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Kolumne: Videospiele dürfen nicht politisch sein!

Videospiele dürfen nicht politisch sein, deren Entwickler schon gar nicht. Ein Satz, der in letzter Zeit wieder häufiger fiel, nachdem YouTuber Pewdiepie von Entwickler Campo Santo dazu aufgefordert wurde, seine Videos von Firewatch zu entfernen. Der Grund: Die Entwickler haben es ihm verboten, weil der YouTuber mal wieder mit rassistischen Äußerungen aufgefallen ist. Der Publisher hat das Recht am Videomaterial und darf darüber verfügen.

„Gamer“ aus aller Welt haben damit aber ein Problem und bringen dies auf Foren oder auf Steam zum Ausdruck, wo die Bewertungen von Firewatch jüngst in den Keller gingen.

Ihr dürft das nicht!!

Der Vorwurf ist immer der gleiche: „Ihr dürft keine politische Haltung haben, ihr seid weder Politiker noch Aktivisten. Ihr seid Entertainer und Künstler! Ihr sollt uns nur unterhalten!“. Diese Aussagen sind gleich in mehrfacher Hinsicht sehr kurzsichtig.

Denn gerade Künstler tauchen immer wieder am Rande der Politik auf, meistens mit Kritik. Das Kabarett ist die bekannteste Kunstform, die sich auf Politik und Weltgeschehen bezieht. Aber auch das frühe Bauerntheater machte sich regelmäßig über die herrschende Klasse lustig und führte die Herrscher am Nasenring durch die Manege. In Deutschland garantiert die Kunst- und Meinungsfreiheit, dass dies auch in Zukunft nicht unterbunden wird. Wer Videospiele Kunst nennt, muss das akzeptieren. Wenn Entwickler von der Meinungsfreiheit Gebrauch machen, ist das sogar etwas Gutes. Es bedeutet, dass Games in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Sie können am gesellschaftlichen und politischen Diskurs teilnehmen und werden dabei ernst genommen.

Dass auch Entertainer und Sportler unweigerlich in politische Themen verstrickt sind, zeigte sich dieses Jahr auch kurz vor den Bundestagswahlen: Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft machten Werbung für Kanzlerin Angela Merkel. Oder ein extremeres Beispiel aus dem Land der Extreme, der USA: Seit Donald Trum gewählt wurde, legen immer weniger Sportler während der Nationalhymne ihre Hand auf’s Herz, manche knien dabei sogar. Andere streckten sogar die Faust in die Luft: „Black Power“. Weitere Beispiele gefällig? Schauspieler wie George Clooney und Emma Watson engagieren sich bei den Vereinten Nationen für Menschen- und Frauenrechte und zu Talkrunden werden immer wieder auch Künstler eingeladen.

Vielleicht nicht weit genug

Gamer wollen, dass ihre Spiele als Kultur und Kunst anerkannt werden, dass sie bei den Olympischen Spielen anerkannt und auch endlich von Medien abseits des Internets wahrgenommen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Games-Community aber erst erwachsen werden. Und die, die sich heute über den Entwickler von Firewatch und seine politische Haltung aufregen, schreien an einem anderen Tag „Zensur“, wenn beim nächsten Wolfenstein die Hakenkreuze nicht im Spiel sind.

Ich hoffe, dass andere Entwickler und Publisher sich dadurch nicht einschüchtern lassen. Wie Bücher und Filme sind auch Videospiele ein Spiegel der Gesellschaft, wo freilich auch viele Meinungen vertreten werden, die nicht jedem passen. Hat man diese Erkenntnis erst einmal erlangt, steckt man schon mittendrin in der so verachteten Politik.

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