Home » Artikel » Specials » #PLAY17 – Unser Besuch beim Creative Gaming Festival in Hamburg

#PLAY17 – Unser Besuch beim Creative Gaming Festival in Hamburg

Videospiele sind spätestens nach dem Besuch von Angela Merkel bei der diesjährigen gamescom in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Diesen Spruch hört man heutzutage gerne. Während sich die gamescom vor allem mit lauter, schneller, weiter befasst, hat das PLAY – Creative Gaming Festival einen anderen Fokus. Zwar geht es auch hier um unser aller liebstes Hobby, die Spiele, doch wirft man eher einen Blick hinter die Kulissen, genießt die kleineren Spiele und schöpft Kraft aus einer fast schon inspirierenden Atmosphäre des Festival-Feelings.

Die kleine Schwester der gamescom, die jeder vergöttert

Doch was macht die PLAY so besonders? Was ist das überhaupt für ein Event?

PLAY ist das weltweit erste und einzige Festival, das die Bereiche Medienkunst, Diskurs und Bildung mit der Kultur digitaler Spiele vereint. Im Zentrum steht die kreative Anwendung von digitalen Spielen – Erfinden, Bauen, Basteln, Modifizieren, Programmieren, Tanzen, Diskutieren – alles ist erlaubt!

PLAY ist das Festival für Spieleliebhaber*innen und Gamer*innen, Indiegameentwickler*innen und Medienkünstler*innen, Schüler*innen und Studierende, Lehrende und Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen und Menschen aus der Games-Branche sowie alle, die mit digitalen Spielen spielen und lernen wollen.

Statt also wie bei einem AAA-Event wie der gamescom stundenlang anzustehen, um einen Trailer zu sehen, den man ein paar Tage später auch bei Youtube genießen kann, befasst sich die PLAY etwas tiefgründiger mit dem Thema Spiele.

Als Gast der PLAY kann man dies beispielsweise bei einem der Impulse erleben. Ob man sich dort nun mit dem Thema Games und dem lebenslangen Lernen befasst oder sich bei einem Vortrag von Anita Sarkeesian zu Frauen in Videospielen berieseln lässt, bleibt jedem selbst überlassen. Die PLAY bietet dabei für jeden Geschmack etwas. Falls man also eher nicht der Typ für langes Zuhören ist, kann man auch selbst aktiv werden – zum Beispiel in einem der vielen angebotenen Workshops. Dort kann man über Geschichte in Spielen diskutieren, erste Gehversuche beim Programmieren wagen, einen eigenen Controller bauen oder auch Einblicke in das Thema interaktives Storytelling gewinnen.

Anita Sarkeesian von Feminist Frequency

Abseits davon gab es auch offene Workshops, in welchen man kreativ werden oder etwas zur Ruhe kommen konnte. Backen, Basteln, Bauen – und das egal ob für Groß oder Klein. Für die eher ernsteren Besucher des Festivals gab es auch die Möglichkeit im Beichtstuhl von Doomian ihre Gaming-Sünden zu gestehen. Wer wiederum britischen Humor bevorzugte, war bei der The Incredible Playable Show bestens aufgehoben, durch welche der stets euphorische Moderator Alistair Aitcheson führte.

Die Ausstellungen

Das Kernstück der PLAY ist neben all den zusätzlichen Terminen aber natürlich die Ausstellung in der Barlach Halle K, in welcher auch alle Spiele des hauseigenen Creative Gaming Awards anspielbar waren. Die PLAY hat in jedem Jahr ein eigenes Motto, um welches sich die ansässigen Spiele drehen sollen. In diesem Jahr stand passend zum Thema „The Time is now“ die Zeit im Mittelpunkt. Ob uns im Koop-Spiel Tick Tock nun Lebenszeit geklaut wird, wir in Keyboard Sports pünktlich auf eine gewisse Taste eines virtuellen Keyboards drücken müssen, wir darauf achten müssen, dass unser Streichholz in Blood Bank nicht ausgeht, wir in Think of the Children zeitnah das Kind von der Straße ziehen oder in Reigns: Her Majesty auch einfach nur unser Königreich nach einer gewissen Zeit an die nächste Königin weitergeben: stets spielt die Zeit, unser aller wertvollstes Gut, die wichtigste Rolle.

