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H1Z1 – Kapitel 6: Die Karawane

15. Januar 2015

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H1Z1 – Kapitel 6: Die Karawane

H1Z1 – Die komplette Vorgeschichte: Kapitelübersicht

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David „DoubleD“ Kennedy:

Wenn ihr jemals dort draußen alleine gewesen seid, dann habt ihr vielleicht gelernt, dass Reisen seit dem Ausbruch ein wenig anders geworden ist. Die meisten Straßen sind unpassierbar und man verbringt mehr Zeit damit, sich vor den Untoten zu verstecken oder die Lebenden zu beobachten, alsoman wirklich die Kilometer hinter sich bekommt. Nun, es gibt eine Gruppe von Leuten, die mehr Kilometer an einem Tag zurücklegen, als die meisten von uns in einer Woche. Ich nenne sie die Karawane. Weil es einfach keinen offiziellen Namen für die Gruppe gibt und dies einfach das ist, was sie sind. Eine Gruppe mobiler Überlebender, die einem Monster großen Truck langsam den Highway runter folgen. Ausgerüstet mit einem Kuhfänger einer alten Eisenbahn und dicken, nun, dicken und ziemlich abgefahrenen, Rädern. Der Führungstruck räumt die Straßen mit Leichtigkeit von Autos und Zombies, während die folgenden Fahrzeuge alles umbringen, was ihnen näher kommt als es gut ist. Nun, ich war nicht nur glücklich genug, ihnen über den Weg zu laufen und ein paar Dinge zu tauschen, sondern ich konnte auch ein paar Tage mit ihnen fahren und sie besser kennenlernen. Der Anführer, zugleich Besitzer des „Monster Express“, wie er es nannte, war ein überraschenderweise glücklicher und entspannter Kerl mit dem Namen Hayshaker (Heuschüttler). Er willigte ein, sich von mir interviewen zu lassen, während er fuhr. Dabei habe ich gelernt, dass die Karawane niemals lange anhält.

[Start der Aufnahme]

Hayshaker: Geht es dir gut da drüben?

David: Ja, danke! Es ist nur… Wow, es ist hier drin größer, als ich dachte.

Hayshaker: Und ob! Das ist mein Baby. Maßgefertigter Schlafraum. 191 Zoll groß und sogar mit ’ner eigenen Mikrowelle ausgestattet.

David: Sie ist wunderschön.

Hayshaker: Nein, nichts ist mehr so, wie sie es Mal war. Aber, hey, immerhin muss ich die Raten für sie nicht mehr bezahlen, richtig?

David: Also, vielen Dank, dass du das hier tust. Ich weiß, du bist viel beschäftigt.

Hayshaker: Ach, wenn wir so langsam fahren wie jetzt, dann schlafe ich eh die meiste Zeit und wache nur zwischendurch mal auf. [lacht]

David: Können wir anfangen?

Hayshaker: Sicher, sicher. Was machen wir?

David: Beantworte einfach nur die Fragen, die du beantworten willst.

Hayshaker: Ok.

David: Das ist alles.

Hayshaker: Alles klar, leg los!

David: Nenne bitte deinen Namen und dein Alter für das Protokoll.

Hayshaker: Ähm, ich bin 44 Jahre alt und mein Name ist Donald Michael Frederiks Junior. Aber wenn ihr die Ohren aufmacht, dann bin ich Hayshaker.

David: Hayshaker?

Hayshaker: Nun, um es genau zu nehmen, bin ich Hayshaker Junior. Mein Vater war der Hayshaker, aber seit er verstorben ist und so, lasse ich das Junior weg. Den Namen hat er bekommen, weil er einen großen alten Heutransporter gefahren ist und ihn jede Nacht zum Wackeln gebracht hatte, wenn er konnte. Ihr wisst was ich meine. [lacht]

David: Oh! Hayshaker, wo warst du, als all dies angefangen hat?

Hayshaker: Du meinst das Zombiezeug?

David: Ja.

Hayshaker: Hey, eigentlich ’ne witzige Geschichte. Ich hab das fast verschlafen.

David: Du hast das fast verschlafen?

Hayshaker: Ja! Schau mal, als das ganze Zeug losging, war ich da hinten.

David: In deinem Bett?

