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Nächster Halt: Blut geleckt. Spiele und der rote Saft.

Blut stellt in Spielen oft einen vermeintlichen Höhepunkt dar und kann auf verschiedenste Weise interpretiert werden. Spielt ihr ein Horrorspiel und stoßt auf einen blutigen Handabdruck, vermag das zumeist nichts Gutes bedeuten. Spielt ihr einen Detektiv, freut ihr euch über etwaige Beweisstücke. Seid ihr ein Vampir, freut ihr euch über einen kleinen Mitternachtssnack. Seid ihr ein Soldat, bedeutet der an der Monitorseite herunterrieselnde Marmeladenüberzug fast immer, dass ihr euch für ein paar Sekunden in die Ecke stellen müsst und dann voller Tatendrang weiterkämpfen könnt. Was letzten Endes doch immer gleich ist: Blut wirkt. Egal in welchem Genre, egal in welcher Geschichte – es ist ein wichtiges Stilmittel, das dafür sorgt, dass bestimmte Erlebnisse oder Szenen in Erinnerung bleiben. Wir werfen einen Blick in die Vergangenheit und erzählen euch von unseren ganz persönlichen Erlebnissen mit dem roten Saft.

Left 4 Dead Vier Spieler, Koop, Zombies, jede Menge davon. Und natürlich: Blut. Das Konzept von Left 4 Dead war für damalige Verhältnisse noch brandneu, brutal und ungewohnt. Deutschland war im Jahre 2008 offensichtlich noch nicht bereit dafür. Nicht nur, dass das Cover selbst zensiert wurde und aus einem abgetrennten Daumen schlicht ein abgeknickter Daumen wurde, auch das Blut selbst wurde unseren Ansprüchen angepasst. Während die PC-Version zumindest diesbezüglich unangetastet blieb, erwischte es Spieler der Xbox 360-Version besonders hart: Statt roten Blutlachen gab es grüne Gaswolken zu bestaunen.

Left 4 Dead machte keinen Hehl daraus, dass es die unmenschliche Brutalität, mit der wir unsere untoten Kameraden ausschalteten, quasi zelebrierte. Hatte man ein Haus gesäubert, musste sich der Eigentümer desselbigen vermutlich erst einmal um neue Tapeten und einen Putzdienst kümmern. Blut. Blut überall. So viel, dass man beim Spielen irgendwann vollkommen abstumpfte und es später nur noch als einen Farbton wahrnahm, der die triste Umgebung zumindest ein wenig einfärbte.

Goldeneye 007 Lasst uns eine Zeitreise in das Jahr 1997 machen! Einer der besten Konsolen-Ego-Shooter aller Zeiten erscheint für das Nintendo 64: Goldeneye. Doch leider nicht offiziell in Deutschland, denn die hiesige BPjS (heute BPjM) hat das Spiel indiziert. Grund dafür ist die realistische Darstellung von Gewalt und Brutalität. Bereits damals ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar gewesen, denn das einzige Blut, das im Spiel existiert, färbt die Kleidung der Feinde minimal rot. Gerade aus heutiger Sicht sehr lustig, dass solch ein Umstand dazu führte, dass das Spiel indiziert wurde.
Serious Sam Während manche Spiele Blut grün färben, um den Gegner weniger menschlich erscheinen zu lassen oder schlicht kein Gore zu zeigen, hat sich Serious Sam: The First Encounter etwas gänzlich anderes einfallen lassen. Das Spiel lebt von seiner abstrusen Menge an Gegnern, dem markanten Level Design und schlicht dem Spaß, sich mit Freunden den Weg durch die feindlichen Gefilde zu bahnen.

Noch besser wird es mit einem Blick in die Optionen – richtig, wer liest sich schon alle Optionen durch? Niemand, der nicht auf der Suche nach etwas Bestimmtem ist. Schade, denn dann ist euch möglicherweise der interessante Punkt „Blut und Verletzungen“ entgangen. Zu offensichtlichen Optionen wie „rot“ und „grün“ zählen hier „Hippie“ und „Kinder“. Letztere Möglichkeit sorgt bei jedem Treffer, den Gegner einstecken, für eine kleine Party. Konfetti wirbelt durch die Luft und verleiht den Gegnern das Aussehen einer Piñata. Mit „Hippie“-Blut werden die bunten Papierschnipsel durch Blümchen jeder Art und Farbe ersetzt. Und Mohrrüben. Das orangene Gemüse ist nach einer kräftezehrenden Schlacht überall auf dem Boden zu finden und zeigt wieder einmal, wieso wir Serious Sam lieben.

