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Cosplay - Ubisoft

Offener Brief an den „Kampfmönch“ und die Bürger von Rottweil

Liebes Rottweil,
lieber „Kampfmönch“-Cosplayer,

derzeit macht im Internet die Geschichte über den „Kampfmönch von Rottweil“ die Runde. Auslöser war eine besorgte junge Frau, die einen als Assassinen verkleideten Menschen fotografiert hat und sich damit an die örtliche Polizei wandte. Mittlerweile haben sogar mehrere Zeitungen das Thema aufgegriffen und es gibt sogar Spekulationen, nach denen der „Kampfmönch“ gar ein Messer bei sich trägt und mit dem Ziel unterwegs ist, Blut sehen zu wollen.

Ich möchte mich gerne zu diesem Thema äußern, da ich glaube, dass hier einige Missverständnisse vorliegen.

Meiner Auffassung nach handelt es sich bei dem „Kampfmönch“ weder um einen Amokläufer, noch um einen „Irren“ oder einen „Freak“. Ihr habt in eurer Gemeinde vielmehr einen ungemein kreativen, spielebegeisterten Menschen, der sein Hobby nach außen zur Schau trägt. Einen sogenannten Cosplayer. Um euch in wenigen Sätzen zu erklären, was die eigentliche Mission des „Assassinen“ ist, zitiere ich euch an dieser Stelle den Eintrag zu Cosplay auf Wikipedia:

„Cosplay (jap. コスプレ, kosupure) ist ein japanischer Verkleidungstrend, der in den 1990er Jahren mit dem Manga- und Anime-Boom auch in die USA und nach Europa kam. Beim Cosplay stellt der Teilnehmer einen Charakter – aus Manga, Anime, Computerspiel oder Film – durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.“

Und ganz speziell an dich, lieber Cosplayer: Du musst, entgegen der Behauptungen im offenen Brief der NRWZ an dich, keine Angst haben, dass dich die Polizei „in die Mangel nimmt“ oder du gar eine schwere Zeit hast, nachdem du dich „stellst“. Gerne übernehmen wir dies auch für dich. Wir würden dich gerne zu einem Interview einladen, um die ganze Sache klarzustellen und in das richtige Licht zu rücken. Cosplay ist eine anerkannte Kunstform – es gibt mittlerweile sogar Wettbewerbe auf denen die Kostüme prämiert werden. Und allem Anschein nach hast du deinen Job wirklich gut gemacht und gehörst damit ganz klar zu den Künstlern, die ihre Spielehelden in künstlerischer Form interpretieren.

Es gibt in Deutschland aktuell auch kein Gesetz, welches das Tragen eines Kostüms verbietet. Insofern halte ich es auch für bedenklich, was in das Auftreten des „Kampfmönchs von Rottweil“ hinein interpretiert wird. Überlegt doch bitte mal:

Ist es nicht auch eurer Meinung nach sehr unwahrscheinlich, dass sich jemand in ein Cosplay-Outfit wirft, weil er in dieser Montur einen Amoklauf plant, sich dann aber im Vorfeld der Öffentlichkeit präsentiert und damit alle in Alarmbereitschaft versetzt?

Es gibt Millionen Menschen auf der Welt, die genau das machen, was der Cosplayer in Rottweil getan hat. In größeren Städten gibt es sogar recht viele Leute, die in ihrem Kostüm durch die Straßen laufen. Dort stört es niemanden. Und vor allem wird dort auch niemand, der diesem Hobby nachgeht, als gewaltbereiter Mensch abgestempelt. Eher als etwas verrückt, vielleicht sogar sympathisch durchgeknallt. Aber auf keinen Fall als potenzieller Attentäter.

Kampfmönch von Rotteil Assassin's Creed

Ich bitte euch darum, das Thema zu klären und vor allem, die Bürger von Rottweil aufzuklären, statt auch noch in der Lokalzeitung Angst und Hass gegenüber dem vermeintlichen „Kampfmönch“ zu schüren. Die Aufgabe der Medien ist es nämlich eigentlich, die Bevölkerung zu informieren und über aktuelle Geschehnisse aufzuklären. Und nicht, wie hier leider geschehen, in Panik zu versetzten, um das Sommerloch, also die Zeit im Jahr, in der es wenige „echte“ Neuigkeiten gibt, mit irgendwelchen Inhalten zu stopfen.

Daher: Habt keine Angst und geht gelassen eurer Wege. Aber lasst bitte auch den „Kampfmönch“-Cosplayer seinen eigenen Weg gehen.

