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Nächster Halt: Messer im Rücken. Die größten Verräter in Spielen.

Verrat ändert sich nie. Er ist immer hässlich, meist Mittel für einen Plot Twist und aus Geschichten niemals wegzudenken. Die abscheuliche Tat scheint eine angeborene Eigenschaft der Menschheit, selbst Julius Caesar, einst der mächtigste Mann der Welt, war nicht davor sicher. Zahlreiche Bond-Filme drehen sich um Verrat, Peter Pettigrew und Gollum sind nur noch weitere Beispiele kontemporärer Popkultur. Selbstverständlich greifen auch Entwicklerteams auf dieses doch recht simple Werkzeug zurück, um Emotionen zu erzeugen und denkwürdige Momente zu erschaffen. Wer sich gerade mit einem Charakter anfreundet, wird manchmal hart enttäuscht und behält den ein oder anderen Titel so stärker in Erinnerung als ein Happy End.

Achtung! Dieser Artikel enthält massive Spoiler für die folgenden Spiele:
Caroline ValdenaireCivilizationNoch eine Runde. Noch eine Runde Krieg und Frieden spielen. Noch eine Runde Städte bauen. Noch eine Runde Diplomatie. Noch eine Runde vollkommen überzogene Forderungen an eure Feinde stellen. Noch eine Runde … Verrat. Bereits seit 1991 gehört dieses Feature zu Civilization. Natürlich ist es toll, wenn man bei einem überraschenden Krieg auf Verbündete zurückgreifen kann. Aber ist es nicht noch toller, wenn man diese Verbündeten nach dem kräftezehrenden Krieg selbst überfallen kann? Warten auf den richtigen Moment, um dem Wirtschaftswunder von nebenan in den Rücken zu fallen. Oh, wir haben die Atombombe entdeckt, aber funktioniert sie auch wirklich? Natürlich begehen nicht nur wir Verrat an unseren Mitspielern, auch die geliebte künstliche Intelligenz ist sich für den ein oder anderen Vertrauensbruch nicht zu schade. Wer kennt und liebt nicht den allseits friedlichen Gandhi, welcher in Verhandlungen stets gutmütig mit uns diskutiert und dann doch aus Versehen die unübersehbaren Grenzen übertritt? Verrat. Wenn ihn jemand erfunden hat, dann vermutlich er.
Resident EvilVerrat ist nie schön. Doch umso entsetzlicher wird er, wenn dein Leben, das Überleben der Menschheit und die Ehre deines Teams auf dem Spiel stehen. Chris Redfield und Jill Valentine werden am Ende von Resident Evil mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, dass ihr Vorgesetzter, Albert Wesker, die ganze Zeit mit Umbrella zusammengearbeitet hat. Als Wissenschaftler entwickelte er sogar zusammen mit William Birkin den T-Virus und unterwanderte später das Raccoon City Police Department, um die Machenschaften des Konzerns zu vertuschen. In den kommenden  Teilen tauchte der blonde Fiesling immer wieder auf, suchte nach weiteren Proben für Umbrella und strebte nach Unbesiegbarkeit. Dass er dafür kein Mittel außer Acht ließ, sollte nach diversen Mutationen nicht verwunderlich sein. Doch das Karma ereilte auch ihn und ironischerweise ist Wesker selbst Opfer eines Verrats geworden. Oswell Spencer, Gründer von Umbrella, benutzte den Polizisten für seine makabren Experimente, den Menschen 2.0 zu erschaffen. Beide bezahlten letztendlich mit ihrem Leben.
