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Kolumne: Der Leidensweg der Paper Mario-Reihe – Teil 3

In Teil 2 meiner Kolumne hab ich den größten Höhenflug erlebt und meine innige, wahre Liebe zu Paper Mario: Die Legende vom Äonentor gefunden, doch wie bereits angedeutet, kommt nun der schmerzliche Fall, der mein Herz in tausend Teile zersplittern ließ.

Am  14. September 2007 war es so weit. Nach drei Jahren erschien endlich der langerwartete Nachfolger Super Paper Mario für Wii. Ich war so voller Vorfreude, noch unwissend darüber, dass der neue Teil der Absturz dieser Geschichte ist. Super Paper Mario hat mich mehr als nur enttäuscht und ist der Serienteil, den ich am liebsten vergessen und ungeschehen machen möchte.  All die Aspekte, die für mich Paper Mario so einzigartig und grandios gemacht haben, wurden im Wii-Ableger einfach abgeändert oder gar gänzlich entfernt. Daher ist dieser Teil für mich eine herbe Enttäuschung. Im Grunde lässt sich sagen, dass es vier maßgebliche Aspekte gab, die für mich die Paper Mario-Reihe etabliert haben. Die spannende, humorvolle und ausgedehnte Story, die Partner, die Mario begleiten, die einzigartigen Charaktere und das großartige RPG-Kampfsystem.

Super Paper Mario hat für mich nicht mehr viel mit der Paper Mario-Reihe zu tun, außer der Name, eine abgedrehte Story und das der Papierlook beibehalten wurde, alles andere wurde katastrophal geändert. Das Spiel konnte mich von der ersten Sekunde an nicht catchen, vielleicht war ich aber auch einfach zu schockiert. Ich hab mich durch das Spiel gequält mit der winzigen Hoffnung, dass es irgendwann besser wird, das es bloß ein Alptraum ist, aus dem ich erwachen würde. Größtes Problem war, dass ich mich mit dem neuen Kampfsystem einfach nicht anfreunden konnte. Jetzt rufen sicher viele auf und sagen aber warum denn? Das Kampfsystem ist doch eigentlich fast genau wie in Super Mario Bros. Das ist natürlich richtig aber nur weil ein System in einer anderen Spielereihe gut funktioniert, bedeutet noch lange nicht, dass es somit in jeder Spielereihe gut funktioniert. Hiermit hätten wir aber auch geklärt, woher das Super im Spieletitel kommt, nur dass es im dem Fall eben nicht super ist!

Der Beginn einer Katastrophe

Paper Mario: Die Legende vom Äonentor hat mich von Anfang an gepackt, mit einer spannenden Geschichte die ich unbedingt verfolgen wollte und hinzu kamen die unheimlich guten Kapitel, mit ihren genialen, abwechslungsreichen Settings. Vor allem die Hauptstadt, die Overworld Rohlingen, war das Highlight des Spiels. Super Paper Mario hingegen hatte höchstens ein einziges Kapitel, welches von der Grundidee her einigermaßen gelungen war, aber das auch nur zur Hälfte, weil der zweite Abschnitt einfach nur nervig wurde.

Die Rede ist von Kapitel 7 und der Welt Untendrunten, welches als Jenseits der Videospielewelt angesehen werden kann. Alle anderen Kapitel waren einfach nur schrecklich, sowohl von der Story als auch von ihrem Design und zudem meist mehr als nur nervtötend. Ich erinnere mich an die unliebsamen Neandertaler, deren Textbox einfach nur anstrengend waren. Wo sind all die sympathischen und humorvollen Charaktere hin, die man in den einzelnen Kapiteln antraf und die ihren wesentlichen Teil zur Geschichte beitragen? Wo ist der Detailreichtum hin, der einen gefangen nahm? Die Atmosphäre, die ich aus den Vorgängern gewohnt war, kam einfach nirgends auf.  Selbst die Overworld Flipstadt ist für mich das reinste Desaster. Flipstadt wirkte für mich wie ein unübersichtlicher, hässlich zusammengewürfelter Haufen aus Schnipselchaos, so dass ich nicht mal Lust hatte mich großartig in der Stadt umzusehen oder mit den Charakteren zu reden. Allgemein wirkt Super Paper Mario vom Design her als habe man einen abstrakten Künstler auf den Titel losgelassen.

Super Paper Mario
Super Paper Mario wirkt wie ein abstraktes Kunstwerk.

Zugegeben die Story ist zumindest einzigartig, konnte mich aber auch nicht überzeugen. Ich bin nicht mal sicher, ob ich die Story gut finden soll oder nicht. Die Einleitung der Geschichte war jedenfalls mehr als konfus und hat einen mit einem riesigen „Was zur Hölle ist da gerade passiert?“ zurück gelassen. Was an sich erst mal nichts schlechtes heißen muss. Super Paper Mario beginnt mit der Hochzeit von Bowser und Peach (Zufall? Aber erinnert stark an Super Mario Odyssey). In all dem Gästechaos tummelt sich Luigi, der ebenso schockiert erscheint wie wir als Spieler. Schuld an der Hochzeit ist der böse Graf Knickwitz, denn er möchte alle Welten vernichten und das geschieht nur wenn zwei sich verbinden, die sich nicht verbinden dürfen, so prophezeit es das dunkle Prognosticon. Durch Hypnose gibt Peach das Ja-Wort und damit soll die Zerstörung der Welt besiegelt sein, denn das dunkle Herz erscheint. Aber es gibt Hoffnung, denn im lichten Prognosticon steht geschrieben, dass sobald das dunkle Herz erscheint, erscheint auch ein schnauzbärtiger Held mit roter Mütze, der die Zerstörung verhindern wird.

