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Moebius: Empire Rising – Review

Moebius: Empire Rising ist das neueste Spiel aus der Kooperation zwischen Phoenix Online Studios und Pinkerton Road. Hinter Pinkerton Road stehen dabei die bekannte Schreiberin Jane Jensen (Gabriel Knight, Gray Matter) und der Komponist Robert Holmes.

Wir haben für euch Moebius: Empire Rising durchgespielt, bei dem es sich um ein Point & Klick Adventure handelt, welches zum einen aus gezeichneten Hintergründen mit 3D-animierten Charakteren besteht und zum anderen von Aufgaben, Sammeln von Gegenständen und kleinen Rätseln lebt. Wie dem Spiel die Kombination gelungen ist, dass erfahrt ihr im Laufe der Review.

Moebius: Empire Rising - Header

Die Geschichte

Moebius: Empire Rising spielt in der aktuellen Neuzeit. Die Welt leidet unter einer globalen Rezession und die Menschen gehen wütend und protestierend auf die Straße. Wir begleiten Malachi Rektor, einen berühmten Antiquitätenhändler und Gutachter, auf seinen Reisen durch die Welt. Gerade erst hat er das Krankenhaus verlassen, nachdem er in Spanien von einem unzufriedenen Kunden zusammengeschlagen wurde, weil er dessen wertvolle Antiquität als Fälschung enttarnt hatte.

Moebius: Empire Rising - Malachi

Nun, von so etwas lässt sich ein guter Geschäftsmann nicht einschränken und deshalb geht es direkt an den nächsten Fall, den er von seiner Assistentin Gretchen Stern bekommt. Malachi soll dem wohlhabenden Ambel Dexter das Profil einer ermordeten Italienerin aus Venedig liefern. Dabei geht es nicht darum, den Mord aufzuklären, sondern festzustellen, ob die Tote einer Person aus der Geschichte gleicht. Dieser Vergleich dreht allerdings nicht um geringfügige Ähnlichkeiten, sondern um einen fast komplett gleichen Lebenslauf, inklusive Hochzeitsdaten, Anzahl der Kinder, politischem Interesse, Charakter und Ambitionen.

Bald schon stellt sich heraus, dass Dexter der Kopf einer amerikanischen Behörde ist, die sich FITA nennt und die festgestellt hat, dass sich bestimmte Personenprofile, inklusive ihrer zugehörigen Geschichte, alle paar Jahrhunderte wiederholen. Dieses Phänomen nennt sich der Moebius-Faktor und ist gleichzeitig namensgebend für Moebius: Empire Rising. Durch eine angeborene Fähigkeit kann Malachi diese geschichtsträchtigen Personen wahrnehmen und identifizieren, was ihn zu einem wichtigen Verbündeten für die FITA macht. Der wer sind diese ominösen Mörder der jungen Italienerin und warum schlagen sie Malachi nieder, ohne ihm etwas anzutun? Welche Rolle spielt der Ex-Soldat David Walker und gibt es einen Maulwurf bei der FITA? All diese Fragen werden im Laufe der Spiels in Moebius: Empire Rising geklärt. Dabei ist das Spiel an sich sehr spannend. Die Geschichte wird sehr gut erklärt und die Entwicklung von Malachi und seine zwischenzeitlichen Angstzustände lassen den vorher abweisenden und arroganten Antiquitätenhändler doch schnell menschlich und sympathisch werden.

Ein kleines Manko ist dabei jedoch die Konzentration auf Malachi in Moebius: Empire Rising. Während sich seine eigene Geschichte entwickelt und wir daran Anteil nehmen, plätschern die weiteren Charaktere vor sich hin. Die meisten Nebenrollen sind ziemlich farblos. Ihre Geschichten sind nicht interessant und auch die Personen kaum von Bedeutung. Meistens werden sie so kurz abgespeist, dass ich mich, selbst direkt nach der Spielzeit, die etwa 10 Stunden eurer Zeit in Anspruch nehmen wird, schon kaum noch an die Namen der anderen Personen erinnern kann. Ein wenig mehr Tiefe, abseits von Malachi, hätte dem Spiel wirklich gut getan. Wobei ich hier noch einmal festhalten möchte, dass die Hauptgeschichte sehr spannend erzählt ist und mir sehr gut gefallen hat. Aufgrund der Erzählweise und der Präsentation der Personen hat man schnell das Gefühl, eines der alten Indiana Jones Adventures zu spielen, die mir schon als Kind gut gefallen haben.

