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Nächster Halt: Poster von Vermissten, Gesuchten und Easter Eggs

Zugegeben, „Poster“ kann im Spielekontext so ziemlich alles bedeuten. Man könnte also durchaus sagen, dass diese Themenwoche ein Metakommentar zur Diversität von Videospielen ist, aber im Grunde reicht es, wenn ihr euch unterhalten fühlt. Nun also Poster. Sie sind oberflächlich und nur auf das Visuelle bedacht, manchmal plakativ, selten innovativ und in Spielen gibt es für sie vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Aber seht selbst.

Murdered: Soul Suspect Murdered: Soul Suspect hatte viel zu bieten: einen eindimensionalen Protagonisten, eine Story, mit der niemand so richtig warm werden wollte, erschreckend nervige Gegner, eintöniges und nicht durchdachtes Gameplay. Ich habe es trotzdem gespielt, es war eines der wenigen Spiele, in die ich irrational viel Hoffnung gesetzt hatte und die unausweichliche Enttäuschung wollte ich so lange wie möglich verdrängen. Wer ebenfalls die wenige Stunden lange Geschichte gespielt hat, erinnert sich bestimmt an die zahlreichen Sammelgegenstände. Einige enthielten Hinweise über die Ehe unseres Protagonisten, Ronan O’Connor, oder seinen bizarren Wandel von Gangster zu Cop, andere gaben Informationen zu Todesfällen preis, die sich an unterschiedlichen Orten in Salem ereigneten. Eines dieser Sammlerstücke ist ein Wanted-Poster, das den Mörder von O’Connor zeigte. Es ist einer der wenig hilfreichen Hinweise auf die Identität des Killers – und eine ebenso unspektakuläre Nennung in dieser Liste wie das Spiel selbst. Zu den Highlights zählten die Details, wie Deus Ex: Human Revolution auf den Bildschirmen der noch lebenden Polizisten oder Just Cause-Poster.
Caroline ValdenaireThe DivisionIn The Division kämpft ein ganzes Land um das Überleben. Die Apokalypse ist da, doch statt Zombies, auf welche sich jedermann seit Jahren vorbereitet hat, wurde die Menschheit von einer Krankheit überrascht, die sogar von uns selbst gezüchtet wurde. In der gesamten Spielwelt erwarten uns zusammengekauerte Menschen, Leichenberge, Quarantänezonen, Leichensäcke, Tod und Verderben an jeder Ecke. Und trotz der hoffnungslosen Lage haben die Menschen noch nicht aufgegeben und hängen ihre Vermisstenposter an jede freie Säule des virtuellen New York Citys. Die Vermissten bleiben namenlose Opfer, welche innerhalb der Geschichte nicht weiter beachtet werden – und doch werden wir bei jedem Schritt durch die Straßen durch die zahlreichen Vermisstenposter daran erinnert, für wen wir hier überhaupt kämpfen.
Until Dawn Das spielbare Klischee, die Hommage an Horrorfilme, das innovativste, was Entwickler mit dem Dual Shock Controller der Playstation 4 bis dato angestellt haben. Until Dawn ist, neben einer verworrenen, aber interessanten Geschichte und jeder Menge Horror und Slasher-Action, voller Referenzen und war sich nicht zu schade, einige der Werke der Schauspieler und Voice Actors einzubauen. Der Fremde mit dem Flammenwerfer wird beispielsweise von Larry Fessenden gespielt, der zudem als Autor an Until Dawn arbeitete. Aufmerksamen Spielenden werden nicht die Poster von Horrorfilmen in der großen Hütte entgangen sein: Stake Land, Innkeepers, House of the Devil, Hypothermia und Bitter Feast sind alles Horrorfilme, in denen Fessenden entweder selbst mitspielte oder als Produzent tätig war.
Caroline ValdenaireLife is StrangeEs dauert nicht lange, bis wir in Life is Strange das erste Mal über ein Vermisstenposter, nein, direkt einen ganzen Haufen davon, stolpern. Wir haben uns als Max gerade frisch in diese Spielwelt begeben, glücklich berauscht von entspannender Musik laufen wir durch die Hallen unseres Campus, abgelenkt durch den Schulalltag, Streber, Nerds und Grüppchenbildung. Im Gegensatz dazu wirken die auftauchenden Vermisstenposter wie ein Fremdkörper in der scheinbar heilen Welt der Blackwell Academy. Und doch gehört dieser inzwischen irgendwie zum Alltag dazu – die Umwelt nimmt ihn schon gar nicht mehr wahr und ignoriert das Unheil, welches sich dahinter verbergen könnte. Wegschauen war schließlich schon immer einfacher, als sich mit einem Problem auseinanderzusetzen. Wir, das heißt Max und Chloe, lernen schließlich auf die harte Tour, dass auch das leider nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt.
Call of Juarez: Gunslinger Nicht im ursprünglichen Sinne vermisst, aber dennoch gesucht sind die Charaktere in Call of Juarez: Gunslinger. Der Western-Arcade-Shooter erzählt die Geschichte von Silas Greaves, einem pensionierten Kopfgeldjäger, der 1910 in einer Bar sitzt und von seinen vergangenen Abenteuern erzählt. Dabei wird er von umstehenden Personen ausgefragt und korrigiert sich selbst, der alte Mann ist ein höchst unzuverlässiger Erzähler. Entsprechend ändert sich das Spielgeschehen mehrmals und zeigt das, was Greaves erzählt. Waren es doch keine Apachen, sondern Cowboys, die ihn umzingelten, ändert sich schlagartig das Gegner Design.

