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Kolumne: Der Leidensweg der Paper Mario-Reihe – Teil 5

29. März 2018
Nicole Wetzel

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Kolumne: Der Leidensweg der Paper Mario-Reihe – Teil 5

Auch im vierten Teil meiner Kolumne habe ich mich über Schmerz und Trauer beklagt. Es ist also mehr als fraglich ob Paper Mario Color Splash die Wunde zumindest etwas schließen kann und ein kleiner, neuer Hoffnungsschimmer der Reihe spendiert. Ich habe nach Super Paper Mario und Paper Mario Sticker Star die Hoffnung relativ aufgegeben und keine hohen Erwartungen mehr an die Reihe.

Farbenfrohe Krisenfindung

Am 7. Oktober 2016 erschien am Ende der Wii U-Ära, als schon niemand mehr daran geglaubt hat, völlig unerwartet Paper Mario Color Splash. Noch bevor der Titel erschien war die Fangemeinde aufgebracht und der Titel musste schon vorab mit harter Kritik kämpfen und bekam deutlich den Frust der Fans ab. Viele verurteilten den Titel schon vorab als weiteren schlechten Paper Mario-Teil und schimpften das Spiel als Sticker Star 2.0. Der Frust der Fans war groß, weswegen die ersten Trailer auch mehr als negative Bewertungen bekamen. Zugegeben nach all den schlechten Paper Mario-Teilen war auch ich sehr skeptisch, wollte dem Spiel aber weiterhin eine Chance geben und wollte es nicht schon vorab verurteilen ohne das Spiel wirklich zu kennen. Letztendlich muss ich gestehen, dass mich Paper Mario Color Splash sehr positiv überrascht hat, vielleicht gerade weil ich keine hohen Erwartungen hatte oder vielleicht auch weil es im Grunde kein schlechtes Paper Mario ist. Und dennoch muss ich auf der anderen Seite sagen, dass mir Color Splash die Wut und die Tränen auftreibt, denn es hätte so viel besser sein können, wenn Nintendo nicht so stur gewesen wäre und einfach uns das gegeben hätte was Fans schon seit Jahren sich wünschen. Ich erinnere mich noch gut an die Aussagen von Risa Tabata, dass man auch in Color Splash wieder auf die RPG-Elemente verzichtet mit der bescheuerten Begründung, dass die ersten Paper Mario-Teile ein Rollenspiel waren genau wie die Mario & Luigi-Teile und man keine zwei RPG-Reihen benötige. Was zwar im Grunde richtig ist, aber dennoch schwachsinnig. Die Mario & Luigi-Teile sind bisher immer nur für Handheld erschienen wohingegen die Paper Mario-Reihe eigentlich immer für Konsole erschien, mit Ausnahme von Sticker Star natürlich. Zumal Paper Mario als erstes da war, denn Mario & Luigi: Superstar Saga erschien erst 2003 für Gameboy Advance. Man hätte sich vorher überlegen sollen, dass man keine zwei RPG-Reihen haben möchte und nicht erst einige Jahre später auf den Trichter kommen und so unnötig Fans verärgert, anstatt beide Spiele-Serien so zu lassen wie sie waren und wie die Fans sie lieben lernten, denn eins ist klar, sowohl Paper Mario als auch die Mario & Luigi-Reihe hat ihre eingesessenen Fans. Warum allerdings ausgerechnet Paper Mario herausgepickt wurde der den Leidensweg einer Genre-Wandlung durchleben muss, ist schleierhaft und unverständlich. Paper Mario Color Splash sollte sich eben mehr auf andere Elemente fokussieren und sich nicht nur an den RPG-Elementen aufhängen.

