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Payday 2 – Ein kriminell guter PR-Stunt?

Es ist jetzt über ein halbes Jahr her, dass die Mitarbeiter von Starbreeze Studios den Shitstorm ihres Lebens erleben durften. Mit großer Freude blicke ich auf diesen Tag im Oktober 2015 zurück, an dem die Entwickler des beliebten Koop-Shooters Payday 2 ordentlich ihr Fett wegbekommen haben. Es war der Tag, an dem sie ankündigten, dass aus Counter-Strike: Global Offensive abgemünzte Mikrotransaktionen in Payday 2 Einzug halten würden. Unmittelbare Reaktion der sehr aktiven Community: Ein Riesenaufschrei. In Hunderten Forenthreads und Tausenden Reviews auf Steam schimpften enttäuschte Fans, wie das Unternehmen jahrealte Versprechen brechen konnte, dass es eben keine Mikrotransaktionen in Payday 2 geben würde. Und dann auch noch während des CrimeFests, das eigentlich ein Event zur Feier des Spiels und seiner Spieler sein sollte.

Rücken an Rücken stand der Großteil der Community zusammen, wollte die Unverschämtheit und Dreistigkeit der Publisher nicht hinnehmen. Binnen Tagen sank der Anteil von positiven Reviews für Payday 2 auf Steam von über 90 auf teilweise unter 75 Prozent. Starbreeze ruderte schnell teilweise zurück, aber die Mikrotransaktionen und damit die Enttäuschung blieben.

Mikrotransaktionen raus aus Payday 2

Bis heute, denn nun hat der Publisher angekündigt, dass die Mikrotransaktionen aus Payday 2 entfernt werden. Eine Änderung, die schnell in den Zusammenhang mit der Feier von Update Nummer 100 für den Shooter und den Kauf aller Aktien von Mit-Publisher 505 Games gesetzt wird und auf den ersten Blick ein durchweg positives Image zeigt. Starbreeze Studios kündigt an, Payday 2 noch 18 Monate lang mit Updates zu versorgen, tut den Spielern einen Gefallen und zeigt mit dem Rückkauf der vollen Markenrechte für 30 Millionen Dollar, wie viel dem Unternehmen ideell an dem Spiel liegt? Auf dem Papier sieht das alles rosig aus, aber vielleicht sollten wir an dieser Stelle mal etwas genauer hinterfragen, ob die Payday-PR-Welt so heil ist, wie sie erscheinen soll. Ich befürchte nämlich, dass hier wieder einmal mit perfiden Mitteln und auf Kosten der Spieler getrickst wird.

Perfide mag ich die Ankündigung nennen, weil sie per se Tatsachen implizit verbindet, die so vermutlich überhaupt nicht kohärent sind. Obwohl es nicht explizit erwähnt wird – und das zu beachten ist wichtig, um Starbreeze‘ Taktik zu verstehen -, lässt es die PR-Abteilung so aussehen, als bestünde ein Kausalzusammenhang zwischen dem teuren Kauf der Markenrechte und dem Fallenlassen der Mikrotransaktionen. Darf ich an dieser Stelle einmal bezweifeln, dass hier ein Zusammenhang besteht?

Links: Starbreeze Studios, rechts: 505 Games
Links: Starbreeze Studios, rechts: 505 Games

Es sieht nun, auch dank der die Ankündigung ohne Hinterfragung wiedergebenden Presse, so aus, als habe 505 Games die Entwickler gezwungen, die von Payday-2-Fans verhassten Mikrotransaktionen einzuführen und im Spiel zu behalten. So scheint es doch, nicht wahr? Starbreeze Studios nutzt die Gelegenheit, sich als Wohltäter für die Community darzustellen: „Wir haben für viel Geld die Rechte gekauft und können jetzt endlich das Spiel besser machen“. Dass dies jedoch der reinen Wahrheit entspricht, wage ich aus folgenden Gründen abzustreiten:

  • 505 Games hielt nur 10,9 Millionen B-Aktien. Nach der Übernahme selbiger hat Starbreeze Studios nun nach eigenen Angaben 196,8 Millionen B- und insgesamt 254,3 Millionen Aktien inne. Wer diese Zahlen in ein Verhältnis stimmt, wird erkennen, dass 505 Games allein deswegen niemals genug Mitspracherecht, geschweige denn Bestimmungsrecht hatte, um Starbreeze Studios zu irgendetwas zu zwingen. Natürlich kann es hier noch zusätzliche Absprachen gegeben haben, dazu wird aber nirgendwo etwas erwähnt. Ein Opfer-Täter-Verhältnis allerdings können wir wohl definitiv ausschließen.
  • 505 Games ist nun wirklich nicht für „Geldgeilheit“ bekannt. Das ist ein sehr subjektives „Argument“, aber diese Rolle passt einfach nicht zu dem Publisher, der astreine Indie-Spiele wie Terraria, Brothers: a Tale of Two Sons oder das kommende ADR1FT veröffentlicht.

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