Artikel Events Gamescom PC Playstation Playstation 4 Previews Xbox Xbox One

Preview: Cyberpunk 2077 – Eine düstere Zukunft

22. August 2018

Preview: Cyberpunk 2077 – Eine düstere Zukunft

Cyberpunk 2077 ist unhöflich. Es unterbricht Phil Spencer mitten in seiner Präsentation der tollen neuen Features der Xbox. Cyberpunk 2077 macht Menschen sprachlos. Journalisten werden auf einmal unglaubwürdig, weil sie vollkommen euphorisch eine einstündige Pressevorführung verlassen und vom besten Spiel aller Zeiten sprechen. Cyberpunk 2077 treibt Menschen in den Wahnsinn. 57.000 Menschen favorisieren einen Tweet, der aus dem Wort „*beep*“ besteht. Doch wird das Spiel dem Hype gerecht?

V, der „urban mercenary“

Die uns gezeigte gamescom-Demo unterscheidet sich nur minimal von der bereits gezeigten E3-Demo. Der gezeigte Inhalt entspricht dem frühen Gameplay des Spiels, allerdings werden im Laufe der Präsentation auch erst später verfügbare Fähigkeiten gezeigt. Zu Beginn wählen wir klassisch das Geschlecht unseres Charakters. Die anwesende Gruppe entscheidet sich für einen Durchlauf als männlichen V. Zusätzlich können wir uns für eine Hintergrundgeschichte entscheiden. Beispielsweise, dass ein Geschwisterteil gestorben ist, wir weggelaufen sind oder unseren „first big kill“ hinter uns gebracht haben.

Cyberpunk 2077 Screenshot

Des Weiteren können wir unsere Charakterwerte Stärke, Konstitution, Intelligenz, Reflexe, Tech und Cool und auch unser Erscheinungsbild via Kleidung, Tattoos, Narben und Ähnlichem anpassen. Der Charaktereditor wirkt mächtig, doch statt eine halbe Stunde mit dem Anpassen unseres Herrn zu verbringen, stürzen wir uns direkt ins Geschehen.

„Das Mädchen“

Direkt zu Beginn des eigentlichen Gameplays von Cyberpunk 2077 befinden wir uns in einem gigantischen Apartmentkomplex. Wir begleiten unseren Freund Jackie und sind auf der Suche nach einer vermissten Frau. Wir schleichen durch den langen Hausflur, schicken eine ältere Dame zurück in ihre Wohnung, was sie auch ängstlich befolgt, und finden schließlich die verdächtige Wohnung. Dort finden wir eine Leiche, der bereits Implantate entnommen und welche übel zugerichtet hinterlassen wurde. Die Gang, die mit den gestohlenen Implantaten ihren Lebensunterhalt verdient, wird von uns überrascht. Um nicht zum leichten Ziel zu werden, trennen wir uns von Jackie, um die Gegner zu flankieren. Wir hacken während des Laufens munter die Umgebung, schalten in den Max-Payne-Slowmo-Move, inhalieren zwischendurch den ein oder anderen Booster, der unsere Sicht für kurze Zeit beeinträchtigt und haben schließlich alle Gegner in der Wohnung erledigt.

Cyberpunk 2077 Screenshot

Im heruntergekommenen Badezimmer finden wir schließlich zwei Körper in einer mit Eiswürfeln gefüllten Badewanne. Wir haben einen Auftrag, den es zu erfüllen gilt, also schieben wir den uninteressanten Herrn zur Seite, um die junge Frau unter ihm herauszuziehen. Wir verbinden uns via Biomonitor mit ihr, um festzustellen, dass ihre Lebensfunktionen zu versagen drohen. Dabei sehen wir beispielsweise auch Details wie ihren Bluttyp. Doch für solche Einzelheiten hat V gerade keine Zeit und ruft im selben Bildschirm direkt das Trauma Team, um die Frau zu retten. Dabei wird uns die Zeit angezeigt, die das Trauma Team braucht, um unseren Ort zu erreichen.

Nach unserem abgesetzten Notruf können wir uns dafür entscheiden, ob Jackie die Verletzte hinaustragen soll oder wir. Der Dramatik halber übernimmt V diesen Part, schaut auf den entblößten Körper herab und trägt sie auf den Balkon, wo just in diesem Moment das besagte Trauma Team hereinfliegt. Ein sehr sympathischer Trupp, der keine Zeit für Gaffer hat und uns erst einmal beiseite schiebt, um unser Auftragsziel zu retten.