Das Toad-Desater geht weiter

Ein Weiterer Punkt war die Aussage, dass man sich erneut auf die bekannten Mario-Charaktere konzentrieren wollte, was vielen Fans schon sauer aufstieß, denn damit konnten wir wieder rechnen ausschließlich auf die kleinen Pilzköpfe zu treffen und das wir erneut auf individuelle, einzigartige Charaktere verzichten müssen. Ebenfalls eine sehr schwachsinnige und unnötige Entscheidung. Auch wenn Tabata zu diesem Zeitpunkt versprach, dass die Toads dennoch Persönlichkeit und Vielfalt bieten werden, war davon im Endprodukt nicht wirklich etwas von zu merken. Natürlich mal traf man einen roten Toad, mal einen blauen, mal einen gelben, was die Sache allerdings nicht wirklich Abwechslungsreicher macht oder ihnen mehr Persönlichkeit verleiht. An der Stelle möchte ich ein Bild einbinden, was wohl die meisten Paper Mario-Fans kennen und welches das Charakterdesign von Paper Mario: Die Legende vom Äonentor mit Sticker Star und Color Splash am besten vergleicht. Zudem zeigt das Bild, dass man selbst mit Toads weitaus mehr Vielfalt und Persönlichkeit reinbringen kann als nur deren Farben zu ändern. Denn es macht im Endeffekt kein unterschied ob ich auf 20 rote Toads treffe oder auf 10 rote und 10 blaue.

Paper Mario Kolumne
Die Toads hätten so viel persönlicher, individueller und abwechslungsreicher sein können.

Es ist ermüdend und nervig und man kann die Charaktere nicht wirklich voneinander unterscheiden. Keiner hebt sich von dem anderen hervor und bleibt so nicht im Gedächtnis. Das traurigste daran ist, dass in den Konzeptarts zu Paper Mario Color Splash zumindest Ansatzweise tolle Charakterdesigns von Toads zu finden waren, die an die älteren Teile erinnern. Warum man dies nicht umgesetzt hat bzw. nur ein paar wenige Ausnahmen davon und sich kaum Mühe machte, bleibt allerdings ein Rätsel.

Paper Mario Color Splash
In den Konzeptarts von Color Splash sind einige Toaddesigns zu finden, die es nicht ins finale Spiel schafften.

Dialoge, Rätsel und Level sind die Rettung!

Dennoch war ich letztendlich von Paper Mario Color Splash positiv überrascht trotz nervigen Überfluss an nicht abwechslungsreichen Toads. Denn die Story und die Dialoge waren wieder spannend und voller Humor! Genau deswegen hatte ich wieder Spaß an dem Spiel. Die Dialoge waren großartig und witzig. Sie waren einfach unterhaltsam und erinnerten wieder mehr an die großartigen Dialoge aus Teil 1 und 2. Hinzu kamen wieder diese großartig designten Level! Sie waren so farbenfroh und detailreich wie noch nie. Der Papiereffekt sah niemals besser aus und ich erinnere mich an keine einzige Welt die mir missfallen hat. Auch spannende Rätsel waren wieder mit dabei. Ich erinnere mich beispielsweise an das Hotel Ultramarino welches eine großartige Atmosphäre bot. Hier galt es verschiedene, mysteriöse Geisterrätsel zu lösen was ein wenig an Falkenheim aus Paper Mario 2 erinnerte. Oder die grandiose Piratenfahrt durch das gesamte Holunder-Atoll. Aber auch die Fahrt mit dem Abendrot-Express, was mich ebenfalls ein wenig an Paper Mario 2 und den Glimmerleiner erinnerte. Es gab so viele großartige Welten und auch wenn man nur auf langweilig designte Toads traf, so hatten alle wieder interessante Dialoge parat und erzählten teils wieder ihre ganz eigene Geschichte, ganz so wie ich es von den alten Teilen gewohnt war und liebe. Hier hat mich Paper Mario Color Splash auf jeden Fall in seinen Bann gezogen und wieder alles richtig gemacht. Es hätte perfekt werden können, wenn man sich eben beim Charakterdesign nicht nur für Toads entschieden hätte und wenn man die RPG-Elemente nicht gestrichen hätte.

Paper Mario Color Splash
Color Splash überzeugt mit den großartig, designten Welten.

Aus dem Weg ihr Gegner!

