Artikel Kolumne

MeFirst motzt – Hasskotzen zum Launch

21. November 2014

MeFirst motzt – Hasskotzen zum Launch

Wie spät ist es eigentlich? Offensichtlich Zeit um, einen weiteren Launch eines Spiels zu vermasseln. Nach dem kleinen Launch-Desaster von Assassin’s Creed Unity, folgt nun der nächste Streich in Form von Far Cry 4. Auch hier läuft der Launch mit Sicherheit nicht so, wie man sich ihn vorgestellt hat.

Nun wäre es jetzt ziemlich einfach auf Ubisoft einzuprügeln; in diversen Foren sind die Spieler ziemlich ungehalten, was auch verständlich ist. Besonders ironisch wird es, wenn Ubisoft parallel dazu Werbung auf Facebook schaltet und fragt:

Are you ready for Kyrat?

Die korrekte und passende Antwort folgte recht schnell und lautete:

Yes, I am, but it looks like you are not.

Mit so Aktionen macht man sich bei den Spielern nicht gerade beliebt und es könnte ein Anzeichen dafür sein, dass gewisse Leute in gewissen Firmen in einer anderen Realität zu leben scheinen. Nicht vergessen sollte man auch, dass nicht nur Ubisoft gut für fehlgeschlagene Veröffentlichungen ist. Auch andere Firmen können das ziemlich gut, man erinnere sich mal an den Launch von Battlefield 4. Nun kann es durchaus vorkommen, dass große Spiele auch große Probleme beim Launch haben. Das ist aber sehr oft nur der Anfang. Oft ist das Verhalten der Publisher und Entwickler noch schlimmer als die eigentlichen Fehler. In der Vergangenheit konnte ich da mehrere Schritte beobachten die sich sehr oft wiederholen.

Schritt 1: Die Probleme betreffen nur eine Minderheit.

Das Spiel läuft bei dir nicht vernünftig oder startet nicht? Das ist unglücklich und bei gaaaaaaaanz vielen anderen Leuten läuft es ohne Probleme. Die Beschwerden im offiziellen Forum spiegeln natürlich nur eine absolute Minderheit dar, denn die Mehrheit spielt das Spiel ohne Probleme und meckert deswegen nicht. Auch wenn das manchmal im Ansatz stimmen mag, so hilft einem das als Kunde auch nicht weiter. Was interessiert es mich, wenn User X das Spiel spielen kann und ich nicht? Ich habe schließlich das Spiel gekauft, weil ich es spielen will.

Schritt 2: Schuld sind immer die Anderen.

Auch wenn wir das Spiel entwickelt und vertrieben haben, so sind wir nicht für den Zustand verantwortlich. Fehler sind deshalb nicht bei uns zu suchen. Im Zweifel sind bösen Hersteller von Hardware schuld. Praktisch ist, dass man so nicht nur die Schuld von sich weisen, sondern auch die eigene Verantwortung ablegen kann. Wenn dann doch ein Fix in Zusammenarbeit mit den Herstellern von Hardware entsteht, dann soll man doch auch bitte dankbar sein und auf die Knie fallen.

Schritt 3: Ihr habt doch alle keine Ahnung!

Auch beliebt ist die Taktik, seiner Kundschaft einfach mal Unverständnis und Unfähigkeit vorzuwerfen. Das wird dann meistens mit einer „macht es doch besser“-Argumentation vermischt. Denn wer selbst kein Spiel entwickelt hat, der hat automatisch auch keine Ahnung und keine Berechtigung sich kritisch zu äußern. Wo würden wir denn auch hinkommen, wenn das nicht so wäre? Wer sich beschwert, dass man die Tasten nicht frei belegen darf und die FPS auf 30 festgelegt sind, der hat keine Ahnung und versteht einfach nichts von Spieldesign.

Warum ist das so und warum wird sich wahrscheinlich auch nichts ändern? Um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben, trifft auf die meisten Publisher und Entwickler nämlich folgendes zu:

I dont give a fuck.

Und warum ist das so? Weil trotz unzähliger Beschwerden wir als Spieler und Kunden offensichtlich verlernt haben, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Es ist echt seltsam, wie unlogisch und inkonsequent das Verhalten bei solchen Geschichten ist. Wenn ich in anderen Bereichen als Kunde, gelinde gesagt, verarscht werde, dann hat das Konsequenzen. Letzte Woche habe ich Pizza bestellt und nach 1 ½ Stunden war noch nichts da. Ich habe dort angerufen und gefragt, was los ist. Dort habe ich keine Entschuldigung oder Erklärung bekommen und mir wurde nur gesagt, dass die Pizza gleich da sei. Letztendlich ist der Fraß nach 2 Stunden angekommen, allerdings, wie gesagt, ohne eine Entschuldigung oder einer Erklärung, warum man auf eine Pizza und einen kleinen Salat zwei Stunden warten muss. Das Ergebnis ist, dass ich mir das merke und in absehbarer Zeit bei dem Laden mit Sicherheit nichts mehr bestellen werde. Warum fällt das dann vielen Leuten bei Videospielen so schwer?

Hier müssen wir anfangen und uns nicht auf eine passive Rolle beschränken sondern einfach das tun, was wir in anderen Gebieten auch machen. Nicht von der Werbung und den nutzlosen Pre-order-Boni blenden lassen. Große Reden schwingen bringt nicht viel, hier muss man einfach mal die Geldbörse stecken lassen. Denn anders werden es Publisher und Entwickler, die wieder einmal einen katastrophalen Launch hinlegen, mit Sicherheit nicht lernen.

Benjamin Fleschenberg

Benny hat mit der Zockerei angefangen, als man sich auf dem Schulhof noch zwischen SEGA und Nintendo entscheiden musste. Er hat sich für den SEGA Mega Drive entschieden und die Entscheidung bis heute nicht bereut. Mit dem Geld zur Konfirmation gab es dann den ersten eigenen Rechner. Nach wie vor dem Rechenknecht treu ergeben und deshalb hauptsächlich in Genres unterwegs, die dort zu Hause sind.