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Kais Kolumne – Hinter den Kulissen des Heldentums

Ach, was wäre das schön, einmal ein Superheld zu sein. Aber nicht so wie Superman, Batman und Co, sondern so einer wie in den Videospielen.

Natürlich bin ich nicht scharf darauf, schmerbäuchig in viel zu engen roten Latzhosen durch die Gegend zu hüpfen, da gibt es wirklich nettere Aktivitäten. Aber im Großen und Ganzen gesehen, führt Mario ein echt heldenhaftes Leben. Konventionen? Nicht mit ihm! Wer gegen ihn ist, bekommt eins auf den Kopf verpasst und das Thema ist gegessen. Und immer wieder ist er der strahlende Held, der seine Liebste aus den Fängen des Bösen befreit.

Doch was geschieht dann? Marios Leben und die so vieler anderer Videospielhelden sind nur Momentaufnahmen des Glücks. Eine kurze Phase in ihren Leben, in der sie etwas wirklich Tolles vollbringen, in der sie über sich hinauswachsen und das Unmögliche möglich machen.

Doch hinter der glänzenden Fassade verbirgt sich etwas, das uns sehr wohl bekannt ist und jedem von uns den Schrecken in die Glieder fahren lässt: der Alltag.

Mario und Peach: kein Freiraum für Intimitäten

Der Klempner hat also Peach zum xten Mal gerettet. Wie kann es bitte sein, dass sich diese Frau so oft entführen lässt? Da ist doch mehr im Gange, als der Anschein vermuten lässt. Treiben Bowser und die Prinzessin ein böses Spiel mit Mario? Lässt sich Peach freiwillig entführen, damit sie mit der ollen Schildkröte Zweisamkeit genießen kann? Vielleicht versucht sie ja auch nur dem cholerischen Mario zu entkommen. Wenn er nur halb so temperamentvoll ist, wie es die Klischees über Italiener uns sagen, dann hat Peach zu Hause nichts zu lachen. Und Luigi, der so einen leicht behämmerten Eindruck macht? Was ist eigentlich mit dem los? Der hat keine Freundin, keine Hobbys, der hängt bei Mario ab und wartet darauf, dass er ihm helfen kann. Vielleicht wohnt er ja auch zur Untermiete. Und wenn Peach dann ausnahmsweise mal bei Mario daheim ist, wo bleibt dann Raum für Intimitäten?

Ich denke, dies und noch viel mehr sind immerwährende Konfliktthemen im Hause Mario. Der Superstar, der mit Eifersucht, sexueller Frustration und einem parasitären Bruder zu kämpfen hat.

Spinnen wir diese Gedanken mal weiter und sehen uns andere Superstars der Gaming-Szene an.

Gesprächskreis mit Gordon Freeman und Link?

Kann sich einer vorstellen, dass Sonic daheim auf seinem immensen Schatz aus Goldringen sitzt, während er klitschnass schwitzend über seiner Steuererklärung brütet? Samus Aran, aus Metroid, kämpft mit Depressionen, weil niemand sie ohne ihren Anzug erkennt. Link trifft sich mit Gordon Freeman in einer Selbsthilfegruppe, weil sie nicht sprechen wollen. Zelda geht es da ganz ähnlich wie Peach: ständig wird sie „entführt“, ja klar.

Könnt ihr euch noch an Kirby erinnern? Warum hört man von dem eigentlich nichts mehr? Ich sag es euch: Diabetes. Das kommt davon, wenn man alles ungefiltert ins sich hineinstopft. Der sitzt jetzt auf der Couch, spritzt sich Insulin und keucht.

Mario, Link und Samus Aran

Was machen eigentlich die ganzen Soldaten aus Battlefield, Call of Duty, Medal of Honor und dergleichen, wenn der Kampf vorbei ist? Sie kehren heim. Und züchten sich eine wunderbare, posttraumatische Belastungsstörung. Und das ist gar nicht mal so weit von der Realität entfernt.

Wie geht es denn dem berühmten Steve aus Minecraft, wenn er unbeobachtet ist? Was tut er in dieser unendlich großen Welt, wo es außer ihm keine andere intelligente Lebensform zu geben scheint? Tiere, Monster und unglaublich stupide Dorfbewohner machen einen nicht gerade glücklich. Er versauert in seinen Häusern, in seinen Städten. Allein. Einsam. Würde man ihn heimlich beobachten, dann sähe man ihn, wie er mit sich selbst sprechend durch die Landschaften zieht, völlig gaga im Kopf und verwahrlost. Ein trauriges Schicksal. Gut, dass wir uns nur zu ihm gesellen, wenn er gerade mal einen guten Tag hat.

Ist Mega Mans Anzug eigentlich aus Metall? Ich glaube. Doch bei den sportlichen Höchstleistungen, die er in seinen Einsätzen vollbringt, muss er doch schwitzen wie ein Berserker. Wie bekommt er diesen Anzug bloß sauber? Ist der Anzug von innen rostig, gerade dort, wo der Schritt von Mega Man ist? Widerliche Vorstellung.

Die Helden der WM gehen auch nur aufs Klo

Nein, es geht unseren Helden nicht anders als uns. Die WM ist gerade vorbei, Deutschland ist Weltmeister, unsere Nationalmannschaft hat Heldenstatus erreicht. Was haben sie gekämpft, unsere Jungs, was haben sie im Spiel gegen Brasilien für eine übernatürliche Leistung vollbracht. Die Helden der Nation werden ein paar Tage später auf der Fanmeile vergöttert.

Doch auch das sind nur Blitzlichter des Ruhms. Nach dem großen Rummel geht es nach Hause, zu den Familien, in den Alltag. Einkaufen, Schlafen, Defäkieren, Liebe, Streit … all das Zeug, das so selbstverständlich ist, dass wir niemanden darum beneiden (wie reden nur von vermeintlichen Heldentaten, nicht vom deutlich höheren Lebensstandard der Profi-Fußballer).

Wie genießen es, einmal Teil dieser Ereignisse zu sein, wir genießen es umso mehr, je eher wir in das Geschehen eingreifen können. Aber lasst uns immer im Hinterkopf behalten, dass auch der ach so hochgelobte Mario schon seit über 25 Jahren in denselben Klamotten rumläuft.

 

2 Kommentare

  1. Sehr coole Kolumne! :)

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