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Bowser - Ein Endgegner von vielen

Kais Kolumne – Liebesbrief an den Endgegner

Lieber Endgegner,

ich bin’s, dein Held. Lange nichts von mir gehört, nicht wahr? Es dauert ja auch immer eine ganze Weile, bis ich bei Dir bin. Und weil wir uns so selten sehen, möchte ich Dir mit diesem Brief meine Liebe gestehen.

Ich kenne Dich schon sehr lange. In meiner Kindheit warst Du derjenige, der meine Hände schwitzig werden lassen konnte und meinen Puls zum Rasen brachte. Zu recht, denn ich war so unsagbar schlecht, dass mir der Gedanke daran noch heute die Haut pockig werden lässt. Meine Gaming-Skills brauchten Jahre, um auf ein annehmbares Niveau zu klettern. Bis ich das erste Mal soweit war, Dir gegenüberzustehen, wurden Kriege geführt, Länder vereint, Präsidenten gewählt und Weltstars beerdigt.

Aber irgendwann kam der große Moment. Mit Druck auf der Blase und Zornesfalten auf der Stirn stand ich Dir gegenüber. Und … wie soll ich es ausdrücken … Du warst ein Badass der übelsten Sorte. Wie sagt man heute so schön? Ein Abfucker.

Der Endgegner - Dr. Robotnik
Du in einer deiner albernsten Formen <3

Häufig hast Du dich hinter harmlos scheinenden Fassaden versteckt. Als Dr. Robotnik mit seinem affigen Schnauzer sahst Du aus wie ein besoffener Zirkusdirektor auf Speed. Lustig, aber nicht furchteinflößend.

Aber spätestens zum Ende des Spiels hast Du uns gezeigt, was eine Harke ist. Fair Play? Das Wort kanntest Du noch nicht. Du warst Diablo, Bowser bei deinem N64-Auftritt, Sephiroth, Mangoose aus XIII, das Wildschwein aus Diddy Kong Racing, Graven aus Conan, der Manadrache, Dragon aus Wonderboy in Monsterworld und … ach, was rede ich, Du weißt am besten, in welcher Gestalt Du mich drangsaliert hast.

Ja, Du warst oft eine unscheinbare aber hartnäckige Kröte, die sich durch eine verschrobene Kampftaktik und ein totales Overpowert-Sein auszeichnete. Es gibt viele Spiele, deren Ende Du mich nicht hast sehen lassen.

Und trotzdem liebe ich Dich. Denn Du hast Charme, Du bis das A und O, der Anfang und das Ende. Gäbe es Dich nicht, machte das ganze Spiel keinen Sinn. Du bist der, dem ich am Ende gegenüberstehen möchte. Du kennst mich als Sonic, als Mario, als Cloud und oft nur als den Namenlosen. Doch ich verblasse neben Dir. Du weißt zwar, dass ich dich am Ende doch besiegen werde, aber das motiviert Dich nicht weniger, mich fertig zu machen. Du hast keine Extraleben, kein Continue, keine Medipacks oder andere Hilfsmittel, Du hast nur dieses eine Leben, das Du auf Gedeih und Verderb verteidigst. Das rechne ich Dir hoch an, Du hast meinen Respekt.

Aber Du hast Dich auch verändert. Du bist oberflächlich geworden, ein eitler Schnösel. Du putzt dich immer heraus, als gäbe es kein Morgen … ups, trifft auf Dich ja auch zu.

Ich habe den Eindruck, Du schmeißt Dir Anabolika und Wachstumshormone ein und gehst zu Motivationsworkshops. Tschakka, du schaffst das! Doch in Wirklichkeit bewirkst Du nur das Gegenteil. Ist dir mal aufgefallen, dass du mit deiner immensen Größe oft nicht mehr ganz auf den Bildschirm passt? Was sollen denn die Leute davon halten, wenn sie nur noch eines deiner Gliedmaßen sehen können? Meinst du nicht auch, du hast es verdient, dass man dich in deiner ganzen Pracht bewundert? Ja, ich weiß: Du brüllst, Du siehst echt fies aus, Du schindest Eindruck. Es soll Leute geben, die schauen sich auf YouTube Video um Video von Dir an, weil sie Dich so geil finden.

Aber bilde Dir bloß nichts darauf ein. Die stehen nur auf Dein Äußeres.

Weißt Du, was das Schlimmste an der ganzen Sache ist? Während Dein Körper immer bombastischer und Dein Auftreten immer spektakulärer wird, scheint Dein Gehirn zu schrumpfen.

Entschuldige bitte die harten Worte, aber Du gibst Dir keine Mühe mehr. Die Taktik, um Dich zur Strecke zu bringen, ist durchschaubarer als die Kleider von Micaela Schäfer (die aus dem Dschungel, Du weißt schon). Manchmal verteilst du während des Kampfes sogar Medipacks und dergleichen, damit ich ja nicht sterbe. Sag mal, bist Du suizidal? Benutzt Du mich nur noch als Vorwand, um aus dem Leben zu treten? Oder glaubst du, ich habe mich nicht ausreichend auf den Kampf mit Dir vorbereitet? Nach mitunter quälenden Stunden der Reise ist mir das wohl zuzutrauen. Ist es Dir die Mühe nicht wert, mir eine letzte, standesgemäße Herausforderung zu sein? Ich bin enttäuscht.

Trotzdem bleibt das hier ein Liebesbrief, denn letztlich bist Du es, wegen dem ich die Torturen auf mich nehme, dessen Auftreten ich von der ersten Spielminute an entgegenfiebere. Und Du weißt, dass, wenn wir unseren gemeinsamen Auftritt haben, alles andere in den Schatten gestellt wird. Ohne Dich würde das gar nicht gehen, darum lass uns das auch in Zukunft so halten, zeig mir, dass da noch der alte Badboy in Dir schlummert.

Weißt Du, das ist nicht nur mir wichtig, sondern auch allen anderen, die Stunde um Stunde investieren, um den finalen Kampf zu sehen und zu bestreiten.

Es tut ihnen gut, Macht über das Böse zu haben, das Schicksal der Welt zum Guten zu wenden. Ich glaube kaum, dass sie dazu in ihrer Welt viel Gelegenheit haben.

Also lass uns beim nächsten Mal so richtig auf die Kacke hauen.

 

Mit liebsten Grüßen,

Dein Held

 

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