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Nächster Halt: Unendliche Weiten und der Traum der Raumfahrt in Spielen

Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in der Gegenwart. Dies sind die Abenteuer der Redakteure bei Gameplane, welche nicht viele Lichtjahre entfernt sind, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Stattdessen dringen sie virtuell in Galaxien vor, die auch viele andere Menschen zuvor schon gesehen haben.

Man sollte meinen, dass die Erde mit all ihrer Vielfalt, den Naturwundern und von Menschenhand gebauten Weltwundern spannend genug ist, um uns Menschen zu begeistern. Und doch wollen wir vor allem eines: Mehr. Um das zu bewerkstelligen, sehnen wir uns nach der Ferne. Doch scheint uns die Ferne auf dem blauen Planeten nicht auszureichen. Stattdessen wünschen wir uns bereits als Kind irgendwann einmal Astronaut zu werden, um die Unendlichkeit des Weltraums erkunden zu dürfen.

Auch in Spielen zieht uns das Universum immer wieder in seinen Bann. Wir kolonisieren Planeten, treffen fremdartige Zivilisationen, verhindern Kriege, verursachen Kriege und drücken jederzeit unseren menschlichen Stempel auf, damit die Außerirdischen uns nicht vergessen. Wir haben uns in dieser Woche etwas genauer mit dem Universum und dem ganzen Rest beschäftigt.

Es folgen Spoiler für diese Spiele:

Elite: Dangerous
Mass Effect 1-3
Sid Meier’s Alpha Centauri
Star Fox
ADR1FT
System Shock 2

Elite: Dangerous

1985 war ich vier Jahre alt. Ich bin also alt. Aber ich bin damit nicht alleine, denn David Braben ist sogar noch älter. Er wurde nämlich 1964 geboren und hat uns Meisterwerke der Spielegeschichte beschert. Die Rede ist von der Elite-Reihe. Als ich vier Jahre alt war, konnte ich mit dem ersten Teil dieser Serie noch nicht allzu viel anfangen. Kein Wunder. Die Grafik war doof, keine 60 Frames, kein 4K. Aber mal ehrlich: Ich war natürlich viel zu jung für dieses damals schon ultrakomplexe Spiel.

Einige Jahre später kam dann Elite II – Frontier auf den Markt. Da war ich alt genug. Und das Spiel war mir viel zu schwer. Ich fand’s aber trotzdem irgendwie cool. Strichgrafik wich farbenprächtiger Optik und das Universum der Weltraumsimulation war noch größer und schöner als 1985. Weitere Jahre vergingen und David Braben heckte das nächste Space-Meisterwerk aus (während er quasi nebenbei noch Rollercoaster Tycoon mitverantwortete). Im November 2012 meldete er sich bei Kickstarter zu Wort und redete über ein neues Elite. Genauer gesagt Elite: Dangerous. 2 Jahre später war das Spiel bereits fertig entwickelt. Und 2017 erblickte Elite: Dangerous inklusive Horizon Expansion das Licht der Playstation 4 Welt. Wie sich herausstellte ein sehr schöner Tag für mich, da ich keinen PC besitze, der ansatzweise ein solches Spiel erlauben würde.

Damals fand ich Elite II: Frontier – wie bereits erwähnt – schon relativ cool. Ich war aber noch nicht bereit für ein solch komplexes und forderndes Spiel. Viele Jahre später in Elite: Dangerous sieht das anders aus. Das Spiel sieht anders aus – nämlich wesentlich besser. Ich sehe anders aus – natürlich auch wesentlich besser. Es hat sich sehr viel getan bei Elite und wenn ihr mich fragt, hat sich alles zum Besseren gewendet. Elite: Dangerous ist wesentlich komplexer als Frontier. Es ist stellenweise vielleicht sogar schwerer als sein Vorgänger. Und trotzdem macht es mir wesentlich mehr Spaß und ich liebe es, Sonnensysteme zu erforschen und Piraten den Garaus zu machen.