Das Kampfsystem ist nämlich nichts Halbes und nichts Ganzes. Zwar gibt es wieder ein rundenbasiertes Kampfsystem was an sich auch sehr gut umgesetzt wurde, aber eben einen fatalen Fehler in sich trägt. In den Kämpfen benötigt ihr Karten mit denen ihr dann eure Aktionen bestimmt.  Die Karten müsst  ihr wiederrum einfärben damit eure Angriffe effektiver ausfallen. Da ihr nicht unendlich viel Farbe habt kommt hier wieder etwas Taktik ins Spiel. Immer wenn ihr einen Gegner angreift, erhaltet ihr zudem Farbe von den Gegnern und könnt so eure Farbleiste wieder auffüllen. Manche Karten verbrauchen eben mehr Farbe als andere. Eine wirklich schöne und innovative Idee, dass die Farbe praktisch eure BP ersetzt. Problem an dem Kampfsystem ist nur, dass es vollkommend irrelevant ist, da ihr keinerlei Erfahrungspunkte erhaltet. Es ist also komplette Zeitverschwendung sich mit den Gegnern abzugeben und so werdet ihr schnell damit beschäftigt sein den Gegnern auszuweichen anstatt euch auf einen unnötigen Kampf einzulassen. Das wiederrum ist echt sehr schade, da das Kampfsystem eigentlich wirklich gelungen und spaßig ist, aber eben vollkommend überflüssig. Es wäre so simpel gewesen, wenn man einfach nur Erfahrungspunkte und Level Ups mit eingebunden hätte, so wie in den früheren Teilen. Zu guter Letzt auch Partner fehlen hier wieder, stattdessen begleitet euch der Farbeimer Farbian ähnlich wie der Sticker Kersti aus Sticker Star. Gott sei Dank, Farbian ist allerdings bei weitem nicht so nervig und unsympathisch wie Kersti und somit ein akzeptabler Begleiter, der sogar seinen wesentlichen Teil in der Story beiträgt.

Nintendo möchte die Paper Mario-Reihe ganz eindeutig vom RPG-Genre differenzieren, weswegen Super Paper Mario einfach zum Jump’n Run degradiert wurde und Paper Mario Color Splash plötzlich als Action-Adventure mit Rätselelementen beworben wird. Paper Mario leidet ganz klar unter einer Krisenfindung, dabei könnte es so einfach sein, wenn man einfach nur auf die Fans hören würde und ihnen das geben würde was sie wünschen und lieben. Warum Nintendo die Paper Mario-Reihe so krampfhaft und zwingend versucht von ihren RPG-Wurzeln zu lösen, ist für die Fans nicht wirklich klar. Da bleibt nur zu hoffen, dass mit der Nintendo Switch sich endlich alles wieder zum Guten wendet. Meine Hoffnung bleibt jedenfalls bestehen, dass für die Switch ein Paper Mario-Teil angekündigt wird und mich dieser endlich wieder positiv überzeugen kann. Denn es ist ganz klar wohin meine Meinung tendiert, dass mein Herz deutlich für Paper Mario für N64 und vor allem für Paper Mario: Die Legende vom Äonentor schlägt. An dritter Stelle würde ich sogar Paper Mario Color Splash noch akzeptieren, während ich die anderen beiden Teilen eher vergessen möchte. Aber Meinungen sind nun mal verschieden ebenso wie Geschmäcker, daher würde mich auch eure Meinung interessieren. Vielleicht habt ihr eine völlig andere Ansicht oder seid gar derselben Meinung? Vielleicht kennt ihr einen ähnlichen Leidensweg nur mit einer anderen Spielreihe?

Nicole Wetzel

Nicole ist praktisch als Zockerin geboren, denn schon mit etwa 3 Jahren fand sie sich vor einer SNES wieder und wuchs somit mit Yoshis's Island und Donkey Kong Country auf. Seither sind Videospiele ihre große Leidenschaft und nicht mehr für sie wegzudenken. Später wurde sie nicht nur von Nintendo sondern auch von der Playstation geprägt, weswegen sich ihr Spektrum um etliche Genre erweiterte.