Artikel Kolumne Nintendo Specials

Kolumne: Der Leidensweg der Paper Mario-Reihe – Teil 4

12. Januar 2018
Nicole Wetzel

author:

Kolumne: Der Leidensweg der Paper Mario-Reihe – Teil 4

Genug auf Super Paper Mario herumgehackt! Das nächste Spiel im Bunde ist Paper Mario Sticker Star, welches in der Fangemeinde noch umstrittener ist und einen verteufelten Ruf hat. Der Titel erschien am 07.12.2012 in Europa für den 3DS und ist somit der erste Teil der Reihe, der auf einem Handheld erschien. Schon allein diese Tatsache ließ Fans sauer aufstoßen. In Paper Mario Sticker Star kehrt man plötzlich wieder zum rundenbasierten Kampfsystem zurück und gibt dem Spiel so eines seiner Seelenstücke zurück. Dennoch schafft es das Spiel nicht zum alten Glanz zurück zu kehren, nicht mal annähernd. Viele Fans finden Sticker Star sogar noch schlechter als Super Paper Mario. Ich muss gestehen, für mich geht der Titel des schlechtesten Paper Mario-Teils eindeutig an Super Paper Mario. Letztendlich sind wir uns aber alle einig, denn auch Sticker Star ist nicht wirklich gut. Zwar kehrt das Kampfsystem ein Stück weit zu den guten, alten Wurzeln zurück, dafür wurde aber bei anderen Punkten gegeizt – Genauer gesagt bei Charakterdesign und Story.

Belanglose, langweilige Story – das neue Rezept von Paper Mario

In Stickerhoven soll das diesjährige Sticker-Festival stattfinden, aber der altbekannte Übeltäter Bowser verhindert dies, denn er hat den Sticker-Kometen explodieren lassen und die Macht der sechs Royalen-Sticker in seine Klauen bekommen. Natürlich liegt es nun an Mario die Sticker zurückzuerobern und die Welt zu retten, damit die Toads getrost ihr Festival feiern können. Damit wäre die Story auch schon soweit abgehakt. Es gibt kaum Dialoge, kaum andere Städte, die ihr besucht und keine einzigartigen, humorvollen Charaktere, die ihren Teil zur Story beitragen oder irgendwelche Überraschungen. Nichts von dem, was in Paper Mario und Paper Mario: Die Legende vom Äonentor in Hülle und Fülle zu finden war und die Story so erst interessant, unterhaltsam und abwechslungsreich gemacht hat, werdet ihr hier antreffen. Im Grunde hätte man sich in Paper Mario Sticker Star die Geschichte komplett sparen können, denn wirklich einen Anreiz oder Spannung gibt sie euch nicht. Nach wenigen Spielstunden werdet ihr die Story ohnehin vergessen haben, da sie einfach zu belanglos ist und euch fragen, warum ihr gleich nochmal durch all die Level gewandert seid. Man merkt deutlich, dass sehr wenig Aufwand in die Story gesteckt wurde und sich all die humorvollen Textpassagen und interessanten Erzählungen der einzelnen Charaktere gespart wurden. Warum Nintendo dies so entschieden hat, ist mehr als fragwürdig.

Toad Invasion! Oh nein!

Allgemein trefft ihr in der Welt nur langweilige, alle gleichaussehende Toads an. Kein einziger, besonderer Charakter ist mehr vorzufinden. Nach dem Motto „Wozu sich auch Mühe beim Charakterdesign machen, wenn tausend generische Toads es offenbar ja auch tun“. Was Nintendo nicht bedacht hat, ist dass sie hiermit einen aufsteigenden Hass und Abneigung gegen den kleinen, süßen Pilzkopf gestartet haben, der mit den folgenden Titeln wie Mario und Luigi Paper Jam Bros. und auch Paper Mario Color Splash noch weiter angetrieben wurde. Eigentlich habe ich Toad nie als nervigen oder verhassten Charakter angesehen. Mit Paper Mario Sticker Star begann jedoch der allmähliche Hass auf den nervigen Pilzkopf, da einfach die gesamte Spielwelt mit Toad-Klonen überfüllt war, welche nerviger nicht hätten sein können. Irgendwann hat man einfach die Nase voll davon und – darin sind sich die meisten Fans einig – das war einfach zu viel des Guten. Auch die großartigen Partner und Begleiter von Mario wurden gestrichen. Stattdessen begleitet euch die Sticker-Fee Kersti – ein nerviger, zickiger und launischer Sticker – die euch mit ihren glorreichen Kommentaren nur auf den Zeiger geht und ihr sie am liebsten an der nächstbesten Wand festkleben und zurücklassen würdet. Loswerden könnt ihr sie leider nicht, denn sie muss euch all die unnötigen Tipps und Erklärungen liefern.