Neuer Tag, neuer Auftrag

Nach einem langen und aufregenden Tag erwachen wir in unserem Apartment, in welchem wir uns erst einmal in Ruhe umsehen. Der Blick nach draußen wird von der Wetter-App und einer Anzeige für eingegangene Nachrichten auf der Fensterscheibe abgelenkt. Zugleich erhalten wir einen Videoanruf von Jackie in der linken oberen Ecke, der uns über einen neuen Job informiert. Wir schnappen also unsere Waffe und unsere Jacke, die klassische Rüstung. Diese erhöht unsere EMP-, thermischen-, chemischen- und physischen Resistenzen im Kampf.

Auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt kommen wir an diversen Tatorten vorbei, die durch ein digitales Absperrband unzugänglich gemacht wurden. Dabei sehen wir blaue Hologramme, die vermutlich den Tathergang nachstellen sowie beschäftigte Polizisten, die ihrer Arbeit nachgehen. Beim Verlassen des Fahrstuhls sind wir plötzlich mitten in Night City. Die Straßen sind voller Passanten, Obdachlose betteln um Geld, eine Menschenmenge umgibt einen Mann, der eine laute Rede hält und wohin man schaut, entdeckt man emsiges Treiben und viele NPCs, die ihrem Tagesablauf nachgehen.

Spannenderweise entdeckt man auf dem Weg zu unserem ersten Halt, Dexter DeShawn, welcher unsere Fähigkeiten testen möchte, viele Szenen, welche bereits aus den Screenshots bekannt sind. Den Punk, der gerade an einem Stand einkauft, der Boxkampf oder auch den berüchtigten Cowboy, welcher im Mittelpunkt einiger Cyberpunk 2077 Reddit-Diskussionen stand, passieren wir beiläufig, während wir die Umgebung bestaunen. Dabei stoßen wir auch auf eine Werbetafel, die bei Interaktion praktischerweise direkt den Weg dorthin weist, wo wir das angepriesene Produkt erwerben können.

Cyberpunk 2077 Screenshot
Victor

Doch stellen wir den Konsum erst einmal hintenan. Unser Treffen mit Dexter DeShawn wartet. Wir sollen eine Tech finden, die von einer Psychogang gestohlen wurde. Dafür sollen wir uns mit einer Agentin einer der mächtigen Konzerne treffen. Zuvor schauen wir aber noch bei Victor, dem so genannten Ripperdoc unseres Vertrauens, vorbei und gönnen uns zwei neue Implantate. Eines davon ist ein neuer Augapfel, der uns unsere Umgebung scannen und dabei beispielsweise die Bedrohungsstufe eines Gegners einschätzen lässt. Des Weiteren zeigt uns dieser auch die Resistenzen oder Schwächen eines Gegners an, was wir natürlich gerne ausnutzen, um uns einen Vorteil zu verschaffen.

Cyberpunk 2077 Screenshot

Wir fühlen uns bereit und begeben uns zum Treffpunkt der ominösen Agentin. Jackie lassen wir als Beobachter zurück und nähern uns der der Dame samt Bodyguards im Alleingang. Diese reagiert recht ungehalten und vermutet, dass wir sie hintergangen haben. Einer der Bodyguards verbindet sich via Biomonitor mit uns, um etwaige Lügen zu ermitteln. Als sich herausstellt, dass wir die Wahrheit sagen, bietet man uns einen Deal an. Wir sollen die verschwundene Tech mit einem Chip samt der dafür nötigen Credits, welcher ohne unser Wissen mit einem Virus versehen wurde, kaufen.

Cyberpunk 2077 Screenshot
Sekt oder Selters

Das scheint uns annehmbar, also begeben wir uns zum Stützpunkt von Maelstrom. Der Stützpunkt der dort ansässigen Techjunkies und verkabelten Netrunner wird schwer bewacht, die Gruppe selbst strotzt nur so vor Cyberware und stellt das gerne zur Schau. Beim Kauf des vielbesagten Spinnenroboters wird der Verkäufer ungeduldig und droht uns. Wir können ihm sagen, dass der Chip vermutlich nicht ganz sauber ist oder abwarten, was passiert. Wir entscheiden uns für Letzteres, was durch den Virus eine Kettenreaktion bei den Gangmitgliedern auslöst. Den Rest erledigt unsere Waffe.

