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Preview: Far Cry 5 – Es ist nicht zu spät für deine Seele

Als Ubisoft verkündete, dass man sich an neuen Wegen orientieren möchte und das Ziel dynamische Spielwelten und Handlungen sind, waren viele zunächst skeptisch. Der Begriff Ubisoft-Formel hat sich schließlich nicht grundlos etabliert. Allem Anschein nach meinte es der französische Konzern aber ernst. Eine Pause des Assassin’s Creed Franchises soll diesem neuen Wind verleihen und auch Far Cry schlägt eine neue Richtung ein. Mit Far Cry 5 befinden wir uns diesmal nicht im Dschungel, den Tropen oder prähistorischen Zeiten, sondern auf amerikanischem Boden. Nicht nur das Setting ist neu für das langjährige Franchise, auch die Thematik ist reifer als wir es sonst gewohnt ist. Religiöser Fanatismus ist immerhin keine leichte Kost, erst recht nicht für einen Shooter. Ob Far Cry tatsächlich neue Wege geht oder sich derselbe Inhalt diesmal nur unter einem Deckmantel aus Setting und Thematik verbirgt, haben wir auf der gamescom 2017 einfach selbst herausgefunden.

Willkommen in Montana

Angesiedelt ist die Handlung in Montana. Der Bundesstaat befindet sich im nordwestlichen Eck der Vereinigten Staaten von Amerika, an der Grenze zu Kanada. In dieser ländlichen Gegend gibt es zahlreiche kleine Kiefernwälder, unzählige kleine Dörfchen und das ein oder andere Gewässer. Eigentlich eine landschaftliche Idylle, die zumindest optisch die Ruhe schlechthin verkörpert. Nur leider bleibt den Anwohnern die Lärmbelästigung nicht erspart.

Far Cry 5 Concept Art

Ein religiöser Kult, geboren aus fanatischen Anhängern des Christentums, bestimmt in diesem fiktiven Szenario den Alltag. Die Anhänger scheinen dabei alle aus dem Stereotypen-Handbuch unter dem Begriff „Redneck“ gewählt worden zu sein. Religiöser Fanatismus und extremer Patriotismus wirken sich auf das Design der Spielwelt aus. Streifen und Sterne sind allgegenwärtig, ebenso die präsenten Dorfkirchen und Kruzifixe in Wohnungen. Die Aktivitäten dieser Sekte und ihres mysteriösen Anführers sind selbstverständlich nicht freundlicher Natur – stattdessen unterdrücken sie die hiesigen Gemeinden. Es gibt anscheinend auch nur einen einzigen Weg, um eure Seele vor der ewigen Verdammnis zu retten. Dabei soll die Kommunikation zur Außenwelt so eingeschränkt sein, dass alle anderen 49 Staaten wohl nichts mitbekommen vom Kleinkrieg innerhalb ihrer Grenzen. Das Grundsetting ist durch die Positionierung innerhalb der Gegenwart zwar nicht allzu glaubwürdig, es wird sich aber viel Mühe gegeben, diese Prämisse zu etablieren, bevor man in das Spiel eintaucht.

Ab ins Gefecht

Wir zögern nicht lange und werfen uns in den Kampf gegen die erste Ansammlung von Feinden. Die bewaffneten Fanatiker belagern ein kleines Dorf. Aus der Ferne sehen die wenigen Häuser rund um die zentrale Kirche friedlich aus. Erst beim Anpirschen fallen Absperrungen und Straßenblockaden sowie die patrouillierenden Wachen an allen Ein- und Ausgängen auf. Gestartet sind wir mit einem Baseballschläger in der Hand, der natürlich rot-weiß angestrichen und mit Sternen am Kopfende bemalt wurde, um die Freiheit in mächtigen Hieben zu verteilen. Bei über 20 bewaffneten Personen entscheiden wir uns aber doch schnell für das Maschinengewehr. Wie sonst sollen wir so viel Freiheit auf einmal verteilen?

Das Handling der Waffen fühlt sich dabei tatsächlich anders an als noch bei den Vorgängern. Damit ist allerdings nicht neu gemeint. Bei den Schusswechseln mit hochmodernen Waffen, verschiedenen Aufsätzen und dem schnellen Wechseln zwischen verschiedenen Tötungsmöglichkeiten stellt sich ziemlich schnell das Gefühl ein, es handele sich um ein Call of Duty. Die Kämpfe sind schnell, heftig und kompromisslos. Mit dem Handling möchte Ubisoft sicher die Fanbase erweitern, immerhin gelingt so ein einfacher Einstieg. Die Skills des Kriegers, wie sie in den Vorgängern eingeführt wurden, geraten während des Action-Gewitters sehr schnell in den Hintergrund. Stattdessen sprinten wir von Deckung zu Deckung über Straßen, jagen rote Fässer in die Luft, werfen mit Dynamit um uns und mähen dabei alles im Weg Stehende mit einem Kugelhagel nieder.