Prison Architect Seht ihr in Prison Architect Blut, ist dies ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass ihr irgendetwas falsch gemacht habt. Blut bedeutet Ärger. Blut in einem Gefängnis erst recht. Habt ihr es also geschafft, dass einige eurer Insassen sich die Köpfe einschlagen, bis letztendlich sogar die rote Farbe spritzt, ist es nur ein kurzer Weg bis zur vollkommenen Eskalation und eurem womöglichen Game Over. Gewalt erzeugt Gegengewalt, was in Prison Architect eure einzige Option ist, um irgendwie wieder Herr der Lage zu werden. Solltet ihr die Krise überstanden haben, gibt es immerhin den fröhlichen Putzdienst, der sämtliche Spuren eurer Inkompetenz sorgsam verwischt.
Kevin PliesterDiablo Alles begann mit einer aufgeschlitzten Person direkt vor der Kathedrale, die uns vor einem hackenden Monster in den Tiefen der Katakomben warnte. Nichtsahnend haben wir die Katakomben betreten und waren völlig überrascht davon, wie cool und atmosphärisch uns die düsteren Räume präsentiert wurden. Ein paar Skelette hier, einige Zombies dort und dann noch dieser Sarkophag, den man noch öffnen wollte. Kurz nach dem Öffnen hörte man dann ein „Klick“ und die Feuerfalle wurde ausgelöst. Schnell klickten wir uns davon. Zumindest so schnell wie es ging, denn unser Charakter war nicht besonders sportlich. Je tiefer wir uns in die Katakomben wagten, desto düsterer und schwerer wurde das Überleben.

Irgendwann konnten wir dann einen blutrot gefärbten Raum durch die Mauern erspähen, der bis unter die Decke mit Leichen gefüllt war. Was uns dort erwartete, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unvorbereitet haben wir auch hier die Türe geöffnet und wurden kurzerhand mit einem „Frischfleisch“, im englischen „Fresh Meat“ begrüßt. Das Monster war ein großer roter Pixelfleck, der mit einem Hackbeil auf uns eingedroschen hat. So lange, bis wir letztendlich umgefallen sind. Ein für mich denkwürdiger Moment, wenn es um Blut geht. Den Schlächter und seinen Raum voller Leichen werde ich wohl nie vergessen.

Dead Space In der Dead Space-Trilogie ist Blut nicht nur ein atmosphärisches Stilmittel, sondern auch noch allgegenwärtig. Der rote Lebenssaft findet sich auf allen Flächen wieder, sei es Boden, Wand oder Decke. Auch als Schriftzug scheint es erfolgreich nutzbar zu sein, denn viele der Todesopfer haben nützliche Hinweise mit ihrem eigenen Blut an Wände gekritzelt. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich als Isaac auch selbst am farbenfrohen Spiel beteiligen und die zahlreichen Monstrositäten Gliedmaß für Gliedmaß auseinander nehmen und dabei den Pinsel schwingen. Immerhin wird auch der Kampf gegen die unheimlichen Necromorphs zu einem sehr blutigen Unterfangen. Wer also bei einem kleinen Schnitt am Daumen schon in Ohnmacht fällt, sollte um dieses Werk einen großen Bogen machen. Die meisten Räume enthalten mehr Rot als die anderen Farben summiert. Der ständige Horror und die dichte Atmosphäre erfüllen selbstverständlich auch ihren Zweck, aber man kann Blut getrost als einen der Protagonisten der Dead Space-Trilogie bezeichnen.
Viscera Cleanup Detail Habt ihr euch nicht schon immer gefragt, wer nach Ende einer blutigen Mehrspielerrunde das Level wieder aufräumt? Nicht? Nun, dank Viscera Cleanup Detail wissen wir es dennoch. Während ihr in anderen Spielen damit beschäftigt seid, all die schönen Fliesen mit roten Farbklecksen zu verschönern, ist eure Aufgabe hier das genaue Gegenteil: Ihr seid als Putzdienst dafür zuständig, eben jene Sauerei zu beseitigen. Mit Eimer und Wischmop ausgestattet durchstreift ihr das jeweilige Level und versucht die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen, damit die nächsten schießwütigen Spieler das Level wieder einsauen können.

Wer denkt, dass das ja nicht so schwer sein kann, liegt falsch. Einmal vergessen den Mop auszuwringen und schon ist der Boden blutiger als zuvor. Einmal nicht aufgepasst und seelenruhig durch die Blutlache marschiert und schon ist das Level voller blutiger Fußabdrücke. Für all diejenigen, die nicht genug vom Wischen bekommen, gibt es sogar einen Multiplayer, um gemeinsam mit Freunden den Putzrausch seines Lebens genießen zu können.

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