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Kais Kolumne – Sind Singleplayer Weicheier?

Ich weiß nicht, ob ich zur Minderheit oder zur Mehrheit der Leute gehöre, die darauf stehen, als Singleplayer Spiele zu rocken. Auf jeden Fall ist das Multiplayer-Element bei mir zwecks Kaufentscheidung eher nebensächlich.

Keine Ahnung, woran das liegt. Doch, mir fällt es ein. Es sind die Pro-Gamer, die mich regelmäßig zum Wahnsinn treiben. Es gibt kein Multiplayer-Spiel, in dem es nicht Leute gibt, die über alle Maßen erhaben sind. Aber um wen handelt es sich dabei eigentlich?

Ich habe mal eine wirklich kurze Zeit lang Red Dead Redemption oder GTA V im Multiplayermodus gespielt. Aber der Reiz ließ rasch nach, weil man als Anfänger meistens kaum eine Chance hat, Fuß zu fassen. Zumindest nicht als jemand, der nur gelegentlich zocken kann, weil er a) zur Schule geht, b) einen Job hat, c) eine Familie hat oder d) einfach noch ein ausgeprägtes Real Life hat. Einige Punkte davon treffen auch mich zu, sodass ich mit vielen Leuten gar nicht erst mithalten kann. Ach ja: Und es gibt e) reiche Kiddies, die von den Eltern ordentlich Kohle zugesteckt bekommen, damit sie sich die ganzen kostenpflichtigen Extrasachen kaufen können. Wer Geld hat, der spielt sowieso fast immer ganz vorne mit. Meiner Meinung nach unfair, aber das ist ein anderes Thema.

Multiplayer sind doch alle Cheater …

Red Dead Redemption Multiplayer
Mit Freunden durch die Prärie reiten bei RDR

Ich betrete eine Multiplayer-Session und überlebe knapp fünf Minuten. Dann probiere ich es erneut, sterbe wieder, traue mich mehr, denke taktisch – und sterbe. Langsam werde ich wütend und möchte mich an der Person rächen, die mir immer und immer wieder den Garaus macht. Diese Person scheint das dann lustig zu finden und hat es ebenfalls auch mich als Opfer abgesehen. Weil sie total hochgeskillt ist und wahrscheinlich tagelang trainiert, ohne aus dem Haus zu gehen.

Das ist meine Vorstellung, anders kann ich es mir nicht erklären. Und immer wieder ploppt bei mir das Bild des bösen Cheaters auf, der irgendwelche illegalen Tricks benutzt, um die anderen doof dastehen zu lassen. Es ist stets dasselbe.

Ganz heftig ist das natürlich in Ego-Shootern. Ich glaube, ich habe mal irgendeinen Call Of Duty-Teil im Multiplayermodus angezockt. Da geht dir aber der Arsch auf Grundeis! Verwunderlich ist, dass ich auch bei Spielen ununterbrochen sterbe, in denen man sich kaum aufleveln kann oder wo es für bestimmte Matches straff gefasste Regeln gibt, die alle Teilnehmer gleichwertig kämpfen lassen.

Der Kaius steht in der Statistik immer ganz weit hinten, eigentlich belege ich grundsätzlich den letzten oder vorletzten Platz. Irgendwann lasse ich es dann ganz sein, weil das meine Motivation und meine Laune echt drückt.

Dabei bin ich als Singleplayer richtig gut und mega geduldig. Ich habe ja bereits erwähnt, dass mich die knallharten Games aus meiner Kindheit einiges an Frustrationstoleranz gelehrt haben.

Und so tue ich mich auch nicht schwer damit, etwas anspruchsvollere Spielpassagen so oft zu probieren, bis ich es schaffe.

Ich vertraue da ganz den Entwicklern, die dafür gesorgt haben, dass das Balancing gut ist. Wenn etwas schwer wird, dann gehört das zum Spiel, dann ist das so gedacht und ich habe die Aufgabe mich durchzukämpfen.

