet wird.

Split Screen? Was ist das?

Das Team hinter Hacktag hat eine klare Vision: Koop! Es gibt heutzutage zu wenige Titel, die sich auf das gemeinsame Spielen fokussieren und daher zumeist eher kompetitive Spielmodi liefern. Piece of Cake studios widmet sich also dem guten alten Couch-Multiplayer! Bedeutet für uns: lokaler Multiplayer im Split Screen! Natürlich unterstützt Hacktag auch den Online-Multiplayer, aber es ist eine schöne Abwechslung, endlich mal wieder mit Freunden daheim auf der Couch spielen zu können. Der Fokus auf dem Koop-Part ist auch Grund für die bisherige Early-Access-Version des Spiels:

We created Piece of Cake studios to focus on co-op games only, so it was obvious that we would not finish Hacktag all alone in a dark corner, but we would do it with you, as a team.

Das Spiel soll entsprechend nicht alleine im dunklen Kellerchen vollendet werden, sondern gemeinsam mit der Community wachsen. Seit Juni ist Hacktag in der Vorabversion auf Steam verfügbar und kann somit jederzeit selbst angetestet werden.

Hacktag

Agent 007 plus 1

Im Zeitalter der Digitalisierung geht es schon lange nicht mehr nur um den Raub physischer Wertsachen. Der Datenklau steht nun im Vordergrund. Und genau das ist die Aufgabe unserer beiden Agenten. Einer der Spieler befindet sich direkt vor Ort, schleicht sich dabei an Wachen und Kameras vorbei, während der zweite Spieler sich im Netzwerk befindet.

Der Agent vor Ort stellt den typischen Schleicher da. Es werden Bewegungsabläufe studiert, Routen gebildet und sich geschickt an allerlei Sicherheitsmaßnahmen vorbeigeschlichen. An bestimmten Orten werden relevante Computer lokal gehackt und im Notfall muss man sich auch schnell aus dem Staub machen. Durch die Vogelperspektive wird dem Spieler eine gute Übersicht geboten. Auch Field of Vision von Kameras und Wachen werden visualiert, sodass wir uns mit viel Geduld problemlos durch die verschiedenen Räume schleichen können. Blöd nur, dass es Kameras gibt, die direkt auf unser Ziel gerichtet oder manche Türen bei Ankunft verschlossen sind. Hier kommt unser Netzwerkkumpane ins Spiel.

Sesam, öffne dich!

Steht unser tapferer 007 Agent vor Ort nun vor einer verschlossenen Tür, kommt Spieler 2 zum Einsatz. Dieser befindet sich nicht physisch vor Ort, sondern im Netzwerk der Einrichtung. Dem Hacker liegt entsprechend nur eine topologische Ansicht vor, also eine Sammlung von Knoten und Kanten. Diese Ansicht liegt als Overlay über einem Grundriss des Gebäudes selbst. Auf diese Weise haben beide Spieler eine gute Übersicht über die nötigen Bereiche. Die Knoten des Modells stellen in dieser Ansicht alle Objekte dar, mit denen ihr interagieren könnt – also Kameras, Türen, Computer, Telefone und noch viele mehr.

Aber genau wie der Stealth-Agent Hindernisse in Form von Wachen und verschlossenen Pfaden überwinden muss, gibt es auch Sicherheitsmaßnahmen gegen digitale Einbrecher. Hierzu zählen unter anderem Firewalls und Virenscanner. Letzteres kann eure Präsenz orten und euch dann als Schadprogramm unter Quarantäne setzen. Somit sitzt ihr dann auf einem Server und könnt euch nicht mehr fortbewegen. Ähnliches kann Spieler 1 passieren, wenn dieser von einer Wache erwischt wird. In diesem Fall wird der Spieler allerdings in einen echten Raum eingesperrt, statt hinter virtuellen Gittern zu stehen. Hier ist das Spiel allerdings noch lange nicht vorbei.

Hacktag

Das Team gewinnt, das Team verliert.

