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MeFirst motzt: Indie oder was?!

Na, was ist denn momentan der größte Trend in der Entwicklung und Vermarktung von Videospielen? Ich tippe da mal stark auf Early Access. Early Access ist die neue, tolle und glänzende Welt in der alles schöner und besser ist. Als Spieler kann man aktiv die Entwicklung beeinflussen und wird letztendlich auch so ein Teil des Ganzen. Große Publisher werden quasi überflüssig und in 10 Jahren sind die Schreckgespenster Ubisoft und Electronic Arts pleite. Schön wär’s…

Ein Begriff, der durch Early Access etwas in der Hinterfeld geraten ist, nennt sich Indie Game. Das hat (leider) nichts mit Indiana Jones zu tun, sondern steht für Independent. Die englische Ausgabe von Wikipedia definiert das wie folgend:

Independent video games (commonly referred to as indie games) are video games created by individuals or small teams generally without video game publisher financial support. Indie games often focus on innovation and rely on digital distribution. Indie gaming has seen a rise in the latter half of the 2000s decade, primarily due to new online distribution methods and development tools. Some games originated as indie have become very successful financially, such as Braid,World of Goo, fl0w and Minecraft.

So wäre dann die Bilderbuchdefinition und auch bei den genannten Spielen hat man sich brav die Rosinen raus gepickt. Der Begriff ist inzwischen aber so extrem schwammig, dass man ihn eigentlich fast schon wieder vergessen darf. Das erinnert da frappierend an das CD Regal bei Saturn. Da gibt es auch die Kategorie Independent und da steht dann oft Silbermond (Universal Records) neben so Kapellen wie Shook Ones (Paper + Plastick Records). Die meisten Leser hier dürften weder Shook Ones noch das dazugehörige Label kennen. Silbermond und Universal Records dagegen wohl eher schon und ein Vergleich zwischen Universal Records und einem Publisher wie Electronic Arts ist nicht komplett unpassend. Sowieso kann man hier eigentlich ganz gut Vergleiche mit Musik ziehen. Der Vorteil ist, dass im Feld der Musik da schon der dezente Zusammenbruch und die Auflösung des Begriffs stattgefunden hat, während das im Bereich der Videospiele noch bevorsteht.

Der Begriff Indie weckt auch immer schöne Erwartungen bei uns. Da denkt man an Innovation, die mal etwas wagt und das Sprengen von Grenzen. Aber auch so in den Himmel gelobte Spiele wie Braid erfinden das Rad nicht unbedingt neu und sind nur etwas kreativer ausgelegt. Das ist übrigens auch für die großen Publisher interessant und wahrscheinlich auch wichtig. In dem Zusammenhang gibt es auch ein schönes Zitat:

Wenn Independent nicht von sich aus entstanden wäre, dann hätte die Wirtschaft es wahrscheinlich selbst erfunden.

So wundert es dann auch nicht, dass zum Beispiel ein Life Is Strange durchaus als Indie kategorisiert werden kann. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass es Square Enix als Publisher hat und die sind auch mehr als ein Büro mit zwei Räumen und zehn Leuten. Da kommen wir dann auch schon zu einem weiteren Problem, zumindest wenn man es als ein Problem ansehen möchte. Oft sind nämlich diese kleinen und schnuckeligen Indie Entwickler einfach auch nur die kleinere Version der großen Publisher und Entwickler. Ein gutes Beispiel dürfte hier aktuell Paradox Interactive sein und auch Valve versprüht durchaus noch auf seine Art diesen Hauch von Indie. Komplett nebulös wird es dann, wenn man auch noch mit den Begriffen „Kunst“ oder „revolutionär“ kommt. Super Meat Boy ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele aus der Sparte Indie. Trotzdem würde ich es nicht zwingend als Kunst bezeichnen und mit Sicherheit nicht als revolutionär. Letztendlich ist es einfach nur platt gesagt ein verdammt gutes Spiel und in meinen Augen der perfekte Plattformer.

Ebenfalls kann ich auch recht schnell die Spiele abzählen, welche diese beiden Begriffe wirklich ernst nehmen und auch mal etwas in die Waagschale werfen. Auch hier kann man wieder mal ganz gut einen Vergleich zur Musik ziehen. Letztendlich ist Punk musikalisch gesehen als Abgesang und Gegenkultur auf die ganzen Rockmonster der Siebziger Jahre wie Led Zeppelin entstanden. Da frage ich mich, wo eigentlich in letzter Konsequenz die Spiele bleiben, die auch mal ein Battlefield oder ein Call Of Duty entsprechend angreifen? Da fällt mir spontan nur Spec Ops: The Line ein. Denn das war eine gelungene Dekonstruktion von stumpfen Shootern mit Deckungssystem und Hurra-Patriotismus. Daneben findet man auch jetzt nur vereinzelt Spiele wie Papers Please und This War Of Mine, die ähnliche Themen aufgreifen und auch mal Zugänglichkeit opfern. Sonst geht es nämlich dieser ganzen Szene ähnlich wie Punk oder dem daraus entstandenem Genre des Hardcore. Beides ist zu großen Teilen im Jahr 2015 entweder so weit von den Wurzeln entfernt, dass sie wirklich im Plattenregal neben Silbermond gehören, oder sie sind zur reinen Selbstreferenz geworden, die immer nur auf vergangene Zeiten verweisen. So bleibt ein Plattformer, der zum hundertsten Mal Super Mario zitiert, ebenso sinnfrei wie die neueste Version von Schlachtrufe BRD. Außer Futter für die Nostalgiebrille, liefert das nichts.

Ich persönlich habe da aber vielleicht auch eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Von daher die Frage, wie ihr eigentlich zu dem Thema so steht?

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