Neben den ausgestellten Spielen der Barlach Halle K gab es aber auch in der Markthalle selbst sowie in der Zentralbibliothek nebenan einige Werke zu bestaunen. In Letzterer durfte man auch die Workshop-Ergebnisse der Studierenden begutachten, welche sich mit dem Thema Geschichte in Spielen auseinandersetzten und dabei Red Dead Redemption, Mafia 3, Assassin’s Creed Black Flag, Civilization 5 und Bioshock näher beleuchteten.

Close the Leaks

Beim bereits erwähnten Creative Gaming Award wurden drei Spiele mit einem Preis und einem zusätzlichen Preisgeld bedacht. Während zwei der Preise von einer Jury bestimmt wurden, wurde ein Spiel vom Publikum auserwählt, welches in der Ausstellung Punkte an die Lieblingsspiele vergeben durfte. Die Entscheidung fiel dabei sehr knapp aus – letztendlich konnte sich aber Close the Leaks als Publikumsliebling durchsetzen. Dort geht es darum, dass vier Spieler echte Röhren als Controller vor sich haben, welche an Staubsaugerschläuche erinnern, und damit eine abdriftende Weltraumkapsel durch die sidescrollende Umgebung steuern müssen. Gesteuert wird das Raumschiff vom aus den Rohren austretenden Sauerstoff, was wiederum die Spielenden beeinflussen. Ein sehr spannendes Konzept, welches nicht nur die Zuschauer, sondern auch uns sehr viel Spaß bereitete.

The Incredible Playable Show

Das Most Creative Game der PLAY wurde letztendlich das bereits erwähnte Keyboard Sports, welches uns schon bei der diesjährigen gamescom begeistern durfte. Als Most Innovative Newcomer überraschte Tell me what you see. Auch dort spielt man wieder im Koop. Während Spieler 1 via isometrischer Sicht auf einen Raum den Operator vor einem PC mimt, darf Spieler 2 in die Haut des im Raum herumwandernden Fuchses schlüpfen und dort allerlei Sachen öffnen und bestaunen. Durch Zuruf löst man Rätsel, drückt Schalter und krabbelt in Kartons.

Das Abendprogramm

Hat man all die interessanten Vorträge, Gesprächsrunden und Workshops hinter sich gelassen, wurde es Zeit für einen würdigen Abschluss am Abend. Auch hier überzeugte die PLAY mit Vielfältigkeit. Neben der klassischen Eröffnung gab es auch eine Gala, welche die Highlights der letzten 10 Jahre präsentierte und mit einem Minigame auf der Bühne für Lacher sorgte, bei welchem das Gründungsmitglied der Creative Gaming Initiative, Christiane Schwinge, das schaffen musste, was sie in den vergangenen Monaten vermutlich häufiger tat: Wildfremde Menschen vom PLAY Festival überzeugen. Das Moderatorenduo der Rocket Beans, Sofia Kats und Gunnar Krupp, taten ihr Übriges, um den Abend charmant abzurunden. An den anderen Abenden gab es auch einen Poetry Slam sowie die besagte Verleihung des Creative Gaming Awards, welche durch die tatkräftige Vorarbeit von Valentina Birke und Christina Kutscher ermöglicht wurde, die sich für die Auswahl der nominierten Spiele durch mehr als 150 Einreichungen spielen mussten.

Das Team, die Jury und die Gewinner des Creative Gaming Award – ©Bente Stachowske

Fazit

Caroline ValdenaireFür mich war es der erste Besuch einer PLAY in Hamburg. Durch Christina, welche sowohl bei uns schreibt als auch beim PLAY Festival organisiert, habe ich zwar schon des Öfteren kleinere Infohappen zugeworfen bekommen, doch konnte ich mir nie so richtig vorstellen, was mich dort erwartet. Nach meinem Besuch der PLAY wünschte ich, dass diese sogar noch länger gegangen wäre, da der Abschied dieses tollen und durchweg motivierten Organisationsteams, der fantastischen Location, dem spannenden Programm und natürlich von Hamburg sehr schwer fiel.

