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Pile of Shame – Ich hab‘ noch nie… World of Warcraft gespielt

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, als dieser kleine, schon damals recht erfolgreiche Entwickler Blizzard ein neues Spiel angekündigte. Ein Spiel in einem Universum, das mich bisher nicht interessierte. Ich mochte Diablo, ich habe es sogar geschafft, nicht innerhalb der ersten paar Minuten in Starcraft überrannt zu werden, kekeke. Warcraft hatte ich auch irgendwann einmal probiert, doch faszinierte es mich nicht ansatzweise so sehr wie die Konkurrenz in diesem Genre. Dann also sollte mit World of Warcraft ein brandneues MMORPG erscheinen. Ein Genre, mit dem ich zum damaligen Zeitpunkt keinerlei Berührungspunkte hatte. Und nun zu meiner Beichte: Ich habe es bis heute nicht gespielt.

Gut, Kinnladen langsam wieder nach oben kurbeln. Es ist tatsächlich möglich als Redakteur eines Spielemagazins kein World of Warcraft gespielt zu haben. Ich bin der lebende Beweis dafür. Doch warum eigentlich?

Am Anfang war der Hype …

Das kennt man eigentlich nicht von mir, hallo Kollegen, ich weiß, dass ihr gleich lachen werdet, aber ich war tatsächlich ziemlich gehyped ob dieses neuen Spiels in einem Genre, das ich mich zuvor ziemlich kalt ließ. Ich erinnere mich noch an die vielen Fanseiten zu World of Warcraft, welche allerlei Informationen zu Features der Vanilla Version zusammenstellten und dadurch meinen Durst nach Informationen zeitweise stillten. Ich wollte dieses Spiel so sehr wie zum damaligen Zeitpunkt kein anderes. Ich las alles über Charakterklassen, Berufe, PVP, PVE, die Horde, Fischerei, Clans und mehr. Ich war vorbereitet.

Das Internet sagt, dass das Azeroth ist.

Dann kam irgendwann der Februar 2005. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung von World of Warcraft. Und was passierte? Ich ignorierte es. Man könnte behaupten, dass World of Warcraft schlicht ungelegen kam. Nach Ende der Schulzeit war ich plötzlich mit diesem neuen Lebensabschnitt namens Ausbildung beschäftigt und hatte auf einmal weniger Zeit. Vollkommen unerwartet. Doch das Spiel wollte meine Aufmerksamkeit. Es kämpfte quasi darum.

 … dann kam die Reizüberflutung …

Es war überall. Trotz meines erfolgreichen Ausblendens der Veröffentlichung war World of Warcraft sowohl in der virtuellen als auch realen Welt nicht mehr wegzudenken. Ein kleiner Stop im Media Markt? Oh, kennst du schon World of Warcraft? Ein Kurztrip zur Games Convention? Sagt mal, ihr seid doch bestimmt auch in Azeroth unterwegs. Es hörte nicht auf. Wollte man im Zeitschriftenladen am Bahnhof ein Spielemagazin erwerben, musste man erst einmal herausfinden, ob das nicht doch ein Sonderheft zum Thema World of Warcraft ist, oder ob es tatsächlich auch Informationen zu anderen Spielen beinhaltet.

Hast du nicht auch mal Lust auf World of Warcraft?“ – Ich:

Ich hatte es einfach nur noch satt. Als geneigter Gamer mit einer Vorliebe für Sprachchats konnte ich auch dort dem Thema nicht aus dem Weg gehen. Und ich sah, wie sich erste Kontakte in die Sucht verabschiedeten. Kontakte, die nur noch in der Welt des Kriegshandwerks erreichbar waren, dort neue Beziehungen knüpften, schön für sie, und alle Verbindungen zu ihrem alten Leben abbrachen. Das war für mich vollkommen neu und unverständlich. Und vor allem auch erschreckend. Als Kind der 1980er bin ich mit Vorurteilen gegenüber unserem liebsten Hobby aufgewachsen und verstand die Ängste der damals noch jungen Eltern auf einmal sogar ein wenig. 2005 hatte man zumindest noch die Hoffnung, dass das alles vielleicht bald vorüber ist und das nächste große Spiel erscheint.