Far Cry 5 Screenshot

Ist ein Konflikt gemeistert, kehrt auch schnell wieder die idyllische Ruhe von Montana zurück. Dieser Kontrast wirkt sich erstaunlich auf das Spielgefühl aus. Wenn sich nach all dem Lärm die Ruhe wieder einstellt, während sich vor einem ein Berg von Schutt befindet, kann man beinahe nicht anders, als die Konsequenzen des Handelns zu überdenken.

Explosionsgewitter

Womöglich lag es auch nur an dem gewählten Ausschnitt des Spiels, das wir beim Test spielen durften, aber die Spielzeit war gespickt mit massiven Explosionen. Fahrzeuge flogen durch die Gegend oder wir ließen Raketen von einem Flugzeug regnen. Dynamit löst einen mächtigen Knall aus und lässt dabei mehrere Gegner auf einmal durchs Bild fliegen. Far Cry war schon immer ein Shooter der Offensive, aber hier fühlt sich der Spieler wie in einem Kriegsgebiet.

Die Wirkung des Effektgewitters ist dabei so immens, dass alles andere um einen herum schnell in Vergessenheit gerät. Eigentlich hat der Protagonist jederzeit einen Begleiter, der online auch die Koop-Rolle übernimmt. Zwei Sekunden im Gefecht und wir haben diesen schon vergessen. Tatsächlich ist unsere, in diesem Fall weibliche Begleiterin, kaum aufgefallen. Nach Einnahme des Dorfs geht es mit einem sternenbespickten Truck mit Feuer-Lackierung auf der Haube zu einem Flugfeld. Wie immer gibt es auch in Far Cry 5 zahlreiche fahrbare Untersätze, neben Autos nun eben auch mal ein Flugzeug.

Die Ubisoft-Formel?

Einige Elemente bleiben aber auch vertraut. Die Schleich-Mechanik hat sich beispielsweise nicht geändert. Selbst die Anzeige ist identisch. Aber sowas muss nicht immer negativ aufgefasst werden. Das Ziel einer Fortsetzung ist es immerhin nicht, jedes einzelne Feature neu zu erfinden, sondern zumeist, dass misslungene Aspekte eines Vorgängers überarbeitet werden. Aber auch bei Far Cry 5 wird nicht gänzlich auf das etablierte System verzichtet.

Far Cry 5 Screenshot

Einen Aussichtsturm haben wir in unserer Demo zwar nicht gesichtet, aber Feindesstellungen erobern und befreien sowie die Quests kommen einem mehr als nur vertraut vor. Die Missionen selbst geizten noch mit Inhalt. Die Bewertung der Handlung wird wohl noch bis zum Release der Vollversion warten müssen. Was besonders schön auffällt, sind die Charaktere und deren Animationen. Mimik und Gestik wirken natürlich, das Aussehen der Charaktere und ihrer Kleidung ist detailgetreu und passt in das Konzept der Spielwelt.

Fazit

Far Cry 5 erfindet das Rad nicht neu. Waffenhandling und Kampfsystem fühlen sich allerdings viel runder an und verleihen dem Franchise eine neue Dynamik. Dass vertraute Features und Elemente übernommen wurden, muss nicht immer skeptisch betrachtet werden. Es bleibt abzuwarten, wie mit der zähen Thematik umgegangen wird und ob ein funktionierender Plot in die liebevolle Spielwelt integriert wird.

Wer Spaß mit Far Cry 3 und Far Cry 4 hatte, wird auch diesmal wieder auf seine Kosten kommen, sollte sich aber nicht wundern, wenn alles vertraut wirkt. Die Optik überzeugt, wie schon in den Vorgängern. Wie oben erwähnt wirkt das Setting zwar wenig glaubwürdig, aber es stellt sich doch schnell das Gefühl ein, man streife durch das tiefste Montana. Der fünfte Ableger könnte seinen Platz als solider Shooter einnehmen und ist dabei, dank Open-World und RPG-Elementen, vielleicht etwas langlebiger als die Konkurrenz. Vielleicht aber auch nicht.

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