paper mario sticker star
Die Toad Invasion machte den süßen Pilzkopf unbeliebt.

Immerhin ist das Weltendesign und die Settings wieder deutlich besser gelungen als im Vorgänger und das obwohl hier keine Geschichte mehr erzählt wird. Ihr arbeitet eben nur noch die Level ab. Was vermutlich auch daran liegt, dass Paper Mario Sticker Star gänzlich anders aufgebaut ist. Hier besucht ihr nicht einzelne Areale bzw. Kapitel, die alle von einem Zentralen Punkt wie Rohlingen oder Flipstadt aus erreichbar sind, sondern wandert von Level zu Level – auf einer Weltenkarte die stark an Super Mario Land erinnert. Tatsächlich sind die einzelnen Level wirklich schön designed und liebevoll gestaltet. Warum man diese Liebe und den Detailreichtum nicht auch in Charaktere und Story stecken konnte, bleibt jedoch ein Rätsel.

paper mario sticker star
Das Leveldesign ist zumindest überzeugend in Paper Mario Sticker Star.

Back to Basics

Das Kampfsystem kehrt immerhin wieder zum ursprünglichen Genre zurück und ist nun wieder ein RPG-Kampfsystem. Dank einer innovativen Änderung wurde das Kampfsystem noch taktischer und schwieriger als in den Vorgängern. Sticker spielen hier nämlich eine zentrale Rolle. In den einzelnen Leveln lassen sich überall Sticker finden, die ihr auch unbedingt einsammeln solltet, denn ihr benötigt sie im Kampf. Ohne Sticker könnt ihr nämlich keinerlei Aktion ausführen, sollten euch die Sticker im Kampf also mal ausgehen, dann habt ihr eigentlich schon verloren. Daher müsst ihr die Sticker wohlbedacht einsetzten und sparsam mit ihnen umgehen. Genau diese Tatsache macht das Kampfsystem nochmal einen Grad anspruchsvoller. Durch die Sticker wird der Papierlook nochmals wesentlich mehr in Szene gesetzt und diesmal sind sich die Charaktere sogar bewusst, dass sie in einer Papierwelt leben. Paper Mario Sticker Star ist vermutlich eine Hassliebe, denn es bewegt sich in Richtung der älteren Ableger – aber irgendwie auch doch nicht. Dennoch mag ich diesen Teil mehr als Super Paper Mario, einfach weil mir das JRPG-Kampfsystem deutlich mehr zugesagt hat und ich mich mit dem Kampfsystem in Super Paper Mario so gar nicht anfreunden konnte. Auch das Leveldesign und die kleinen Rätsel haben mir deutlich mehr gefallen. Dennoch lässt auch der 3DS-Ableger weiterhin mein Herz als Paper Mario-Fan bluten. Ist vielleicht Paper Mario Color Splash in der Lage meine Wunde zu schließen und die wahre Liebe zur Reihe wieder etwas aufleben zu lassen? Erfahrt es im letzten Teil meiner Kolumne.

 

Nicole Wetzel

Nicole ist praktisch als Zockerin geboren, denn schon mit etwa 3 Jahren fand sie sich vor einer SNES wieder und wuchs somit mit Yoshis's Island und Donkey Kong Country auf. Seither sind Videospiele ihre große Leidenschaft und nicht mehr für sie wegzudenken. Später wurde sie nicht nur von Nintendo sondern auch von der Playstation geprägt, weswegen sich ihr Spektrum um etliche Genre erweiterte.