Liebe Grüße nach Rottweil

Matthias Holtmann

 

 

12 Kommentare

  1. Ich finde das hier zu verharmlosen schon ein wenig besorgniserregend. Verstehe diesen Trend sowieso nicht, bzw. den Sinn dahinter. Ich würde mich als recht tolerant einstufen, aber das geht einfach zu weit. Der Typ soll 25 sein, hat aber so wenig in der Birne, dass er sich als „Wanderpfad“ ausgerechnet eine Grünanlage zwischen vielen Schulgebäuden aussucht. Diese Schulen sind Berufsschulen, Gymnasien, aber auch Grund- und Hauptschulen in denen die Schüler bedeutend jünger sind. Und diese haben beim Anblick so einer Gestalt einfach Angst….vor allem wenn er noch eine Maske auf hat und ein Messer dabei. Da könnt ihr mir mit Toleranz und sonst was kommen, normal ist das nicht. Und mit Kunst hat das nicht wirklich was zu tun.

    • Marcel Matz

      Nicht jedem gefällt die Oper! Nicht jedem gefällt Punk-Rock. Nicht jedem gefällt Cosplay! Doch wie langweilig würde unsere Welt sein wenn wir nicht unterschiedliche Geschmäcker hätten. Und ich denke das zum Karneval oder anderen Anlässen schon viele verkleidete Menschen den selben Weg gegangen sind wie der Cosplayer!

      • Aber nicht mit dem Messer in der Hand in der nähe von Grundschulen…Rottweil ist eine Fasnachts (bei euch Karneval oder Fasching) Hochburg….und dahingehend einiges gewohnt. Auch wenn das Messer nicht echt war, dabei hatte er anscheinend eines…und das geht nicht. Und vor allem was soll das?

        • Marcel Matz

          Wenn der Cosplayer wirklich eine „Waffe“ dabei hatte dann wahrscheinlich eine aus Plastik. Fakt ist allerdings dieser junge Mann hat gegen keine Gesetzte verstoßen.

          • Die „Waffe“ war eine Atrappe der versteckten Klinge. Kann man bei Amazon bestellen. Wiegt 399g und kostet 71,16€. Und du hast recht, er hat sich nicht strafbar gemacht.

        • Das Messer war höchstwahrscheinlich nicht echt.
          Vermutlich ist es aus Plastik oder eine Larp-Waffe. Oder diese Schüler haben die Versteckte Klinge gesehen, die es im Internet zu kaufen gibt und die absoltut UNGEFÄHRLICH ist.
          Sofern das mit dem Messer überhaupt stimmt.
          Ganz ehrlich, gibt es einen Beweis? Das kann sich genauso gut jemand ausgedacht haben.

          Und was seinen Weg betrifft. In der Nähe wo er gesichtet wurde befinden sich eine Wohnsiedelung und ein Park.
          Er könnte dort wohnen und wollte vermutlich einfach nur in den Paek (z.b zu einem Fotoshooting). Wenn man sich die Gegend mal per Google Maps anschaut, sieht man das dieser Weg nun mal der Kürzeste ist. Und mal davon abgesehen müsste er, wenn er aus dieser Wohnsiedlung kommt so oder so an einer Schule vorbei, um zum Park zu kommen.

          Ich kann da nur diesen Artikel hier recht geben und muss sagen, dass es vielleicht wirklich helfen würde, wenn der Cosplayer sich zu diesem Interview bereit erklären würde.

          Und alle die meinen Cosplayer wären unnormale Freaks die psychisch gestört sind, bitte ich sich an einer Cosplayer zu wenden und ihn mal zu fragen was Cosplay eigentlich ist und warum er das macht.
          Und wer sich auch nur etwas in die Sache reindenkt und nicht voreingenommen gegenüber allem steht, der sollte erkennen das Cosplay kein bisschen gefährlich ist!

