Android Artikel Events Gamescom iOS Mobile Games Nintendo Previews Switch

Preview: Frankenstein: Birth of a Myth – Wieder was gelernt

25. August 2018

Preview: Frankenstein: Birth of a Myth – Wieder was gelernt

Zum 200. Jahrestag der Veröffentlichung von Mary Shelleys Frankenstein oder der moderne Prometheus bringen La Belle Games und ARTE ein Adventure über die Entstehung des Romans heraus. Frankenstein: Birth of a Myth ist das Prequel des Spiels, das nicht nur die Geschichte Frankensteins, sondern vor allem Romantik im Europa des 19. Jahrhunderts thematisiert.

Mit seinen Spielen will der Sender ARTE die Kultur und Gesellschaft Europas in Spielen verarbeiten – schlicht, weil es sich anbietet. Frankenstein exemplifiziert die Romantik, eine bedeutende, wenn auch gerne vergessene Epoche, und ist daher eine dankbare Vorlage. In dem Spiel geht es aber nicht nur um die literarische Vorlage selbst, sondern um generelle, philosophische Fragen, die die Denker*innen dieser Zeit umtrieben. Was macht einen Menschen aus? Was treibt einen Menschen an? Frankenstein: Birth of a Myth wechselt auf der Suche nach Antworten auf Fragen wie diese zwischen der Perspektive Mary Shelleys, die Anfang des 19. Jahrhunderts mit Lord Byron und weiteren Zeitgenossen am Genfer See zusammen kam, was schlussendlich zu der Entstehung von Frankenstein führte. Neben Textadventure-artigen Episoden, in denen Spielende Shelleys Antworten bestimmen und so den Verlauf der Geschichte beeinflussen, können Spielende eine namenlose Kreatur steuern, die Frankenstein zwar äußerlich wenig ähnelt, aber im Grunde ebenso die Personifizierung der Romantik ist.

Frankenstein: Birth of a Myth beschäftigt sich nicht nur innerlich mit der Romantik. Der Art Style reflektiert die deskriptive Art der Epoche und visualisiert die Gefühle der Kreatur. Das Spiel fokussiert nicht den Horror, welcher Frankenstein immer wieder zugeordnet wird, sondern Fragen über Menschlichkeit und das Schreiben einer Geschichte über die Selbstfindung einer Kreatur. Im Mittelpunkt stehen das Individuum selbst, dessen Gefühle und die Natur. Was nach artsy fartsy und Elfenbeimturm klingt, lässt sich vermutlich auch ohne Hintergrundwissen gut spielen. Die namenlose Figur beginnt mit kindlicher Unschuld und lernt erst später neue Gefühle kennen – etwas, womit sich wohl jeder Mensch irgendwo identifizieren kann.

Das Spiel ist der Inbegriff von Entschleunigung, an der Grenze zur Unterforderung, was angesichts der Romantik als Reaktion auf die industrielle Revolution wohl aber passend ist. Es ist auch ein Spiel über die Entwicklung einer Geschichte über die Entwicklung eines Individuums, was Frankenstein: Birth of a Myth zumindest eine tiefere Ebene verleihen könnte.

Frankenstein: Birth of a Myth erscheint im Oktober und wird nichts kosten. Das eigentliche Spiel (denn Birth of a Myth ist nur ein Prequel) soll im Frühjahr 2019 erscheinen.

Fazit

Christina KutscherMit einem Spiel über Literatur macht man mich immer glücklich. Frankenstein: Birth of a Myth bietet sich in der Hinsicht für viele Zwecke und Interpretationen an, aber kann es nun auch spielerisch überzeugen? Jein. Was ich gespielt habe, war technisch einwandfrei und sah extrem hübsch aus. Vielleicht lag es an der aufgeregten Atmosphäre auf der gamescom, aber ich konnte mich nicht auf die langsame und meditative Art des Spiels einlassen. Im Zweifel kann jede*r ab Oktober für sich entscheiden, ob das Spiel taugt.

Christina Kutscher

Christina wurde im zarten Alter von acht Jahren an die Playstation 1 heran geführt und hat sie sofort ins Herz geschlossen. Einige Jahre und kurze Abstecher in unbekannte Genre später, spielt sie mittlerweile plattformübergreifend alles, was eine gute Story hat, überdurchschnittlich kreativ ist oder einfach nur Spaß macht und schreibt dann darüber.