… und dann die Resignation.

Doch so war es nicht. World of Warcraft und kein Ende in Sicht. Die Jahre vergingen und der Hype blieb bestehen. 2007 folgte die erste Erweiterung The Burning Crusade und zog all die alten, eigentlich bereits gesättigten Spieler erneut in den Bann. Ich erinnere mich noch an einen Besuch mit meiner Schwester bei der damaligen Games Convention in Leipzig, wo eben jene Erweiterung erstmals spielbar war. Ich hatte es bereits einige Jahre geschafft, dieser Spieledroge aus dem Weg zu gehen, als meine Schwester mir ein bisschen WoW auf dem Silbertablett präsentierte, nein, mich dazu gezwungen hat, es zu konsumieren. Weil sie ein Lanyard wollte. Ihr kennt das.

World of Warcraft Wallpaper
Schau mal, wie cool das Lanyard aussieht!“ – Ich:

Und so stand ich gefühlte Stunden mit ihr in einer Warteschlange, um ein Spiel zu spielen, das mich anwiderte, weil ich offensichtlich manchmal einfach zu nett bin. Manchmal. Dann kam der große Moment. Wir durften endlich spielen. Natürlich erwischten wir einen Platz, welcher mit dem Rücken zu den Wartenden gerichtet war, inklusive zweitem Monitor, damit diese meine Professionalität begutachten konnten. Das erste Mal in meinem Zockerleben war ich sichtlich überfordert, also kaschierte ich dieses Unwissen durch Pseudowissen. Ich erklärte ihr die untere Leiste, wie auch immer man sie wohl bezeichnet, sprach weltklug von Mana und Lebenspunkten und bewegte die Figur hin und her, während ich ihr, so sah es zumindest aus, sehr viel zum Spiel erklärte, da sie ja keine Zockerin ist und das Lanyard einfach nur wollte, weil ein tolles Logo darauf zu sehen war.

Ich spielte also doch World of Warcraft und irgendwie auch nicht. Die gefühlte längste Viertelstunde meines Lebens. Fast nur durch das tolle Ereignis bei Star Wars: The Old Republic zu toppen, als ich als weiterhin-MMORPG-Nichtspieler ein PVP-Match samt Live-Übertragung auf der Bühne bestreiten durfte. Mein Leben manchmal.

Ende gut, alles gut?

Ich urteile ungern über Spiele, von denen ich keine Ahnung habe. Entsprechend würde ich es mir auch nie erlauben, einen Meilenstein wie World of Warcraft in Frage zu stellen. Mit inzwischen sechs Erweiterungen und einem Gesamtumsatz, der meine kühnsten Träume übersteigt, darf sich World of Warcraft zurecht als erfolgreichstes Spiel aller Zeiten bezeichnen. Weitere Addons werden kommen. Weitere Freundschaften daran zerbrechen, weitere Beziehungen entstehen. Vermutlich wird das Internet explodieren, sollte Blizzard wirklich irgendwann einmal bekanntgeben, nicht an einer neuen Erweiterung, sondern an einem World of Warcraft 2 zu arbeiten.

Und egal wie erfolgreich dieses Franchise auch weiterhin sein mag, werde ich es vermutlich doch niemals wirklich spielen, mich frohlockend an meine 15 Minuten überschwänglichen Ruhm während der Games Convention erinnern, das Lanyard verfluchen und ein weiteres Spiel aus dem Survival-Genre erstehen, statt ein MMORPG-Abo abzuschließen. Außer es kommt doch noch irgendwann das Fallout-MMO. Dann werde ich vermutlich schwach.

Vielleicht.

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