Das Gameplay

Das Gameplay von Moebius: Empire Rising ist klassisch und typisch für ein Point & Klick Adventure. Wir reisen durch die verschiedenen Orte und Länder und suchen Hinweise, die uns in der Geschichte weiterbringen. Zur Orientierung bei den Reisen steht uns eine Übersichtskarte mit relevanten Punkten zur Verfügung, die meist zwischen drei und vier Orte enthält. Dabei sammeln wir verschiedene Gegenstände auf, die wir analysieren und kombinieren können, um schließlich bestimmte Ereignisse zu produzieren. So sammeln wir zum Beispiel in Zürich einen Füllfederhalter, ein Gummiband und ein paar Blumen im Garten, um daraus einen Strauß mit einer „Verzeih mir“-Karte zu bauen, mit der wir ein Treffen zwischen einem zerstrittenen Paar provozieren.

Moebius: Empire Rising - Übersichtskarte
Moebius: Empire Rising – Übersichtskarte

Neben dieser traditionellen „Sammelwut“, kommt Moebius: Empire Rising jedoch auch mit einigen Aufgaben der anderen Art daher. So müssen wir in Venedig mit unserer Maus einen Stock im Wasser lenken, um etwas aus dem Wasser zu angeln, in New York unsere Figur beim Überwinden eines Balkons unterstützen und beim Einbruch in ein Büro eine Puzzlebox lösen.

Durch diese kleinen Spielchen wird das Spiel immer wieder aufgelockert und wirkt abwechslungsreich. Dabei beschränken sich jedoch einige Aufgaben auf die einfachsten Tätigkeiten. Wir schieben den Mauszeiger in die richtige Richtung, oder drücken immer nur auf die rechte Maustaste, wenn ein entsprechender Hinweis auf dem Bildschirm steht. Großer Anspruch ist bei den Zwischenspielen leider nicht gegeben, was mich schon etwas traurig stimmt. Wenn ich zusätzliche Rätsel in einem Spiel habe, dann darf ruhig ein wenig Anspruch dabei sein.

Die zweite große Aufgabe in Moebius: Empire Rising ist das Analysieren von Personen und deren Vergleich mit historischen Figuren. Dabei läuft diese Analyse immer gleich ab. Wir betrachten das Bild einer Person und können anhand von Beobachtungen und Gesprächen mit dieser oder anderen Personen, verschiedene Eigenschaften feststellen. Zumeist sind 3-5 Eigenschaften im Bild mit Quadraten markiert, die einzelne Auswahlmenüs mit je drei Möglichkeiten enthalten. Hat man im Menü seine Auswahl getroffen, kann man die Analyse abschließen. War die Auswahl richtig, dann geht die Geschichte weiter. War sie nicht richtig, dann kann man die Auswahl ändern und diese noch einmal durch die Analyse prüfen lassen. Wer also nicht richtig zugehört hat, der kann sich einfach so lange durch die Möglichkeiten klicken, bis er schließlich die richtige Kombination gefunden hat.