Die bleihaltige Flucht

Mitten im Stützpunkt einer fremden Gang ein Feuergefecht anzufangen, ist auch in Cyberpunk 2077 nicht die beste Idee. Also suchen wir schnellstmöglich einen Ausgang. Dabei könnten wir mit dem nötigen Engineering Skill eine Tür öffnen oder durch Hacking für eine Alternativroute sorgen. Was folgt ist eine Präsentation der verschiedenen Waffen auf unserem Weg nach draußen. Wir haben zum Beispiel die „smart weapon“, die um Ecken schießen kann oder auch ein Katana, das durch ein pulsierendes und brummendes Schild quasi in Matrix-Manier die hereinfliegenden Kugeln aufhält, um dann im Nahkampf für die typischen Blutspritzer am Rand des Spielerbildschirms zu sorgen.

Wir können aber auch unsere Implantate oder unsere Skills nutzen, um uns der Gegner zu entledigen. Die aus dem ersten Teaser bekannten „mantis blades“ helfen uns nicht nur im Nahkampf, sondern lassen uns auch Wände erklimmen, was in der zumeist vertikalen Welt durchaus von Vorteil ist. Wir können uns aber auch einfach in einen Gegner hacken und dadurch seine Waffe unschädlich machen.

Cyberpunk 2077 Screenshot

Irgendwann haben wir uns bis zum finalen Boss gekämpft, wo wir auf das dynamische Cover-System stoßen, was dadurch zur Schau gestellt wird, dass wir auf ein erhöhtes Auto schießen, wodurch dieses auf den Boden fällt und uns vor eingehenden Kugeln schützt.

Nach einigem Hin und Her haben wir auch den letzten Gegner besiegt, unsere Street Credibility, welche wir für bessere Aufträge benötigen, steigt und wir fahren im Schutz der Dunkelheit zu unserer Auftraggeberin. Diese hat uns zwar durch den Virus in Gefahr gebracht, ist sich aber keiner Schuld bewusst. Zumindest ist sie zufrieden. Der Tag endet. Die Demo von Cyberpunk 2077 auch.

Fazit

Caroline ValdenaireRund eine Stunde lang durften wir in das Gameplay hineinschnuppern. Ich war zuerst skeptisch, ob die forcierte Egoperspektive in Cyberpunk 2077 wirklich sein muss, doch gebe ich zu, dass sich die Welt dadurch näher, echter anfühlt. Die vielen angedeuteten Features wirken vielversprechend und schon jetzt, in dieser so oft betonten frühen Phase der Entwicklung, gut durchdacht. Da ich mich gerne sehr lange mit dem Erstellen eines Charakters beschäftige, kam mir der Blick auf die Charaktererstellung natürlich etwas zu kurz vor – hier hätte ich gerne mehr gesehen, mehr getüftelt, mehr verfeinert.

Der Blick auf Night City mit all seinen schillernden Persönlichkeiten war durchaus beeindruckend. Doch darf man natürlich nicht vergessen, dass wir in der Demo einen vorgefertigten Weg beschreiten, der natürlich auf Hochglanz poliert wird. Wenn das fertige Produkt all die Vertikalen mit solch spannenden Nebencharakteren füllt und uns bei dem Bestreiten der Missionen ebenso viel Handlungsfreiheit lässt, dann könnte Cyberpunk 2077 vielleicht wirklich ein sehr gutes Spiel werden. Oder das beste Spiel aller Zeiten. Oder eben nicht. Was auch immer passieren mag, ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung.

Caroline Valdenaire

Caro blickt auf eine abwechslungsreiche Spielekarriere zurück - schließlich darf sie sich schon seit Mitte der 90er ein Zockerweibchen nennen. Am liebsten spielt sie im Team, damit sie dann alle - wie im echten Leben - bemuttern kann. Inzwischen haben es ihr vor allem die Survivalspiele angetan. Bei Gameplane ist sie irgendwie Mädchen für alles, hauptsächlich aber Madame Chefredakteurin.