Ich möchte ungern minutenlange Tutorials schauen und Texte lesen. Ich möchte sofort loslegen können. Bei Elite: Dangerous kann man sofort loslegen, man wird aber kläglich scheitern. Und anstatt es deshalb beiseite zu legen, sauge ich alles in mich auf. Von mir kann ein Spiel kaum ein besseres Zeugnis bekommen, als „Für dich hab‘ ich sogar YouTube Tutorials geguckt!“. Elite: Dangerous ist ein Spiel, das gemeistert werden möchte. Und wenn man einmal den Dreh raus hat, ist es wie mit dem Radfahren. Was anfangs noch unmöglich scheint, wird irgendwann zur Selbstverständlichkeit und spätestens das war der Moment, in dem mich das Spiel komplett für sich gewonnen hatte.

Neben der tollen Atmosphäre spielt bei Elite: Dangerous außerdem die Freiheit eine große Rolle. Ob man nun Pirat wird, Kopfgeldjäger oder Händler – oder alles auf einmal – bleibt einem selbst überlassen. Dies geschieht nicht durch ein Menü, in dem man „Ich will Pirat sein!“ anklickt, sondern durch Entscheidungen, die entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen. Schießt man zum Beispiel auf zivile Schiffe, wird man über kurz oder lang Pirat werden. Abgerundet wird das Spielgeschehen mit einer Online-Komponente. Man kann alleine, mit Wingmen oder im MMO-Stil spielen und sich vor jedem Spielstart für eine der Varianten entscheiden. Freiheit eben.

Schließt man sich im sogenannten Powerplay dann noch den „Factions“ an, gewinnt das Spiel zusätzlich an Tiefe. Hier kämpfen verschiedene Rassen und Religionen um die Vorherrschaft in bestimmten Gebieten der Galaxis. Es gilt wieder das „Entscheide und es hat Konsequenzen“ Prinzip. Nicht immer muss unbedingt ein Auftrag erfüllt werden, um die Macht in eine bestimmte Richtung zu lenken. Hilft man anderen aus der Patsche oder erledigt man bestimmte Schiffe, hat dies auch oft Auswirkungen auf das Powerplay.

Ich bin ein Mensch, der gerne in Spielwelten abtaucht. Und die Atmosphäre bei Elite: Dangerous lädt so sehr dazu ein, dass es fast schon schwer fällt, sich nicht darin zu verlieren. Angefangen bei der Soundkulisse bis hin zur Detailverliebtheit merkt man diesem Spiel an, dass die Entwickler einfach richtig „Bock auf Space-Shit“ haben. Und wer ansatzweise ebenfalls Bock darauf hat, kommt um Elite: Dangerous meiner Meinung nach nicht herum.

Mass Effect

Caroline ValdenaireLasst uns über Mass Effect reden, das haben wir in den letzten Themenwochen schließlich nicht ganz so oft getan.

Für Mass Effect wurde ein komplettes Universum voller fremder Zivilisationen, dazugehörigen Heimatplaneten und jeder Menge fiktionaler Hintergrundgeschichte entworfen. Das ist insoweit spannend, da ich zugeben muss, dass ich mich vor dem Spielen von Mass Effect nicht wirklich für Spiele im Weltraum begeistern konnte. Das „Warum“ ist mir heutzutage ein Rätsel, umso begeisterter bin ich, dass ich den Schritt in die unendlichen Weiten gewagt habe.

Die Geschichte von Mass Effect sollte vermutlich jedem bekannt sein. Wir spielen Commander Shepard, der nur mal kurz die Welten retten soll. Im Laufe der ersten drei Teile erfahren wir wie es ist, die neue Zivilisation im Club der alten Herren zu sein, die sich erst beweisen muss und am Ende alle wichtigen Aufgaben übernimmt, weil die anderen lieber entspannt ihre Cocktails schlürfen. Dabei reisen wir nicht aktiv, wie beispielsweise in Elite: Dangerous, durch die Welt, sondern wählen die Ziele im Universum manuell auf einer Karte aus, um sie zu besuchen. Der erste Teil kommt dem Traum vom Raumfahrer vermutlich am nächsten, da wir dort auch weniger relevante Planeten besuchen und erkunden dürfen und nicht nur der Geschichte folgen „müssen“, die uns vorgibt, welche Destination wir als nächstes aufsuchen sollten.