    • Dass sie ihm gleich unterstellen wenig im Kopf zu haben ist mehr als unterste Schublade. Er darf rumlaufen wo er will. Solange er kein Grundstück betritt sondern sich auf öffentlichem Gelände befindet darf er das. Und dieses „Messer“ ist eine Atrappe. Die Klinge ist an einem Armschutz befestigt und kann durch eine bestimmte bewegung ausgefahren werden. Die Kinder haben nur den Armschutz gesehen, mehr nicht. Und diese Spielereihe ist so bekannt dass die meisten diese Figur kennen müssten. Und wenn man angst vor jemandem hat der sich seltsam kleidet dürften wir nie aus dem Haus. Und er trug keine Maske sondern sein Gesicht lag im dunkeln der Kapuze. Und als Schlussfrage: Wie definieren sie Normal? Sie sind auch nicht normal. Normal gibt es nicht, denn jede Mensch ist anders. Eine Norm bei Menschen ist das dümmste was man machen kann. Und sie sind nicht in der Lage zu sagen was Kunst ist und was nicht. Jeder sieht das ander. Für mich ist das Kunst. Die Menschen schlüpfen bei Cosplays in ihre Rollen und spielen diese bis das Treffen vorbei ist. Vielleicht wollte er auch nur sehen ob der Armschutz das Gewand beschädigt und ob die Kleidung nach einiger Zeit drückt. Aber soweit wird nicht gedacht.

  2. Joniboni: Und wenn er auf dich zukam und mit dir gesprochen hat, weißt du nicht, ob es ein Männlein oder ein Weiblein war? Das halte ich für höchst unglaubwürdig. Darum kaufe ich dir dein „Erlebnis“ nicht ab, sondern denke, dass du es eher witzig findest, weiter Panik zu schüren. Glaub mir: Das ist es nicht.

    • Stefanie: Wenn du meinst ich fand es nicht lustig und will auch keine Panik schieben. Er hat sie gestellt . Es war ein 25 jähriger Cosplayer. Er sagte dass es nicht seine absicht war Panik in der Stadt zumachen.
      LG Joniboni

    • Ganz genau. (Zur Info: die meisten Cosplayer besitzen KUNST Waffen und KUNST Blut) Ich glaube einige Leute aus Rottweil haben einfach zu viel Langeweile. Zumal es nicht Verboten ist ein Kostüm zu tragen, und das überall in Deutschland. Wenn Leute deswegen Alpträume haben oder Angst haben dann ist das nicht das Problem des Cosplayers. Tatsache. Die Berichterstattung ärgert mich wirklich sehr, absolut unprofessionell und übertrieben! Der Cosplayer ist echt arm dran, vielleicht ist er oder sie selber noch ein Teenager und wollte nur mal sein Kostüm probetragen? Ich glaube die meiste Angst kann dann dieser Cosplayer haben wenn man ihm mit Mangel und Anwalt droht. Aber inzwischen lacht die ganze Szene über Rottweil und ich finde wir sollten das Örtchen zum neuem Assassins-Crees Cosplay Mekka erklären! ;)

  3. Hallo ich möchte mich mal darüber aus meiner Sicht äußern. Ich habe den unbekannten oder die Unbekannte gesehen. Er oder sie trug ein Messer bei sich. Ich bin selber ein riesen assassins creed Fan aber ich denke dass es entweder ein Streich oder ein physisch gestörter Mensch denn er ging auf mich zu und hat zu mir gesagt: „Ich habe kein bestimmtes Ziel nur eine bestimmte Anzahl. In meiner Klasse haben alle Angst vor ihm. Ich hoffe es kam nivht falsch rüber.
    LG Joniboni

  4. Den Brief finde ich echt super. Bin selber auch eine Cosplayerin und als ich diesen Artikel über diesen „Kampfmönch“ gesehen habe, habe ich erstmal gelacht und es lustig gefunden, dass die Leute das so misinterpretieren. Mittlerweile kann ich aber einfach nur noch den Kopf schütteln. Sogar N24 berichtet darüber und macht unnötig Panik, ich weiß es nicht mehr ganz genau, aber der Begriff „Cosplay“ wird dort soweit ich weiß nicht mal erwähnt, und wenn glaub ich war er ziemlich negartiv konotiert. Ich finde es erschreckend, dass die Leute dem allen so intolerant gegenüber stehen, in einigen Artikeln wurden sogar Facebook Kommentare benutzt, die erklären, wie harmlos das alles ist, aber trotzdem wird Panik gemacht. Vielleicht sollte sich die Polizei mal informieren, ob es in der Nähe eine Convention gab an diesem Tag. Aber nö. Mir tut einfach der Cosplayer leid, der jetzt hin und hergerissen wird von Lob und Anschuldigungen. Das war sicher nicht seine Intention. Ich habe, viele Menschen lesen diesen Brief und besagter Cosplayer meldet sich hier zu einem Interview (wenn er denn eines macht, denn er hat sich eigentlich für absolut NICHTS zu rechtfertigen), woanders wird er wohl nur als Freak dargestellt…

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