Hayshaker: Ja. Ich lag im Bett und hatte so eine Krankheitsgeschichte. Nicht diese ganz üble Sache, die die Leute jetzt dauerhaft bekommen, aber es war wirklich schlimm. Mir war die ganze Zeit kalt und ich hatte eine Scheißangst. Darf ich Scheiße sagen?

David: Ja, ich muss es aber vielleicht wegpiepen, wenn ich es meiner Kirchengruppe vorspiele.

Hayshaker: Oh, okay. Ich versuche es nicht noch einmal zu sagen. Auf jeden Fall lag ich ungefähr zwei Tage da herum. Magenkrämpfe und so ’ne Scheiße … mhm.. Dünnpfiff halt. Das komplette Programm. Schließlich bin ich einfach im Bunker eingeschlafen und habe für meinen Tod gebetet. Oh… war nur ein Scherz.

David: Alles gut. Mach weiter.

Hayshaker: Nun, ich hatte das Funkgerät aus, weil die Leute immer schnattern und das Letzte was du hören willst, wenn du dir den Hintern abwischst oder versuchst deine Krämpfe loszuwerden, ist, dass ein paar Idioten sich darüber lustig machen. Ich hatte keine Ahnung, was außerhalb meines Trucks vor sich ging. Einige Zeit später trank ich Wasser aus meinem Kühlschrank und es ging mir schon viel besser. Ich dachte darüber nach, aufzustehen, als etwas gegen meine Tür klopfte. Es hat ein oder zwei Mal richtig gekracht. Ich dachte, es wäre eine von diesen Straßenhuren, die versuchte hier herein zu kommen. Daher habe ich mich aufgemacht, sie zu verscheuchen. Ich mag Straßenhuren nicht. Ich jage nicht alles, was mir vor die Flinte kommt. Mir ist einfach nicht danach.

David: Straßenhuren?

Hayshaker: Wie auch immer. Ich kroch also in die Kabine des Trucks und sah nach unten. Da war keine Schlampe, sonder nur irgendein fetter Typ, der vor sich hin stolperte. Ich dachte, der wäre betrunken und hätte nur versucht in die falsche Kabine zu steigen. Deshalb stieg ich aus und dann sah ich es.

David: Er war ein Zombie?

Hayshaker: Der hatte kein Gesicht! Ich meine, gottverdammt, der hatte kein Gesicht! Ich habe wie am Spieß geschrien und bin zurückgewichen, was allerdings ziemlich dämlich war. Das hat sie nämlich alle dazu gebracht, auf mich los zu rennen. Bevor ich wusste wie mir geschah, war ich umzingelt.

David: Was hast du dann getan?

Hayshaker: [lacht] Ich habe dem Kein-Gesicht mit voller Wucht gegen das Knie getreten. Hab‘ ich echt gemacht. Kein lebender Toter oder Zombie hat seinen Platz eingenommen. Es war einfach ein Reflex. Glücklicherweise hatte der große Typ nur ein Bein, fing an zu wackeln und kippte dann einfach um. Ich bin dann zurück in die Kabine gesprungen und saß einfach nur da drin. Ich schaute mir die Trucks draußen an und sah all die Leute. Aber sie waren keine Menschen mehr, weißt du? Sie waren Zombies.

David: Also warst du gefangen.

Hayshaker: Zur Hölle, ja! Ich hab meinen dicken Diesel angeschmissen und auch wenn er damals keinen Kuhfänger hatte, war er doch stark genug, um mich zur Straße zu bringen.

David: Also bist du abgehauen…

Hayshaker: Weggefahren! Das war alles, was ich konnte, alles was ich je getan habe! Ich habe das Pedal heruntergedrückt und bin anfangs langsam den Weg entlang gefahren. Sie waren keine Menschen mehr, denn die hätten versucht aus dem Weg zu kommen. So habe ich mir meinen Weg aus der Menge geboxt und bin immer weiter gefahren. Ich war nicht schnell, und ich denke, das war auch das Schlimmste an der Sache. Ich zog damals nicht das, was ich heute ziehe. Damals hatte ich einen doppelten Anhänger und jeder Rumpler fühlte sich an, als würde ich umfallen.

David: Ein doppelter Anhänger?