Im Gegensatz zum 2005 veröffentlichten Vorgänger gibt es in Call of Juarez: Gunslinger keine Wanted Poster, die belanglose Nebenquests bedeuten. Der Sinn dahinter bleibt jedoch bestehen, immerhin verdiente der alte Greaves mit dem Jagen vermeintlicher Bösewichte seinen Unterhalt und seinen mittlerweile fragwürdigen Ruf. Von Jesse James über Billy the Kid bis hin zu den Dalton Brüdern, kein Charakter der Wild West-Fiktion wird hier ausgelassen. Beim ersten Treffen mit besagten Persönlichkeiten werden diese mit einprägsamen Slogans und interessanten Fakten vorgestellt – eine Inszenierung, die bereits Borderlands für sich erkannte. Entfernt ähneln diese Grafiken den Wanted Postern, die Greaves auf seiner Reise zuhauf gesehen haben muss.

The Binding of IsaacDie Poster in The Binding of Isaac: Rebirth sind ein wenig mehr als Easter Eggs oder ein optisch passendes Detail. Das Remake des originalen The Binding of Isaac, Rebirth, brachte einen neuen Charakter ins Spiel, dessen Freischaltung sich als dezent kompliziert herausstellte. Vier Charaktere mussten auf einer bestimmten Ebene auf eine bestimmte Art und Weise sterben. Der DLC Afterbirth vereinfachte die Sache. Das Trinket „Missing Poster“ musste nur getragen werden und Isaac musste in einem Sacrifice Room sterben – schon erschien The Lost, ein Charakter, der passend zu seinem geistlichen Erscheinungsbild nach nur einem Treffer stirbt.

Zusätzlich zu dieser Verwirrung hat das Spiel inklusive Afterbirth+ DLC mittlerweile 20 unterschiedliche Enden. In mehreren davon hängt das Missing Poster an einem Telefonmast, die Szene variiert je nach Ende und erzählt auf gewohnt geheimnisvolle Art und Weise die Geschichte von Isaac, die sich während des Spielens selbst nur geringfügig offenbart. Das Missing Poster und seine Verbindung zu The Lost sind weitere Indikatoren für das grauenhafte Schicksal, das Isaac ereilte.

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