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Neverending Nightmares: Review – Der Albtraum fängt erst beim Aufwachen an

19. Oktober 2014

Neverending Nightmares: Review – Der Albtraum fängt erst beim Aufwachen an

Albträume sind eine gleichermaßen interessante wie beängstigende Sache. Sie begleiten uns unser ganzes Leben lang und sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Auch die moderne Wissenschaft hat nur eine eher vage Idee über die Gründe, Ursachen und den Sinn von Albträumen. So ist ein Spiel mit dem Fokus auf den Schrecken der Nacht eine durchaus gute Idee. Noch interessanter wird es, wenn dann eine reale Komponente dazu kommt und ein Spiel Anteile hat, die man durchaus als zumindest „biographisch angehaucht“ bezeichnen kann. Neverending Nightmares spiegelt zu einem gewissen Teil die Ängste und die damit verbundenen Albträume von Matt Gildenbach, dem Entwickler von Neverending Nightmares wieder. Matt Gildenbach selbst, dürfte hier nicht groß bekannt sein, sein letztes Spiel dagegen vielleicht schon. Der gute Herr war für Retro Grade verantwortlich, ein Spiel, das zwar durchaus gute Wertungen bekommen, sich aber extrem schlecht verkauft hat und letztendlich für den Entwickler ein Minusgeschäft war.

Der finanzielle Misserfolg von Retro Grade war bis zu einem gewissen Punkt auch der Ausschlaggeber für die Entstehung von Neverending Nightmares. Matt Gildenbach selbst gibt an, dass er um das Jahr 2001 Depressionen und psychologische Zwangsstörungen entwickelt hat. Die konnte er zwar mit guter Therapie in den Griff bekommen, aber die ganze Geschichte mit Retro Grade hat sich nicht gerade positiv auf ihn ausgewirkt. Mit Neverending Nightmares ist nun ein Spiel entstanden, dass zum einen helfen soll Aufmerksamkeit auf solche psychischen Krankheiten zu lenken und zum Teil auch dem Entwickler selbst geholfen hat, mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen. Die Frage ist natürlich, ob Neverending Nightmares auch als Spiel funktioniert und es auch Spaß macht.

Lebe den Traum

Als Spiel selbst ist Neverending Nightmares recht simpel. Ganz platt gesagt kann sich unsere Spielfigur nach links, rechts, oben und unten bewegen und für einige Meter sprinten. Ebenfalls können wir an vorgegebenen Stellen mit Gegenständen und anderen Dingen interagieren und lösen so auch mal kleinere Rätsel. Nun muss simpel ja nicht schlecht sein und gerade in Spielen mit einem Horroraspekt kann eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit auch von Vorteil sein. Wir bzw. unsere Spielfigur wachen am Anfang des Spiels von einem fiesen Albtraum auf, nur um festzustellen, dass wir im nächsten Albtraum gelandet sind. So entwickelt sich eine Abwärtsspirale, die immer weiter in Horror und Wahnsinn führt. Hier möchten wir nicht zu viel verraten, aber das Spiel hat so einige unschöne bis kranke Szenen auf Lager. Diese Szenen und die Atmosphäre an sich werden von dem Grafikstil des Spiels unterstützt. Neverending Nightmares kommt in einer handgezeichneten Optik in Schwarz und Weiß daher, in der Blut und Gedärme oft die einzigen Farbtupfer sind.

Neverending Nightmares

Albtraumhaft gut?

Das hört sich auf dem Papier doch schon alles recht gut an. Trotzdem wollte der Funke bei uns nicht so wirklich überspringen. Zwar ist Neverending Nightmares nur ca. 3-4 Stunden lang, fühlt sich aber – was durchaus leicht ironisch ist – 1-2 Stunden zu lang an. Leider zeigt das Spiel bereits nach den ersten beiden Spielstunden durchaus Abnutzungserscheinungen. Gewisse Horrorelemente wiederholen sich und spielerisch bleibt Neverending Nightmares leider so anspruchslos wie simpel. Zwar gibt es immer wieder mal kleinere Rätsel, die sind aber so einfach, dass sie quasi nicht der Rede wert sind. Ähnlich sieht es dann auch bei Flucht oder Verstecksequenzen aus. So funktioniert Neverending Nightmares spielerisch nicht unbedingt wirklich gut als Spiel, dafür aber zum Teil zumindest als interaktives Erlebnis. Die Stimmung ist überzeugend und was die Handlung angeht, ist das Spiel eher subtil und verschont uns mit bedeutungsschwangerer Symbolik zum Selbstzweck (wie z.B. ein Silent Hill). Gerade in Anbetracht der ernsten Hintergründe wirkt das doch wesentlich passender und weniger aufgesetzt.

MeFirst[Fazit MeFirst] Neverending Nightmares kann zwar als Spiel nicht wirklich überzeugen, hat aber als interaktive Erfahrung durchaus seine Daseinsberechtigung. Um uns wirklich zu überzeugen, hat dem Spiel sowohl spielerisch als auch erzählerisch der gewisse Feinschliff gefehlt. Gerade beim Gameplay hätten wir uns entweder mehr Tiefgang oder eine komplette Lösung von konventionellen Gameplay gewünscht. So bleibt Neverending Nightmares leider nur ein Albtraum den wir in ein paar Wochen wieder vergessen haben werden.

RAZ[Fazit Raz] Das Spiel überzeugt durch seine simple Gestaltung und eine sehr gute Soundkulisse. Stellenweise wirkt das Spiel etwas ziellos, jedoch unterstützt das eigentlich das Gefühl von Hilflosigkeit, das zusätzlich eine wirkungsvolle Atmosphäre im Spiel erzeugt. Gegen Ende des Games wirkt das Game sehr auf die Geduld des Spielers ein und zeigt, warum es auf den Namen „NEVERENDING Nightmares“ getauft wurde. Unfassbar oft „erwacht“ man aus einem neuen Albtraum und hofft nur noch endlich die finale Welt erreicht zu haben.  

 

Neverending Nightmares
Neverending Nightmares bleibt leider nur ein Albtraum, den wir in ein paar Wochen wieder vergessen haben werden.
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Benjamin Fleschenberg

Benny hat mit der Zockerei angefangen, als man sich auf dem Schulhof noch zwischen SEGA und Nintendo entscheiden musste. Er hat sich für den SEGA Mega Drive entschieden und die Entscheidung bis heute nicht bereut. Mit dem Geld zur Konfirmation gab es dann den ersten eigenen Rechner. Nach wie vor dem Rechenknecht treu ergeben und deshalb hauptsächlich in Genres unterwegs, die dort zu Hause sind.