DishonoredSo viele Missionen, um die Thronerbin zu retten, den Lord Regenten und seine Komplizen zu diffamieren und die Ehre der Kaisertreuen wieder herzustellen. Und wofür? Um vergiftet, verhöhnt und im Überschwemmten Bezirk ausgesetzt zu werden. Glücklicherweise konnte Corvo während seiner Attentate auch Freunde gewinnen und so blieb ihm der Tod vorerst erspart. Nun musste er jedoch nicht nur die Assassinen überwältigen, sondern sich zusätzlich an seinen einstigen Verbündeten rächen. Das Finale im oder auf dem Leuchtturm – je nach Chaos, das der Spieler oder die Spielerin verursacht hat – vereint dank des Verrats nochmal alles, was Dishonored ausmacht: Attentate, die als Rettungsmission kaschiert werden.
Caroline ValdenaireDragon Age: OriginsDas Dragon Age-Franchise ist nicht nur für allerlei Entscheidungen und Romanzen bekannt, sondern auch dafür, dass ihr das Vertrauen eurer Mitstreiter erst gewinnen müsst. Bei gewissen Entscheidungen kann es passieren, dass euer bisheriger bester Freund sich sogar aus dem Team verabschiedet, da eure Wahl nicht mit seinen oder ihren Idealen harmoniert. Und auch sonst hat jede Aussage eures Protagonisten eine Auswirkung auf die Teammitglieder. Dies wirkt sich einerseits darauf aus, dass Beziehungen zu eurem Love Interest sich weiterentwickeln können, andererseits aber auch darauf, dass ein Charakter euch abgrundtief hasst. Entsprechend kann es euch passieren, dass sich ein Wegbegleiter sogar gegen euch wendet. Wie beispielsweise bei mir, da ich damals noch keine Ahnung von diesem Vertrauenssystem hatte, schlicht nicht mit meinen Begleitern gesprochen habe und dann ziemlich verduzt war, als gegen Ende des Spiels Zevran plötzlich meinte, den Rebellen heraushängen zu lassen und gegen mich zu kämpfen. Wir lernen: Schweigen ist nicht immer Gold.
Mafia 2Es hätte von Beginn an klar sein müssen, dass Geschäfte mit der Mafia nicht gut ausgehen und schon gar nicht so, wie man es sich erhofft. Vito Scaletta musste das am eigenen Leib erfahren – nicht ganz ohne selbst Schuld daran zu tragen. Vito kehrt aus dem Krieg zurück und wird schnell in kriminelle Machenschaften verwickelt. Zusammen mit seinem besten Freund Joe macht er die Stadt unsicher. Nach einiger Zeit schließt er sich Carlo Falcone an, einem der Machthaber im gespaltenen Empire Bay. Doch schon bald wird er von Leo Galante erpresst, dem Widersacher Falcones. Um die Unterwelt wieder in die Hände der Vinci-Familie zu bringen, welcher Galante angehört, soll Vito Falcone töten und somit Verrat begehen. Angesichts des eigenen Todes willigt Vito ein. Obwohl Joe ihm dabei zur Seite steht, war dieser nicht Teil der Abmachung und so werden beide am Observatorium, wo das letzte Treffen mit Galante stattfindet, getrennt. Joe gehört noch immer Falcones Clan an und so biegt das Auto, das ihn eskortiert, auf dem Weg in die Stadt ab. Während Vito in eine andere Richtung chauffiert wird, erschließt sich ihm die Tragweite seiner Handlung und die Tatsache, dass er nicht nur seinen ehemaligen Boss, sondern auch seinen Freund verraten hat.
Caroline ValdenaireMass Effect 3Der menschliche Botschafter auf der Citadel hatte es innerhalb der ersten drei Teile nicht leicht. Dauernd belächelt, obwohl er doch eigentlich nur das Beste für die Menschheit wollte. Und dann kommt da auch noch dieser Neuling namens Shepard und möchte dem alten Hasen erklären, wie der Laden läuft. Wer als Spieler auf die Unterstützung Udinas hofft, wird enttäuscht. Immerhin erhalten wir am Ende von Mass Effect 1 die Möglichkeit, erstmals selbst Verrat zu begehen und statt den erfahrenen Udina unseren Freund Anderson in den Rat zu hieven. Falls wir das nicht tun und Udina den Posten überlassen, reagiert er uns gegenüber sogar noch herablassender als zuvor. Dankbarkeit war offensichtlich nicht Teil seines Lehrplans. Im dritten Teil ist schließlich der große Tag des Ratsherren Udina gekommen. Gemeinsam mit dem Unbekannten plant er einen Putsch, um die Citadel zu übernehmen. Dass man sich mit Shepard nicht anlegen sollte, merkt er dann allerdings spätestens beim Gnadenschuss, welcher ihn seines Amtes enthebt.