Außerdem fehlen beim Multiplayer-Spiel die Inszenierung, die Geschichte, tolle Dialoge und spannende, neue Dinge. Nun, GTA V bietet auch als Multplayer-Spiel immer wieder gescriptete Missionen, Easter-Eggs und neue Erweiterungen. Das macht schon Spaß, das gebe ich zu. Und wenn man in einer großen Gruppe die Stadt unsicher macht, dann kann man sich darin richtig verlieren.

Sein oder nicht Sein – Ich habe es in der Hand

Aber das ist auch ein bisschen das Problem gegenüber dem Singleplayer-Modus: Hast du das Spiel durch, dann hast du das Spiel durch. Fertig. Deine Aufgabe ist erledigt, du kennst die Geschichte, die Höhepunkte, die Überraschungen. Das Multiplayer-Spiel endet erst, wenn sich keiner mehr dafür interessiert, weil es einen cooleren Nachfolger gibt oder weil es dich langweilt. Das kann nach ein paar Tagen sein, das kann aber auch erst nach Monaten eintreffen. Von Counter Strike wollen wir gar nicht erst reden. Der Trick: Ich entscheide selbst, wann ich dem Spiel Lebewohl sage, ich habe es in der Hand. Mit dieser Entscheidung tun sich viele Leute schwer, gerade Jugendliche und junge Erwachsene kämpfen mit diesem ständigen Hin und Her: eine Zeit der andauernden Ambivalenz. Entscheidungen zu treffen ist etwas, das man lernen muss, das viele erst so richtig können, wenn sie Erwachsen sind bzw. Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen müssen.

Die Publisher wissen das natürlich und pumpen ordentlich Geld in Werbekampagnen und Updates, um die Leute möglichst lange an ihr Spiel zu binden. Früher spielte man ein Spiel und dann war Feierabend. Wollten Entwickler und Publisher mehr Geld verdienen, mussten sie ein neues Spiel erschaffen. Damals gab es natürlich noch keine Update-Funktion (also ich rede jetzt von Spielen in den 90ern), sodass der Umfang deutlich höher war und es keine Bugs mehr geben durfte.

GTA_5_Multiplayer
Banküberfall als Multiplayer? Kann schief gehen!

Heutzutage landen auch mal halbgare Spiele auf dem Markt, damit die Leute dann für Updates extra zahlen müssen. Content, der früher von vorneherein dabei gewesen wäre.

Aber eigentlich ist das hier gar nicht das Thema. Ich lasse mich auf jeden Fall nicht von Multiplayer-Versprechen locken, weil es da nicht schwierig ist, die Gamer bei der Stange zu halten. Zumindest nicht die, die die erwähnte Zeit und Muse haben sich darauf einzulassen.

Mein Hauptaugenmerk liegt auf dem Singleplayer-Modus, auf den ja, glücklicherweise, auch die meisten Publisher noch viel Wert legen. Ich glaube daher nicht, dass die Multiplayer-Funktionen tendenziell Überhand nehmen.

Irgendwo gibt es einen Asiaten, der es besser kann als du!

Denn beim Singleplayer bin ich der Star. Ich habe die Macht, das Schicksal der bemitleidenswerten Opfer in die Hand zu nehmen und die Bösen zu besiegen. Da ist niemand, der mich spüren lässt, dass ich es eigentlich nicht so gut kann, dass ich eigentlich voll die Lusche bin. Wir werden im echten Leben so verdammt oft mit Situationen konfrontiert, in denen wir unsere Grenzen aufgezeigt bekommen, in denen wir spüren, dass wir eigentlich nur ganz kleine Lichter sind und es immer einen Menschen gibt, der es besser kann. Besser singen, besser Gitarre spielen, besser modden, bessere Ressourcepacks für Minecraft erstellen, bessere Artikel schreiben, bessere Ideen haben, gründlicher auf der Arbeit ist, durchsetzungskräftiger ist, mehr verdient, besser sein Geld zusammenhält, handwerklich geschickter ist, besser malen kann, toller mit Videoprogrammen umgehen kann, ein besserer Let’s Player ist, mehr Abonnenten hat, in kurzer Zeit mehr erreicht hat als ich in vielen Jahren und so weiter und so fort. Es ist völlig egal, was man auch tut, da gibt es stets jemanden, der dir das Gefühl gibt, dass du eigentlich gar nichts kannst.