Die abgedrehte Story mag durchaus Potenzial haben, wurde allerdings durch die unschönen Settings und das grausame Kampfsystem einfach kaputt gemacht. Vor allem das Ende der Geschichte war nicht emotional genug, alles war so vorhersehbar. Man hätte tiefer in die Geschichte von Timpani und Graf Knickwitz eintauchen und deren tragische Liebesgeschichte viel besser inszenieren müssen. So wurde es einfach zu meiner tragischen Liebesgeschichte, die mir das Herz zerbrach. Aber ich möchte mich gar nicht so lange an der Geschichte aufhalten, immerhin ist sie nicht der Knackpunkt des Spiels, sondern eben vor allem das Kampfsystem und das Fehlen der Partner!

Super Paper Mario
Super Paper Mario ist vollgespickt mit seltsamen, unsympahtischen und nervigen Charakteren.

Wunderbare, tiefsinnige Charaktere und RPG-Kampfsystem adè

Immerhin liebe ich Paper Mario für das großartige, rundenbasierte JRPG-Kampfsystem und die großartigen Partner die Mario begleiten. Super Paper Mario ist mit dem Genre-Wechsel nicht mehr als ein Super Mario Spiel im Papierlook. Sobald ihr einen Gegner berührt, wechselt ihr nicht in den altbekannten Kampfbildschirm, in dem ihr dann strategisch eure Angriffe und Items nutzen müsst, sondern ihr springt einfach auf die Gegner und fertig. Bei den Bosskämpfen müsst ihr dem üblen Gesindel lediglich mehrfach auf die Birne springen bis eben deren Lebensleiste leer ist.

Weder Anspruch, Spannung noch Strategie sind hier vorhanden. Irgendwie hat man hier wohl versucht Jump’n Run mit JRPG zu fusionieren. Auch die sympathischen Partner wurden einfach durch lästige, unpersönliche Pixel-Wesen ersetzt, die zwar auch ihre individuellen Fähigkeiten hatten aber nicht im geringsten diese sympathischen und humorvollen Weggefährten darstellen, wie in den beiden Vorgängern. Dennoch muss ich zumindest ein paar positive Innovationen dem Spiel zuschreiben, die dennoch die negativen Fakten nicht überwiegen können. Zum einen bietet der Titel vier spielbare Charaktere, bestehend aus Mario, Luigi, Bowser und Peach, was für mich auch die einzige positive Überraschung war und zum anderen besitzt Mario die neue Fähigkeit zwischen der zweidimensionalen und der dreidimensionalen Ansicht wandeln zu können. Die Fähigkeit ist zwar innovativ und eigentlich ganz gut, bringt in meinen Augen aber auch einen großen Nachtteil mit sich. Die Vorgänger-Teile spielten sich alle in einer schön designten 3D-Welt ab, Super Paper Mario hingegen spielt sich in einer 2D-Welt ab, die nicht mal hübsch gestaltet ist und nur dank der Fähigkeit könnt ihr kurzzeitig in eine 3D-Ansicht wechseln.

Hier spaltet sich die Fangemeinde, denn es gibt auch einige die Super Paper Mario als gutes Spiel betiteln. Was vermutlich daran liegt, dass die ersten beiden Teile recht unbekannt waren und die meisten wohl mit Super Paper Mario in die Reihe eingestiegen sind und es daher nicht besser kannten. Ein weiterer Grund ist, dass hier die Jump’n Run-Fans mehr auf ihre Kosten kommen, aber eben die RPG-Fans nun enttäuscht werden. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und das ist auch gut so, jeder hat eben seine Lieblings Genres.

Ich bin zwar Fan von Jump’n Runs als auch von RPGs bzw. JRPGs, aber Paper Mario war einzigartig, weil es eben ein grandioses RPG war und kein Jump’n Run so wie all die andren Mario Titel, die es schon zu genüge gibt. Ich wage zu behaupten, dass ein Genre-Wechsel nie gut ist: ein Call of Duty sollte auch nicht plötzlich ein 3rd Person Action-Adventure sein oder ein Final Fantasy ein Hack’n Slay. Für mich steht jedenfalls fest, dass Super Paper Mario der schlechteste Teil der Reihe ist, weil mich dieser Teil, gerade weil er nach dem großartigen Paper Mario 2 erschien, so dermaßen enttäuscht hat, wie kein anderes Spiel und mir die seltsame Mischung aus Jump`n Run und RPG-Kampfsystem absolut missfällt. Leider wird es auch im folgenden Teil meiner Kolumne nicht besser, denn für viele Fans gilt Paper Mario Sticker Star als schlechtester Teil der Reihe. Warum ich Super Paper Mario schrecklicher empfand als Sticker Star erfahrt ihr also im nächsten Teil.

 

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