Caroline ValdenaireFallout 3Megaton ist nach dem Verlassen eures Vaults vermutlich die erste größere Ansiedlung, die ihr betreten werdet. Ihr werdet mit offenen Armen empfangen, dürft dabei zuschauen, wie eine nicht gezündete Atombombe gepriesen wird, Rohre stopfen und habt sogar die Möglichkeit, euch dort anzusiedeln. Wer eine gemütlichere Behausung vorzieht, hat die Option dem Ruf des Mr. Burke zu folgen, welcher von euch verlangt, diese Ansammlung von Wellblech, Megaton, in die Luft zu jagen. Ihr könnt euch vermutlich denken, dass sich diese Entscheidung nicht sonderlich positiv auf euer Karma auswirkt – es gehört sogar zu den schlimmsten Aktionen, die ihr in Fallout 3 ausführen könnt. Während man sich in anderen Spielen damit begnügt eine Person zu hintergehen, könnt ihr in Fallout 3 also Verrat an einer ganzen Stadt begehen und sie dadurch sogar komplett auslöschen. Komplett? Nun, fast. Besucht ihr nach eurem Verrat an den Einwohnern von Megaton die frisch entstandenen Ruinen, begegnet euch dort die noch immer fröhliche, wenn auch etwas ghoulifizierte, Moira Brown, die euch trotz allem gerne weiteren Schrott verkauft. Manche Menschen sind eben abgehärtet.
Assassin’s CreedAm Ende ist es immer leicht zu behaupten, ich sage es trotzdem: Ich wusste es! Jemand, der zahlreiche Morde in Auftrag gibt, kann kein freundlicher, vertrauenswürdiger Mensch sein. Der Verrat in Assassin’s Creed ist deswegen zwar weniger überraschend, aber dennoch schwerwiegend. Während sich Altair durch den Nahen Osten kämpft und ein Ziel nach dem anderen ausschaltet, wird der Disput zwischen Assassinen und Templern immer gravierender. Doch die Ziele scheinen weit weniger brutal und böse zu sein als Großmeister Al Mualim beim Erteilen des Auftrags behauptet hat. Der alte Mann entpuppt sich zum Ende des Spiels selbst als Templer, der nun alleiniger Besitzer des Edensplitters ist und Altair manipulierte, um seine einstigen Gefährten aus dem Weg zu räumen. Ein ganzes Spiel umsonst. Als wäre das nicht genug, wacht Desmond in der Rahmenhandlung aus dem Animus auf (das Gerät, das ihn in die Haut seines Vorfahren Altairs schlüpfen ließ und in der neuzeitlichen Welt genutzt wird, um die Spuren der Splitter und Assassinen zu verfolgen). Nun wertlos für das Unterfangen des Arztes, beschließt Professor Vidic Desmonds Ermordung. Wieder kommt alles anders und das Spiel wird mit einem unbefriedigenden Gefühl beendet, das zwischen dem Schmerz aufgrund des missbrauchten Vertrauen und der Verzweiflung angesichts der Sinnlosigkeit der letzten Stunden schwankt.

Haben uns diese Vertrauensbrüche mitgenommen? Ja. Lassen wir uns von ihnen abhalten, dem nächsten Charakter zu vertrauen? Möglicherweise. Ob die daraus resultierende Skepsis angebracht ist oder nicht, es wird wohl noch in vielen Spielen Verrat geben. Welche sind euch besonders in Erinnerung geblieben?

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