Wird einer der beiden durch eine der vielen Sicherheitsmaßnahmen erwischt und gelangt in Gefangenschaft, ist das Spiel noch lange nicht vorbei. Erst wenn beide eingesperrt sind, hat man vollends verloren. Der jeweilige Partner hat jederzeit die Möglichkeit den anderen zu befreien. Wird der Stealth-Agent beispielsweise gerade nach der Entdeckung von einer Wache abgeführt, kann der Hacker im richtigen Moment eine Türe hacken und diese zwischen Wache und Agent verschließen. Jetzt hat Letzterer die Möglichkeit, sich schnell in Sicherheit zu bringen.

Diese Dynamik des gegenseitigen Unterstützens ist in diesem Sinne für das vollständige Spiel gültig. Durch das lokale Hacken von Firewalls erlauben wir unserem virtuellen Begleiter erweiterten Zugriff auf das Netz oder deaktivieren Scanner, sodass unser Mitstreiter ungesehen an den Antiviren-Programmen vorbeiwerkeln kann. Andersrum kann der Hacker auch Türen öffnen, Kameras deaktivieren oder Wachen durch das Klingeln von Telefonen ablenken. Wie auch immer agiert werden sollte, Hacktag kann nur gemeinsam absolviert werden.

Die Rätsel, der Knackpunkt

So schön diese kleinen Momente der Kooperation auch sein mögen, stellen sie nur einen Teil des Gameplays dar. Aufgrund ihrer repetitiven Natur muss nun aber der zweite Part überzeugen. Die Rätsel. Viele der Hindernisse lassen sich nur durch gemeinsames Hacking vor Ort und online überwinden und werden als kleine Minispiele absolviert, bei denen die Kommunikation beider Spieler gefordert ist.

Zu zweit durften wir mal mehr und mal weniger schwere Rätsel lösen, die in der Regel auf das Suchen eines Passworts hinauslaufen, in den meisten Fällen unter Zeitdruck. Diese Minispiele waren spaßig und sind gut in den Spielfluss integriert, werden letztendlich aber auch für den Erfolg oder Misserfolg von Hacktag sorgen.

In einer kurzen Demo lässt sich nämlich nicht die Langzeitwirkung bestimmen. Sind diese Minispiele abwechslungsreich und weiterhin so kreativ gestaltet, dürfte auch beim x-ten Spieldurchlauf keine Langeweile aufkommen. Wiederholen sie sich aber häufig, so wird es schnell nervig. Gerade weil der Rest des Spiels nach einer Weile so routiniert abläuft, ist das Rätseldesign neben dem Schwierigkeitsgrad ein essentielles Puzzleteil für den langanhaltenden Spaß von Hacktag.

Wenn Freunde egoistisch werden

Trotz all des kooperativen Spielens findet sich auch hier interessanterweise ein kompetitives Element wieder. Beide Spieler können unabhängig voneinander leveln und erhalten je nach Anzahl gehackter Computer mehr Punkte. Oft stellt sich die Frage, ob man jetzt kurz den Kollegen vernachlässigt, um die zusätzliche Zeit für den Erwerb von Punkten zu nutzen. Hacktag zwingt euch also nicht nur zu Teamwork, sondern testet dabei auch die Grenzen eurer Freundschaft. Das gelegentliche Anschnauzen des Mitspielers kann also durchaus vorkommen.

Fazit

Hacktag ist ein absolut spaßiges Spiel, welches sich gerade dank seiner Partnerdynamik erstaunlich frisch anfühlt. Die Lernkurve ist steil und nach einer kurzen Einarbeitungszeit existiert ein blindes Verständnis mit dem Partner. Dass der Mitspieler dabei aufgrund des eigenen Egoismus auch schnell mal den Untergang für einen selbst verursachen kann, ist dabei eine durchaus witzige und kreative Implementierung.

Wenn es dem Team von Piece of Cake studios gelingt, den Spaß lange aufrecht zu erhalten, beispielsweise durch abwechslungsreiche Rätsel und eine stetig steigende Herausforderung, so dürfte mit Hacktag ein richtiger Arcade-Klassiker erscheinen, welcher Freundschaften an die Grenze bringen könnte.

 

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