Home » Artikel » Specials » Kais Kolumne – Männer, Muskeln, Machos

Kais Kolumne – Männer, Muskeln, Machos

Heute widme ich mich einem heiklen Thema, nämlich dem Sexismus in Videospielen. Ja, ich weiß, das ist längst überfällig und eigentlich schon überholt, aber ich versichere euch, dass das Thema jährlich die Runde macht.

Ich möchte heute mal für die Männer ins Feld springen, weil, nun ja, ich auch einer bin. Denke ich. Denn so ganz sicher bin ich mir da manchmal nicht. Der Blick nach unten verrät mir zwar, dass die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass es sich bei meinem Körper um den eines Mannes handelt (meine Brüste sagen zwar etwas anderes, aber das ist ein anderes Thema …), doch vielleicht ist das ja alles nur Lug und Trug. Ich stehe vor dem Spiegel, blicke an mir auf und ab, und sehe einen Typen, der sicherlich nicht in der Lage wäre, diese Welt vor fiesen Schurken zu retten. Ja, ein Typ, der selbst für die miesesten Menschen immer noch ein bisschen Verständnis aufbringen kann, weil er meint, dass sich in der psychosozialen Entwicklung desjenigen irgendwo ein schlimmes Trauma versteckt, das denjenigen eigentlich bemitleidenswert macht. Da steckt selbst in dem pöbelnden, volltrunkenen Jugendlichen, der mir eine aufs Maul geben möchte, noch ein Stücken Sympathie. Ich meine, ich könnte mit ihm darüber reden. Gemütlich beisammensitzen und mir anhören, warum er eigentlich so ein hirnloser Saftsack ist.

Duke Nukem – Mein Ideal?

lara croft und duke nukem sexismusAber die Welt retten? Ich kann das im Kleinen tun, Schritt für Schritt, indem ich hier und da an meiner Lebensweise etwas ändere und hoffe, dass andere Menschen das auch irgendwann begreifen und damit in ferner Zukunft die Welt ein bisschen besser machen.

Aber die Welt retten? So richtig mit Wumme und Muckis? Mein Blick fällt auf Duke Nukem, der Zigarre rauchend im Muskelshirt dasteht, die Sonnenbrille auf der Nase und mit einer Hand eine fette Knarre hält, womit er Bösewichte zerlöchert. Mann, was für eine coole Sau, oder? Was der Mann für krasse Muskeln hat. Ich schaue in den Spiegel und bemerke, dass meine Muskeln gerade mal dazu imstande sind, meinen Körper aufrecht gehen zu lassen. Ich fühle mich durch Duke Nukem tief in meiner Männlichkeit verletzt und verbanne das Spiel ins Regal.

Doch auch dort werde ich Opfer dreister sexistischer Schein-Ideale, die mein Selbstwertgefühl in den Wahnsinn treiben und ein Nährboden für mögliche Depressionen im Alter sind, nämlich dann, wenn ich bemerke, dass mein Körper tatsächlich verfällt. Ich blicke auf die Hülle von GTA V und denke zurück an jene Zeit, zu der ich das Spiel zockte. Travis, dieser verdammte Bock, sieht verdammt hässlich aus, aber er hat eine Frau nach der anderen. Er drückt sich weniger mit Worten als mit Fäusten aus, er steht seinen Mann, verkörpert Ideale, die unsereins nur kopfschüttelnd kommentieren kann. Oder Michael, der erfolgreiche Haudegen, der zwar eine abgefuckte Familie hat, aber Geld ohne Ende, um sich schicke Klamotten zu kaufen und teure Autos zu fahren. In den Stripclub geht er auch mal, Männer halt. Und der Starkpigmentierte, dessen Namen ich an-dau-ernd vergesse (Anm. d. Lektors: Franklin)? Der sieht ja auch ganz ordentlich aus, wenn er sein Oberteil auszieht. Muskeln und Sehnenstränge, die sich unter seiner Haut abzeichnen, wenn er sich fit hält. Ist doch klar, dass ich da neidisch werde. Nein, GTA V weckt das Selbstvertrauen in meine Männlichkeit nicht auf.

Sag uns deine Meinung:

Auch interessant!

Need for Speed Payback

Review: Need for Speed Payback – Heute wird abgerechnet!

Need for Speed zählt zu der erfolgreichsten, beliebtesten und langjährigsten Rennspiel-Serie überhaupt, auch wenn die ...