Die verschiedenen Planeten beherbergen nicht nur Geheimnisse, die es aufzudecken gilt, sondern helfen uns auch dabei, die anderen Zivilisationen besser zu verstehen. Die Asari, Quarianer, Turianer, Elcor, Salarianer, Volus, Kroganer, Protheaner, Rachni, Drell, Batarianer, Geth, Kollektoren, Reaper, Vorcha, Yahg oder die Menschen haben jeweils sehr unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen und sich entsprechend jeweils anders spezialisiert. Während die einen auf Forschung setzen, bevorzugen die anderen Stärke. Die einen sind erhaben und sehen sich als gottgleiche Wesen, andere wollen durch ihre schiere Masse die Oberhand gewinnen und wieder andere versuchen zwischen all den dominanten Rassen einfach nur zu überleben.

Bioware hat beim Kreieren dieser Welt ein unglaubliches Geschick dafür bewiesen, unsere menschlichen Konflikte auf ein ganzes Universum zu projizieren und hält uns einen Spiegel vor, wie man diese eigentlich banalen Probleme ganz einfach lösen könnte. Dabei begeistern sie quasi nebenbei mit einer tiefgreifenden, fiktionalen Welt, die eigene Regeln befolgt und Weltraumfans sehr glücklich macht.

ADR1FT

Christina KutscherSeit die Menschen vom All träumen, ist die Dichotomie des Weltraums Gegenstand ebenso binärer Geschichten. Einerseits lockt der Weltraum mit unendlichen Möglichkeiten, Serien wie Star Trek träumen von ausgeklügelten Technologien, die den Menschen (vorzugsweise Amerikanern, aber das ist eine andere Geschichte) die Eroberung dieser letzten Grenze ermöglichen. Gleichzeitig ist jeder neue Raum voller Gefahren, unbekannte Konstanten und Lebewesen können den sonst so romantisierten Trip schnell ungemütlich werden lassen. Allzu oft gewinnt eine fremde Spezies, allzu oft sind Reisende auf dem Schiff gefangen, das ihnen die Freiheit versprach.
ADR1FT
In ADR1FT wird die Einsamkeit zelebriert und trotz lebensgefährlichem Sauerstoffmangel oder der augenscheinlichen Katastrophe, die man mittels Aufnahmen und Hinweisen rekonstruiert, zeigt das Spiel eine idyllische und beruhigende Seite des Weltraums. Ob man tatsächlich sicher auf die Erde zurückkehren möchte, wo sie doch aus der Ferne als blauer Globus so friedlich aussieht, bleibt unbeantwortet. Im Vordergrund steht vor allem das Schicksal der Crewmitglieder, die auf der Raumstation waren, als diese zerstört wurde. Selbst die Trümmerteile der Station erscheinen harmlos und zeugen erst beim Reflektieren und Interpretieren der Teile von der Tragödie, die sich mitten im Nichts ereignet hat. Auch wenn ADR1FT eine Geschichte erzählen will, so bleibt die Erkundung des Wracks und die atemberaubende Perspektive des Spiels stärker in Erinnerung.

System Shock 2

Caroline ValdenaireMit System Shock 2 erschien im Jahre 1999 der Nachfolger des hochgelobten ersten Teils, welchen ich nie gespielt habe. Entsprechend war ich nicht auf den Horror vorbereitet, der mich im zweiten Teil erwartete. Glücklicherweise musste ich diesen dank Koop-Partner nicht alleine durchstehen.

System Shock 2 spielt 42 Jahre nach den Ereignissen von System Shock. Wir selbst sind ein frisch rekrutierter Soldat der United Nations Nominate, kurz UNN, und erwachen nach einem gemütlichen Kybernetikschlaf in einem Alptraum. Unsere nicht ganz so schlauen Kollegen haben bei einem Planetenrundgang auch einige Parasiten mit an Bord gebracht, die mal eben fast die komplette Mannschaft ausgelöscht haben. Unser Auftrag: Die feindliche Übernahme stoppen. Oder herausfinden, wie das überhaupt passieren konnte. Um diese Aufgabe noch etwas herausfordernder zu gestalten, ist auch unsere alte Freundin S.H.O.D.A.N., eine künstliche Intelligenz, involviert und macht alles unnötig kompliziert.