Ähnlich funktioniert auch der Vergleich mit den Personen der Geschichte. Zu jeder Person in Moebius: Empire Rising, die wir analysieren sollen, werden zahlreiche Pendants der Geschichte präsentiert. Wir können nun anhand von herausgefundenen Fakten verschiedene Lebensabschnitte und andere Daten Vergleichen. Personen der Geschichte, bei denen Abweichungen festgestellt werden, werden solange ausgeschlossen, bis nur noch drei mögliche Kandidaten verbleiben. Aus diesen wählen wir dann die Person, die die meisten Übereinstimmungen aufweist. Auch hier zeigen sich häufig Unterschiede zwischen der Meinung der Entwickler und meiner eigenen Meinung. So fand ich häufig mehr Übereinstimmungen bei Personen, die ich eigentlich ausschließen sollte. Die Gründe dafür werden nicht genannt und so läuft es auch hier in Moebius: Empire Rising auf ein nerviges „Trial and Error“-Verfahren hinaus.

Einziges Highlight dabei sind die tollen geschichtlichen Hintergründe, die uns das Spiel präsentiert. Zu jeder Person der Geschichte und jedem gefundenen Artefakt, gibt es tolle Informationen über Alter, Person und Hintergrund. Man kommt sich dabei vor, wie in einem interaktivem Museum. Wer jedoch darauf keine Lust hat, der kann auch einfach alle Informationen überspringen. Allerdings helfen diese Informationen auch dabei, sich besser in die Rolle des Antiquitätenhändlers Malachi Rector einzufühlen. Moebius: Empire Rising enthält dabei auch zahlreiche tolle Ideen für verschiedene Rätsel und Informationsbeschaffungen, deren Umsetzung jedoch deutliche Mängel zeigt.

Die Grafik

Moebius: Empire Rising setzt sich hauptsächlich aus gezeichneten Hintergründen und animierten Charakteren zusammen. Dabei ist die Qualität der Hintergründe sehr starken Schwankungen unterworfen. Manche Hintergründe sind sehr detailreich gestaltet und schön anzusehen, während andere wiederum total verwaschen wirken und den Eindruck erwecken, dass die Entwickler ziemlich in Eile waren, oder einfach keine Lust mehr hatten.

Moebius: Empire Rising - New York verwaschen
New York mit verwaschenem Hintergrund

Das größte Manko im Spiel sind jedoch die Animationen der Charaktere. Für das Spiel scheint eine Version der beliebten Unity-Engine verwendet worden zu sein, die eine einfache Möglichkeit bietet, 3D-Figuren und Umgebungen zu erzeugen. Leider ging der Schuss bei Moebius: Empire Rising komplett nach hinten los. Selbst bei der höchsten Detailstufe sind die Personen unscharf und an den Kanten verpixelt. Die Synchronisation der Sprachbewegungen ist nicht immer passend und die Mundbewegungen zu stark übertrieben, sodass man ständig bei einfachen Sätzen das komplette Gebiss der Charaktere sieht. Laufbewegungen im Spiel sind teilweise asynchron und die Gliedmaßen der Personen machen immer wieder seltsame Schlenker, die ein normaler Mensch aufgrund seiner Knochenstruktur nicht einmal ansatzweise hinbekommen würde. Selbst die Körperhaltungen von Malachi und dem Ex-Soldaten David sind im Stehen so daneben, dass man sich fragen muss, ob der Designer bei der Erstellung nebenbei noch etwas Anderes gemacht hat. Mit einem wachen Blick auf den Bildschirm sollte so eine Leistung nicht möglich sein.

Zu verschiedenen Zeitpunkten wechselt Moebius: Empire Rising in eine nähere Ansicht. So zum Beispiel, wenn Malachi auf seinen Schreibtisch blickt, um Post zu öffnen, seinen Computer zu bedienen oder um aus einer Zeitungsklappe eine Zeitung zu entnehmen. Bei diesen seltenen Augenblicken haben die Entwickler sogar komplett auf eine grafische Umsetzung verzichtet. Die Briefe öffnen sich wie von Geisterhand und schweben vor unseren Bildschirm und die Dollarmünzen fliegen von allein in den Münzeinwurf des Zeitungsautomaten. Wenn dann noch David in Nahansicht an einem Seil zieht um einen Balken umzukippen, schwebt das Seil einen halben Zentimeter neben seiner Hand. Solche Grafikschnitzer ruinieren mir ehrlich gesagt das komplette Spielgefühl.

