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Outlast: Review – Angst im Dunkeln?

Outlast

Die meisten Menschen haben zwar keine panische Angst in oder vor Dunkelheit, fühlen sich dort aber nicht unbedingt wohl. Zum einen ist die Tatsache, dass man selbst nichts sieht, natürlich unschön und das gute alte Kopfkino fragt sich, was vielleicht in der Dunkelheit auf einen lauert. In Outlast von Red Barrel  lauert dort nicht nur Mord, Wahnsinn und Angst, sondern für Freunde des gepflegten Horrors auch eine ganze Menge Spielspaß.

Im Irrenhaus ist der Wahnsinn normal

Schauplätze für eine gute Horrorgeschichte gibt es viele. Mal sind es düstere Wälder, finstere Herrenhäuser oder Irrenanstalten. In letzteren Schauplatz verschlägt es unsere Spielfigur Miles Upshur, welcher von Beruf investigativer Journalist ist. Per Email bekommen wir einen Tipp, dass in der Mount Massive Anstalt zwielichtige und unmoralische Dinge vor sich gehen. Schon kurz nach dem Eintreffen stellt unser Protoganist fest, dass dort weitaus heftigere Sachen vor sich gehen, als nur gammelige Burger. Eine Magenverstimmung wäre im Vergleich zu dem Strudel aus Wahnsinn und Gewalt, in den wir geraten, ein Sechser im Lotto.

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Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie

Mit Horror ist das immer so eine Sache. Viele Spiele oder Filme aus der Richtung scheinen den Unterschied zwischen Erschrecken und Angst nicht zu kennen. Hier kann jeder mal ein kleines Experiment unter Freunden machen. Wenn ihr in gemütlicher und entspannter Runde sitzt, dann haut mal mit der flachen Hand auf die Tischplatte oder schreit einfach nur kurz auf. Mit ziemlicher Sicherheit werden eure Freunde zusammenzucken und euch anschließend verwirrt angucken und euch fragen, ob ihr noch alle Tassen im Schrank habt. Mit Angst hat das dagegen ziemlich wenig zu tun. Leider kennen anscheinend viele Produzenten den Unterschied nicht und bombardieren die Spieler oder den Zuschauer lieber mit billigen Jump Scares. Das Problem ist, dass Jump Scares zwar erschrecken, aber nicht zwingend Angst erzeugen und sich dazu auch sehr schnell abnutzen. Die Kunst liegt also nicht nur in der gekonnten Dosierung, sondern man muss auch einen guten Grund haben, um vor etwas Angst zu haben. Outlast ist ein ziemlich gutes Beispiel, wie man das richtig anstellt.

Outlast

Lauf um dein Leben

Die klare Stärke von Outlast liegt in der Stimmung, die das Spiel erzeugt. Unser Protaganist ist unbewaffnet und kann sich gegen die Attacken der Insassen nicht wehren. Als Ausweg bleibt da nur Verstecken oder die Füße in die Hände nehmen. Immer wieder inszeniert Outlast hier gekonnt Fluchtsequenzen, die beim Spieler Panik auslösen. Verstärkt wird das noch durch den desolaten Zustand der Anstalt, in welcher es nur schwache Beleuchtung gibt. Damit wir nicht komplett im Dunkeln tappen, gibt uns das Spiel als Hilfsmittel einen Camcorder in die Hand. Dieser verfügt über einen Modus für Nachtaufnahmen und muss dann als behelfsmäßiges Nachtsichtgerät herhalten. Ansonsten belohnt uns das Spiel auch mit kleinen Notizen, wenn wir bestimmte Ereignisse auf Video festhalten. Wenn wir uns durch die düsteren Gänge tasten und dabei durch den Camcorder schauen, erzeugt dies eine sehr beklemmende Atmosphäre. Die Angst, was sich wohl außerhalb des eingeschränkten Sichtfeldes im Dunkeln befindet, nagt an uns, wie die Maus am Käse.

Zwar benutzt auch Outlast hier und da mal einen Jump Scare, allerdings wohl dosiert und auch nie zum reinen Selbstzweck. Der Entwickler liefert ein sehr gutes Beispiel, wie man bei einem Horrorgame einen guten Spannungsbogen aufbaut. Auch was das Tempo angeht, macht Outlast alles richtig. Der Spieler wird nicht permanent mit Horror oder panikartiger Flucht bombardiert. Dadurch bleibt Outlast immer spannend und unterhaltsam. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist hier die vergleichsweise kurze Spielzeit von 5-6 Stunden. So bewahrt Outlast sich selbst vor Abnutzungserscheinungen, die auch ein großartiges Spiel, wie z. B. Amnesia: The Dark Descent nach entsprechender Spielzeit gezeigt hat. So bleibt Outlast zwar ein recht kurzer, aber dafür umso intensiverer Trip.

Outlast

Ohne Schatten kein Licht

Als Grafikgerüst benutzt Outlast die nicht mehr ganz taufrische Unreal 3 Engine. So ist das Spiel zwar kein Grafikbrüller, sieht aber trotzdem gut aus. Besonders der Nachtmodus des Camcorders kaschiert hier clever und gekonnt die durchaus vorhandenen Schwächen der Engine. Das Technik alleine nicht alles ist, zeigen auch Passagen wie ein Abstecher durch den Park der Anstalt, der stockduster ist und nur von gelegentlichen Blitzen eines Gewitters stimmungsvoll kurz erhellt wird. Hier haben die Damen und Herren von Red Barrel klar gezeigt, dass sie ein sehr gutes Händchen für den stimmungsvollen Einsatz von Licht und Ton haben.

Was die Vertonung des Spiels angeht, so leistet Outlast auch hier ganze Arbeit. Die Sprecher überzeugen und auch der stellenweise dynamische Soundtrack verdichtet die Atmosphäre noch weiter. Ansonsten werden auch bei den Umgebungsgeräuschen immer wieder sehr gute kleine Akzente gesetzt und eine beiläufig knarrende Holzdiele kann so mehr Angstpotential bieten als so mancher billiger Jump Scare, den man aus anderen Spielen so kennt.

 

Über Benjamin Fleschenberg

Benjamin Fleschenberg
Benny hat mit der Zockerei angefangen, als man sich auf dem Schulhof noch zwischen SEGA und Nintendo entscheiden musste. Er hat sich für den SEGA Mega Drive entschieden und die Entscheidung bis heute nicht bereut. Mit dem Geld zur Konfirmation gab es dann den ersten eigenen Rechner. Nach wie vor dem Rechenknecht treu ergeben und deshalb hauptsächlich in Genres unterwegs, die dort zu Hause sind.

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