Während ich sowohl Action und Rollenspielelemente in Spielen befürworte, musste ich mich beim Survival Horror-Aspekt doch etwas zusammenreißen, da Horror im Allgemeinen wirklich nicht zu meinen Lieblingsthemen in einem Spiel gehört. System Shock 2 spielt mit unserer Erwartungshaltung und hält die ein oder andere Überraschung für die Spielenden parat. Daneben lässt es uns aber auch unglaublich viele Freiheiten dabei, wie wir ein Problem angehen oder unseren Charakter im Allgemeinen entwickeln. Die enge Raumstation und der dortige Horror lassen uns ganz klein fühlen. Die Isolation nagt an unserem Verstand, Hilfe kann in der Einsamkeit des Weltraums nicht erwartet werden. Entsprechend sind wir die einzige Hoffnung, die der Von Braun, unserem Einsatzort, noch bleibt.

Auch wenn ich das Spiel erst vor einigen Jahren gespielt habe und den ein oder anderen die Grafik inzwischen vielleicht abschreckt, begeisterte mich die ungewohnt erdrückende Atmosphäre des Spiels. Verzweiflung, Horror und die Angst vor dem nächsten Gegner ob der Munitionsknappheit sind allgegenwärtig. Ich werde vermutlich nie wieder in meinem Leben ein Survival Horror-Spiel spielen und doch möchte ich die Erfahrung, die ich mit System Shock 2 gemacht habe, nicht missen.

Star Fox

Gerade in Anbetracht des Release von Star Fox 2 auf dem SNES Mini muss man dieses Franchise im Zusammenhang mit den unendlichen Weiten einfach nennen. Angefangen hat es 1993 auf dem Super Nintendo. Dort hat Star Fox (oder bei uns Starwing genannt) mit einer phänomenalen Polygongrafik und einer Framerate von ca. 10 Bildern pro Sekunde die Spieler verzückt. Obwohl es eigentlich nur ein simpler Railshooter war, konnte es durch die freie Levelwahl, die euch quer durch das Lylat-System führen konnte, Akzente setzen. Eigentlich sollte mit Star Fox 2 ein Sequel für die Konsole erscheinen. Obwohl das Spiel nahezu komplett war, wurde es eingestampft, damit die Arbeiten an einem N64-Ableger stattfinden konnten.

Mit Star Fox 64 (bei uns: Lylat Wars) wurde das Franchise endgültig zum Liebling der Nintendo Spieler, denn es bot einfach mehr vom alten geliebten Spielsystem. Genau das wurde in den nachfolgenden Teilen vernachlässigt. Das ist auch einer der Gründe, warum das Franchise nie mehr so gut war, wie damals im Jahr 1997.

Sid Meier’s Alpha Centauri

Caroline ValdenaireAuch Sid Meier’s Alpha Centauri lässt uns in den Weltraum entfliehen. Diesmal müssen wir keine verlassene Raumstation erkunden, keinen planetaren Krieg verhindern und auch nicht einfach so durch die Dunkelheit fliegen, sondern dafür sorgen, dass die Menschheit einen fremden Planeten kolonisieren kann.

Diese Idee wird heutzutage von vielen Spielen aufgegriffen. Ob Surviving Mars, Aven Colony oder andere Strategiespiele – die letzte Zuflucht stellt immer die verheißungsvolle Ferne dar. Im Jahre 1999 war diese Idee allerdings noch frisch. Zudem erwartete uns nicht nur ein müder Civilization in Space-Abklatsch, sondern ein Rundenstrategie-Titel, welcher unerwarteterweise interessante Persönlichkeiten mit eigenen Zielen auftischte.

Jeder dieser Charaktere leitete eine Splittergruppe und hatte entsprechend unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Menschheit möglichst erfolgreich den Planeten Chiro im Alpha-Centauri-System besiedeln sollte. Ob nun die Friedenstruppen, Wissenschaftler, militärische Anhänger, religiöse Fanatiker, totalitäre Herrscher, klimafreundliche Pazifisten oder die Kapitalisten: Die unterschiedlichen Ideologien sorgten für ein abwechslungsreiches Zusammenspiel, während man fast beiläufig versuchte, neben den ansässigen und ziemlich aggressiven Aliens nicht nur Fuß zu fassen, sondern auch einfach nur zu überleben.

Sid Meier’s Alpha Centauri ist für mich bis heute ein unerreichter Klassiker. Perfekt ausgearbeitete Charaktere, deren Handlungen man nachvollziehen kann, ein Ausblick auf die Entwicklung der Menschheit und die Erkenntnis, dass es vollkommen egal ist, wie weit wir uns von unseren Problemen entfernen – selbst Lichtjahre ändern nichts daran, dass sie uns wieder einholen.

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