Einen krassen Kontrast dazu bilden die schön animierten Zwischensequenzen, die als Video ablaufen. Hier sind sowohl die Charaktere, als auch deren Emotionen sehr schön dargestellt.

Der Ton

Wie eingangs schon erwähnt, stammt der Ton zum Spiel Moebius: Empire Rising aus der Schmiede von Robert Holme. Dabei ist die Zusammenstellung der Töne und die Musik wunderbar auf das Spiel abgestimmt. In den meisten Szenen passt die Musik zur Umgebung und untermalt auch noch die Stimmung der einzelnen Charaktere. Einzig an einigen Stellen ist die Musik fast lauter als die Sprachausgabe, sodass die Texte nicht mehr einwandfrei zu hören sind. Hier sollte noch einmal per Patch die Lautstärke angepasst werden. Grundsätzlich sind Ereignisse und Gegenstände jedoch sehr gut vertont und angenehm anzuhören. Lediglich die Hintergrundmelodie ist manchmal ein wenig zu monoton und nervt dann schnell.

Momentan ist Moebius: Empire Rising außerdem nur mit einer englischen Sprachausgabe versehen, jedoch stehen sowohl für englische, als auch deutsche Untertitel zur Verfügung.

Schwierigkeitsgrad

Moebius: Empire Rising stellt Spieler nicht vor unlösbare Probleme. Die meisten Rätsel sind intuitiv knackbar oder die Lösungen ergeben sich aus den Angaben von Personen und Hinweisen. Vielfach spricht der Malachi auch direkt aus, was er braucht und welche Gegenstände man nun besorgen soll. Somit ist das Spiel als leichte bis mittelschwere Rätselkost einzustufen. Ein Hinweissystem sorgt noch dazu für kleine Tipps im Spiel, falls man in der Geschichte einmal feststecken sollte. Eine zusätzliche Option bietet noch die Möglichkeit, alle Punkte in der Szene anzuzeigen, mit denen der Spieler interagieren kann. Somit ist die einzige Schwierigkeit die Lösung der geschichtlichen Vergleiche der Personen und die Analyse der Charaktere, welche sich jedoch über einfaches Ausprobieren mit der Zeit lösen lassen.

Wirklich ärgerlich sind für mich jedoch die Aktionen, bei denen Gegenstände aus der Spielwelt gesammelt und kombiniert werden müssen. Zumeist stößt man bereits frühzeitig auf einen Gegenstand, den man bald benötigt, jedoch weigert sich Malachi diesen aufzuheben. Einige Minuten später rennt man dann wieder Ewigkeiten durch die bereits besuchten Gebiete, um gerade diese Gegenstände aufzuheben. So verkommt ein Großteil der Schwierigkeit von Moebius: Empire Rising und auch der Spielzeit zu einem stupiden Ablaufen bereits besuchter Punkte. Als Beispiel stehen wir in Kairo in einer Sackgasse, an deren Ende ein Ziegelstein als „unbekanntes Objekt“ am Boden liegt. Angeblich können wir im Dunkeln nicht erkennen, um was für einen Gegenstand es sich handelt, obwohl die Gasse mäßig hell ist und wir direkt davor stehen. Bei einer zweiten Gelegenheit stehen wir vor einer Statue und der Charakter sagt und, wir stünden für eine Analyse zu weit weg, obwohl wir uns direkt daneben befinden.

Moebius: Empire Rising - Fehler
Fehler bei der Analyse einer Statue

Nach meiner Einschätzung würde sich die Spielzeit von Moebius: Empire Rising fast halbieren, wenn man bereits direkt alle Gegenstände einsammeln könnte, so wie es in Spielen wie Monkey Island oder The Book of Unwritten Tales der Fall ist. Die restliche Zeit ist nur unnötige Wegstrecke, um weitere Spielzeit herauszuschlagen.

 

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