Hayshaker: Ja. Ich habe ihn an der Landstraße stehen lassen. Nachdem ich gesehen hatte, wie schlecht es wirklich steht und was die Leute im Funk sagten, dachte ich, dass ich meine Ladung jetzt nicht mehr abliefern muss. Ich wünschte, ich hätte das Zeug behalten. Eine ganze Ladung von diesen Sachen aus dem Baumarkt wäre jetzt echt praktisch.

David: Was hat es mit dem Rest deiner Krawane auf sich?

Hayshaker: Oh, du meinst meinen guten alten Konvoi! [lacht] Um ehrlich zu sein, ich bin mir gar nicht sicher. Ich meine, jedes Mal wenn ich angehalten habe, um zu tanken oder nach etwas Essbarem zu suchen, dann war da irgendein Typ mit einem Kleintransporter oder ein paar Leute mit einem richtigen Bus. Sie fragten mich, ob sie mitfahren könnten. Da konnte ich doch nicht nein sagen. Ich meine, Masse gibt Sicherheit, oder? Außerdem fühlt sich ein wenig Begleitung gut an. Das Funkgerät ist schon einige Zeit tot. Und keiner sagt was, aber das wird noch einige Zeit so weitergehen. Aus einem oder zwei Anhängern, wurde dann ein ganzer Konvoi, mit mir vorweg.

David: Also bist du der Anführer.

Hayshaker: Nicht wirklich. Die Leute folgen mir, weil ich die Straßen kenne. Weißt du, ich kann alles reparieren, was Reifen hat. Ich treffe aber keine großen Entscheidungen. Ich fahre einfach und die Leute folgen.

David: Was vermisst du?

Hayshaker: Aus den alten Tagen?

David: Ja!

Hayshaker: Für mich ist alles fast gleich geblieben. Ich fahre, spreche draußen mit ein paar Leuten und der Kühlschrank hält mein Essen genießbar. Eigentlich hat sich nichts wirklich geändert.

David: Es muss doch etwas geben, was du vermisst.

Hayshaker: Nun. Ja, schon.

David: Was ist es?

Hayshaker: Eigentlich ist es irgendwie blöde.

David: Versuch es einfach.

Hayshaker: Du wirst lachen.

David: Ich werde nicht lachen.

Hayshaker: Ok. Also, Buritos!

David: [lacht]

Hayshaker: Hey! Hey, du hast gesagt du wirst nicht lachen!

David: Buritos?

Hayshaker: Nicht die echten! Der Kühlschrank kann… nun, ich kann mir die selber machen. Ich meine die Tiefgefrorenen. Die Dinger, die man an einem Rastplatz bekommt, wenn es zwei Uhr morgens ist und kein anderer außer den Kraftfahrern da ist. Die Dinger, bei denen du deinen Becher Kaffee schon eine Ewigkeit ausgetrunken hast, und die immer noch gefroren sind. Man stand einfach mit den anderen Jungs herum und hat Geschichten ausgetauscht und sich Kniffe erklärt. Das vermisse ich.

David: Ja, das vermisse ich auch.

Hayshaker: Hey, wir müssen aufhören. Schaut so als, als wäre da vorne irgendwas Großes. Ich muss vielleicht anhalten.

David: Kein Problem. Danke für das Interview, Hayshaker.

Hayshaker: Gerne, gerne.

[Ende der Aufnahme]

David „DoubleD“ Kennedy: 

Während ich mit der Karawane ein paar Tage unterwegs war, konnte ich miterleben, wie sie funktionierte. Es gab niemals Kämpfe oder Zankereien und jeder hatte seine Aufgabe. Eine Sache, die es für die Gruppe wertvoll machte. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht überlegt habe dort zu bleiben. Es war… nun… es war gut für mein Herz wieder einmal eine funktionierende soziale Gruppe zu sehen. Die Leute gingen ihrem Alltag nach. Sie machten ihre Arbeit und halfen einander.

H1Z1 – Die komplette Vorgeschichte: Kapitelübersicht

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André startete sein Spielerdasein zu Zeiten des ersten Commodore 64. Grund der Sucht war das Actionspiel Loadrunner. Seitdem treibt er in verschiedenen Spielecommunities sein Unwesen. Nach Stationen bei Deutschlands kranker Horde in Counterstrike 1.6 ging es über das Browserspiel GalaxyNetwork, wo er später als GameMaster tätig war, zum Suchtspiel World of Warcraft. Hier durfte er sich bei der deutschen Gilde Affenjungs INC voll austoben.