Das brauche ich nicht noch bei Multiplayer-Spielen. Ich möchte endlich mal der Beste sein. Als Singleplayer habe ich dazu die Möglichkeit.

 

PS: Wenn man auf Selbskastration steht, dann kann man sich auch vom Singleplayer-Modus immer noch Videos auf YouTube anschauen, wo jemand das Spiel ohne zu sterben, schneller oder  mit perfekterer Grafik durchzockt. Es wird immer einen geben.

2 Kommentare

  1. Ist zwar schon ein etwas älteres Thema, aber denoch interessant und spricht mir direkt aus der Seele. Ich kenne Mechwarrior-Online zwar nur von Youtube-Videos und finde es grafisch sehr ansprechend, aber das ist auch schon alles, was mich daran reizt. Ich habe früher die Teile 2-4 inklusive sämtlicher Erweiterungen rauf und runter gezockt und ich habe es genossen. Der Multiplayer-Modus von MW 3 und 4 war ebenfalls klasse. Subjektiv hatte ich das Gefühl mit den anderen Spielern noch halbwegs „auf Augenhöhe“ zu sein, obwohl ich wirklich kein Crack war. Der Umgang untereinander war immer sehr freundlich, bis auf wenige Ausnahmen (auch damals gab’s schwarze Schafe). Man hat Neulinge nicht nur als Kanonenfutter benutzt, sondern ihnen die Feinheiten des Spiels beigebracht und sozusagen „in die Mitte genommen“. So hat man eigentlich auch nie die Lust am Spiel verloren.

    Das man heute erstmal tief in die Tasche greifen muss (Waffen, Items,…), um bei aktuellen Multiplayer-Spielen halbwegs konkurenzfähig zu sein, finde ich irgendwie erbärmlich. Ich könnte mir zwar den ganzen Kram leisten, will es aber aus Prinzip nicht.
    DLC ist das Zauberwort. Ich zahle für ein Spiel und erwarte dafür das die Entwickler das ganze so ausstatten, das es auch vernünftig spielbar ist und nicht das ich nochmal den gleichen Betrag auslegen muss, um überhaupt spiele zu können. Vor ein paar Jahren als Mass Effect raus kam, habe ich mal einen Artikel gelesen, der besagte das die Publisher das Instrument DLC erst mal selber nutzen lernen müssen. Heute in 2015 bin ich der Meinung die haben immer noch nichts gelernt, außer noch mehr Geld aus den Spielern zu pressen.

    Mitte der 90er des letzten Jahrhunderts, während meiner Ausbildung, war Geld immer knapp und ich habe mir alles an Hardware und Spielen mühsam zusammen sparen müssen. Heute verdiene ich gut und würde mir gerne hin und wieder mal ein paar gute Spiele gönnen, aber mir scheint für „Gamingdinosaurier“ wie mich will man nichts mehr entwickeln. Eigentlich schade, denn meine Generation hat heute sicherlich auch einiges an Kaufkraft. Bedeuteten früher 40DM für ein Spiel regelrecht den finanziellen Ruin eines Schülers oder Azubis, würden mich heute 50-60€ nicht jucken, vorrausgesetzt das Spiel ist „zu Ende gedacht“ und es gibt einen Singleplayer-Modus.

  2. Manche Games sind nur interessant, weil sie einen Multi haben. Allein Borderlands 2 würde ich ohne Multi gar nicht erst spielen!

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