Vor allem der Impuls und der folgende Artist Talk mit Anita Sarkeesian waren für mich sehr interessant, da ich den damaligen Skandal zwar mitbekommen habe, bis zu diesem Jahr aber nicht ein einziges Video der Tropes vs. Women Reihe komplett gesehen habe. Zwar ist es verständlich, dass ihr Vortrag nicht aufgezeichnet werden durfte, doch finde ich es tatsächlich etwas schade, da eben jener meiner Meinung nach sehr gut war und dem ein oder anderen Kritiker vielleicht etwas Wind aus den Segeln genommen hätte. Man muss nicht all ihre Meinungen mögen, doch könnte man es doch zumindest mit ein wenig Menschlichkeit versuchen, statt jedes Wort doppelt und dreifach zu interpretieren und sie daraufhin zu diskreditieren.

Leider haben wir es bei dem vollen Programm nur in einen einzigen Workshop geschafft. Dieser befasste sich mit der Geschichte in Spielen und fokussierte sich dabei auf Mafia 3 und den dort vorherrschenden Rassismus. Auch die anderen Workshops hörten sich durch die Bank interessant an. Man kann nur hoffen, dass das fantastische Team der PLAY18 vielleicht ausnahmsweise ein paar Programmpunkte weniger einbaut? Damit wir das alles schaffen? Bitte? Nein. Bitte mehr. Mehr von allem. Und länger. Danke.

Summa summarum kann zumindest ich sagen: Die PLAY ist ein Event, das man sich als Fan von Videospielen nicht entgehen lassen sollte. Spielen, während der Entwickler nebenan hilfreiche Tipps zuflüstert, eine lockere Festival-Atmosphäre, ein Organisations-Team, das Liebe versprüht, interessante Gäste und Blicke hinter die Kulissen sowie tolle Besucher, die nur darauf warten, von euch angesprochen zu werden. #PLAY18 – wann?

Sympathisch. Inspirierend. Beflügelnd. Drei Worte, die für mich persönlich das Erlebnis der PLAY17 sehr gut beschreiben. Meine erste PLAY war definitiv eine Bereicherung. Welch Kreativität hier an den Tag gelegt wurde, hat mich nachhaltig beeindruckt und ich habe auch jetzt noch ein Lächeln auf den Lippen, wenn ich an die Spiele, die Menschen und die Location zurückdenke. Was bei der PLAY17 von Seiten der Entwicklerinnen und Entwickler auf die Beine gestellt wurde, muss sich vor AAA-Produktionen nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Viele der gezeigten Titel strotzen vor Selbstbewusstsein – und das aus gutem Grund.

Die PLAY will keine gamescom sein. Und wenn ihr mich fragt, ist das auch gut so. Das sehr junge Team hat bei der Organisation Beeindruckendes geleistet. Ich ziehe meinen Hut und kann wohl behaupten, dass ich nicht ansatzweise eine solche Veranstaltung hätte auf die Beine stellen können. Der Mix aus Talks, Workshops und Games war bunt, genau wie das Publikum. Kein Schlange stehen, keine aggressive Stimmung. Zusammengefasst würde ich die PLAY als große Party von Gamerinnen und Gamern für Gamerinnen und Gamer bezeichnen. Kommerz und Plakatwände mit Soldaten sucht man hier vergeblich. Dafür findet man massenweise kreative, weltoffene Menschen, die durch ihr Hobby (oder ihren Beruf) vereint werden und gemeinsam Spaß haben möchten.

Ich wäre gerne einfach dort geblieben. Wenn sich für euch die Gelegenheit bietet, solltet ihr nicht zögern und nächstes Jahr definitiv bei der PLAY18 dabei sein.

#PLAYliebe

Sag uns deine Meinung:

Auch interessant!

Releases November

Die interessantesten Games der kommenden Woche: 13. bis 19. November

Neben den großen, bekannten Publishern und Entwicklern mit ihren AAA-Titeln sollte man auch die kleinen ...